{"id":1263481,"date":"2026-08-27T07:31:16","date_gmt":"2026-08-27T07:31:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263481\/"},"modified":"2026-08-27T07:31:16","modified_gmt":"2026-08-27T07:31:16","slug":"90-jahre-baeckerei-mohnhaupt-morgens-um-halb-drei-redet-niemand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263481\/","title":{"rendered":"90 Jahre B\u00e4ckerei Mohnhaupt: Morgens um halb drei redet niemand"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-text\">Am liebsten b\u00e4ckt sie Brot und Br\u00f6tchen. Bei einer anderen Disziplin h\u00e4lt sich die Begeisterung dagegen in Grenzen. \u201eTorten mag ich nicht so, das ist mir zu filigran.\u201c<\/p>\n<p class=\"article-text\">Ihre Zukunft scheint trotzdem schon ziemlich genau geplant zu sein. Paula will sp\u00e4ter ihren Meister machen und irgendwann den Betrieb \u00fcbernehmen. Eigentlich, sagt die Familie, sei das l\u00e4ngst abgemacht. Paula zuckt mit den Schultern. \u201eKlar, ich mach das!\u201c<br \/>So einfach kann Unternehmensnachfolge manchmal klingen.<\/p>\n<p>Thomas Mohnhaupts Passion: die Erdbeerschnitten. Den Tortenguss bringt er am Liebsten selbst auf, das l\u00e4sst er sich von Tochter Nancy nicht nehmen. (Foto: Daniel Gro\u00dfe)<\/p>\n<p>\u201eAm Ende wird es doch so gemacht wie immer\u201c<\/p>\n<p class=\"article-text\">Ganz ohne Diskussionen zwischen den Generationen l\u00e4uft der Backstubenalltag allerdings nicht. Zwischen Nancy und Paula liegen 20 Jahre \u2013 und auch die Ausbildung hat sich ver\u00e4ndert. \u201eMan merkt schon, dass man manche Dinge in der Ausbildung heute anders lernt, als wir sie hier machen\u201c, sagt Nancy. Paula bringt also durchaus neue Kenntnisse mit in den Betrieb.<\/p>\n<p class=\"article-text\">Nur: Theorie und eine seit Jahrzehnten eingespielte Backstube sind zwei verschiedene Dinge \u201eLetztlich kann man nur wenig Neues in den Alltag bringen\u201c, sagen Mutter und Tochter schmunzelnd. \u201eAm Ende wird es doch so gemacht, wie man es immer schon gemacht hat.\u201c<br \/>Das ist bei Mohnhaupt allerdings weniger Stillstand als Prinzip. Denn gerade diese Best\u00e4ndigkeit ist Teil des Gesch\u00e4ftsmodells.<\/p>\n<p>Ein einfacher B\u00e4cker \u2013 ganz bewusst<\/p>\n<p class=\"article-text\">W\u00e4hrend in Taucha neue Superm\u00e4rkte entstehen und gro\u00dfe Backketten um Kundschaft k\u00e4mpfen, will Familie Mohnhaupt gar nicht versuchen, jeden Trend mitzumachen. \u201eWir wuscheln uns durch gegen die gro\u00dfen Ketten und die neuen Einkaufstempel\u201c, sagt Nancy Meyer.<br \/>Das klingt bescheidener, als es wohl gemeint ist. Denn die Familie wei\u00df ziemlich genau, warum ihre Kunden kommen. \u201eWir haben unsere Stammkunden. Die kommen alle zur\u00fcck, nachdem sie mal was Neues probiert haben.\u201c<\/p>\n<p class=\"article-text\">Mohnhaupt will deshalb bleiben, was Mohnhaupt seit Jahrzehnten ist: \u201eEin einfacher B\u00e4cker ohne Experimente. Traditionell \u2013 das lieben die Kunden.\u201c<\/p>\n<p class=\"article-text\">Verkauft wird nicht nur im Stammhaus mit Backstube und Laden in der Kriekauer Stra\u00dfe. Ein zweites Gesch\u00e4ft betreibt die Familie in den Wyn-Passagen in Dewitz. Und auch dort ist die n\u00e4chste Generation schon eingebunden. Nancys 16-j\u00e4hriger Sohn Julian Meyer geht noch zur Schule, hilft aber beim Ausliefern der Backwaren. Mit seinem kleinen Motorroller kann er schnell reagieren. Fehlt im Laden in den Wyn-Passagen etwas, ist Julian kurzerhand unterwegs.