{"id":1258559,"date":"2026-08-25T00:23:18","date_gmt":"2026-08-25T00:23:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1258559\/"},"modified":"2026-08-25T00:23:18","modified_gmt":"2026-08-25T00:23:18","slug":"obdachlosigkeit-fdp-berlin-housing-first-mieterschutz-second","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1258559\/","title":{"rendered":"Obdachlosigkeit \u2013 FDP Berlin: Housing First, Mieterschutz second"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img324646\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/324646.jpeg\" alt=\"Die Berliner FDP will \u00bbObdachlosigkeit in den Griff bekommen\u00ab \u2013 aber auch Mietpreisbremse und Milieuschutz abschaffen.\"\/><\/p>\n<p>Die Berliner FDP will \u00bbObdachlosigkeit in den Griff bekommen\u00ab \u2013 aber auch Mietpreisbremse und Milieuschutz abschaffen.<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/Stefan Zeitz<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer keine eigene Adresse hat, f\u00fcr den kann schon der n\u00e4chste Brief vom Amt zum Problem werden. In der Bahnhofsmission am Berliner Hauptbahnhof k\u00f6nnen wohnungslose Menschen deshalb ein Postfach einrichten, Computer nutzen oder sich an Beratungsstellen vermitteln lassen. Die bundesweit vertretene Einrichtung bietet Menschen in Not niedrigschwellige Hilfe. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199783.s-bahn-berlin-berliner-s-bahn-will-sauberer-werden.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199783.s-bahn-berlin-berliner-s-bahn-will-sauberer-werden.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Standort am Hauptbahnhof<\/a> untersteht der Berliner Stadtmission und dem katholischen Verband In Via. Die meisten Mitarbeiter*innen sind ehrenamtlich hier. Einer von ihnen erz\u00e4hlt von einem Gast, f\u00fcr den er gerade eine gesetzliche Betreuung beantragt \u2013 doch er h\u00e4ngt am Telefon in der Warteschleife fest.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gast sitzt an diesem Tag mit am Tisch. Vom Erbe seiner Eltern habe er sich damals eine kleine Wohnung in Bayern gekauft. Dann kamen psychische Krisen und finanzielle Schwierigkeiten. Am Ende hatte er alles verloren und <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198639.housing-action-days-obdachlose-in-berlin-der-winter-war-hart.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198639.housing-action-days-obdachlose-in-berlin-der-winter-war-hart.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">landete auf der Stra\u00dfe.<\/a> \u00bbSeitdem habe ich Suizidgedanken\u00ab, sagt er mit belegter Stimme. In der Hoffnung auf bessere Hilfsstrukturen sei er nach Berlin gekommen, doch <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1179688.berlin-obdachlosigkeit-die-moderne-version-des-prangers.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1179688.berlin-obdachlosigkeit-die-moderne-version-des-prangers.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Stadt sei \u00bbsehr hart\u00ab.<\/a> Eine Unterkunft zu finden, gestaltete sich wohl schwieriger als gedacht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Geschichten erleben die Mitarbeiter*innen der Bahnhofsmission t\u00e4glich. Und es werden mehr. Am Berliner Hauptbahnhof wurden 2024 insgesamt 77\u2009681 Kontakte mit Hilfesuchenden registriert. 2019 waren es noch 41\u2009157 \u2013 ein Anstieg um 89 Prozent. Leiterin Annette Meyns beobachtet zudem eine \u00bbrasante Zunahme von Menschen mit psychischen Beeintr\u00e4chtigungen\u00ab. Auff\u00e4llig sei auch die steigende Zahl obdachloser, oft \u00e4lterer von Altersarmut betroffener Frauen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich sieht es am Bahnhof Zoologischer Garten aus. S\u00fcnje Hansen arbeitet seit 2014 bei der Bahnhofsmission. F\u00fcr die gro\u00dfe Zahl der G\u00e4ste stehe am Zoo nur eine Sozialarbeiterin zur Verf\u00fcgung. \u00bbWir k\u00f6nnen das nicht auffangen als Einrichtung\u00ab, sagt Hansen. Das Problem sieht sie beim <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190640.mietenwahnsinn-berliner-wohnungskrise-ohne-loesung.