{"id":1263648,"date":"2026-08-27T09:37:18","date_gmt":"2026-08-27T09:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263648\/"},"modified":"2026-08-27T09:37:18","modified_gmt":"2026-08-27T09:37:18","slug":"gruenen-spitzenkandidat-werner-graf-im-gespraech-vermieter-die-sich-nicht-an-recht-und-gesetz-halten-will-ich-in-berlin-nicht-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263648\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnen-Spitzenkandidat Werner Graf im Gespr\u00e4ch: \u201eVermieter, die sich nicht an Recht und Gesetz halten, will ich in Berlin nicht haben\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCJpg tspCJph\"><strong>Herr Graf, in vier Wochen wird in Berlin gew\u00e4hlt. Doch von den Berliner Gr\u00fcnen h\u00f6rt man bisher wenig. Es wirkt ein bisschen, als wollten Sie gar nicht Regierender B\u00fcrgermeister werden.<\/strong><br \/>Meine Partei und ich sind gerade \u00fcberall in der Stadt unterwegs und viel mit den Menschen im Gespr\u00e4ch. Und mir geht es nicht darum, jeden Tag mit schrillen und unbezahlbaren Vorhaben in den Schlagzeilen zu stehen. Nach dem 20. September wird nicht derjenige Regierender B\u00fcrgermeister, der vorher die absurdesten Forderungen rausgehauen hat, sondern der, dem die Berliner am meisten zutrauen, ihre Probleme zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Welche Forderungen Ihrer Konkurrenz finden Sie absurd?<\/strong><br \/>Die CDU redet immer noch von einer Magnetschwebebahn, die SPD will eine neue Hochschule f\u00fcr die Lehrerausbildung. Alle in Berlin wissen, dass beides aus Kostengr\u00fcnden nicht kommt. Wir haben uns bewusst entschieden, nicht st\u00e4ndig mit einer neuen Idee um die Ecke zu kommen, sondern konsequent zu sagen, wohin wir wollen: Berlin muss klimagerecht, bezahlbar und frei sein.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Aber damit dringen die Gr\u00fcnen kaum durch. Europa erlebt diesen Sommer eine <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/neue-schatzung-zu-hitzetoten-rki-geht-von-15800-opfern-aus--rund-zwei-drittel-starben-im-juni-15986721.html?icid=in-text-link_15979372\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hitzewelle und D\u00fcrre<\/a>, von der auch Berlin betroffen war. Warum spielt das Thema in Ihrem Wahlkampf keine gr\u00f6\u00dfere Rolle?<\/strong><br \/>Naja, inzwischen sind wir die letzten, die Klimaschutz thematisieren. Aber es geht beim Thema Klimaschutz nicht um uns Gr\u00fcne: Es geht hier um den Schutz von Menschenleben und die Frage, warum wir Hitze nicht als Naturkatastrophe behandeln. Das sollte alle Parteien umtreiben. In diesem Jahr sind bereits 14.000 Menschen an der Hitze gestorben. Dazu h\u00f6re ich kein Wort vom Bundeskanzler oder vom Regierenden B\u00fcrgermeister oder von sonst wem in der CDU.<\/p>\n<p>Zur Person<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/werner-graf-wahl-spezial.jpeg\"   alt=\"22.07.26, Destille Mehringdamm. Werner Graf (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) ist Spitzenkandidat f\u00fcr die Berlin-Wahl 2026. Interview: Anke Myrrhe, Checkpoint-Chefredakteurin.\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspA0ja\"\/><\/p>\n<p class=\"tspABgd\"> \u00a9 TSP\/Nassim Rad <\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Werner Graf<\/strong>, 46, stammt aus dem oberpf\u00e4lzischen Neumarkt und ist seit 2022 <strong>Co-Vorsitzender der Berliner Gr\u00fcnen-Fraktion<\/strong>. