{"id":1263449,"date":"2026-08-27T07:04:18","date_gmt":"2026-08-27T07:04:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263449\/"},"modified":"2026-08-27T07:04:18","modified_gmt":"2026-08-27T07:04:18","slug":"wenn-island-fuer-eu-mitgliedschaft-stimmt-was-bedeutet-das-fuer-norwegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263449\/","title":{"rendered":"Wenn Island f\u00fcr EU-Mitgliedschaft stimmt: Was bedeutet das f\u00fcr Norwegen?"},"content":{"rendered":"<p>Ein \u201eJa\u201c bei der Volksabstimmung in Island k\u00f6nnte den anderen nordischen Nachbarn der EU in eine unbequeme Lage bringen und Norwegen unter Druck setzen, sein Verh\u00e4ltnis zu Br\u00fcssel neu zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Nicht nur in Reykjav\u00edk und Br\u00fcssel blickt man gespannt auf das Votum am Samstag. In Oslo verfolgt die Regierung den Urnengang besonders genau. Norwegen ist wohl das Nicht-EU-Land, f\u00fcr das am meisten auf dem Spiel steht, vor allem, wenn sich das \u201eJa\u201c-Lager in <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/tag\/island\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Island<\/a> durchsetzt.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen anerkennen, dass ein isl\u00e4ndischer Beitrittsprozess besondere Herausforderungen f\u00fcr Norwegen als EWR-Staat mit sich bringen wird\u201c, sagte Au\u00dfenminister Espen Barth Eide im Mai im Parlament in Oslo. Der Europ\u00e4ische Wirtschaftsraum (EWR) ist eine vertiefte Freihandelszone zwischen der EU und drei nicht EU-Staaten (Island, Liechtenstein und Norwegen).<\/p>\n<p>Die norwegische Regierung betont bislang, dass der Europ\u00e4ische Wirtschaftsraum EWR die Grundlage ihres Verh\u00e4ltnisses zu Br\u00fcssel bleiben soll. Doch die Folgen eines isl\u00e4ndischen \u201eJa\u201c lie\u00dfen sich kaum ignorieren.<\/p>\n<p><strong>Ein schrumpfender Klub<\/strong><\/p>\n<p>Der EWR erweitert den EU-Binnenmarkt auf drei Nicht-EU-Staaten: Island, Liechtenstein und Norwegen. Tritt Island der Europ\u00e4ischen Union bei, schrumpft der EWR auf zwei Mitglieder. Eines davon w\u00e4re Liechtenstein, ein Staat mit nur 40 000 Einwohnern, dessen Wirtschaft eng mit der Schweiz verflochten ist.<\/p>\n<p>Faktisch w\u00fcrde der EWR dann zu einem bilateralen Arrangement zwischen der EU und Norwegen. Norwegen w\u00e4re das einzige gr\u00f6\u00dfere Land im europ\u00e4ischen Binnenmarkt ohne Sitz am Entscheidungstisch.<\/p>\n<p>Island w\u00e4re nicht das erste Land, das vom EWR in die Vollmitgliedschaft wechselt. Als das Abkommen 1994 in Kraft trat, geh\u00f6rten auch \u00d6sterreich, Finnland und Schweden dazu. Alle drei beschlossen nach Volksabstimmungen den Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Rein formal bliebe der EWR bestehen, selbst wenn Island der EU beitritt. Politisch w\u00fcrde es jedoch schwerer, den EWR als echte Alternative zu einer Vollmitgliedschaft in der EU darzustellen.<\/p>\n<p>\u201eWenn Island Mitglied der EU wird, ver\u00e4ndert sich das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen den Mitgliedern des EWR-Abkommens \u2013 urspr\u00fcnglich zw\u00f6lf zu sieben \u2013 auf 28 zu zwei\u201c, erkl\u00e4rte Eide.<\/p>\n<p>Diese Schieflage erkl\u00e4rt, warum die norwegische Regierung zwar den EWR als Grundlage ihres Verh\u00e4ltnisses zu Br\u00fcssel verteidigt, die Folgen eines \u201eJa\u201c aber nicht ausblenden kann.<\/p>\n<p>\u201eWelchen Weg Island auch einschl\u00e4gt, wir m\u00fcssen daran arbeiten, unsere Zusammenarbeit mit der EU zu vertiefen\u201c, so Chefdiplomat Eide.<\/p>\n<p>Islands Ministerpr\u00e4sidentin Kristr\u00fan Frostad\u00f3ttir schlug nach einem Treffen mit ihrem norwegischen Amtskollegen Jonas Gahr St\u00f8re im Februar einen \u00e4hnlichen Ton an.<\/p>\n<p>\u201eWir halten das EWR-Abkommen in jedem Fall aktiv\u201c, sagte die Regierungschefin von Island. \u201eDenn wenn in unserem Referendum ein Ja herauskommt, steht immer noch eine Entscheidung \u00fcber die Vollmitgliedschaft an. F\u00e4llt das Ergebnis negativ aus, m\u00fcssen wir uns darauf verlassen k\u00f6nnen, dass der EWR stark und lebendig ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eine belastete Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Der EWR ist ein Produkt des komplizierten Verh\u00e4ltnisses Norwegens zum europ\u00e4ischen Projekt. Die Norwegerinnen und Norweger haben eine EU-Mitgliedschaft bereits zweimal in Volksabstimmungen abgelehnt: 1972 und 1994.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen war<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/tag\/norwegen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Norwegen<\/a> das einzige Kandidatenland, das sich gegen den Beitritt aussprach. Damals stimmten 53,5 % beziehungsweise 52 % mit Nein.<\/p>\n<p>An diesem Muster hat sich wenig ge\u00e4ndert. Eine Anfang August 2026 ver\u00f6ffentlichte Umfrage der norwegischen Zeitung ABC Nyheter ergab, dass 49 % der Befragten in Norwegen eine EU-Mitgliedschaft ablehnen w\u00fcrden, w\u00e4hrend 37 % daf\u00fcr w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die zentralen Bedenken \u2013 Fischerei, Landwirtschaft und die Scheu, Souver\u00e4nit\u00e4t gegen begrenzten Einfluss in einem deutlich gr\u00f6\u00dferen Block einzutauschen \u2013 haben sich seit den 1990er-Jahren kaum ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Island teilt viele dieser Sorgen. Das Referendum am Samstag richtet sich jedoch nicht auf die EU-Mitgliedschaft selbst. Zur Abstimmung steht, ob die Regierung ein Mandat erhalten soll, die 2015 ausgesetzten Beitrittsverhandlungen wieder aufzunehmen.