{"id":1264173,"date":"2026-08-27T15:25:17","date_gmt":"2026-08-27T15:25:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1264173\/"},"modified":"2026-08-27T15:25:17","modified_gmt":"2026-08-27T15:25:17","slug":"sicherheitsluecke-mobilfunknetze-verrieten-sensible-handydaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1264173\/","title":{"rendered":"Sicherheitsl\u00fccke: Mobilfunknetze verrieten sensible Handydaten"},"content":{"rendered":"<p>Recherchen des BR zeigen, dass deutsche Mobilfunknetze bei Telefonaten im Hintergrund sensible Ger\u00e4tedaten an die Anruferseite \u00fcbertragen haben. Betroffen waren die 15-stellige IMEI-Kennnummer sowie Angaben zu Smartphone-Modell und Betriebssystemversion. Die Daten gelangten schon vor der Annahme des Gespr\u00e4chs zum Anrufer \u2013 und k\u00f6nnen f\u00fcr Angreifer wertvoll sein.<\/p>\n<p><b>Wie gro\u00df ist die Sicherheitsl\u00fccke? Und wie reagieren Netzbetreiber darauf? BR24 sprach mit dem BR-Investigativjournalisten<\/b><a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/autoren\/alexander-nabert,a0dc59cb-e854-4230-9bbe-8330b9707323\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b> Alexander Nabert<\/b><\/a><b> \u00fcber die Recherche. Das Video finden Sie oben eingebettet \u00fcber dem Artikel.<\/b><\/p>\n<p>Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz: Sicherheitsl\u00fccke &#8222;sicherheitsrelevant&#8220;<\/p>\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) wertet die von BR Recherche entdeckte Sicherheitsl\u00fccke auf Anfrage als &#8222;sicherheitsrelevant&#8220;. Die Daten k\u00f6nnten kriminellen und staatlichen Cyberakteuren gezielte Angriffe erleichtern, etwa mit Spionagesoftware. &#8222;Aufgrund bereits erfolgter Cyberangriffe auf Mobilfunkger\u00e4te durch staatliche Angreifer&#8220; gehe das BfV &#8222;nahezu sicher davon aus, dass fremde Nachrichtendienste entsprechende Informationen f\u00fcr ihre Zwecke nutzen&#8220;. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Recherche riefen BR-Reporter unter anderem den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter an, der im Ausw\u00e4rtigen Ausschuss sitzt. Dabei konnten sie die IMEI seines Smartphones auslesen, aus der sich das konkrete Ger\u00e4temodell ergibt. Kiesewetter sprach im BR-Interview von einem gravierenden &#8222;Einfallstor f\u00fcr ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste&#8220;. Er sei alarmiert, was seine Familie, sein Team und ihn betreffe. Es m\u00fcsse gekl\u00e4rt werden, wer daf\u00fcr verantwortlich sei und warum die L\u00fccke nicht viel fr\u00fcher geschlossen wurde. <\/p>\n<p>Netzbetreiber \u00e4ndern ihre Systeme <\/p>\n<p>Insgesamt untersuchte der BR bei mehr als 70 Testanrufen, welche Informationen beim Rufaufbau \u00fcber das Netz an das Smartphone des Anrufers \u00fcbermittelt werden. In den Netzen von Telekom und Telef\u00f3nica (O2) gelangten dabei in mehreren F\u00e4llen IMEI-Nummern zum Anrufer. Bei Telekom und Vodafone wurden Smartphone-Modelle und Betriebssystemversionen offengelegt. So lie\u00df sich erkennen, ob wichtige Sicherheitsupdates installiert waren. Die Daten wurden nicht bei jedem Anruf \u00fcbertragen, sondern offenbar nur in bestimmten Konstellationen.  <\/p>\n<p>Seit wann die Sicherheitsl\u00fccke bestand, ist unklar. Der BR informierte Telekom, Vodafone und Telef\u00f3nica Ende Juni \u00fcber die Schwachstelle. Vodafone schrieb dem BR, das Unternehmen habe die Daten, die bei Anrufen \u00fcbermittelt werden, &#8222;zus\u00e4tzlich eingegrenzt&#8220;. Die Telekom k\u00fcndigte Mitte August gegen\u00fcber dem BR an, ihr Netz entsprechend anzupassen. Telef\u00f3nica erkl\u00e4rte, technische Ma\u00dfnahmen umgesetzt zu haben. Die Unternehmen betonten, internationale Branchenstandards einzuhalten. <\/p>\n<p>Die daf\u00fcr zust\u00e4ndige Mobilfunk-Standardisierungsorganisation 3GPP erkl\u00e4rte dem BR hingegen, die Spezifikationen s\u00e4hen bei gew\u00f6hnlichen Anrufen keine Weitergabe der IMEI an die andere Gespr\u00e4chsseite vor. Die Internet Engineering Task Force warnt in ihren Standards zudem ausdr\u00fccklich davor, konkrete Betriebssystemversionen offenzulegen. <\/p>\n<p>GSMA informiert mehr als 1.000 Unternehmen weltweit <\/p>\n<p>Der internationale Mobilfunkverband GSMA best\u00e4tigte die Sicherheitsl\u00fccke auf Anfrage. Die GSMA vertritt Mobilfunkanbieter weltweit und entwickelt mit der Branche technische Richtlinien f\u00fcr den Betrieb und die Sicherheit von Mobilfunknetzen. Nachdem der BR sich mit Fragen an den Verband gewandt hatte, warnte er seine mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen, wozu auch die deutschen Netzanbieter geh\u00f6ren.  <\/p>\n<p>In dem neunseitigen Briefing, das dem BR vorliegt, empfiehlt die GSMA Netzbetreibern, ihre Netze zu \u00fcberpr\u00fcfen und unn\u00f6tig \u00fcbermittelte Informationen herauszufiltern. Angreifer k\u00f6nnten mit den Daten Ger\u00e4teprofile erstellen, Phishing und Social Engineering gezielter einsetzen und bekannte Sicherheitsl\u00fccken in Ger\u00e4ten und Software aufsp\u00fcren. Auch bestehende GSMA-Richtlinien enthielten bereits Empfehlungen, unn\u00f6tige technische Informationen aus den Verbindungsdaten zu entfernen. <\/p>\n<p>IMEI besonders zu sch\u00fctzen <\/p>\n<p>Jiska Classen, Professorin am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und Leiterin der Forschungsgruppe zur Sicherheit mobiler und drahtloser Systeme, spricht von einer gravierenden Sicherheitsl\u00fccke, mit der es Angreifern prinzipiell m\u00f6glich sei, massenhaft Daten von Smartphone-Nutzern zu sammeln. Die Schwachstelle zeige, wie schlecht getestet solche Systeme teilweise seien. Sowohl die Hersteller der Netzwerkger\u00e4te als auch die Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur h\u00e4tten das Problem \u00fcbersehen.  <\/p>\n<p>Das Telekommunikationsgesetz verpflichtet die Netzbetreiber, Kommunikations- und Metadaten zu sch\u00fctzen. In einem gesetzlich verankerten Sicherheitskatalog z\u00e4hlt die Bundesnetzagentur die IMEI-Nummer ausdr\u00fccklich zu den als besonders sch\u00fctzenswerten Kundendaten.  <\/p>\n<p>Die Bundesnetzagentur teilte dem BR mit: &#8222;F\u00fcr den Rufaufbau auf Empf\u00e4ngerseite sind die Daten grunds\u00e4tzlich nicht relevant und k\u00f6nnten somit entfallen.&#8220; Die IMEI solle das Mobilfunknetz nicht verlassen. Die Betreiber h\u00e4tten das Verhalten inzwischen abgestellt oder bef\u00e4nden sich noch in der technischen Kl\u00e4rung.  <\/p>\n<p>Soldaten im Fokus von Spionen <\/p>\n<p>Der Sicherheitsexperte Harrison Sand vom norwegischen Unternehmen Mnemonic hatte im April in Norwegen eine \u00e4hnliche Sicherheitsl\u00fccke aufgedeckt und seine Methodik mit dem BR geteilt. Er sagte dem BR, ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste investierten enorme Ressourcen, um Informationen aus Telefonnetzen zu gewinnen. Die Netzbetreiber h\u00e4tten die Verantwortung ihre Netze sicher zu betreiben. <\/p>\n<p>Wie Nachrichtendienste eine IMEI nutzen k\u00f6nnen, zeigt ein Szenario aus dem Bundeswehr-Magazin &#8222;Y&#8220;: Werde die Kennung eines Soldaten zun\u00e4chst in Deutschland und sp\u00e4ter auf einem Truppen\u00fcbungsplatz in Litauen erfasst, k\u00f6nne er &#8222;in den Fokus eines Spions r\u00fccken&#8220;. Das Verteidigungsministerium erkl\u00e4rte dem BR, Nachrichtendienste k\u00f6nnten mithilfe solcher Ger\u00e4tekennungen Bewegungsprofile erstellen und Personen identifizieren.<\/p>\n<p>Anmerkung der Redaktion: Nach Ver\u00f6ffentlichung des Artikels hat die Telekom auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitgeteilt, man habe \u00c4nderungen im Netz vorgenommen, &#8222;damit Metadaten &#8211; unabh\u00e4ngig von Ger\u00e4tefunktionen &#8211; vor der Weitergabe an der Grenze unseres Netzes entfernt werden.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Recherchen des BR zeigen, dass deutsche Mobilfunknetze bei Telefonaten im Hintergrund sensible Ger\u00e4tedaten an die Anruferseite \u00fcbertragen haben.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1264174,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[331,332,127734,1684,3364,29,30,15646,13,14774,4006,9150,14,88776,15,38053,12,8932,419,18098],"class_list":["post-1264173","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-br24-live-16-uhr","tag-cybercrime","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-hacker","tag-headlines","tag-it-sicherheit","tag-live","tag-livestream","tag-nachrichten","tag-netzbetreiber","tag-news","tag-o2","tag-schlagzeilen","tag-telekom","tag-verfassungsschutz","tag-vodafone"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117168172352371514","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1264173"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264173\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1264174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1264173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1264173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1264173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}