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190640.mietenwahnsinn-berliner-wohnungskrise-ohne-loesung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bezahlbaren Wohnraum, der \u00bbextrem schwierig\u00ab zu finden<\/a> sei. Gleichzeitig w\u00fcrden Hilfsangebote eher gek\u00fcrzt als ausgebaut.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Drogenkonsum habe sich ver\u00e4ndert. Fixpunkt, ein Berliner Tr\u00e4ger der Suchthilfe, beobachtet insbesondere bei <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201708.drogenpolitik-berlin-crack-als-symptom-der-not.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201708.drogenpolitik-berlin-crack-als-symptom-der-not.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Menschen mit Crack-Abh\u00e4ngigkeit<\/a> eine zunehmende Verelendung. Wohnungslosigkeit, Sucht und psychische Erkrankungen verst\u00e4rken sich dabei h\u00e4ufig gegenseitig. Gerade bei Crack-Konsum k\u00f6nnten Beschaffungsdruck und Schlafmangel dazu f\u00fchren, dass Betroffene kaum noch in der Lage seien, Beratungs- oder Beh\u00f6rdentermine wahrzunehmen. \u00bbDie psychiatrischen Versorgungsstrukturen sind nicht ad\u00e4quat\u00ab, kritisiert Fixpunkt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die FDP setzt auf Housing First<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Obdachlosigkeit im Berliner Wahlkampf eine Rolle spielt, \u00fcberrascht angesichts solcher Entwicklungen kaum. Auff\u00e4llig ist eher, wer das Thema nun offenbar f\u00fcr sich entdeckt hat. Im Wahlprogramm der FDP hei\u00dft es: \u00bbEs darf keine Obdachlosigkeit geben.\u00ab Daf\u00fcr setzen die Liberalen unter anderem auf Housing First. Die Idee: Eine eigene Wohnung steht nicht am Ende einer Reihe von Hilfema\u00dfnahmen, sondern an deren Anfang. Erst von dort aus sollen weitere <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1197276.obdachlosigkeit-berlin-kaelteperiode-verschaerft-lage-von-wohnungslosen.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1197276.obdachlosigkeit-berlin-kaelteperiode-verschaerft-lage-von-wohnungslosen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Probleme wie Sucht, Schulden oder psychische Erkrankungen<\/a> angegangen werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei wohnungslosen Drogenkonsumierenden soll der Ansatz helfen, den \u00bbKreislauf von Sucht und Obdachlosigkeit\u00ab zu durchbrechen. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200177.drogen-in-berlin-von-der-strasse-zum-konsumraum-und-zurueck.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200177.drogen-in-berlin-von-der-strasse-zum-konsumraum-und-zurueck.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Konsumr\u00e4ume und Streetwork<\/a> sollen ausgebaut, Wartezeiten auf Therapiepl\u00e4tze verk\u00fcrzt und niedrigschwellige Angebote gest\u00e4rkt werden. Doch die versprochene Hilfe hat Grenzen: Ausl\u00e4ndische Obdachlose ohne Aufenthaltsrecht sollen nach Vorstellung der FDP konsequent abgeschoben werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch f\u00fcr Housing First braucht es vor allem eines: Wohnungen. Und damit f\u00fchrt der Weg direkt in den wohnungspolitischen Teil des FDP-Programms. Dort setzt die FDP vor allem auf eins: den freien Markt. Die Mietpreisbremse soll abgeschafft, die abgesenkte Kappungsgrenze zur\u00fcckgenommen und <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201124.mietenwahnsinn-berlin-wenn-der-milieuschutz-nur-auf-dem-papier-steht.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201124.mietenwahnsinn-berlin-wenn-der-milieuschutz-nur-auf-dem-papier-steht.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der Milieuschutz beendet werden.