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September tritt er an der Seite von Bettina Jarasch als Kandidat f\u00fcr das Amt des Regierenden B\u00fcrgermeisters an.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\">Graf studierte Internationales Politikmanagement und war von 2001 bis 2005 Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift \u201eHanf Journal\u201c.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Was wollen Sie diesbez\u00fcglich konkret in Berlin machen?<\/strong><br \/>Wir m\u00fcssen den Baumentscheid mit konkreten Ma\u00dfnahmen und ausreichender Finanzierung unterlegen, damit wir auf eine Million B\u00e4ume kommen. Faktisch werden derzeit mehr B\u00e4ume gef\u00e4llt als gepflanzt. Berlin muss so umgebaut werden, dass das Wasser in Berlin bleibt und hier versickert, statt in der Spree abzuflie\u00dfen. Der Senat war nicht einmal in der Lage, an den hei\u00dfesten Tagen die Museen kostenlos zu \u00f6ffnen, um k\u00fchle Orte zu schaffen.<\/p>\n<blockquote class=\"tspCMpp\">\n<p>Wir Gr\u00fcnen haben manchmal nicht die einfachsten Antworten. Aber vielleicht braucht es in komplizierten Zeiten Parteien, die auch die komplizierten Antworten aussprechen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCMpq\"><strong>Werner Graf<\/strong>, Gr\u00fcnen-Spitzenkandidat in Berlin<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>In Umfragen sind Sie immer der unbekannteste Spitzenkandidat. Haben Sie eine Erkl\u00e4rung, wieso?<\/strong><br \/>Wir sind eine feministische Partei und leben von Doppelspitzen. Auch insgesamt stehen wir f\u00fcr ein breites Angebot im Team. Da gibt es keine One-Man-Shows, sondern wir arbeiten im Team.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Sie klingen zerknirscht. Das ist f\u00fcr Sie doch ein Problem. Viele B\u00fcrger machen ihre Wahlentscheidung schlie\u00dflich von den Spitzenkandidaten abh\u00e4ngig.<\/strong><br \/>Wir Gr\u00fcne sind eine Programmpartei, die vor allem wegen ihrer Inhalte gew\u00e4hlt wird. Das ist doch erst mal eine tolle Sache. Und wir wissen aus anderen Wahlk\u00e4mpfen, dass oft erst am Ende eine richtige Dynamik entsteht.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>In Baden-W\u00fcrttemberg haben die Gr\u00fcnen selbst <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/aus-einer-einwanderer-familie-an-die-spitze-der-politik-seltener-jubel-aus-der-turkei-uber-cem-ozdemir-15332959.html?icid=in-text-link_15979372\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mit Cem \u00d6zdemir<\/a> eine One-Man-Show gemacht und die Wahl \u00fcberraschend gewonnen. Warum lernen die Berliner Gr\u00fcnen da nicht draus?<\/strong><br \/>Die Wahl in Baden-W\u00fcrttemberg hatte eine g\u00e4nzlich andere Ausgangslage. Aber nat\u00fcrlich stehe inzwischen auch ich sehr viel st\u00e4rker im Fokus als zu Beginn des Wahlkampfes. Und das wird bis zur Wahl auch so bleiben. Ich bin da entspannt.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Gerade scheint es so: Wer in Berlin richtig links tickt, der w\u00e4hlt eher die Linke, nicht die Gr\u00fcnen. Sind Sie als dezidiert linker Gr\u00fcner da der falsche Spitzenkandidat?