{"id":1265748,"date":"2026-08-28T08:39:19","date_gmt":"2026-08-28T08:39:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1265748\/"},"modified":"2026-08-28T08:39:19","modified_gmt":"2026-08-28T08:39:19","slug":"oslo-koenig-harald-ein-warmherziger-monarch-ohne-allueren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1265748\/","title":{"rendered":"Oslo | K\u00f6nig Harald &#8211; Ein warmherziger Monarch ohne All\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p>Oslo (dpa) &#8211; Norwegens K\u00f6nig Harald V. war keiner, der gern gro\u00dfe Reden schwang. Sondern ein eher sch\u00fcchterner Mensch, der es nicht mochte, wenn viel Get\u00f6se um ihn gemacht wurde. Zum Volk zu sprechen, sah er nie als seine St\u00e4rke an. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, in den entscheidenden Momenten die richtigen Worte zu finden. Ungeachtet mehrerer Skandale rund um die K\u00f6nigsfamilie &#8211; vor allem um das Kronprinzenpaar &#8211; war Haralds Beliebtheit bei seinen Landsleuten ungebrochen. Zuletzt k\u00e4mpfte er immer wieder mit Krankheiten. Am Freitagmorgen ist der Monarch im Alter von 89 Jahren in Oslo gestorben.<\/p>\n<p>\u00abNorweger sind M\u00e4dchen, die M\u00e4dchen lieben, und Jungen, die Jungen lieben. Norweger glauben an Gott, Allah, an alles und nichts.\u00bb Als K\u00f6nig Harald diese Worte anl\u00e4sslich seines 25. Thronjubil\u00e4ums 2016 an sein Volk richtete, ahnte er nicht, was er damit ausl\u00f6ste. Ein Echo der Begeisterung schallte ihm entgegen. Zeitungen in der ganzen Welt druckten seine ungew\u00f6hnliche Rede.<\/p>\n<p>Der K\u00f6nig war von den Reaktionen v\u00f6llig \u00fcberrascht. \u00abIch wollte doch nur beschreiben, wie wir sind\u00bb, sagte er einige Jahre sp\u00e4ter dem \u00abAftenposten\u00bb-Journalisten Harald Stanghelle, der seine elf langen Gespr\u00e4che mit dem K\u00f6nig in dem Buch \u00abKongen forteller\u00bb (\u00abDer K\u00f6nig erz\u00e4hlt\u00bb) ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Harald war ein K\u00f6nig, der mit der Zeit ging und sich seit seiner Thron\u00fcbernahme 1991 stets weiterentwickelte. Auch wenn das nicht hei\u00dfen muss, dass er ein moderner K\u00f6nig war: So weigerte er sich lange, sich ein Handy anzuschaffen. Erst 2020, als das Coronavirus die Welt zum Stillstand zwang, sagte er Ja zu seinem ersten Mobiltelefon &#8211; mit 83 Jahren.<\/p>\n<p>\u00abGro\u00dfvater\u00bb Roosevelt<\/p>\n<p>Harald war ein Mensch, der stets versuchte, alle einzubinden. Das liegt vielleicht an seiner eigenen Geschichte. Denn in den ersten Jahren seiner Kindheit war er selbst ein Fl\u00fcchtling. Prinz Harald war drei Jahre alt, als die Nazis im April 1940 in Norwegen einmarschierten. \u00dcberhastet fl\u00fcchtete seine Mutter, Kronprinzessin M\u00e4rtha, mit den beiden T\u00f6chtern und dem Sohn Harald nach Schweden und sp\u00e4ter in die USA.\u00a0<\/p>\n<p>Der damalige US-Pr\u00e4sident Franklin D. Roosevelt engagierte sich pers\u00f6nlich f\u00fcr die Familie und lud sie oft ins Wei\u00dfe Haus ein. \u00abF\u00fcr mich war Roosevelt eine Art Gro\u00dfvater\u00bb, erz\u00e4hlte Harald sp\u00e4ter. In den USA bekam er sein erstes Dreirad. \u00abHier lernte er schwimmen, hier lief er mit den Wachen um die Wette\u00bb, schreibt Journalist Stanghelle.<\/p>\n<p>Als er nach dem Krieg zur\u00fcckkehrte, war Harald acht Jahre alt. Norwegen war ihm fremd geworden. Doch es dauerte nicht lange, bis der Thronerbe sich wieder heimisch f\u00fchlte. Harald war naturverbunden und sportbegeistert. Seine besondere Leidenschaft war das Segeln, das er sogar auf olympischem Niveau betrieb.<\/p>\n<p>Sie oder keine &#8211; Haralds Liebe zu Sonja<\/p>\n<p>Mit 22 Jahren l\u00f6ste der junge Kronprinz einen Skandal aus, der ein knappes Jahrzehnt andauern sollte: Er verliebte sich in die Kaufmannstochter Sonja Haraldsen, eine B\u00fcrgerliche. Sein Vater, K\u00f6nig Olav, war strikt gegen die Beziehung. Das Verh\u00e4ltnis musste geheim gehalten werden, auch wenn die Presse hemmungslos spekulierte. \u00abIch tat ja etwas Gesetzeswidriges, in Anf\u00fchrungsstrichen\u00bb, sagte Harald r\u00fcckblickend. \u00abDeshalb haben mein Vater und ich nie dar\u00fcber gesprochen. Sehr merkw\u00fcrdig.\u00bb<\/p>\n<p>Neun Jahre ging das so. Erst als Harald seinem Vater drohte &#8211; entweder heirate er Sonja oder er bleibe ledig &#8211; gab der konservative Olav schlie\u00dflich nach. Am 19. M\u00e4rz 1968 wurde die Verlobung bekanntgegeben, nachdem die politischen Instanzen ihre Zustimmung gegeben hatten. Im August heiratete das Paar.