{"id":1264704,"date":"2026-08-27T21:02:17","date_gmt":"2026-08-27T21:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1264704\/"},"modified":"2026-08-27T21:02:17","modified_gmt":"2026-08-27T21:02:17","slug":"sonnenstadt-film-rezensionen-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1264704\/","title":{"rendered":"Sonnenstadt | Film-Rezensionen.de"},"content":{"rendered":"<p><b>Inhalt \/ Kritik<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1990er Jahren gr\u00fcndete der ehemalige Verkehrspolizist <strong>Sergei Torop<\/strong> in der russischen Taiga mit seiner religi\u00f6sen Anh\u00e4ngerschar eine Siedlung, die ihre Bewohner und Bewohnerinnen Stadt der Sonne nennen. Torop hatte sich da schon den Namen Wissarion gegeben und seine Glaubenslehre f\u00fcr die \u201eKirche des Letzten Testaments\u201c in mehreren B\u00e4nden ver\u00f6ffentlicht. Rund um den Berg in der Sonnenstadt, auf dem Wissarion, der sich als Wiedergeburt von Christus versteht, mit seinen engsten Vertrauten lebt, haben sich im Laufe der Jahre rund 5000 Anh\u00e4nger und Anh\u00e4ngerinnen niedergelassen. Viele leben in eingemeindeten D\u00f6rfern der Region. Von 2013 bis 2022 ist die Regisseurin <strong>Kristina Shtubert<\/strong> f\u00fcnfmal mit ihrem Team nach Sibirien gereist, um die Gemeinschaft zu beobachten und mit einzelnen Mitgliedern zu sprechen. Nachdem Wissarion 2020 in Untersuchungshaft genommen wird, k\u00e4mpft die religi\u00f6se Gruppe ums \u00dcberleben.<\/p>\n<p>Leben nach den Geboten des Lehrers<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gl\u00e4ubigen versammeln sich in der Kirche zum Lobgesang auf ihren Heiland Wissarion. Ein Mann wird vom T\u00fcrsteher abgewiesen, weil er nach Alkohol riecht. Drogen, Schnaps und Tabakkonsum sind in der Gemeinschaft der \u201eKirche des Letzten Testaments\u201c verboten. Aber getrunken und geraucht werde trotzdem heimlich, erz\u00e4hlen manche Leute Shtubert. Die in Russland geborene Regisseurin hat sich \u00fcber neun Jahre mit der Glaubensgemeinschaft befasst. Ihr Abschlussfilm an der Berliner Filmakademie DFFB gibt interessante Einblicke in den Alltag dieser Menschen in der sibirischen Region Krasnojarsk und zeigt, wie sich ihre Situation im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Wissarion, dessen Portr\u00e4ts als l\u00e4chelnder langhaariger Mann in Christuspose in der Kirche und den H\u00e4usern der Sonnenstadt stehen, hatte sich schon Werner Herzog interessiert. So geht es in dessen Dokumentarfilm von 1993, Glocken aus der Tiefe. Glaube und Aberglaube in Russland\u00a0unter anderem auch um den Prediger, den seine Gl\u00e4ubigen als \u201eLehrer\u201c verehren. Der Regisseurin Shtubert gew\u00e4hrt Wissarion ein kurzes Interview \u2013 im Film beschr\u00e4nkt es sich auf eine einzige Frage und Antwort. Bei einer Zeremonie sieht man ihn wie eine Christusfigur in Wei\u00df gekleidet langsam den Berg hinabsteigen und sich auf einen Thron setzen, w\u00e4hrend die Gemeinde and\u00e4chtig auf seine Predigt wartet. Was sie in ihm sehen und wie sie zu ihm stehen, erz\u00e4hlen die portr\u00e4tierten Menschen selbst. Eine Rentnerin, eine Jugendliche, eine junge, aus Deutschland eingewanderte Frau mit ihrem russischen Mann und zwei kleinen Kindern stehen im Zentrum des Films, weitere Personen geben kurze Einblicke in ihr Leben und Denken.