{"id":126714,"date":"2025-05-21T00:13:09","date_gmt":"2025-05-21T00:13:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/126714\/"},"modified":"2025-05-21T00:13:09","modified_gmt":"2025-05-21T00:13:09","slug":"muenchen-princeton-balsam-fuer-die-seele-warum-uns-die-naehe-zum-wasser-guttut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/126714\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen\/Princeton | Balsam f\u00fcr die Seele: Warum uns die N\u00e4he zum Wasser guttut"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">M\u00fcnchen\/Princeton (dpa\/tmn) &#8211; Ohne Wasser kein Leben. Aus dem Wasser entstand das Leben auf der Erde, Wasser ist f\u00fcr uns \u00fcberlebenswichtig. Die Siedlungen unserer Vorfahren entstanden bevorzugt an Fl\u00fcssen und K\u00fcsten. Diese fr\u00fche Pr\u00e4gung hat sich tief in unserem Unterbewusstsein verankert.<\/p>\n<p>Aus psychologischer Sicht wirkt Wasser nicht nur deshalb anziehend. Ein Aufenthalt am Meer, See oder Fluss senkt den Cortisolspiegel. Das Gehirn schaltet in einen ruhigeren Modus. Die Umweltpsychologin Sandra Geiger verweist auf die sogenannte Stressreduktions-Theorie. Laut ihr ruft die Natur mit Pflanzen oder Wasser positive Emotionen hervor ? Interesse, Freude und Ruhe. Das f\u00f6rdert die Erholung und reduziert das Stresserleben.<\/p>\n<p>Wasser sehen<\/p>\n<p>Eine weitere theoretische Grundlage liefert die Aufmerksamkeits-Erholungs-Theorie. In einer hektischen, lauten und uns oft mit Reizen \u00fcberflutenden Umgebung wie der Stadt ist unsere Aufmerksamkeit st\u00e4ndig gefordert. Die Zeit in der Natur schafft einen Ausgleich. \u00abSie lenkt ab ? aber auf eine weniger anstrengende Weise\u00bb, so die Wissenschaftlerin. Der Blick auf die gleichm\u00e4\u00dfige Bewegung des Wassers beruhigt. Sorgen verlieren an Gewicht, die mentale Pr\u00e4senz kann sich erholen.<\/p>\n<p>Historisch gesehen war das nicht immer so. Im Mittelalter galt das Meer als bedrohlich ? voller Gefahren und Unsicherheiten. \u00abDas \u00e4nderte sich mit der Aufkl\u00e4rung und dem Aufkommen der Kurorte im 18. Jahrhundert\u00bb, sagt der Psychologe Florian Schmid-H\u00f6hne. Er bietet Burnout-Coachings am Meer an. Heute wissen wir: Das Meer entspannt unsere Psyche. \u00abDer Blick in die Weite beruhigt unsere Augen, unser Gem\u00fct. Farbpsychologisch tr\u00e4gt auch die blau-gr\u00fcne F\u00e4rbung dazu bei.\u00bb Sie steht f\u00fcr Weite, Ruhe, Entspannung.<\/p>\n<p>Wasser h\u00f6ren<\/p>\n<p>Doch nicht nur das Sehen wirkt ? auch der Klang hat Einfluss. Das Rauschen der Wellen, das gleichm\u00e4\u00dfige Pl\u00e4tschern eines Baches: \u00abWasserger\u00e4usche werden oft als positiv empfunden\u00bb, sagt Sandra Geiger. Forschende der Carlton University und der Michigan State University untersuchten die Auswirkungen nat\u00fcrlicher Klanglandschaften in US-Nationalparks. Das Ergebnis: Schon das bewusste H\u00f6ren von Naturger\u00e4uschen kann Schmerzen und Stress verringern, die Stimmung aufhellen und die kognitive Leistung verbessern. Wasserger\u00e4usche hatten dabei den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf die Gesundheit und positive Gef\u00fchle.<\/p>\n<p>Auch tiefenpsychologisch lassen sich Erkl\u00e4rungen finden: Das gleichm\u00e4\u00dfige Rauschen des Meeres l\u00f6st laut Schmid-H\u00f6hne das Gef\u00fchl von Geborgenheit in uns aus. Es kann uns unterbewusst an die Zeit im Mutterleib erinnern.<\/p>\n<p>Wasser f\u00fchlen<\/p>\n<p>Wohltuend kann ebenso der Hautkontakt sein. Ein Sprung in den See, barfu\u00df durch den Bach, Baden im Wasser ? all das regt die Sinne, das vegetative Nervensystem und den Kreislauf an. \u00abWasser zu ber\u00fchren hat etwas Energetisches\u00bb, sagt Florian Schmid-H\u00f6hne. Die K\u00e4lte des Wassers belebt. Genauso wie die Bewegung im Wasser. \u00abEs hat etwas Spielerisches. Kindliche Gef\u00fchle kommen hoch.\u00bb<\/p>\n<p>Allerdings: \u00abNur wer als Kind positive Erfahrungen mit Wasser gemacht hat, h\u00e4lt sich auch als Erwachsener gern darin auf\u00bb, sagt Geiger. Negative Pr\u00e4gungen k\u00f6nnen das Gegenteil bewirken.<\/p>\n<p>Im Flow des \u00abBlue Mind\u00bb<\/p>\n<p>Der amerikanische Meeresbiologe Wallace J. Nichols findet in seinem Buch viele Belege f\u00fcr den \u00abBlue Mind\u00bb ? einen leicht meditativen Zustand von Ruhe, Frieden und innerem Gleichgewicht, der sich in der N\u00e4he von Wasser einstellt. Wie schnell der Effekt eintritt, h\u00e4ngt allerdings von der individuellen Verfassung ab. Etwa \u00abdavon, mit welchen Problemen ich dem Wasser begegne und welche Pers\u00f6nlichkeit ich mitbringe\u00bb, sagt der Burnout-Coach Schmid-H\u00f6hne. Die meisten seiner Klienten \u00f6ffnen sich nach zwei bis vier Tagen am Meer.