{"id":1263197,"date":"2026-08-27T04:08:36","date_gmt":"2026-08-27T04:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263197\/"},"modified":"2026-08-27T04:08:36","modified_gmt":"2026-08-27T04:08:36","slug":"wir-wollen-dem-kiez-etwas-zurueckgeben-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263197\/","title":{"rendered":"\u00bbWir wollen dem Kiez etwas zur\u00fcckgeben\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Haushaltwaren Rauch in der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe 22 ist eine Institution. Seit 1983 verkaufen Dietmar und Antje Rauch hier alles, was einem im Haushalt oder Garten fehlen k\u00f6nnte \u2013 von der einzelnen Schraube \u00fcber Handt\u00fccher bis zur Kaffeemaschine. Nachdem die Rauchs Anfang des Jahres informiert wurden, dass das Haus verkauft wurde und der neue Eigent\u00fcmer die Miete drastisch erh\u00f6ht, musste der Laden zum ersten Mal in der Geschichte umziehen.Eine neue Bleibe hat das Gesch\u00e4ft direkt auf der gegen\u00fcberliegenden Seite in der Nummer 23 gefunden. Ab dem 31. August soll wieder verkauft werden, am 5. September gibt es eine Er\u00f6ffnungsfeier am neuen Standort. Und die alte Ladenfl\u00e4che? F\u00fcr die m\u00fcssen die Rauchs noch bis Ende des Jahres Miete zahlen. Sie soll f\u00fcr die Zeit aber nicht leer stehen, sondern einen offenen Kunst- und Austauschraum f\u00fcr Vereine, Initiativen und Einzelpersonen bieten. Die Idee hatte Tochter Maxi Rauch gemeinsam mit drei Freundinnen und Freunden. \u00bbDas Gegenteil von Leerstand\u00ab hei\u00dft das Projekt. Bis zum 31. August k\u00f6nnen sich Interessierte noch mit ihren Ideen bewerben. Wir treffen uns f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch im alten Laden. W\u00e4hrend Dietmar und Maxi Rauch vom Projekt erz\u00e4hlen und davon, wie der Umzug l\u00e4uft, bleiben immer wieder Menschen vor den Schaufenstern stehen, blicken in den leeren Verkaufsraum. Einmal klopft jemand und m\u00f6chte Infos zur Bewerbung f\u00fcr die Nutzung des Raumes haben.<\/p>\n<p><strong>Wie lief denn der Umzug?<\/strong><\/p>\n<p>DIETMAR RAUCH: Der Umzug lief gl\u00fccklicherweise wie geplant. Wir haben zwei Tage zugemacht und die Ware eingepackt. Es sind etwa 140 Regale, die gef\u00fcllt waren, insgesamt 250 Kartons. Mit Freunden, Verwandten und Bekannten haben wir dann die Regale auseinandergenommen und im neuen Laden wieder zusammengebaut. Dann kam die gro\u00dfe Aktion am Sonntag: Fr\u00fch um acht Uhr waren \u00fcber 100 Menschen da, um zu helfen. Das war unvorstellbar toll. Ich war hier im Laden, meine Frau hat im neuen Laden Anweisungen gegeben, wo was hinkommt. Ja und dann waren wir innerhalb von einer Dreiviertelstunde fertig. Jetzt sind wir ein paar Tage dabei, alles wieder in die Regale zu r\u00e4umen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Und wie ist das jetzt hier den leeren Laden zu sehen?<\/strong><\/p>\n<p>DIETMAR RAUCH: Noch bin ich nicht dr\u00fcber weg. (schweigt kurz und ist sichtlich bewegt). 43 Jahre waren wir jetzt hier, da ist das nat\u00fcrlich schwierig. Aber dr\u00fcben ist es wirklich sch\u00f6n, es ist hell und \u00fcbersichtlich. Ich bin ja Rentner, aber ich brauche meine Besch\u00e4ftigung. Die Rente w\u00fcrde au\u00dferdem bei Weitem nicht reichen. Die n\u00e4chsten sechs, sieben Jahre werden wir den Laden also auf jeden Fall noch machen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Mit der alten Ladenfl\u00e4che haben Sie ja auch noch Etwas vor.<\/strong><\/p>\n<p>MAXI RAUCH: Genau, wir haben etwas Sch\u00f6nes vor. Als klar war, dass meine Eltern ab September eine neue Verkaufsfl\u00e4che haben, aber noch bis Ende des Jahres Miete zahlen m\u00fcssen, hatte ich mit drei Freund:innen die Idee, dass man diesen leeren Raum nutzen k\u00f6nnte. Ich arbeite zwar nicht im Unternehmen, aber ich habe hier einen gro\u00dfen Teil meiner Kindheit verbracht und wollte gerne meine Eltern unterst\u00fctzen. Die Hilfsbereitschaft und Solidarit\u00e4t beim Umzug waren so gro\u00df und wir wollen so dem Kiez etwas zur\u00fcckgeben. Wir nennen das Projekt \u00bbDas Gegenteil von Leerstand\u00ab. Es soll ein Raum sein, den alle nutzen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen, innenstadtnah und ohne Miete zahlen zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Sie haben einen Open Call gestartet, bei dem sich Menschen mit ihren Ideen bewerben k\u00f6nnen. Wie ist die Resonanz bisher? <\/strong><\/p>\n<p>MAXI RAUCH: Wir haben schon viele sch\u00f6ne Ideen zugeschickt bekommen. Von einem Improvisationstheater-Workshop \u00fcber einen Kunst- und Kreativmarkt bis hin zu Workshops f\u00fcr