{"id":1259060,"date":"2026-08-25T05:55:31","date_gmt":"2026-08-25T05:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1259060\/"},"modified":"2026-08-25T05:55:31","modified_gmt":"2026-08-25T05:55:31","slug":"uk-17-mio-cannabisverordnungen-fast-nur-privat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1259060\/","title":{"rendered":"UK: 1,7 Mio. Cannabisverordnungen \u2013 fast nur privat"},"content":{"rendered":"<p>\u23f1 5 Min. Lesezeit\u00b7977 W\u00f6rter<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Gro\u00dfbritannien wurden im Jahr 2025 exakt 1.701.064 Verordnungsposten f\u00fcr Medizinalcannabis abgegeben. Das geht aus einer Auskunft der NHS Business Services Authority hervor, die auf eine Informationsfreiheitsanfrage hin ver\u00f6ffentlicht wurde. Gegen\u00fcber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 154 Prozent. Getragen wird dieser Markt fast vollst\u00e4ndig von Privatrezepten, w\u00e4hrend der staatliche Gesundheitsdienst nur eine Randrolle spielt.<\/p>\n<p> Von 278 auf 1,7 Millionen Verordnungen in sechs Jahren<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeitreihe ist ungew\u00f6hnlich steil. Im Jahr 2019, dem ersten vollen Jahr nach der britischen \u00d6ffnung, waren es 278 Verordnungsposten. Ein Jahr sp\u00e4ter lag die Zahl bei 4.469, danach bei 43.932 im Jahr 2021 und 124.247 im Jahr 2022. F\u00fcr 2023 weist die Statistik 282.979 Posten aus, f\u00fcr 2024 dann 668.511. Der Sprung auf \u00fcber 1,7 Millionen im Jahr 2025 setzt diese Kurve fort. Allein im Januar 2026 kamen 80.331 Posten hinzu. Was wir 2024 noch als <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wirtschaft\/medizinalcannabis-boom-in-grossbritannien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Medizinalcannabis-Boom in Gro\u00dfbritannien<\/a> beschrieben haben, hat sich seither also noch einmal mehr als verdoppelt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Einordnung der Kennzahl. Gez\u00e4hlt werden abgegebene Verordnungsposten, nicht behandelte Menschen. Ein Patient mit mehreren Sorten und monatlichen Folgerezepten erzeugt im Laufe eines Jahres zweistellige Posten-Zahlen. Die Zahl der tats\u00e4chlich behandelten Personen lag 2025 bei etwa 100.000. Bemerkenswert ist au\u00dferdem die Produktvielfalt, denn allein im Jahr 2025 tauchten 10.190 unterschiedliche Produktbezeichnungen in den Daten auf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ganjafarmer.de?utm_source=hanfm&amp;utm_medium=baner&amp;utm_campaign=code-hanf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener sponsored nofollow\" data-ad-id=\"75262\" data-ad-position=\"in-content\" data-ad-name=\"GanjaFarmer\" class=\"hanf-ad-link\" data-wpel-link=\"external\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/hanf-magazine-anim_baner-620x150-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:100%;max-width:1240px;height:auto;display:block;margin:0 auto;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-desktop\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/hanf-magazine-anim_baner-600x600-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:300px;height:250px;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-mobile\" loading=\"lazy\"\/><\/a>Ein Markt, der fast vollst\u00e4ndig privat finanziert ist<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das eigentlich Auff\u00e4llige an den britischen Zahlen ist die Verteilung. \u00dcber 60.000 der rund 100.000 Behandelten sind Privatpatienten, die ihre Therapie selbst bezahlen. \u00dcber den National Health Service laufen dagegen nur etwa 1.000 Patienten, und zwar im Wesentlichen mit den zugelassenen Fertigarzneimitteln Sativex, Epidyolex und Nabilon. F\u00fcr Familien, deren Kinder an therapieresistenter Epilepsie leiden, summieren sich die Selbstzahler-Kosten Berichten zufolge auf etwa 1.500 Pfund im Monat.