<\/p>\n<p>Gestrandete und Sinnsuchende<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die junge Deutsche erntet im Garten Kartoffeln, hat stets die beiden Kinder um sich und ein L\u00e4cheln im Gesicht. Das naturnahe Leben gef\u00e4llt ihr, dass sie kaum zur Ruhe kommt, scheint ihr wenig auszumachen. Allerdings scheinen Spannungen im Familienleben auf, denn ihr Mann, ein ehemaliger H\u00e4ftling, g\u00f6nnt sich viel Ruhe. Seine Neigung zum J\u00e4hzorn f\u00fchrt, wie er selbst sp\u00e4ter erz\u00e4hlen wird, zu einem vor\u00fcbergehenden, disziplinierend wirkenden Ausschluss aus der \u201eEinigen Familie\u201c, dem Kreis der anerkannten Mitglieder der Glaubensgemeinschaft. Sie predigt Gewaltlosigkeit und scheint etlichen Leuten, die sich hierher gefl\u00fcchtet haben, weil sie in der russischen Gesellschaft unter die R\u00e4der geraten waren, Halt zu geben. Andere, wie die Rentnerin in ihrem bescheidenen Holzh\u00e4uschen, haben vor allem nach neuem Sinn im Leben gesucht \u2013 und ihn beim Beten, Holzhacken und der m\u00fchsamen Selbstversorgung offenbar gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Shtubert beobachtet, stellt Fragen aus dem Off, urteilt aber nicht. Eingeblendete Texte informieren \u00fcber Fakten, vieles aber bleibt dennoch unerkl\u00e4rt oder wird nicht vertieft. Werden die Menschen ausgebeutet, f\u00fchlen sie sich unter Druck gesetzt, zum Weitermachen gen\u00f6tigt? Eine Jugendliche zieht fort und wird drogenabh\u00e4ngig, ein junger Mann muss zum Wehrdienst, mit tragischen Folgen. Manchmal scheint Humor auf, etwa wenn die alte Dame erz\u00e4hlt, dass erst Wissarions zweite Frau ihn als Christus-Wiederkunft erkannt habe und es ihn gefreut habe, dass sie zugleich jung und weise sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e4ngst nicht alle im Film Befragten glauben an Wissarions Lehre oder halten sich vom Wodka fern. In den D\u00f6rfern scheint es auch Menschen zu geben, die hier arbeiten und ein Auskommen finden, w\u00e4hrend sie die \u201eKirche des Letzten Testaments\u201c skeptisch oder gleichg\u00fcltig betrachten. Man erf\u00e4hrt viel \u00fcber die Mentalit\u00e4t der Menschen, ihren Pragmatismus, ihre unverbl\u00fcmte, hemds\u00e4rmelige Art, die sie sympathisch wirken l\u00e4sst. Wundersch\u00f6n sind die Landschaftsaufnahmen in der wald- und wasserreichen Gegend, die vermitteln, dass das entbehrungsreiche Leben hier auch viel Sch\u00f6nes bieten kann. Doch der russische Staat l\u00e4sst die Gemeinde auf Dauer doch nicht tun, was ihr gef\u00e4llt. Eine Texteinblendung informiert, dass die Kirche des Letzten Testaments 2023 verboten wurde.<\/p>\n<p><b>Credits<\/b><\/p>\n<p><strong>OT:<\/strong> \u201eSonnenstadt\u201c<br \/><strong>Land:<\/strong> Deutschland<br \/><strong>Jahr:<\/strong> 2024<br \/><strong>Regie:<\/strong> Kristina Shtubert<br \/><strong>Kamera:<\/strong> Hanna Mayser, Ekaterina Smolina, Anton Petrov<\/p>\n<p><b>Filmfeste<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2024\/10\/internationales-leipziger-festival-fuer-dokumentar-und-animationsfilm-2024\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">DOK Leipzig 2024<\/a><br \/>achtung berlin 2025<\/p>\n<p><b>Kaufen \/ Streamen<\/b><\/p>\n<p>Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf \u00fcber diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass f\u00fcr euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise k\u00f6nnt ihr unsere Seite unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt \/ Kritik In den 1990er Jahren gr\u00fcndete der ehemalige Verkehrspolizist Sergei Torop in der russischen Taiga mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1264705,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1771],"tags":[1778,29,20613,214,30,95,1777,215],"class_list":["post-1264704","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kino","tag-cinema","tag-deutschland","tag-dokumentation","tag-entertainment","tag-germany","tag-kino","tag-movie","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1264704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264704\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1264705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1264704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1264704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1264704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}