<\/p>\n<p>Eine echte \u201eFamilienbande\u201c<\/p>\n<p class=\"article-text\">Ohnehin funktioniert der Betrieb nur, weil viele mit anpacken. Nancys Schwester Jenny Mohnhaupt arbeitet im Verkauf. Thomas hilft weiterhin in der Backstube. Paula b\u00e4ckt. Julian liefert aus. Nancy h\u00e4lt als Inhaberin die F\u00e4den zusammen.<\/p>\n<p class=\"article-text\">\u201eWir sind eine Familienbande\u201c, sagt sie. \u201eWir stehen f\u00fcreinander ein. Anders geht es nicht.\u201c Der Vorteil: Man kennt sich. Sehr gut sogar. \u201eJeder wei\u00df, wie der andere tickt. Meist klappt das.\u201c Alle schmunzeln.<\/p>\n<p>Mehr B\u00fcro, mehr Vorschriften \u2013 aber keine Sekret\u00e4rin<\/p>\n<p class=\"article-text\">Denn so romantisch ein traditionsreicher Familienbetrieb von au\u00dfen wirken mag: Das B\u00e4ckerhandwerk besteht l\u00e4ngst nicht nur aus Mehl, Sauerteig und einem warmen Ofen.<\/p>\n<p class=\"article-text\">Vor allem in den vergangenen vier Jahren sei der Verwaltungsaufwand deutlich gr\u00f6\u00dfer geworden, sagt Nancy Meyer. Buchhaltung, Digitalisierung, Hygienevorschriften, Vorgaben der Berufsgenossenschaft und immer neue b\u00fcrokratische Anforderungen geh\u00f6ren inzwischen selbstverst\u00e4ndlich zum Arbeitsalltag.<\/p>\n<p class=\"article-text\">\u201eFr\u00fcher war das entspannter.\u201c Eine Sekret\u00e4rin gibt es trotzdem nicht. \u201eDas mache alles ich\u201c, sagt Nancy. Neben Backstube, Personal, Verkauf und allem, was sonst noch zum Betrieb geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Nach 35 Jahren kam ein neuer Ofen<\/p>\n<p class=\"article-text\">Ganz ohne Ver\u00e4nderung geht es bei einem 90 Jahre alten Unternehmen selbstverst\u00e4ndlich nicht. Seit dem 1. Juni arbeitet die B\u00e4ckerei mit einem neuen Elektroofen. Sein Vorg\u00e4nger wurde mit \u00d6l betrieben und hatte stolze 35 Jahre auf dem Buckel. Die Investition wurde \u00fcber das Programm \u201eAusbau der Kapazit\u00e4t einer bestehenden Betriebsst\u00e4tte \u2013 Europa f\u00f6rdert Sachsen\u201c unterst\u00fctzt. Angesichts steigender \u00d6lpreise eine bewusste Entscheidung, sagt Nancy.<\/p>\n<p class=\"article-text\">Im Zuge der Arbeiten wurde auch die Backstube renoviert. Daf\u00fcr blieb die B\u00e4ckerei eine Woche geschlossen. Trotz der neuen Technik gibt es in der Backstube weiterhin Maschinen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Sie funktionieren noch \u2013 und geh\u00f6ren inzwischen genauso zur Geschichte des Betriebes wie die Familie selbst.<\/p>\n<p>90 Jahre \u2013 und die Geschichte geht weiter<\/p>\n<p class=\"article-text\">Am 1. September werden es genau 90 Jahre. Vom Urgro\u00dfvater Max \u00fcber mehrere Generationen bis zu Paula, die morgens um halb drei inzwischen genauso selbstverst\u00e4ndlich in der Backstube steht wie ihre Mutter und ihr Gro\u00dfvater.<\/p>\n<p class=\"article-text\">Vieles hat sich ver\u00e4ndert. Die Technik ist moderner geworden. Die Vorschriften sind umfangreicher. Die Konkurrenz ist gr\u00f6\u00dfer. Und manche Dinge werden in der Berufsschule inzwischen anders gelehrt als fr\u00fcher. <\/p>\n<p class=\"article-text\">Anderes ist erstaunlich gleich geblieben: Fr\u00fch aufstehen. Anpacken. Brot und Br\u00f6tchen backen. Die Familie h\u00e4lt zusammen. Denn die Kunden sollen am Morgen das bekommen, weshalb sie seit vielen Jahren hier einkaufen.<\/p>\n<p>Um 2.30 Uhr braucht man dar\u00fcber nicht zu reden. Da wei\u00df ohnehin jeder, was zu tun ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am liebsten b\u00e4ckt sie Brot und Br\u00f6tchen. 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