<\/strong><br \/>Die Menschen da drau\u00dfen wissen gar nicht, wer welchem Fl\u00fcgel angeh\u00f6rt. Sie erwarten, dass wir im Team agieren, und das tun wir auch. Und wir decken ein breites Themenspektrum ab. Wir machen nicht nur Mietpolitik, sondern auch Klimaschutz, Verkehrswende und k\u00e4mpfen f\u00fcr die Demokratie. Wir Gr\u00fcnen haben manchmal nicht die einfachsten Antworten. Aber vielleicht braucht es in komplizierten Zeiten Parteien, die auch die komplizierten Antworten aussprechen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Sie wollen Regierender B\u00fcrgermeister werden und mit SPD und Linken koalieren. Was machen Sie, wenn die Gr\u00fcnen hinter der Linken landen? Werden Sie dann Juniorpartner oder gehen Sie in ein B\u00fcndnis mit CDU und SPD?<\/strong><br \/>Aus meiner Pr\u00e4ferenz f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit SPD und Linken und auch aus unserem Wunsch, die CDU in die Opposition zu schicken, habe ich nie einen Hehl gemacht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1787823438_245_werner-graf-wahl-spezial.jpeg\"   alt=\"22.07.26, Destille Mehringdamm. Werner Graf (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) ist Spitzenkandidat f\u00fcr die Berlin-Wahl 2026. Interview: Anke Myrrhe, Checkpoint-Chefredakteurin.\" aria-labelledby=\"caption-15982880\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspA0ja\"\/> Bierdeckel-Spiele: Werner Graf (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen), Spitzenkandidat f\u00fcr die Berlin-Wahl 2026. <\/p>\n<p class=\"tspABgd\"> \u00a9 TSP\/Nassim Rad <\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Die CDU hat zuletzt ihren Spitzenkandidaten ausgetauscht: Stefan Evers statt Kai Wegner. Macht das die Partei als m\u00f6glichen Koalitionspartner attraktiver?<\/strong><br \/>Die Berliner CDU bleibt die Berliner CDU. Sie hat an Recht und Gesetz vorbei F\u00f6rdergelder vergeben. Sie k\u00fcrzt bei Kunst und Kultur und bei der Wissenschaft, was f\u00fcr Berlin auch wirtschaftlich wichtige Pfeiler sind. Sie macht eine R\u00fcckschrittspolitik, vernichtet Radwege, statt neue zu errichten, und m\u00f6chte die A100 verl\u00e4ngern. Das ist nicht unsere Politik.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Sie haben k\u00fcrzlich davor gewarnt, die Enteignung von Wohnraum zur Bedingung einer Koalition zu machen, wie es <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berlin-vor-der-wahl-linken-chefin-schwerdtner-macht-enteignungen-zur-bedingung-fur-koalition-15918271.html?icid=in-text-link_15979372\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Linken-Chefin Ines Schwerdtner<\/a> tat. Warum?<\/strong><br \/>Ich habe grunds\u00e4tzlich davor gewarnt, im Wahlkampf Bedingungen f\u00fcr Koalitionen zu formulieren. Deswegen ziehe ich nur gr\u00fcne Linien und zeige, wo wir hinwollen. Wenn ich mir die roten Linien anschaue, die CDU, Linke und SPD bisher gezogen haben, sind am Ende gar keine Koalitionen mehr m\u00f6glich. So darf man mit Demokratie und mit der Bev\u00f6lkerung nicht umgehen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Aber die Gr\u00fcnen bekennen sich doch dazu, den Enteignungs-Volksentscheid umzusetzen. Wollen Sie in einer Regierung gro\u00dfe Immobilienkonzerne enteignen oder nicht?<\/strong><br \/>Ich habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich vergesellschaften will. Aber die Wahrheit ist doch: Wer die Mietenkrise in Berlin bek\u00e4mpfen will, kann sich nicht auf eine einzige Ma\u00dfnahme verlassen. Eine Vergesellschaftung wird Zeit ben\u00f6tigen, deshalb brauchen wir auch ein Bezahlbare-Mieten-Gesetz, deswegen m\u00fcssen wir viel mehr B\u00fcror\u00e4ume zu Wohnungen umbauen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Eine Enteignung w\u00fcrde wom\u00f6glich einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Wie soll Berlin das trotz seiner desolaten Haushaltslage finanzieren?