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zweiteilung erkl\u00e4rt, warum in Gro\u00dfbritannien seit Jahren \u00fcber den Zugang gestritten wird und nicht \u00fcber die Verf\u00fcgbarkeit. Wir haben den Konflikt zuletzt an einem konkreten Fall beschrieben. Ein <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/cannabismedizin-allgemein\/cannabis-im-krankenhaus-nhs-trust-erlaubt-patienten-die-verschriebene-medizin\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NHS-Trust hatte seinen Patienten die verschriebene Medizin im Krankenhaus erlaubt<\/a>. Wie belastbar die Versorgungsdaten inzwischen sind, zeigt die Auswertung des britischen Patientenregisters zur <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/endometriose-was-zwei-jahre-cannabistherapie-im-britischen-register-zeigen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cannabistherapie bei Endometriose<\/a>. Sie dokumentiert zwei Jahre Verlauf. Das Register selbst existiert erst seit Mitte 2025, also vier Jahre nach der entsprechenden Empfehlung des zust\u00e4ndigen Beratungsgremiums.<\/p>\n<p>Kanada liefert die Mehrheit der importierten Bl\u00fcten<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zu den Verordnungsdaten hat das britische Innenministerium Importzahlen offengelegt. Danach kamen 2025 insgesamt 30.120 Kilogramm Cannabisbl\u00fcten ins Land, nach 15.025 Kilogramm im Jahr zuvor. Der Markt hat sich also innerhalb eines Jahres verdoppelt. Kanada lieferte davon 17.067 Kilogramm und damit 57 Prozent, ein drastischer Sprung gegen\u00fcber 2.579 Kilogramm im Jahr 2024. Bei Extrakten stieg die Einfuhr von 114,3 auf 395,5 Kilogramm, ein Plus von 246 Prozent.<\/p>\n<p>Der ACMD-Review als Weichenstellung<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber all dem schwebt die \u00dcberpr\u00fcfung durch den Advisory Council on the Misuse of Drugs. Das Gremium wurde vor mehr als einem Jahr mit einer formellen Bestandsaufnahme des britischen Medizinalcannabis-Sektors beauftragt. Wenige Wochen sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte es einen Aufruf zur Beweiseinreichung. Die Vorlage wird zum Ende des Sommers 2026 erwartet. Der letzte vergleichbare Review stammt aus dem November 2020, damals war der Markt um mehr als den Faktor drei\u00dfig kleiner. Die Empfehlungen d\u00fcrften deshalb auf eine v\u00f6llig andere Ausgangslage treffen als vor sechs Jahren.<\/p>\n<p>Was der britische Weg f\u00fcr Deutschland bedeutet<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den deutschen Markt sind die Zahlen aus zwei Gr\u00fcnden interessant. Erstens f\u00e4llt der Gr\u00f6\u00dfenvergleich deutlich aus, denn Deutschland hat 2025 die <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/news\/rekordjagd-am-cannabismarkt-deutschland-knackt-die-200-tonnen-marke\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">200-Tonnen-Marke bei den Cannabisimporten<\/a> geknackt, w\u00e4hrend Gro\u00dfbritannien bei gut 30 Tonnen liegt. Zweitens zeigt der britische Fall, wohin ein Markt driftet, wenn die Kostentr\u00e4ger au\u00dfen vor bleiben. Genau darum wird hierzulande gerade gerungen, seit der Bundestag den <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/recht\/rechtslage-deutschland\/cannabis-auf-kassenrezept-bundestag-beschliesst-vorrang-fuer-fertigarzneimittel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vorrang f\u00fcr Fertigarzneimittel bei der Kassenerstattung<\/a> beschlossen hat. Wer die britische Entwicklung kennt, wei\u00df, dass ein solcher Schritt die Nachfrage nicht senkt, sondern in den Selbstzahlerbereich verschiebt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist dabei, wie wenig die politische Debatte mit dieser Realit\u00e4t Schritt h\u00e4lt. Vor sieben