<\/p>\n<p>Ein zweites Referendum soll sp\u00e4ter kl\u00e4ren, ob die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler einem ausgehandelten Beitrittsvertrag zustimmen.<\/p>\n<p>Damit geraten die isl\u00e4ndischen Verhandlungen in Oslo unter die Lupe. Sie k\u00f6nnten die Position der EU-Skeptiker in Norwegen schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Hallgrimur Oddsson, Direktor des Thinktanks Evr\u00f3pustraumar, sagte Euronews, die Norweger verfolgten \u201esehr genau\u201c, wie die Gespr\u00e4che liefen \u2013 vor allem bei heiklen Themen wie der Fischerei.<\/p>\n<p>Er erwartet, dass proeurop\u00e4ische Parteien jeden R\u00fcckenwind nutzen, um die Mitgliedschaftsdebatte neu zu beleben. Zugleich verweist er darauf, dass Norwegen bereits zwei Volksabstimmungen zu dieser Frage abgehalten hat.<\/p>\n<p>\u201eIhre Geschichte ist auch eine andere\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Islands Votum k\u00f6nnte neue Dynamik bringen. Doch Norwegen m\u00fcsste eigene Gr\u00fcnde f\u00fcr einen EU-Beitritt finden. Daf\u00fcr w\u00e4re eine breite nationale Debatte n\u00f6tig, und daran besteht bislang wenig Interesse.<\/p>\n<p><strong>Alte Wunden<\/strong><\/p>\n<p>Norwegens grundlegende Sorgen haben sich seit der letzten Beitrittsdebatte kaum ver\u00e4ndert \u2013 ebenso wenig die Positionen der gro\u00dfen politischen Parteien.<\/p>\n<p>Eine ernsthafte Diskussion \u00fcber eine Wiederaufnahme der Beitrittsfrage hat es bislang nicht gegeben. Viele Politikerinnen und Politiker, aber auch W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler, scheuen die tiefen gesellschaftlichen Gr\u00e4ben, welche die fr\u00fcheren Referenden in Norwegen hinterlassen haben.<\/p>\n<p>Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage warnen manche zudem, die Wieder\u00f6ffnung einer derart sensiblen Frage \u2013 die das Land und sogar Familien gespalten hat \u2013 sei das Letzte, was Norwegen jetzt brauche.<\/p>\n<p>Als die isl\u00e4ndische Regierung das Parlament offiziell um die Abhaltung eines Referendums bat, warnte Trygve Slagsvold Vedum, der Vorsitzende der europakritischen Zentrumspartei, dies k\u00f6nne Norwegens eigene proeurop\u00e4ische Bewegung neu beleben.<\/p>\n<p>\u201eDie EU-Kr\u00e4fte in Norwegen werden ein Schreckensbild eines Norwegens au\u00dferhalb der EU zeichnen. Wir werden eine bisher beispiellose Schwarzmalerei erleben\u201c, sagte Vedum. Den Widerstand gegen eine EU-Mitgliedschaft nannte er das wichtigste Thema der norwegischen Politik.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu erkl\u00e4rte Guri Melby, die Vorsitzende der proeurop\u00e4ischen Liberalen Partei, das isl\u00e4ndische Referendum sollte der Debatte \u00fcber eine norwegische Mitgliedschaft neuen Schwung verleihen. Norwegen m\u00fcsse aus dem weniger polarisierten Vorgehen Islands lernen, meinte sie.<\/p>\n<p>Bei einer Anh\u00f6rung im Parlament in Oslo im M\u00e4rz argumentierte die konservative Abgeordnete Ine Eriksen S\u00f8reide, die Rahmenbedingungen in Europa und weltweit h\u00e4tten sich grundlegend ver\u00e4ndert. Mit der weiteren Vertiefung der EU-Integration werde es f\u00fcr Norwegen immer schwieriger, seine Interessen von au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union zu wahren.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie Island am Samstag abstimmt, wird Norwegen die Folgen sp\u00fcren. Und je wahrscheinlicher ein EU-Beitritt Reykjav\u00edks erscheint, desto st\u00e4rker k\u00f6nnte Norwegen gezwungen sein, die heikle Frage nach der eigenen Rolle in Europa erneut zu stellen.<\/p>\n<p>Jorge Liboreiro hat zu diesem Bericht beigetragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein \u201eJa\u201c bei der Volksabstimmung in Island k\u00f6nnte den anderen nordischen Nachbarn der EU in eine unbequeme Lage&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1263450,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,12938,663,158,3934,3935,13,12937,14,15,913,25019,12],"class_list":["post-1263449","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-eu-erweiterung","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-headlines","tag-island","tag-nachrichten","tag-news","tag-norwegen","tag-referendum","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117166205115228709","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1263449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1263449"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1263449\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1263450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1263449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1263449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1263449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}