<\/strong><br \/>Die Entsch\u00e4digungssumme w\u00e4re nicht auf einen Schlag f\u00e4llig. Aber nat\u00fcrlich m\u00fcssten wir zun\u00e4chst Kredite aufnehmen und diese schrittweise zur\u00fcckzahlen. Wir erwerben damit aber auch einen Gegenwert: Wohnungen, mit denen wir Einnahmen erzielen, also Mieten. Die Firmen, die wir \u00fcbernehmen w\u00fcrden, sch\u00fctten derzeit erhebliche Gewinne aus. Viele Fragen, wie etwa die genaue H\u00f6he der Entsch\u00e4digungssumme, sind allerdings in der Tat noch offen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Ihr Entwurf f\u00fcr das Bezahlbare-Mieten-Gesetz sieht eine Art F\u00fchrerschein f\u00fcr Vermieter vor: Wer sich nicht an die Regeln h\u00e4lt, soll nicht mehr vermieten d\u00fcrfen. Wie soll das genau funktionieren?<\/strong><br \/>Wir wollen, dass Vermieter mit \u00fcber 50 Wohnungen einen Teil ihrer Wohnungen zu den Preisen von Sozialwohnungen vermieten. Au\u00dferdem sollen Vermieter in ihre Wohnungen investieren m\u00fcssen, damit sie nicht verfallen. Wer sich nicht an diese Regeln h\u00e4lt, erh\u00e4lt zun\u00e4chst Geldstrafen. Wenn Vermieter wiederholt dagegen versto\u00dfen, soll ein Treuh\u00e4nder die Wohnungen \u00fcbernehmen, daf\u00fcr sorgen, dass sie gesetzeskonform vermietet werden, und sie anschlie\u00dfend zur\u00fcckgeben. Bei nochmaligen Verst\u00f6\u00dfen wollen wir diesen Vermietern verbieten, \u00fcberhaupt noch Gesch\u00e4fte mit Immobilien zu machen.<\/p>\n<blockquote class=\"tspCMpp\">\n<p>Wir wollen die Stadt so umbauen, dass kein Mensch mehr im Verkehr stirbt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspCMpq\"><strong>Werner Graf<\/strong>, Gr\u00fcnen-Spitzenkandidat in Berlin<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Das klingt nach einem B\u00fcrokratiemonster.<\/strong><br \/>Ist es nicht. Aber klar ist: Wir brauchen mehr Transparenz und Wissen \u00fcber den Berliner Mietenmarkt. Es kann doch nicht sein, dass wir oft gar nicht wissen, wem welche Wohnung geh\u00f6rt. Etwa, ob russische Investoren hier im gro\u00dfen Stil Berlin aufkaufen. Daher wollen wir ein Landesamt f\u00fcr Wohnungswesen aufbauen und das Wohnungskataster einf\u00fchren. Wenn wir endlich wissen, wer was besitzt und zu welchen Konditionen es vermietet wird, ist es kein gro\u00dfer Aufwand mehr, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob unsere Regeln eingehalten werden.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Verhindert es nicht dringend notwendige Investitionen in den Neubau, wenn Sie private Vermieter so stark regulieren?<\/strong><br \/>Vermieter, die sich nicht an Recht und Gesetz halten, will ich in Berlin nicht haben. Wer nur vermietet, um den letzten Cent aus den Berlinerinnen und Berlinern rauszupressen, hat hier nichts verloren. Beim Neubau sind ohnehin ganz andere Fragen entscheidend: Grundst\u00fcckspreise, die Zinsen, die Personal- und die Materialkosten.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Die Verkehrspolitik ist eines Ihrer Kernthemen. Was ist Ihnen dort am wichtigsten?<\/strong><br \/>Wir wollen die Stadt so umbauen, dass kein Mensch mehr im Verkehr stirbt. Dazu wollen wir Tempo 30, sichere Radwege und vor Schulen verkehrsberuhigte und zum Teil autofreie Zonen schaffen. Und wir wollen daf\u00fcr sorgen, dass Bus und Bahn wieder verl\u00e4sslich kommen. Daf\u00fcr wollen wir die versprochenen 1500 neuen U-Bahn-Wagen endlich bestellen. Aus unserer Sicht braucht es stattdessen keine Tangentialverbindung Ost und auch keinen weiteren Ausbau der A100. Das schont dann auch den Haushalt.