<\/p>\n<p>Sicher auch aufgrund dieser Erfahrung war das K\u00f6nigspaar sp\u00e4ter gegen\u00fcber der Partnerwahl der eigenen Kinder tolerant &#8211; etwa, als Kronprinz Haakon die \u00abParty-Prinzessin\u00bb Mette-Marit heiraten wollte und Prinzessin M\u00e4rtha Louise sich in den selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verliebte.<\/p>\n<p>Als K\u00f6nig Olav am 17. Januar 1991 starb, wurde Harald vier Tage sp\u00e4ter im Nidarosdom in Trondheim als dessen Nachfolger gekr\u00f6nt. Seine Aufgaben in den Folgejahren waren \u00fcberwiegend repr\u00e4sentativ, auch wenn in Norwegen kein Gesetz ohne die Unterschrift des K\u00f6nigs in Kraft tritt. Einmal pro Woche muss die Regierung im Schloss Bericht erstatten.\u00a0<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus reiste das K\u00f6nigspaar stetig durchs Land und hielt so engen Kontakt zum Volk. Harald war ein Monarch zum Anfassen, was einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr seine gro\u00dfe Beliebtheit war. Au\u00dferdem hatte er immer einen lockeren Spruch auf Lager &#8211; diesem Humor blieb er zeit seines Lebens treu.<\/p>\n<p>\u00abDas K\u00f6nigshaus ist ein Team\u00bb<\/p>\n<p>Der Zusammenhalt in der Familie war dem K\u00f6nig immer wichtig. Nachdem Vorw\u00fcrfe gegen den \u00e4ltesten Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer fr\u00fcheren Beziehung, Marius Borg H\u00f8iby, bekanntgeworden waren, sagte Harald bei einem Bankett auf dem Osloer Schloss: \u00abDas K\u00f6nigshaus ist ein Team, das gut zusammenarbeitet. Au\u00dferdem sind wir eine Familie &#8211; mit den Freuden und Herausforderungen, die, wie wir alle wissen, dazugeh\u00f6ren k\u00f6nnen.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Herausforderungen hatte K\u00f6nig Harald in Bezug auf seine Familie zuletzt viele zu meistern &#8211; etwa in Bezug auf die enge Freundschaft, die Kronprinzessin Mette-Marit zu dem Sexualverbrecher Jeffrey Epstein gepflegt haben soll, oder die Verurteilung von Marius Borg H\u00f8iby zu vier Jahren Haft, unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht.<\/p>\n<p>\u00abFreiheit ist st\u00e4rker als Furcht\u00bb &#8211; die Breivik-Anschl\u00e4ge<\/p>\n<p>Einen schweren Tag als K\u00f6nig erlebte Harald am 22. Juli 2011, als der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik erst im Regierungsviertel in Oslo eine Bombe z\u00fcndete und anschlie\u00dfend ein Massaker auf der Insel Ut\u00f8ya anrichtete. 77 Menschen wurden bei diesen Taten get\u00f6tet, darunter sehr viele Jugendliche.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag reiste das K\u00f6nigspaar nach Sundvollen, wo die Angeh\u00f6rigen in einem Hotel versammelt waren. \u00abIch habe mich noch nie so machtlos gef\u00fchlt wie in Sundvollen\u00bb, erz\u00e4hlte K\u00f6nig Harald sp\u00e4ter. \u00abEin Paar zu treffen, das gerade die Nachricht bekam, dass seine Tochter tot war, das war so grausam.\u00bb Noch nie habe er so viele Menschen umarmt, die er nicht gekannt habe.<\/p>\n<p>Bei einer Gedenkveranstaltung einen Monat sp\u00e4ter hielt der K\u00f6nig die f\u00fcr ihn schwierigste Rede seines Lebens. \u00abIch halte an dem Glauben fest, dass Freiheit st\u00e4rker ist als Furcht\u00bb, sagte er unter Tr\u00e4nen. \u00abIch halte fest an dem Glauben an eine offene norwegische Demokratie und Gesellschaft.\u00bb Diese Rede trug h\u00f6chstwahrscheinlich mit dazu bei, dass das norwegische Volk nicht mit Hass und Gewalt auf die Terroranschl\u00e4ge reagierte, sondern mit Liebe.<\/p>\n<p>Abdanken war keine Option<\/p>\n<p>In den letzten Jahren sah man K\u00f6nig Harald das \u00c4lterwerden immer mehr an. Zuletzt war er wegen der Bluterkrankung h\u00e4molytische An\u00e4mie &#8211; einer Form der Blutarmut &#8211; im Krankenhaus behandelt worden. Anschlie\u00dfend zog er sich zus\u00e4tzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.<\/p>\n<p>Doch auch wenn er in den letzten Jahren h\u00e4ufig wegen Erkrankungen ins Krankenhaus musste, sich schon fr\u00fcher erst einer Herz- und dann einer Beinoperation unterziehen musste und am Stock ging:\u00a0Vom Abdanken wollte Harald nichts wissen, auch nicht dann, als K\u00f6nigin Margrethe in D\u00e4nemark diesen f\u00fcr skandinavische Verh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlichen Schritt ging.<\/p>\n<p>\u00abWenn man vor dem Parlament einen Eid abgelegt hat, dann w\u00e4hrt der ein Leben lang\u00bb, war Haralds Meinung. \u00abWir halten durch bis zum bitteren Ende. Da ist was dran am Satz: Der K\u00f6nig ist tot, es lebe der K\u00f6nig.\u00bb Dies wird nun sein Sohn Haakon sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Oslo (dpa) &#8211; Norwegens K\u00f6nig Harald V. war keiner, der gern gro\u00dfe Reden schwang. 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