<\/a> Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen will die FDP erleichtern, verpflichtende WBS-Quoten im Neubau, also Wohnungen, die mit einem Wohnberechtigungsschein gemietet werden k\u00f6nnen, lehnt sie ab.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bb<strong>Wohnungslosigkeit politisch produziert<\/strong>\u00ab<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Katrin Schmidberger liegt genau hier ein Teil des Problems. \u00bbEigentlich ist Wohnungslosigkeit politisch produziert\u00ab, sagt die wohnungspolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. Besonders gro\u00dfe Sorgen bereitet Schmidberger die Situation von Menschen, deren tats\u00e4chliche Wohnkosten nicht vollst\u00e4ndig \u00fcbernommen werden. Viele zahlten bereits aus eigener Tasche drauf. \u00bbIrgendwann werden sie sich ja die Miete nicht mehr leisten k\u00f6nnen\u00ab, sagt sie. \u00bbWo sollen die Leute denn alle hin?\u00ab<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Schmidberger beginnt Wohnungslosenpolitik deshalb nicht erst auf der Stra\u00dfe. Statt allein auf \u00bbBauen, Bauen, Bauen\u00ab zu setzen, m\u00fcsse auch <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201555.mietenwahnsinn-gropiusstadt-bis-hohenschoenhausen-mieten-sprengen-jedes-budget.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201555.mietenwahnsinn-gropiusstadt-bis-hohenschoenhausen-mieten-sprengen-jedes-budget.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der bestehende Wohnraum bezahlbar bleiben.<\/a> Gr\u00f6\u00dfere private Eigent\u00fcmer will sie verpflichten, einen Teil frei werdender Wohnungen an WBS-Berechtigte und auch an Wohnungslose zu vergeben. Beim bisherigen freiwilligen Modell ist f\u00fcr sie eine Grenze erreicht: \u00bbDie Zeit der Freiwilligkeit ist vorbei, die Lage ist zu ernst, die Wohnungsnot ist zu krass.\u00ab<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u00bbMeiner Meinung nach produziert die aktuelle Regierung Wohnungslosigkeit und l\u00e4sst die Menschen komplett im Stich.\u00ab<\/p>\n<p>Katrin Schmidberger\u2003Wohnungspolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der schwarz-roten Landesregierung wirft Schmidberger vor, zu wenig gegen Wohnungsverlust zu tun. \u00bbMeiner Meinung nach produziert die aktuelle Regierung Wohnungslosigkeit und l\u00e4sst die Menschen komplett im Stich.\u00ab Als Beispiele nennt sie gestiegene Mieten bei landeseigenen und Sozialwohnungen, fehlende verpflichtende Sozialquoten und einen aus ihrer Sicht unzureichenden Schutz von Mieter*innen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stehen sich zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Krise quasi diametral gegen\u00fcber. Die FDP will den Wohnungsmarkt st\u00e4rker dem Markt \u00fcberlassen und Menschen, die bereits wohnungslos sind, unter anderem \u00fcber Housing First zur\u00fcck in Wohnungen bringen. Schmidberger will st\u00e4rker dort eingreifen, wo Menschen ihre Wohnungen verlieren oder keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Hauptbahnhof versucht der Mitarbeiter immer noch herauszufinden, wie es mit dem Mann am Tisch weitergehen kann. Eine Wohnung allein wird seine Probleme nicht l\u00f6sen. Ohne einen festen Ort zum Leben d\u00fcrfte es aber schwer werden, die anderen \u00fcberhaupt anzugehen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob die FDP Obdachlosigkeit tats\u00e4chlich \u00bbin den Griff bekommen\u00ab kann, entscheidet sich wohl auch an der Frage, wie viele Wohnungen daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stehen sollen und wo diese herkommen \u2013 die Antwort auf diese Frage bleibt das FDP-Wahlprogramm allerdings schuldig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Berliner FDP will \u00bbObdachlosigkeit in den Griff bekommen\u00ab \u2013 aber auch Mietpreisbremse und Milieuschutz abschaffen. 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