{"id":1267676,"date":"2026-08-29T13:31:25","date_gmt":"2026-08-29T13:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1267676\/"},"modified":"2026-08-29T13:31:25","modified_gmt":"2026-08-29T13:31:25","slug":"neuss-ein-schuetze-in-der-tv-show-die-kuechenschlacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1267676\/","title":{"rendered":"Neuss: Ein Sch\u00fctze in der TV-Show Die K\u00fcchenschlacht"},"content":{"rendered":"<p class=\"initial richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Irgendwie hat ja immer alles mit <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/neuss\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neuss<\/a> zu tun \u2013 auch wenn man gar nicht damit rechnet. Unter den ersten zehn Autos, die einem am Urlaubsort begegnen, ist ziemlich sicher eins mit NE-Kennzeichen. Oder \u2013 etwas weniger offensichtlich \u2013 das Mitbringsel von der Ferieninsel f\u00fcr die Lieben daheim: ein Gl\u00e4schen feinstes Meersalz \u00e0 la \u201eSylter Heckenrose\u201c aus der Genuss-Macherei in List. \u201eAch, von Alexandro Pape\u201c, klingt es erfreut, \u201edas ist doch ein Neusser!\u201c Stimmt nat\u00fcrlich: in Grimlinghausen geboren, sp\u00e4ter Koch im \u201eHerzog von Burgund\u201c, schlie\u00dflich einer der Stars in der Sylter Gastroszene. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und wo wir gerade schon gedanklich beim Genuss und an der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/nordsee\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nordsee<\/a> sind: Neulich auf der Suche nach neuen Rezepten in der ZDF-Mediathek gelandet: \u201eDie K\u00fcchenschlacht\u201c \u2013 eine Kochshow, in der jede Woche sechs Hobbyk\u00f6che gegeneinander antreten, begleitet von Deutschlands popul\u00e4rsten TV-K\u00f6chen als Moderatoren und Juroren. In der ersten Sendung werden alle Teilnehmer vorgestellt, so auch \u201eSebastian aus Wesselburen\u201c, eine Kleinstadt zwischen Sankt Peter-Ording und B\u00fcsum. Was der Mann in 35 Minuten Kochzeit auf den Teller bringen will, klingt so ambitioniert wie lecker: Lachsfilet mit Zitronen-Dill-Risotto und Fenchel-Apfel-Salat. Tats\u00e4chlich holt der 44-J\u00e4hrige damit den Tagessieg. Zwei weitere Sendungen vergehen (und mit ihnen Thunfisch-Tataki auf Mango-Chutney sowie BBQ-Blumenkohl-Steak mit Kichererbsen-Spinat-Salat), bis Sebastian \u2013 inzwischen im Halbfinale angekommen \u2013 in einem schwarzen Poloshirt aufl\u00e4uft und Moderator Alexander Kumptner prompt auf die Aufschrift an der R\u00fcckseite aufmerksam wird. \u201eD\u2019r Maat erop?\u201c Der \u00f6sterreichische Koch versteht nur Bahnhof. \u201eDas ist mein Sch\u00fctzenzug\u201c, erkl\u00e4rt Sebastian. Auf der anderen Seite des Fernsehers d\u00e4mmert es: Ein Sch\u00fctze!!! Aus Neuss nat\u00fcrlich, wie das Stadtwappen unter dem Namenszug gro\u00df und deutlich klar macht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Recherche kommt schnell in Gang. Dass es sich um einen Grenadier handelt, ist anhand der Fotos zu erkennen, die das <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/zdf\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ZDF<\/a> im Laufe des Gepl\u00e4nkels zwischen Profi- und Hobbykoch einspielt: Wei\u00dfe Hose, Frack (in dem Fall ein Cut), Zylinder, Gr\u00fcnzeug drum. NGZ-Kollege Norbert M\u00f6sgen ist im Zug \u201eD\u2019r Maat eraff\u201c, der vor fast 50 Jahren aus \u201eD\u2019r Maat erop\u201c hervorgegangen ist. Ob die sich kennen? \u201eHm, das muss der Spie\u00df sein\u201c, sagt der altgediente Kollege und deutet auf die goldenen Doppellitzen und die dicken Kn\u00f6pfe am Revers. Kurze Zeit sp\u00e4ter liegt eine Handynummer vor. Ringelbim. \u201eSebastian Hartmann, hallo?