{"id":1267241,"date":"2026-08-29T08:41:27","date_gmt":"2026-08-29T08:41:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1267241\/"},"modified":"2026-08-29T08:41:27","modified_gmt":"2026-08-29T08:41:27","slug":"zuckersteuer-der-groesste-hebel-fuer-weniger-zucker-liegt-nicht-in-der-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1267241\/","title":{"rendered":"Zuckersteuer: Der gr\u00f6\u00dfte Hebel f\u00fcr weniger Zucker liegt nicht in der Politik"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die Politik erbittert \u00fcber eine Zuckersteuer diskutiert, bleibt ein anderer Hebel weitgehend unbeachtet. Warum eine 32-k\u00f6pfige Kommission mehr Einfluss auf unseren Zuckerkonsum haben k\u00f6nnte, als viele ahnen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte \u00fcber die Zuckersteuer klingt es fast schon kurios, aber noch 2019 wurde das Unternehmen Lemonaid abgemahnt, weil seine Zitronenlimonade nur sechs Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthielt. Zu wenig Zucker! Ein Skandal! <\/p>\n<p>Die Leits\u00e4tze des Deutschen Lebensmittelbuchs schrieben damals f\u00fcr Limonaden einen Mindestzuckergehalt von sieben Gramm vor. Nun sind diese Vorgaben f\u00fcr die Hersteller zwar nicht bindend, aber sie k\u00f6nnen rechtlich relevant werden, wenn Verbraucher das Gef\u00fchl haben, in die Irre gef\u00fchrt worden zu sein \u2013 oder, wie bei Lemonaid, Lebensmittelkontrolleure auf Abweichungen vom Lebensmittelbuch sto\u00dfen. <\/p>\n<p>Seit Mitte der 1960er-Jahre regelt das Lebensmittelbuch, wie bestimmte Produkte produziert werden, welche Angaben auf die Verpackungen geh\u00f6ren \u2013 und welche Zutaten enthalten sein m\u00fcssen. Mehr als 2000 Lebensmittel sind so inzwischen erfasst und definiert. <\/p>\n<p>Ein echtes Wiener Schnitzel zum Beispiel besteht aus paniertem Kalbsfleisch, Erdbeereis muss einen Fruchtanteil von mindestens 20 Prozent haben und der Anteil von Vollkorngetreide im Vollkornbrot muss bei mindestens 90 Prozent liegen. Wo Gefl\u00fcgelwurst draufsteht, soll sich der Verbraucher darauf verlassen k\u00f6nnen, dass sie mindestens 51 Prozent Gefl\u00fcgelfleisch enth\u00e4lt. <\/p>\n<p>Auch was sich Fischst\u00e4bchen nennen darf, ist genau formuliert: in l\u00e4ngliche Streifen geschnittenes Fischfilet, mindestens 65 Prozent Fischanteil, h\u00f6chstens 35 Prozent Panade. Die Lebensmittelhersteller m\u00fcssen sich nicht an die Vorgaben halten, aber sie tun gut daran. Weichen sie davon ab, k\u00f6nnen sich Verbraucher dagegen wehren.<\/p>\n<p>Zust\u00e4ndig f\u00fcr den Inhalt ist eine Kommission aus 32 ehrenamtlichen Vertretern aus den Bereichen Verbraucherschutz, Wissenschaft, Ern\u00e4hrungswirtschaft und Lebensmittel\u00fcberwachung. Berufen werden die Mitglieder f\u00fcr f\u00fcnf Jahre vom jeweiligen Bundeslandwirtschaftsminister. Das Gremium ist also nur sehr indirekt demokratisch legitimiert.<\/p>\n<p>Nun ist das Lebensmittelbuch keine Rechtsnorm und keine Verordnung. Lemonaid lehnte es daher ab, den Zuckergehalt in seiner Zitronenlimonade k\u00fcnstlich zu erh\u00f6hen. Nach einem langj\u00e4hrigen Rechtsstreit setzte sich das Unternehmen schlie\u00dflich durch. 2024 strich die Lebensmittelbuch-Kommission den Mindestzuckergehalt aus seinen Leits\u00e4tzen f\u00fcr Limonaden. <\/p>\n<p>Der Mindestzuckergehalt ist Vergangenheit. Jetzt w\u00e4re es doch an der Zeit, stattdessen f\u00fcr Limonaden und auch andere Lebensmittel eine Obergrenze f\u00fcr Zucker einzuf\u00fchren. Mit ver\u00e4nderten Rezepturen k\u00f6nnte auch \u201eversteckter Zucker\u201c in vielen Produkten vermieden werden. Einen Versuch w\u00e4re es wert. Schlie\u00dflich ist erwiesen, welche negativen Folgen ein zu hoher Zuckerkonsum auf Dauer f\u00fcr die Gesundheit hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend die Politik erbittert \u00fcber eine Zuckersteuer diskutiert, bleibt ein anderer Hebel weitgehend unbeachtet. 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