{"id":1263053,"date":"2026-08-27T02:37:51","date_gmt":"2026-08-27T02:37:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263053\/"},"modified":"2026-08-27T02:37:51","modified_gmt":"2026-08-27T02:37:51","slug":"nabu-leipzig-kritisiert-naturzerstoerung-am-wilhelm-leuschner-platz-flaechenfrass-heisst-jetzt-white-dinner-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263053\/","title":{"rendered":"NABU Leipzig kritisiert Naturzerst\u00f6rung am Wilhelm-Leuschner-Platz: Fl\u00e4chenfra\u00df hei\u00dft jetzt \u201eWhite Dinner\u201c \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Am 13. August fand die seltsame Einladung der Stadt noch kaum Aufmerksamkeit. Da waren viele Leipziger noch im Urlaub. Oder im Schwimmbad. Selbst in den Leipziger Naturschutzverb\u00e4nden herrschte noch Ferienstille. Und niemand fand es wirklich auff\u00e4llig, dass die Stadtverwaltung zu einem \u201eWhite Dinner\u201c auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz am 26. August einlud. Mit der Einladung verk\u00fcndete die Stadt: \u201eDer Wilhelm-Leuschner-Platz ver\u00e4ndert in den kommenden Jahren sein Gesicht: Aus dem aktuell unwirtlichen Zwischenraum wird ein gr\u00fcner Stadtplatz.\u201c<\/p>\n<p>Das Gegenteil ist richtig, kritisiert jetzt auch der <a href=\"http:\/\/www.nabu-leipzig.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">NABU Leipzig<\/a> dieses Dinner unter falscher Flagge. \u201eFr\u00fcher gab es hier, mitten in der Innenstadt, den Platz der Biologischen Vielfalt. Die Artenvielfalt hier war wesentlich gr\u00f6\u00dfer als in den umliegenden Parkanlagen. Das spontan gewachsene Gr\u00fcn war widerstandsf\u00e4hig gegen D\u00fcrre und bot Unterschlupf f\u00fcr die Tierwelt. Die Vegetation leistete einen wichtigen Beitrag f\u00fcr das Stadtklima und das Wohlbefinden der Anwohner.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1be0a00cdb2b4840a3f3181729f49b22.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/08\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/08\/1\"\/>Fr\u00fchzeitig hatte sich auch der NABU Leipzig daf\u00fcr eingesetzt, diesen Platz der biologischen Vielfalt zu erhalten. Aber das ist ein paar Jahre her. Verwaltungen haben eine Elefantengeduld. Und auch die Planungen am Wilhelm-Leuschner-Platz haben einen jahrelangen Vorlauf. Die F\u00e4llgenehmigung f\u00fcr die B\u00e4ume am Wilhelm-Leuschner-Platz gab es schon 2020. Das war mitten in der Corona-Zeit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/baumf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-668381 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/baumf.jpg\" alt=\"Gef\u00e4llte B\u00e4ume am Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: NABU Leipzig\" width=\"2250\" height=\"1504\"  \/><\/a>Gef\u00e4llte B\u00e4ume am Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: NABU Leipzig<\/p>\n<p>\u201eEine zukunftsweisende moderne Stadtentwicklung h\u00e4tte hier die \u00f6kologischen und Klimaschutzfunktionen erhalten k\u00f6nnen, und trotzdem w\u00e4re eine klimaangepasste Bebauung m\u00f6glich gewesen. Stattdessen wurden uralte Betontr\u00e4ume realisiert und die vorhandene Natur weitgehend beseitigt\u201c, kritisiert der NABU Leipzig das Vorgehen der Stadt. \u201eEs ist absurd, dies nun zu feiern und dabei von einem \u201agr\u00fcnen Stadtplatz\u2018 zu sprechen. Das Gr\u00fcn hier ist weg.\u201c<\/p>\n<p>Und schlimmer sei noch: \u201eDer auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz r\u00fccksichtslos angerichtete Naturfrevel ist rechtswidrig! Die Genehmigungsverfahren basierten auf v\u00f6llig falschen Annahmen und waren von Beginn an nicht vereinbar mit den gesetzlichen Vorschriften f\u00fcr den Schutz der Natur.\u201c<\/p>\n<p>Die Klage<\/p>\n<p>Der NABU Sachsen hatte gegen die Baumf\u00e4llungen und Rodungen geklagt. In zweiter Instanz hat das Oberverwaltungsgericht Sachsen (OVG) dieser Klage dann 2026 stattgegeben.<\/p>\n<p>Das Gericht urteilte, dass die F\u00e4llgenehmigung, die die Stadt Leipzig f\u00fcr B\u00e4ume am Wilhelm-Leuschner-Platz 2020 erteilt hatte, rechtswidrig war. Damit \u00e4nderte das OVG ein anderslautendes Urteil des Verwaltungsgerichts Leipzig. Die Stadt Leipzig als Beklagte muss die Kosten beider Instanzen tragen. Au\u00dferdem entschied das OVG, dass die Stadt vollst\u00e4ndig vers\u00e4umt habe, die naturschutzrechtlichen Eingriffs- und Kompensationsregelungen zu pr\u00fcfen, obwohl dies erforderlich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eWas also gibt es hier zu feiern?