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Auch auf eine Olympia-Bewerbung wollen Sie verzichten, obwohl sich die Gr\u00fcnen in M\u00fcnchen, Nordrhein-Westfalen und im Bund daf\u00fcr einsetzen. Was haben Sie gegen Olympische Spiele?<\/strong><br \/>Wir sehen keine positiven Effekte durch Olympia f\u00fcr Berlin. Diese ganzen Versprechungen von goldenen Br\u00fccken \u00fcber das Brandenburger Tor oder goldenen Pyramiden auf dem Tempelhofer Feld. Das Geld, das etwa in tempor\u00e4re Bauten und in die Sicherheit w\u00e4hrend der Spiele flie\u00dfen w\u00fcrde, h\u00e4tte keinen Nutzen f\u00fcr die Zeit nach den Spielen. Wir brauchen stattdessen eine nachhaltige Stadtentwicklung und m\u00fcssen uns drum k\u00fcmmern, dass Events langfristig in der Stadt bleiben.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Wie denn?<\/strong><br \/>Andere St\u00e4dte machen es vor: Da gibt es Agenturen, die f\u00fcr die Veranstalter als zentraler Ansprechpartner fungieren. Und die werben auch gezielt Events ab. Auch bei Konzerten haben wir Probleme. Wir haben im Augenblick keine attraktive B\u00fchne f\u00fcr richtig gro\u00dfe Megastars.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Gro\u00dfe Konzerte finden doch jeden Sommer im Olympiastadion statt.<\/strong><br \/>Das Olympiastadion hat keine gute Akustik. Wenn Sie mit gro\u00dfen Bookingagenturen reden, sagen die alle, dass sie deshalb ungern nach Berlin kommen. Die \u00c4rzte haben vorgemacht, wie es stattdessen gehen kann. Wir haben auf dem Vorplatz vom Tempelhofer Feld ein Riesengel\u00e4nde, das wir f\u00fcr gro\u00dfe Konzerte nutzen k\u00f6nnen. Wir sollten den Ort mit Technik, Musikanlagen und ausfahrbaren B\u00fchnen einrichten. Das w\u00e4re ein Platz mit weltweiter Strahlkraft. Dann w\u00fcrden auch Adele oder Taylor Swift wieder nach Berlin kommen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Andere wollen auf dem Tempelhofer Feld Wohnungen bauen \u2013 die w\u00e4ren zentral gelegen und werden dringend gebraucht. Warum stemmen sich die Gr\u00fcnen weiterhin so vehement gegen diese Idee?<\/strong><br \/>Das Tempelhofer Feld ist einmalig auf der Welt. Seit das Feld ge\u00f6ffnet wurde, kommen die Menschen und f\u00fcllen diesen Ort mit Leben, ohne verordneten Plan von oben. Hier zeigt sich Berlin von seiner sch\u00f6nsten Seite. Es gibt G\u00e4rten, Sporteinrichtungen oder schattige Ecken f\u00fcr Familien. Das m\u00fcssen wir weiterentwickeln, statt es zu bebauen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/stefan-evers-uber-schwulsein-in-berlin-wenn-man-handchenhaltend-in-der-u7-ist-kann-es-sehr-unangenehme-situationen-geben-15842080.html?icid=in-text-link_15979372\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Der CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers berichtete uns von \u00dcbergriffen, als er mit seinem Mann H\u00e4ndchen haltend U7 gefahren ist<\/strong><\/a><strong>. Haben Sie in Berlin vergleichbare Erfahrungen gemacht?<\/strong><br \/>Dass man als queerer Mensch auch unangenehme Erfahrungen bis hin zu \u00dcbergriffen erlebt, ist so. Das ist leider keine neue Entwicklung, das war schon immer so. Wir sehen aber derzeit, dass die Gewalt- und Straftaten gegen queere Menschen stark zunehmen. Sie gehen vor allem von Rechtsextremen aus, aber auch von Islamisten. Beides m\u00fcssen wir bek\u00e4mpfen. Es ist wichtig, dass diese F\u00e4lle schneller vor Gericht kommen und es schneller zu Verurteilungen kommt. Das allein reicht aber nicht.