Meditation, Siebdruck und Stempel, aber auch Malkurse f\u00fcr Kinder und Erwachsene. Es gibt verschiedene Vereine hier in Leipzig, die ihre Arbeit vorstellen wollen. <\/p>\n<p>DIETMAR RAUCH: Als wir noch hier verkauft haben, kamen viele Menschen und haben uns gesagt, wie gut sie das Projekt finden. Jemand m\u00f6chte mit einem Frauenchor hier auftreten, jemand anderes einen Adventsgottesdienst halten. Es ist wirklich interessant, wer da alles kommen m\u00f6chte. <\/p>\n<p>MAXI RAUCH: Wir haben auch 250 Menschen, Vereine und Einrichtungen direkt angeschrieben, von denen wir uns w\u00fcnschen, dass sie den Raum hier nutzen k\u00f6nnen. So kam zum Beispiel der Kontakt zu Senior:innen zustande, die hier ihre Kunst ausstellen wollen. So kommen viele Ideen zusammen, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten. <\/p>\n<p>Dietmar Rauchs Handy klingelt. Er wird dr\u00fcben im neuen Laden gebraucht. Trotz vieler helfender H\u00e4nde ist noch viel zu tun. Er verabschiedet sich. Maxi Rauch bleibt, um mehr von dem Projekt zu erz\u00e4hlen. Gemeinsam mit einem Team aus drei weiteren Personen k\u00fcmmert sie sich um die inhaltliche Planung, den Auswahlprozess und die Organisation des Projekts. <\/p>\n<p><strong><br \/>Haben Sie Kriterien, wer die Fl\u00e4che nutzen darf? <\/strong><\/p>\n<p>MAXI RAUCH: Es soll keine rein politischen Veranstaltungen geben, wo eine einzelne Partei den Raum als B\u00fchne nutzt. Und wir schlie\u00dfen rein kommerzielle Projekte aus. Wir hatten auch Anfragen von Unternehmen, die die Fl\u00e4che f\u00fcr die drei Monate als Pop-Up-Store mieten wollten. Aber das m\u00f6chten wir genau nicht. Es geht wirklich darum, dass Vereine oder Kollektive, die nicht viel Geld haben, einen Raum bekommen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie w\u00e4hlen Sie aus den Bewerbungen aus?<\/strong><\/p>\n<p>MAXI RAUCH: Bei der Bewerbung k\u00f6nnen Terminw\u00fcnsche angegeben werden. Manche m\u00f6chten den Raum einen Nachmittag nutzen, manche eine ganze Woche, manche wollen einmal die Woche ein Reparaturcaf\u00e9 anbieten und brauchen nur eine kleine Ecke. Wir versuchen, alle unterzubringen. Es gab schon Doppelungen, f\u00fcr die wir jetzt Ausweichtermine suchen. Es soll jeder seinen Platz bekommen. Inhaltlich organisieren die Projekte sich selbst, wir unterst\u00fctzen eher in der Organisation und mit Netzwerkarbeit. <\/p>\n<p><strong><br \/>Dass Ihre Eltern die Ladenfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen, ist einmalig. Aber k\u00f6nnte das trotzdem ein wiederkehrendes Konzept werden?<\/strong><\/p>\n<p>MAXI RAUCH: Nat\u00fcrlich lieb\u00e4ugeln wir damit. Aber es war jetzt eine besondere Situation: Meine Eltern haben sehr schnell die neue Ladenfl\u00e4che gefunden, es war klar, dass der alte Laden bis Ende des Jahres leer steht. Au\u00dferdem arbeiten wir im Team alle nebenher noch Vollzeit in unseren anderen Berufen. Wir schauen jetzt erstmal, wie es l\u00e4uft ab Oktober und danach sehen wir weiter.<\/p>\n<p> &gt; Mehr Informationen: <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/gvl_leipzig\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">@gvl_leipzig<\/a> <\/p>\n<p>    <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Haushaltwaren Rauch in der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe 22 ist eine Institution. Seit 1983 verkaufen Dietmar und Antje Rauch hier alles,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1263198,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[5934,3364,29,912,30,16164,261097,77046,14767,80,2075,15033,141950,8677,71,3317,7134,128591,30745,10044,859,7389,9429,17284,7195,843],"class_list":["post-1263197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-umzug","tag-de","tag-deutschland","tag-eroeffnung","tag-germany","tag-geschaeft","tag-haushaltwaren","tag-initiativen","tag-karli","tag-kultur","tag-kunst","tag-laden","tag-ladenflaeche","tag-leerstand","tag-leipzig","tag-miete","tag-mieten","tag-mieterhoehung","tag-mietwucher","tag-rauch","tag-sachsen","tag-schliessung","tag-suedvorstadt","tag-tradition","tag-vereine","tag-verkauf"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117165510231917676","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1263197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1263197"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1263197\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1263198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1263197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1263197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1263197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}