{"id":1267178,"date":"2026-08-29T08:01:21","date_gmt":"2026-08-29T08:01:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1267178\/"},"modified":"2026-08-29T08:01:21","modified_gmt":"2026-08-29T08:01:21","slug":"gewalt-in-augsburger-arztpraxen-habe-sorge-um-mitarbeitende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1267178\/","title":{"rendered":"Gewalt in Augsburger Arztpraxen: \u201eHabe Sorge um Mitarbeitende\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Abschiedsbrief an die Patientin bestand nur aus wenigen Zeilen. Frauen\u00e4rztin Wibke Cornelius schrieb darin, dass sie mitbekommen habe, was k\u00fcrzlich in der Praxis vorgefallen sei. Dass es nicht f\u00fcr sie tragbar sei, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/wir-muessen-jeden-tag-unser-leben-riskieren-was-angestellte-im-bkh-augsburg-erleben-114378679\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">wie die Patientin mit ihren Mitarbeiterinnen umgegangen war<\/a>. Dass zu einem Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnis Vertrauen auf beiden Seiten geh\u00f6re \u2013 und dass dieses Vertrauen in ihren Augen gest\u00f6rt sei.\n  <\/p>\n<p>            Der Ton in Arztpraxen wird rauer \u2013 auch in Augsburg<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Was war passiert? \u201eDie Patientin hatte sich wirklich unfassbar unversch\u00e4mt und respektlos verhalten, weil sie warten musste und damit nicht gerechnet hatte\u201c, erz\u00e4hlt Wibke Cornelius, die seit neun Jahren als niedergelassene Gyn\u00e4kologin in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> t\u00e4tig ist. \u201eUnd das war jetzt keine irrwitzige Wartezeit, sondern 20 Minuten.\u201c Die Patientin sei laut geworden, habe die Mitarbeiterin am Empfang unter Druck gesetzt und sie beschimpft. An L\u00f6sungsvorschl\u00e4gen sei die Frau nicht interessiert gewesen. Nach dem Zwischenfall sei die betroffene Mitarbeiterin \u201ev\u00f6llig fertig\u201c gewesen, erinnert sich die \u00c4rztin. \u201eSie hat echt gezittert.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Laut Cornelius kommen solche Vorf\u00e4lle immer h\u00e4ufiger vor. Die meisten Patientinnen seien \u201ewirklich lieb\u201c, betont sie, aber die Geduld lasse nach. Mit diesem Gef\u00fchl ist sie nicht allein. \u201eWir bekommen immer wieder R\u00fcckmeldungen aus der \u00c4rzteschaft, dass es vermehrt zu verbalen \u00dcbergriffen und in selteneren F\u00e4llen auch zu k\u00f6rperlicher Gewalt gegen\u00fcber \u00c4rzten und ihren Mitarbeitenden kommt\u201c, teilt ein Sprecher der Landes\u00e4rztekammer auf Anfrage mit. Eine Umfrage des<strong class=\"font-bold\"> <\/strong>Deutschen \u00c4rzteblatts st\u00fctzt diese Beobachtung: Demnach berichten 56 Prozent der 1619 befragten \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, dass Gewalt in ihrem Berufsalltag zugenommen hat, in der ambulanten Versorgung besonders an der Anmeldung und in den Wartebereichen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/design-ohne-titel-12.png\" alt=\"Wibke Cornelius arbeitet seit neun Jahren als niedergelassene Frauen\u00e4rztin in Augsburg.\" title=\"Wibke Cornelius arbeitet seit neun Jahren als niedergelassene Frauen\u00e4rztin in Augsburg.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Wibke Cornelius arbeitet seit neun Jahren als niedergelassene Frauen\u00e4rztin in Augsburg.<br \/>\n    Foto: Wibke Cornelius<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Wibke Cornelius arbeitet seit neun Jahren als niedergelassene Frauen\u00e4rztin in Augsburg.<br \/>\n    Foto: Wibke Cornelius<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201e<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/freibad-konflikte-in-augsburg-experte-erklaert-ursachen-regeln-und-was-wirklich-hilft-114692324\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Seit Corona wird der Umgang immer anstrengender<\/a>, aber das merken die Leute, die irgendwo im Verkauf arbeiten, genauso\u201c, berichtet eine Medizinische Fachangestellte einer Augsburger Hausarztpraxis auf Nachfrage. Eine andere sagt, dass Patienten oft frustriert seien, wenn sie keinen Termin beim Facharzt bekommen, und dann die Hausarztpraxis um Unterst\u00fctzung bitten. \u201eViele verstehen nicht, dass wir auch nur unter der angegebenen Telefonnummer bei den Praxen anrufen k\u00f6nnten und ebenfalls in den Warteschleifen h\u00e4ngen w\u00fcrden. Dazu haben wir die Zeit nicht.