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Was braucht es noch?<\/strong><br \/>Wir m\u00fcssen queere Projekte weiter unterst\u00fctzen. Dazu geh\u00f6rt auch Bildungsarbeit an Schulen. Dass die Bildungssenatorin hier alle bestehenden Projekte streichen wollte, dass eine CDU-Stadtr\u00e4tin in Steglitz-Zehlendorf Dragqueen-Lesungen in Bibliotheken verboten hat, halte ich f\u00fcr verheerend.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Ende Juli gab es einen islamistischen Anschlag auf den CSD. Hat die politische Linke die Gefahr des Islamismus untersch\u00e4tzt?<\/strong><br \/>Ich kann nur f\u00fcr mich sprechen. Als ich ein halbes Jahr w\u00e4hrend meines Studiums in Istanbul gelebt habe, war ich mit Menschen verbunden, die dort f\u00fcr CSDs und Pride-M\u00e4rsche gek\u00e4mpft haben. Und die sich auch dort gegen Islamisten zur Wehr setzen mussten. Deswegen ist es so wichtig, in der Sprache genau zu sein: Ich spreche von Rechtsextremen, nicht von Deutschen, und ich spreche von Islamisten, nicht von Muslimen.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Sie haben kurz nach dem Anschlag gesagt: \u201eEs darf keine falsche Toleranz geben.\u201c Gab es die denn?<\/strong><br \/>Wir leben in sehr polarisierten Zeiten, und es gibt offenbar Gruppen, die eine falsche Toleranz zeigen. Wenn man, wie die Linke Neuk\u00f6lln, Islamismus gar nicht erst erw\u00e4hnt, halte ich das f\u00fcr falsch. Gewalt, die von Islamisten ausgeht, darf nicht weggewischt werden.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\"><strong>Ist Berlin noch ein sicherer Ort f\u00fcr queere Menschen?<\/strong><br \/>Lange Zeit hatte ich das Gef\u00fchl, dass es in ganz Deutschland immer besser wird. Nun erleben wir einen Backlash. Wir haben einen Bundeskanzler, der Menschen wie mich mit einem Zirkuszelt in Verbindung bringt. Queere Einrichtungen m\u00fcssen schlie\u00dfen, wie etwa Lambda, weil sie keine F\u00f6rderung mehr erhalten. Dabei w\u00e4re es gerade jetzt wichtig, dass junge Menschen mit Queers in Kontakt kommen k\u00f6nnen \u2013 damit sie Toleranz und Akzeptanz lernen, aber auch, damit queere Jugendliche sehen, dass sie nicht allein sind.<\/p>\n<p>Mehr Interviews zur Berlin-Wahl<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-spitzenkandidatin-elif-eralp-im-gesprach-eine-linke-in-der-regierung-wird-vergesellschaften-15966285.html?icid=topic-list_15979372___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Ich bin in einem sehr katholischen Umfeld aufgewachsen und habe lange damit gerungen, nicht dem Mainstream zu entsprechen. Ich habe mich gefragt: Was stimmt nicht mit mir? Ich bin dann in N\u00fcrnberg zu einer Coming-out-Gruppe gegangen. Zum ersten Mal habe ich gemerkt: Ich bin nicht allein.<\/p>\n<p class=\"tspCJpg\">Es gibt andere, die mit denselben Fragen k\u00e4mpfen. Und: Ich bin gut so, wie ich bin. Wenn solche Orte finanziell zusammengestrichen werden, ist das schrecklich. Wir haben nach wie vor eine extrem hohe Suizidrate bei queeren Jugendlichen, insbesondere bei trans Personen. Das k\u00f6nnen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Graf, in vier Wochen wird in Berlin gew\u00e4hlt. 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