{"id":1268754,"date":"2026-08-30T01:28:20","date_gmt":"2026-08-30T01:28:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1268754\/"},"modified":"2026-08-30T01:28:20","modified_gmt":"2026-08-30T01:28:20","slug":"irdische-mikroben-koennen-am-suedpol-des-mondes-ueberleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1268754\/","title":{"rendered":"Irdische Mikroben k\u00f6nnen am S\u00fcdpol des Mondes \u00fcberleben"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tBlinde Passagiere<\/p>\n<p class=\"timeinfo\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\u00a029. August 2026  17:40<br \/>\n\t\t\t\t\t\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/autor\/Dennis-Lenz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dennis Lenz<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/irdische-mikroben-koennen-am-suedpol-des-mondes-ueberleben.jpg\"   alt=\"Irdische Mikroben k\u00f6nnen am S\u00fcdpol des Mondes \u00fcberleben\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Am S\u00fcdpol des Mondes steht die Sonne so tief, dass ganze Kratersenken seit Milliarden Jahren kein direktes Licht gesehen haben und Temperaturen von bis zu minus 201 Grad Celsius herrschen. Genau in diesen dauerhaft beschatteten Regionen k\u00f6nnten irdische Mikroben nach neuen NASA-Berechnungen \u00fcberdauern, die mit Astronauten, Werkzeugen oder Raumanz\u00fcgen dorthin gelangen. Am widerstandsf\u00e4higsten erwies sich in den Modellen der Schimmelpilz Aspergillus niger, der auch aus Badezimmern und von der Internationalen Raumstation bekannt ist. Wachsen oder sich vermehren k\u00f6nnen die Organismen dort nicht, doch schon ihr blo\u00dfes \u00dcberdauern k\u00f6nnte k\u00fcnftige wissenschaftliche Messungen verf\u00e4lschen. Die Ergebnisse betreffen ausgerechnet jene Landeregionen, die f\u00fcr die kommenden Artemis-Missionen vorgesehen sind.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p><strong>Der Mond galt lange als vollkommen lebensfeindlich, doch eine neue NASA-Studie zeichnet ein differenzierteres Bild. Berechnungen f\u00fcr die S\u00fcdpolregion ergeben, dass verbreitete irdische Mikroben in dauerhaft beschatteten Nischen tagelang bis monatelang \u00fcberdauern k\u00f6nnten, wenn Menschen sie unbeabsichtigt dorthin bringen. Am z\u00e4hesten erwies sich ausgerechnet ein Schimmelpilz, der auch in Badezimmern gedeiht. Brisant ist der Befund, weil genau diese Region als Landegebiet der kommenden Artemis-Missionen und als Standort einer k\u00fcnftigen Mondbasis vorgesehen ist.<\/strong><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick bietet der Mond Leben keinerlei Chance. Es gibt keine Atmosph\u00e4re, die Temperaturen schwanken extrem, und die Oberfl\u00e4che ist ungefiltert der harten Ultraviolettstrahlung der Sonne sowie energiereichen Teilchen aus dem All ausgesetzt. In den \u00c4quatorregionen t\u00f6tet diese Kombination selbst widerstandsf\u00e4higste Mikroorganismen binnen k\u00fcrzester Zeit ab. Doch an den Polen liegen die Verh\u00e4ltnisse anders. Weil die Sonne dort niemals hoch \u00fcber den Horizont steigt, werfen Kraterw\u00e4nde, Bergr\u00fccken und selbst kleine Gel\u00e4ndestufen extrem lange Schatten. In den Senken gro\u00dfer Krater entstehen so dauerhaft beschattete Regionen, die seit Milliarden Jahren kein direktes Sonnenlicht gesehen haben. Dort sinken die Temperaturen auf bis zu minus 201 Grad Celsius, w\u00e4hrend sonnenbeschienene Fl\u00e4chen in der Nachbarschaft bis zu plus 54 Grad Celsius erreichen. Genau diese eisigen Schattenzonen erweisen sich nun als m\u00f6gliche Zufluchtsorte f\u00fcr blinde Passagiere von der Erde.