{"id":1263671,"date":"2026-08-27T09:53:34","date_gmt":"2026-08-27T09:53:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263671\/"},"modified":"2026-08-27T09:53:34","modified_gmt":"2026-08-27T09:53:34","slug":"simulationsspiele-warum-gibt-es-krabbenfang-als-videospiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1263671\/","title":{"rendered":"Simulationsspiele: Warum gibt es Krabbenfang als Videospiel?"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Simulationsspiele: Warum gibt es Krabbenfang als Videospiel?<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Busse, Bahnen, Schiffe, Einsatzwagen \u2013 die Firma Aerosoft hat sich der PC-Simulation von Berufen verschrieben, die andere gerne nachspielen. Die Spiele entstehen aber nur selten im eigenen Haus. Der Publisher arbeitet mit kleinen Studios zusammen, die h\u00e4ufig selbst aus der Industrie kommen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Auf der Gamescom hat heise online am Aerosoft-Stand mit Entwicklern solcher Simulationsspiele gesprochen. Einer baut einen Schiffssimulator, der so genau sein will, dass Reedereien ihn zur Ausbildung einsetzen k\u00f6nnten. Ein anderer schickt Spieler zum Krabbenfang in den pazifischen Nordwesten, wo sie in ihrem eigenen Tempo spielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDER Simulationsladen in Deutschland\u201c<\/p>\n<p>Aerosoft wurde 1991 gegr\u00fcndet und verkaufte zun\u00e4chst Add-ons f\u00fcr Microsofts Flugsimulator. Ab 2002 kamen Erweiterungen f\u00fcr den Train Simulator dazu. Sp\u00e4ter wurde das Programm breiter, unter anderem mit \u201eFernbus Simulator\u201c, \u201eOMSI 2\u201c und der Feuerwehr-Simulation \u201eNotruf 112\u201c. In Europa vertreibt Aerosoft au\u00dferdem den <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Flight-Simulator-2024-Ein-Blick-auf-die-Technik-und-den-VR-Modus-9955582.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eMicrosoft Flight Simulator\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eAerosoft ist DER Simulationsladen in Deutschland\u201c, sagt Volker Steigerwald, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von SWE Systems. Sein Weg in die Spielentwicklung f\u00fchrte \u00fcber einen Umweg: Er begann als Modder, bevor er mit der Entwicklung seines <a href=\"https:\/\/store.steampowered.com\/app\/3636930\/Professional_Ship_Simulator\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">\u201eProfessional Ship Simulator\u201c<\/a> begann. Schlie\u00dflich pitchte er seinen Titel bei Aerosoft \u2013 mit Erfolg. Der Publisher \u00fcbernimmt Projektmanagement und Marketing, sagt er. F\u00fcr sein erstes Spiel brauchte er vor allem diese Erfahrung.<\/p>\n<p>Sebastian Pohl, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Studios Binary Impact, arbeitet nach dem Parkhaus-Aufbauspiel \u201eParking World\u201c und dem Kriminaltechnik-Simulator <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tests\/Forensics-im-Test-Ermittlungsarbeit-ist-Fleissarbeit-11397995.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">\u201eForensics: Crime Scene Detective\u201c<\/a> zum dritten Mal mit Aerosoft zusammen. Regelm\u00e4\u00dfige Treffen, in denen auch \u00fcber Spielinhalte gesprochen wird, h\u00e4lt er f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Wert der Partnerschaft. \u201eMan wird irgendwann betriebsblind, wenn man ein Jahr an so einem Spiel arbeitet\u201c, sagt Pohl. Der Publisher kenne die Zielgruppe oft besser als das Team selbst.<\/p>\n<p>Wenn Entwickler zu wenig Schiff fahren<\/p>\n<p>SWE Systems gibt es seit 2005, das Kerngesch\u00e4ft sind Embedded-Elektronik und Auftragssoftware. Erst 2024 kam die Spieleentwicklung dazu. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Steigerwald ist Funknavigationsingenieur, hat Ausbildungen an Flugsimulatoren betreut und sich anschlie\u00dfend in die Schiffssimulation eingearbeitet. Aus einem privaten Plug-in f\u00fcr einen fremden Simulator und ersten Gehversuchen mit der Unreal Engine wurde \u201eProfessional Ship Simulator\u201c.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Fachkr\u00e4fte f\u00fcr so ein Projekt zu finden, ist schwierig. \u201eIch habe das Problem, dass meine Entwickler zu wenig Schiff fahren\u201c, sagt Steigerwald. Das Wissen holt er sich von au\u00dfen: Pensionierte Kapit\u00e4ne aus der Community fahren t\u00e4glich Testfahrten im Simulator und melden zur\u00fcck, wenn mit Beschleunigungszeiten oder Drehraten etwas nicht ganz passt.<\/p>\n<p>      Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p class=\"opt-in__description\">\n    Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.\n  <\/p>\n<p>        YouTube-Video jetzt laden\n      <\/p>\n<p>Die Seegebiete rund um R\u00fcgen und in der Stra\u00dfe von Dover beruhen auf echten Seekarten des Bundesamts f\u00fcr Seeschifffahrt und Hydrographie sowie auf Wassertiefen aus der europ\u00e4ischen Datenbank EMODnet. Simuliert werden Wind, Str\u00f6mung, Ankerverhalten, Leinenkr\u00e4fte und der Sog, den ein gro\u00dfes Schiff beim Passieren eines Stegs erzeugt. Der Seegang reicht bis zu Wellenh\u00f6hen von 8 Metern \u2013 Realismus ist der Anspruch.