\u201c \u2013 \u201eSind Sie der kochende Sch\u00fctze aus dem Fernsehen?\u201c \u2013 \u201eJa, der bin ich wohl\u201c, sagt er verbl\u00fcfft und lacht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zeit f\u00fcr ein Treffen. In Neuss, versteht sich, denn in die alte Heimat kehrt Sebastian Hartmann sowieso oft und regelm\u00e4\u00dfig zur\u00fcck. \u201eMeine Eltern wohnen in Grefrath\u201c, erz\u00e4hlt er, \u201ewenn ich die besuche, kann ich dort auch \u00fcbernachten.\u201c Die anderen Anl\u00e4sse f\u00fcr die 560 Kilometer lange Strecke von Wesselburen nach Neuss gibt der Terminkalender des Sch\u00fctzenzugs vor: Einmal im Monat ist Versammlung, daneben gibt es weitere Zug-Veranstaltungen, Patronatstag, Korpsschie\u00dfen, ab Fr\u00fchjahr einmal pro Woche Fackelbau und schlie\u00dflich das gro\u00dfe Fest.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Da muss doch die Frage erlaubt sein, warum er \u00fcberhaupt weggezogen ist. \u201eMich hat es schon immer ans Wasser gezogen\u201c, sagt der 44-J\u00e4hrige, der das Segeln lange als Leistungssport betrieben hat. 30 Jahre war er Mitglied im Kaarster Segelclub. Beim Yachtclub Novesia hatte sein Opa ein <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/schiff\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schiff<\/a> liegen. \u201eDamit bin ich bei der \u201aRheinwoche\u2018 mitgesegelt, ein Mal hab ich auch gewonnen.\u201c Zuletzt hat Sebastian Hartmann mit seiner Familie in Viersen gewohnt. Beim Urlaub mit den Kindern an der Nordsee hatten er und seine Frau Tanja (39), die er vor 14 Jahren in Holzheim kennengelernt hat, die Idee, dass es doch toll w\u00e4re, immer dort zu leben. Was folgte, war \u201eeine Meisterleistung meiner Frau neben ihrem Vollzeitjob im Marketing: Innerhalb von sechs Wochen hatten wir ein Haus, Jobs und Schulen \u2013 und das alles nur zehn Minuten von der Nordsee entfernt\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass er jetzt so oft im Auto sitzt, um in die alte Heimat zur\u00fcckzukehren, st\u00f6rt Sebastian Hartmann \u00fcberhaupt nicht. Als Vertriebsleiter in der Medizinbranche ist er Fahrerei gewohnt. Und f\u00fcr seinen \u201eHerzensverein\u201c ist ihm sowieso kein Weg zu weit. \u201eIch habe eine innige Verbindung zu meinen Zugkameraden und eine tiefe Verbundenheit zur Stadt\u201c, lautet seine Liebeserkl\u00e4rung. F\u00fcr das Treffen mit der NGZ hat er das Caf\u00e9 Extrablatt am Markt ausgesucht, gegen\u00fcber der H\u00e4user mit den pastellfarbenen Fassaden. Sein Blick f\u00e4llt auf das gro\u00dfe rot-blaue Eckhaus. \u201eBandagist Wilhelmi\u201c steht daran noch in wei\u00dfen Lettern. \u201eDas ist das Elternhaus meines Vaters und Onkels\u201c, erkl\u00e4rt Hartmann. \u00dcber 90 Jahre war es in Familienbesitz. Inzwischen ist das Sanit\u00e4tshaus an die Niederstra\u00dfe umgezogen. Der kleine Sebastian ist an der Sebastianusstra\u00dfe aufgewachsen (besser geht\u2019s nicht). \u201eIch bin in St. Quirin getauft worden, hab sp\u00e4ter den Quirinus-Kindergarten und die M\u00fcnsterschule besucht.\u201c Zu seinen Lieblingsorten in Neuss geh\u00f6ren heute noch der M\u00fcnsterplatz und der Rosengarten. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWir Neusser sind schon ein eingeschworenes V\u00f6lkchen\u201c, sagt er \u2013 und Stolz schwingt mit. \u201eSo etwas habe ich noch nirgendwo anders kennengelernt.\u201c Seine neuen Freunde in Wesselburen sind offenbar angetan von den Schw\u00e4rmereien \u00fcber die Kameradschaft bei den Sch\u00fctzen, ein Nachbar etwa m\u00f6chte gerne mal als Gastmarschierer mitmachen. \u201eDas sch\u00f6nste ist, dass bei uns jeder gleich ist und dass wir alle Generationen vereinen. Unser Zug hat Mitglieder im Alter von 17 bis 89 Jahren.\u201c Er selbst ist vor 28 Jahren durch seinen Vater Ulrich in den Zug \u201eD\u2019r Maat erop von 1954\u201c gekommen, der \u00fcber 20 Jahre dessen Oberleutnant (heute Ehren-Oberleutnant) war. Inzwischen ist Sebastians Sohn Jonathan (11) als F\u00e4hnrich mit dabei. Ein emotionales Highlight war die Parade 2025, als drei Generationen Hartmann zusammen marschiert sind. \u201eIch bin mit Tr\u00e4nen \u00fcber den Markt gelaufen\u201c, gesteht Sebastian Hartmann. Auch seine Tochter Julia (9) war schon mit von der Partie. Sie hat mit ihrem Bruder beim Fackelzug das Transparent vorweg geschoben. Dass der Zug immer eine Gro\u00dffackel baut, ist gute Tradition. Ebenso, dass es immer ein Kinder-Thema gibt. Dieses Jahr wurde f\u00fcr das Motto Biene Maja ein neues Fackelgestell genutzt, das sie vom Zug \u201eD\u2019r Maat eraff\u201c \u00fcbernommen haben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und was haben die Sch\u00fctzen gesagt, als sie ihren Kameraden im TV gesehen haben? \u201eIch hab es ihnen kurz vorher erz\u00e4hlt, weil ich fragen wollte, ob es okay ist, wenn Fotos vom Sch\u00fctzenzug gezeigt werden\u201c, sagt Hartmann. Vorher ahnten die Kameraden nichts von seiner Leidenschaft f\u00fcrs Kochen. Dann aber haben sie nat\u00fcrlich mitgefiebert. Drei Tage lang wurden die f\u00fcnf Folgen, die im Januar ausgestrahlt wurden, in Hamburg aufgezeichnet. \u201eDas war ein wirklich tolles Erlebnis\u201c, lautet sein Fazit. Beworben hatte er sich spontan und die Zusage kam schneller als erwartet. Nur eine Woche hatte er Zeit, um seine Gerichte einzureichen, Probe zu kochen und Fotos davon zu schicken. Trotz blutig zerschnittener Finger in der ersten Sendung, die nicht umsonst K\u00fcchenschlacht hei\u00dft, sorgte sein Essen f\u00fcr Begeisterung bei den Juroren. Drei-Sterne-Koch Christoph R\u00fcffer hat im Backstage-Bereich sogar noch den Rest vom Kichererbsen-Spinat-Salat verputzt, weil der ihm so gut geschmeckt hat. Die Rezepte gibt es \u00fcbrigens online.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wenn Sebastian Hartmann nach Neuss kommt, zieht es ihn zum Schlemmen gern ins Vogthaus (wie zuletzt am Majorsehrenabend), in den Dom oder ins Fr\u00fch. \u201eGut b\u00fcrgerliche, rheinische K\u00fcche ist genau mein Ding\u201c. Schade, dass er ausgerechnet mit \u201eHimmel un \u00c4\u00e4d nach Opa Ullis Art\u201c ausgeschieden ist. Aber das war immerhin erst im Halbfinale der Show \u2013 und da gibt es ja noch die Familien-Challenge. \u201eMeine Frau hat gesagt: \u201aWenn du eine Runde weiter kommst, bewerbe ich mich auch.\u2019\u201c W\u00e4re doch prima, wenn dort mal ein N\u00fcsser R\u00f6sken am Herd steht, um ein weiteres Mal die Werbetrommel zu r\u00fchren f\u00fcr dieses eingeschworene V\u00f6lkchen aus Neuss, das im Rest der Welt seinesgleichen sucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Irgendwie hat ja immer alles mit Neuss zu tun \u2013 auch wenn man gar nicht damit rechnet. 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