\u201c, fragt der NABU Leipzig. \u201eDass Verwaltung und Stadtrat die Stellungnahmen der Naturschutzverb\u00e4nde jahrelang ignoriert haben? Dass B\u00fcrgerproteste kein Geh\u00f6r fanden? Dass Naturschutzgesetze sehenden Auges ignoriert wurden? Und das alles auch noch gegen jeden Sachverstand in Zeiten von Klimawandel und Artensterben?\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Nachtigall_Leuschnerplatz_Beatrice_Jeschke_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-668382 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Nachtigall_Leuschnerplatz_Beatrice_Jeschke_klein.jpg\" alt=\"Eine Nachtigall auf dem Leuschnerplatz. Foto: Beatrice Jeschke\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Eine Nachtigall auf dem Leuschnerplatz. Foto: Beatrice Jeschke<\/p>\n<p>Und so protestiert auch der NABU Leipzig gegen die fortschreitende Zerst\u00f6rung der Stadtnatur. \u201eWir wussten nicht, dass man Fl\u00e4chenfra\u00df jetzt als \u201aWhite Dinner\u2018 bezeichnet.\u201c<\/p>\n<p>Das viel zu sp\u00e4te Urteil<\/p>\n<p>Die Vorgeschichte f\u00fchrt tats\u00e4chlich ins Corona-Jahr 2020 zur\u00fcck: Kurz vor Weihnachten 2020 hatte die Stadt Leipzig die F\u00e4llung von B\u00e4umen am Wilhelm-Leuschner-Platz genehmigt, wenige Tage sp\u00e4ter rollte schweres Ger\u00e4t an und Kettens\u00e4gen metzelten die Geh\u00f6lze nieder \u2013 ohne R\u00fccksicht auf die Lebensst\u00e4tten der Tiere an diesem \u201ePlatz der Biologischen Vielfalt\u201c. Das Institut f\u00fcr L\u00e4nderkunde wollte auf der betroffenen \u201eDreiecksfl\u00e4che\u201c ein neues Institutsgeb\u00e4ude bauen.<\/p>\n<p>Der Naturschutzbund NABU hatte hier eine au\u00dferordentliche Artenvielfalt festgestellt und hatte fr\u00fchzeitig versucht, die Baupl\u00e4ne zu beeinflussen, sodass die Natur hier soweit wie m\u00f6glich erhalten bliebe. Stattdessen r\u00fcckten die H\u00e4ckselmaschinen an.<\/p>\n<p>Zusammen mit anderen Naturschutzinitiativen startete der NABU Leipzig eine mehrj\u00e4hrige Reihe von Protestaktionen, konnte die Bebauung des Areals aber nicht verhindern \u2013 Stadtverwaltung und Stadtrat wollten die Baupl\u00e4ne mit allen Mitteln vorantreiben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/stoppt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-668383 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/stoppt.jpg\" alt=\"Protest gegen die Baumf\u00e4llungen am Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: NABU Leipzig\" width=\"2250\" height=\"1495\"  \/><\/a>Protest gegen die Baumf\u00e4llungen am Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: NABU Leipzig<\/p>\n<p>\u201eDoch so geht das nicht! Es gibt Naturschutzgesetze, die sind zu beachten!\u201c, mahnte der NABU Leipzig. \u201eEine F\u00e4llgenehmigung erlaubt zwar das F\u00e4llen der B\u00e4ume, aber gesetzlich gesch\u00fctzte Lebensst\u00e4tten von Tieren d\u00fcrfen selbst mit dieser Genehmigung nicht ersatzlos beseitigt werden. Vor der Umsetzung von Bauma\u00dfnahmen sind Eingriffsregelungen zu beachten und Ausgleichsma\u00dfnahmen vorzunehmen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nabu-leipzig.de\/wlp-ovg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Der NABU klagte gegen die F\u00e4llgenehmigung<\/a>, die ohne naturschutzrechtliche Eingriffs- und Kompensationsregelungen erteilt wurde, obwohl noch nicht einmal ein Bebauungsplan f\u00fcr das Gebiet beschlossen war. Die Klage richtete sich gegen die Genehmigungsbeh\u00f6rde, also gegen die Stadt Leipzig. Diese praktiziert nach Beobachtungen des NABU Leipzig immer wieder dieses mutma\u00dflich rechtswidrige Vorgehen.<\/p>\n<p>Sie erteilt F\u00e4llgenehmigungen, ohne eine arten- und biotopschutzrechtliche Pr\u00fcfung. Um dieses Vorgehen am Beispiel des Wilhelm-Leuschner-Platzes ein f\u00fcr alle Mal zu stoppen, reichte der NABU zugleich eine sogenannte Fortsetzungsfeststellungsklage ein.