Jahren stand in Gro\u00dfbritannien noch die Frage im Raum, ob es \u00fcberhaupt eine <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/news\/keine-volksabstimmung-ueber-cannabis-legalisierung-in-grossbritannien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Volksabstimmung \u00fcber die Cannabis-Legalisierung<\/a> geben w\u00fcrde. Heute versorgt das Land sechsstellige Patientenzahlen, ohne dass sich am rechtlichen Rahmen f\u00fcr den Genusskonsum etwas ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Der Medizinalmarkt ist damit an der Politik vorbeigewachsen. Ob der ACMD-Review diese L\u00fccke schlie\u00dft oder nur beschreibt, entscheidet sich in wenigen Wochen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufige FragenWie viele Menschen erhalten in Gro\u00dfbritannien Medizinalcannabis?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2025 waren es rund 100.000 Patientinnen und Patienten. Die vielzitierten 1,7 Millionen beziehen sich dagegen auf abgegebene Verordnungsposten. Ein einzelner Patient kann im Jahr viele solcher Posten ausl\u00f6sen, weil mehrere Sorten und monatliche Folgerezepte \u00fcblich sind.<\/p>\n<p>Zahlt der NHS die Cannabistherapie?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur in Ausnahmef\u00e4llen. Etwa 1.000 Menschen werden \u00fcber den staatlichen Gesundheitsdienst versorgt, und zwar \u00fcberwiegend mit den drei zugelassenen Fertigarzneimitteln. Alle \u00fcbrigen Behandelten sind Privatpatienten und tragen die Kosten selbst.<\/p>\n<p>Woher stammt das britische Medizinalcannabis?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00fcberwiegende Teil wird importiert. Kanada stellte 2025 mit 17.067 Kilogramm rund 57 Prozent der eingef\u00fchrten Bl\u00fcten. Die Gesamteinfuhr lag bei 30.120 Kilogramm und hat sich damit gegen\u00fcber dem Vorjahr verdoppelt.<\/p>\n<p>Was ist der ACMD-Review?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Advisory Council on the Misuse of Drugs ber\u00e4t die britische Regierung in Drogenfragen. Er pr\u00fcft derzeit den Medizinalcannabis-Sektor und soll seine Ergebnisse zum Ende des Sommers 2026 vorlegen. Die vorherige \u00dcberpr\u00fcfung dieser Art stammt aus dem November 2020.<\/p>\n<p>Lassen sich die britischen Zahlen mit den deutschen vergleichen?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur eingeschr\u00e4nkt, weil beide L\u00e4nder unterschiedlich z\u00e4hlen. Deutschland erfasst Importmengen in Tonnen, Gro\u00dfbritannien zus\u00e4tzlich Verordnungsposten. Der Mengenvergleich f\u00e4llt trotzdem deutlich aus, denn der deutsche Import lag 2025 bei \u00fcber 200 Tonnen und damit um ein Vielfaches \u00fcber dem britischen Volumen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen: NHS Business Services Authority (Auskunft FOI-03941, ver\u00f6ffentlicht am 30. Juli 2026), britisches Innenministerium (Auskunft FOI2026\/10126, ver\u00f6ffentlicht am 11. August 2026), Business of Cannabis.<\/p>\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom August 2026 wieder und stellt keine medizinische Beratung dar. Die Regelungen zum Zugang zu Medizinalcannabis unterscheiden sich von Land zu Land. F\u00fcr die Behandlung im Einzelfall ist die behandelnde \u00c4rztin oder der behandelnde Arzt zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 5px;font-size:18px;font-weight:700;color:#1a4b22;\">Branchen-Update<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 12px;font-size:13px;color:#666;\">News, Analysen und Reportagen \u2014 mehrmals im Monat direkt in dein Postfach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u23f1 5 Min. Lesezeit\u00b7977 W\u00f6rter In Gro\u00dfbritannien wurden im Jahr 2025 exakt 1.701.064 Verordnungsposten f\u00fcr Medizinalcannabis abgegeben. 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