<\/p>\n<p>Ideen im Fluss<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen ist Wasser auch ein Ideen-Geber. Wasser inspiriert ? durch Bewegung, Klang, wechselnde Lichtreflexe. Es schafft eine Atmosph\u00e4re, in der sich Assoziationen leichter verkn\u00fcpfen lassen. Und es schenkt die n\u00f6tige Ruhe, damit neue Gedanken \u00fcberhaupt entstehen k\u00f6nnen. \u00abDas ist vor allem in der Anfangsphase, beim Brainstorming, hilfreich, wenn man Ideen sammelt und sie sacken l\u00e4sst\u00bb, erkl\u00e4rt Geiger. Weniger in den sp\u00e4teren Phasen, wo das analytische Denken einsetzt.<\/p>\n<p>Vom Wasser lernen<\/p>\n<p>Wasser ist zudem ein Lehrmeister. Seine flie\u00dfende, anpassungsf\u00e4hige Bewegung zeigt, wie wir selbst mit Herausforderungen umgehen k\u00f6nnen. Statt zu verharren, umflie\u00dft Wasser Hindernisse. Es bleibt in Bewegung, passt sich an, ohne sich zu verlieren ? ein Prinzip, das sich aufs eigene Leben \u00fcbertragen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u00abDie K\u00fcste und das Meer bieten uns viele Metaphern, um die eigenen Probleme zu betrachten\u00bb, sagt Florian Schmid-H\u00f6hne. \u00abIch kann ganz nah am Meer an sie rangehen oder von einer hohen Klippe auf sie schauen.\u00bb<\/p>\n<p>Am Meer relativiere sich auch vieles: \u00abIch kann meine Situation einordnen und zu der Erkenntnis kommen: So wichtig ist das alles nicht.\u00bb Oder: \u00abIch kann meine Gef\u00fchle im Einklang oder auch im Kontrast zur Meeresoberfl\u00e4che spiegeln, wenn das Meer tobt.\u00bb<\/p>\n<p>Das Meer, so Schmid-H\u00f6hne weiter, stehe symbolisch f\u00fcr das Leben, das weitergeht. Mit der Ruhe, die es in uns ausl\u00f6st, entstehen neue Pl\u00e4ne, die Idee f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung im Leben.<\/p>\n<p>Wasserrituale f\u00fcr den Alltag<\/p>\n<p>Die Vorteile von Wasser lassen sich in den Alltag integrieren. Wer regelm\u00e4\u00dfig Zeit an Fl\u00fcssen, Seen oder Meeren verbringt profitiert messbar. Sandra Geiger verweist auf ihre Studie mit der Arbeitsgruppe Umweltpsychologie an der Universit\u00e4t Wien. Sie zeigt, dass Menschen, die in K\u00fcstenn\u00e4he leben oder das Meer regelm\u00e4\u00dfig besuchen, ein besseres Gesundheitsbefinden haben. Dieser Zusammenhang wurde in einer gro\u00df angelegten Untersuchung mit \u00fcber 15.000 Personen aus 15 L\u00e4ndern festgestellt, unabh\u00e4ngig von Land und Einkommen.<\/p>\n<p>Auch kurze Aufenthalte wirken: Zwei Stunden Naturkontakt pro Woche seien bereits wohltuend ? danach flache der Effekt ab, so Sandra Geiger. Zwischendrin k\u00f6nnen Erinnerungen helfen: \u00abBilder, Videos und Kl\u00e4nge von Wasser beruhigen das Nervensystem.\u00bb<\/p>\n<p>Wichtig ist die Regelm\u00e4\u00dfigkeit. Florian Schmid-H\u00f6hne empfiehlt, die Entspannung, die man am Meer erfahren hat, mit Ritualen in den Alltag zu nehmen ? etwa durch morgendliche \u00dcbungen oder Spazierg\u00e4nge am Fluss oder See.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen\/Princeton (dpa\/tmn) &#8211; Ohne Wasser kein Leben. Aus dem Wasser entstand das Leben auf der Erde, Wasser ist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":126715,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,2632,29,5348,30,141,5349,14367,1268,6237,13353,624,15697,47432,4106,193],"class_list":{"0":"post-126714","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-brcmj","10":"tag-deutschland","11":"tag-educateme","12":"tag-germany","13":"tag-gesundheit","14":"tag-inspireme","15":"tag-meer","16":"tag-muenchen","17":"tag-natur","18":"tag-psychologie","19":"tag-ratgeber","20":"tag-see","21":"tag-tmn1211","22":"tag-wasser","23":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114542936313830076","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=126714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126714\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/126715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=126714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=126714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=126714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}