<\/p>\n<p>K\u00e4ufer, die man gar nicht haben will<\/p>\n<p>Ein Teil dieser Arbeit zielt auf Kundschaft, die keine Gamer sind. Er sei mit einem Schiffbauer im Gespr\u00e4ch, der den Simulator f\u00fcr die Navigationsausbildung neuer Crews nutzen will, sagt Steigerwald. F\u00fcr solche Zwecke lassen sich im Spiel zum Beispiel Sicherungen sabotieren, um den Trainee vor eine Herausforderung zu stellen.<\/p>\n<p>Der Preis daf\u00fcr ist die Einstiegsh\u00fcrde: Wer sich sofort ein Kreuzfahrtschiff nimmt und nach ein paar Minuten umkippt, ist frustriert und schreibt wom\u00f6glich eine schlechte Steam-Rezension. \u201eWir werden wahrscheinlich bis in die Hunderttausende Leute verlieren\u201c, sagt Steigerwald. \u201eAber daf\u00fcr ist es eben wirklich eine Simulation.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Steigerwald ist das eine bewusste Abw\u00e4gung: \u201eIch bin Ingenieur, ich will es gescheit machen.\u201c Verkaufen wolle er das Spiel an Leute, die es ernst meinen, nicht an m\u00f6glichst viele. Als Zielgruppe hat er die bestehende Simulationsszene im Blick, also Flugsimulator-, Landwirtschafts- und Truck-Spieler. Warum stehen diese Leute auf solche Spiele? \u201eDie Challenge, glaube ich.\u201c<\/p>\n<p>Krabben statt Kriminaltechnik<\/p>\n<p>Binary Impact aus Niederelbert richtet sich an ein etwas breiteres Publikum. Das Studio hat 13 Besch\u00e4ftigte, an einem Spiel arbeiten davon etwa sieben. Auch hier steht die Industrie am Anfang: F\u00fcr \u201eParking World\u201c entstand mit einem Automobilhersteller ein Editor f\u00fcr Parkh\u00e4user, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/LKA-und-Gaming-Firma-bringen-Tatorte-ins-Wohnzimmer-11279759.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">f\u00fcr \u201eForensics\u201c lieferte das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz die fachliche Grundlage<\/a>. Geld floss in beiden F\u00e4llen nicht, nur Freigaben und Fachwissen. Finanziert werden die Spiele \u00fcber Aerosoft, Bundes- oder Landesf\u00f6rderung und Eigenkapital.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/store.steampowered.com\/app\/3765000\/Seaworks_Trap_Season\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">\u201eSeaworks: Trap Season\u201c<\/a> ist laut Pohl der erste Titel des Studios ohne ein Industrieprojekt im R\u00fccken. Gespielt wird im pazifischen Nordwesten der 1990er-Jahre. Eine gro\u00dfe Landmasse gibt es bewusst nicht, damit die Aufmerksamkeit auf dem Meer bleibt.<\/p>\n<p>Der Antrieb ist trotzdem ein anderer als beim Schiffssimulator: \u201eDu hast keine Hektik\u201c, sagt Pohl \u00fcber den Reiz des virtuellen Krabbenfangs. Man plane seine Route, achte auf Sprit und Finanzen und arbeite sich \u00fcber mehrere Fangsaisons hoch, ohne dass im Hintergrund eine finstere Bedrohung Stress mache.<\/p>\n<p>Entspannung als Gesch\u00e4ftsmodell<\/p>\n<p>\u201eSeaworks\u201c versteht sich als die entspannende Variante eines Job-Simulators. Die Mechaniken selbst sind absichtlich vereinfacht. Eine Vorrichtung zum Aussetzen von Krabbenfallen sei in Wirklichkeit hochkomplex, sagt Pohl. \u201eDa ist es wichtig, dass das eben genau so gamifiziert ist, dass du noch siehst, wo es herkommt, aber es trotzdem Spa\u00df macht.\u201c<\/p>\n<p>      Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p class=\"opt-in__description\">\n    Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.\n  <\/p>\n<p>        YouTube-Video jetzt laden\n      <\/p>\n<p>Warum Menschen \u00fcberhaupt die Arbeit anderer Leute nachspielen, kann auch Pohl nicht abschlie\u00dfend erkl\u00e4ren. Er erinnert sich an die LAN-Partys, die sein Team fr\u00fcher organisiert hat: \u201eDie ganze Halle ist still, es ist 1 Uhr nachts, alle spielen den \u201aLandwirtschafts-Simulator\u2019.\u201c Einige Simulationsfans, die grunds\u00e4tzlich auf solche Spiele stehen, gebe es sicher, glaubt Pohl. Doch jede Nische habe zus\u00e4tzlich ihr eigenes Publikum. Wer in \u201eForensics: Crime Scene Detective\u201c Fingerabdr\u00fccke sichert, will nicht zwangsl\u00e4ufig in \u201eSeaworks\u201c Krabben fangen.<\/p>\n<p>Was bei Spielern verf\u00e4ngt und was nicht, ist im Simulations-Genre schwer abzusch\u00e4tzen. Auf Steam stehen die ernsthaften Simulationen direkt neben <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/download\/specials\/Kuriose-Simulator-Spiele-3168460\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Titeln, die in einem Wochenende zusammengezimmert wurden und vor allem \u00fcber Humor oder Schockfaktor Aufmerksamkeit ziehen<\/a>. Verl\u00e4sslich reproduzieren l\u00e4sst sich dieser Effekt nicht, und planbar ist das Gesch\u00e4ft weder f\u00fcr den Entwickler noch f\u00fcr Aerosoft. \u201eF\u00fcr die ist es ja immer auch so ein bisschen Gl\u00fccksspiel, in eine Projektidee zu investieren\u201c, sagt Pohl.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/mailto:dahe@heise.de\" title=\"Daniel Herbig\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dahe<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Simulationsspiele: Warum gibt es Krabbenfang als Videospiel? 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