<\/p>\n<p>Vor dem Verwaltungsgericht Leipzig scheiterte der NABU mit dieser Klage sowohl im Eilverfahren als auch in der Hauptverhandlung. Das Gericht erkl\u00e4rte die Klage als \u201eunberechtigt\u201c. Die F\u00e4llgenehmigung basiere auf der kommunalen Baumschutzsatzung. Gegen kommunale Entscheidungen sei der staatlich anerkannte Naturschutzverband nicht klageberechtigt. Die vom NABU au\u00dferdem eingereichte Fortsetzungsfeststellungsklage wurde ebenfalls abgewiesen.<\/p>\n<p>Das Gericht wollte keine Wiederholungsgefahr sehen, denn jeder Antrag auf eine F\u00e4llgenehmigung sei ein Einzelfall. Leider lie\u00df das Verwaltungsgericht eine Berufung trotz grundlegender Rechtsfragen nicht zu.<\/p>\n<p>Der NABU stellte beim Oberverwaltungsgericht daraufhin einen Antrag auf Berufungszulassung. Diesem wurde stattgegeben aufgrund \u201eernstlicher Zweifel an der Richtigkeit des Urteils\u201c der ersten Instanz.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz 2026 fand die Berufungsverhandlung schlie\u00dflich statt. Der NABU hat das Verfahren gewonnen, die Kosten f\u00fcr beide Instanzen muss die Stadt Leipzig tragen.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden hatten die bauplanungsrechtliche Lage am Wilhelm-Leuschner-Platz nach Ansicht des OVG vollkommen falsch eingesch\u00e4tzt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz h\u00e4tten Eingriffsregelungen und Kompensationsma\u00dfnahmen gepr\u00fcft werden m\u00fcssen, denn die Bebauung sei ein Eingriff in Natur und Landschaft. Die Stadt Leipzig hatte hingegen das Gel\u00e4nde baurechtlich als \u201eInnenbereich\u201c betrachtet und hatte auf die naturschutzrechtlichen Pr\u00fcfungen verzichtet.<\/p>\n<p>Die B\u00e4ume auf der \u201eDreiecksfl\u00e4che\u201c des IfL wurden demnach illegal gef\u00e4llt, denn laut OVG-Urteil war die F\u00e4llgenehmigung rechtswidrig, genau wie die Zur\u00fcckweisung des Widerspruchs, den der NABU gegen diese F\u00e4llgenehmigung eingereicht hatte.<\/p>\n<p>Hoffen auf Einsicht<\/p>\n<p>\u201eLeider bringt der Sieg vor Gericht die Natur auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz nicht zur\u00fcck, stellt der NABU fest und hofft aber, dass in Zukunft die Stadtnatur nun besser gesch\u00fctzt ist. \u201eEin solches naturschutzrechtliches Desaster darf sich nach Ansicht des NABU nicht wiederholen. Die Stadtverwaltung sollte Biotop- und Artenschutz vorausschauend und zeitgem\u00e4\u00df behandeln, und dem Schutz der \u00f6kologisch wertvollen Stadtnatur h\u00f6chste Priorit\u00e4t beimessen. Alte B\u00e4ume sind unersetzlich in Zeiten von Artensterben und Klimawandel!\u201c<\/p>\n<p>Zudem hofft der NABU, dass seine naturschutzrechtlichen Hinweise in Zukunft mehr ber\u00fccksichtigt werden, ohne dass langwierige Gerichtsprozesse gef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die unersetzliche Rolle der Naturschutzverb\u00e4nde<\/p>\n<p>Der Fall untermauert aus Sicht des NABU Leipzig auch, wie wichtig die Beteiligung von B\u00fcrgern und Vereinen bei Planungsverfahren ist. H\u00e4tte der NABU nicht die M\u00f6glichkeit, die Rechte der Natur auch juristisch zu verteidigen, w\u00fcrde der Verlust der biologischen Vielfalt noch schneller voranschreiten. Noch sorgloser w\u00fcrden Entscheidungstr\u00e4ger in Politik und Verwaltung Naturschutzbelange ignorieren, im Namen einer \u201eVerfahrensbeschleunigung\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDabei w\u00e4ren Verfahren dann schneller, wenn sich die Beh\u00f6rden von Beginn an die gesetzlichen Regelungen halten w\u00fcrden. Wie kann man sehenden Auges hektarweise Geh\u00f6lze roden und annehmen, dass der Biotop- und Artenschutz davon nicht betroffen sei?\u201c, fragt der NABU.<\/p>\n<p>\u201eWie kann man \u201abauvorbereitende Ma\u00dfnahmen\u2018 umsetzen, mithin vollendete Tatsachen schaffen, wenn es noch nicht einmal einen Bebauungsplan gibt? Nicht die Mitspracherechte der B\u00fcrger, sondern solche Entscheidungen verlangsamen Planverfahren! Trotzdem wird leider dar\u00fcber diskutiert, die demokratischen Mitwirkungsrechte drastisch zu beschneiden. Das ist mit Blick auf eine lebenswerte Zukunft der falsche Weg. Der NABU wehrt sich gegen solche Bestrebungen mit der EU-weiten Aktion \u201aHands Off Nature\u2018 \u2013 \u201aH\u00e4nde weg von der Natur\u2018.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 13. August fand die seltsame Einladung der Stadt noch kaum Aufmerksamkeit. 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