\u201c Auch wenn sie schon unsch\u00f6ne Situationen erlebt habe, sei der Gro\u00dfteil der Patienten aber verst\u00e4ndnisvoll, sagt die Frau.\n  <\/p>\n<p>            Gesundheitsreform setzt Arztpraxen unter Druck<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWie soll die Stimmung schon sein?\u201c, entgegnet eine Dritte, h\u00f6rbar genervt. \u201eJede Woche, wenn ich ins \u00c4rztezimmer komme, muss ich berichten, wo \u00fcberall gek\u00fcrzt wird.\u201c Sie bezieht sich auf die Gesundheitsreform, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/krankenhaeuser-bayern-warnen-vor-folgen-der-gesundheitsreform-fuer-notfallversorgung-114709823\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">die der Bundestag in Form des Beitragsstabilisierungsgesetzes im Juli beschlossen hat<\/a>. Das Gesetz soll die gesetzliche Krankenversicherung finanziell stabilisieren und den Anstieg der Beitragss\u00e4tze begrenzen. Viele \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sehen die Reform jedoch kritisch, so auch Frauen\u00e4rztin Wibke Cornelius.\n  <\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/respektlosigkeit-gewalt-wartezimmer-patienten-arztpraxis-hausaerzte-ueberlastetes-system-115087841\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Medizinisches Personal in Arztpraxen ist immer h\u00e4ufiger Beleidigungen ausgesetzt. Viele wollen deshalb nicht mehr mit Kundenkontakt arbeiten.\" title=\"Medizinisches Personal in Arztpraxen ist immer h\u00e4ufiger Beleidigungen ausgesetzt. Viele wollen deshalb nicht mehr mit Kundenkontakt arbeiten.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><br \/>\n   <\/a><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWir vereinbaren seit etwa drei Monaten schon keine Termine mehr f\u00fcrs kommende Jahr\u201c, sagt sie, denn der Kalender sei bereits recht voll. Die Gesundheitsreform sieht unter anderem eine st\u00e4rkere Budgetierung und Ausgabenbegrenzung vor. Bestimmte Leistungen au\u00dferhalb des Budgets, die bislang bis zu einer Obergrenze von der Krankenkasse verg\u00fctet wurden, werden ab 2027 in das Budget einberechnet. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/kuerzungen-in-der-psychotherapie-warum-eine-angehende-therapeutin-existenzangst-hat-114792176\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Das bedeutet, dass Arztpraxen weniger Leistungen verg\u00fctet bekommen<\/a> \u2013 und daher weniger Leistungen anbieten k\u00f6nnen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Schon jetzt seien Patientinnen zunehmend frustriert, wenn sie trotz langj\u00e4hriger Praxistreue keinen Termin bekommen oder von der Krankenkasse trotz steigender Beitr\u00e4ge weniger bezahlt bekommen. Beschwerden landen \u00fcberwiegend bei den Mitarbeitenden am Empfang. \u201eDa ist viel Geschimpfe am Telefon\u201c, schildert Cornelius, und erinnert sich daran, wie ihre Mitarbeiterin bei einem anderen Vorfall k\u00fcrzlich zitternd und mit ger\u00f6tetem Gesicht vor ihr stand. \u201eSie brauchte eine Weile zum Verschnaufen, weil die Patientin am Telefon sehr laut geworden war und ihr eine schlechte Organisation vorgeworfen hatte.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Medizinisches Personal ist h\u00e4ufig die Zielscheibe frustrierter Patienten<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Frauen\u00e4rztin versteht die Entt\u00e4uschung der Patientinnen, ist selbst gefrustet. \u201eAber wir sind diejenigen, auf denen die Erkl\u00e4rung lastet, und die dann die ganze Wut und Frustration abbekommen. Ich habe Sorge um meine Mitarbeiterinnen im n\u00e4chsten Jahr.\u201c Cornelius geht davon aus, dass sich der wirtschaftliche Druck auf Arztpraxen erh\u00f6hen wird, wenn die \u00c4nderungen der Gesundheitsreform in Kraft treten. Dass sie Patientinnen abweisen muss und bestimmte Leistungen nicht anbieten kann, auch wenn sie sinnvoll w\u00e4ren. Und dass sie weitere Abschiedsbriefe schreiben muss.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Abschiedsbrief an die Patientin bestand nur aus wenigen Zeilen. 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