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Untersuchung ist die bevorstehende R\u00fcckkehr des Menschen auf den Mond. Die NASA plant mit ihrem Artemis-Programm bemannte Landungen in der S\u00fcdpolregion, und jeder Mensch bringt zwangsl\u00e4ufig Milliarden Mikroorganismen mit, die auf der Haut, in Raumanz\u00fcgen und an Werkzeugen sitzen. Ein Team um den Planetenforscher Prabal Saxena vom Goddard Space Flight Center wollte deshalb wissen, wie lange solche Organismen an den geplanten Landestellen tats\u00e4chlich \u00fcberdauern k\u00f6nnten. Untersucht wurden drei Regionen, die als Kandidaten f\u00fcr die Artemis-Landungen gelten, n\u00e4mlich Nobile Rim, Connecting Ridge und der Rand des De-Gerlache-Kraters. Die Studie versteht sich damit ausdr\u00fccklich als Grundlage f\u00fcr den Schutz k\u00fcnftiger wissenschaftlicher Messungen und nicht als Hinweis auf eigenst\u00e4ndiges Leben auf dem Mond.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tHochaufgel\u00f6ste Karten statt Laborversuch<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Analyse kombinierten die Forscher mehrere Datens\u00e4tze der Raumsonde Lunar Reconnaissance Orbiter, die den Mond seit 2009 vermisst. Aus den hochaufgel\u00f6sten H\u00f6hendaten des Laserinstruments LOLA berechneten sie per Strahlverfolgung, wie viel gestreutes Sonnenlicht und wie viel Ultraviolettstrahlung jeden einzelnen Gel\u00e4ndepunkt im Jahresverlauf erreicht. Dazu kamen Temperaturkarten des Diviner-Instruments mit einer Aufl\u00f6sung von 240 Metern pro Bildpunkt. Diese Umweltbedingungen glichen die Forscher mit bekannten \u00dcberlebensschwellen von f\u00fcnf Mikrobenarten ab, die in Raumfahrzeugen und auf menschlicher Haut besonders h\u00e4ufig vorkommen. Ausgew\u00e4hlt wurden die Schimmelpilze Aspergillus niger und Fusarium sowie die Bakterien Bacillus subtilis, Staphylococcus aureus und Deinococcus radiodurans, von denen einige schon in fr\u00fcheren Experimenten ihre erstaunliche Widerstandskraft im All bewiesen haben.<\/p>\n<p>Ein Schimmelpilz erweist sich als Champion<\/p>\n<p>Das Ergebnis der Modellrechnungen fiel deutlich aus. Alle f\u00fcnf Arten k\u00f6nnten in tief beschatteten Nischen der untersuchten Regionen mindestens mehrere Erdtage \u00fcberstehen. Als robustester Kandidat erwies sich Aspergillus niger, ein weltweit verbreiteter Schimmelpilz, der auf der Erde in warmen, feuchten Umgebungen wie Badezimmern und L\u00fcftungsanlagen gedeiht und sogar schon auf der Internationalen Raumstation nachgewiesen wurde. Seine dicken Zellw\u00e4nde und dunklen Pigmente schirmen die Strahlung besonders wirksam ab, sodass er in Schattenzonen bis zu sieben Erdtage durchhielt. In dauerhaft beschatteten Kratern, in die niemals direktes Sonnenlicht f\u00e4llt, verl\u00e4ngern sich die Zeitr\u00e4ume drastisch, dort ergaben die Simulationen je nach Jahreszeit \u00dcberlebensspannen von Wochen bis Monaten, am l\u00e4ngsten im herbstlichen und winterlichen Halbjahr der S\u00fcdpolregion.<\/p>\n<p>\u00dcberdauern ja doch Wachstum bleibt ausgeschlossen<\/p>\n<p>Wichtig ist dabei eine klare Einschr\u00e4nkung. Die Mikroben w\u00fcrden auf dem Mond nicht wachsen und sich nicht vermehren, denn daf\u00fcr fehlt fl\u00fcssiges Wasser, das eine Atmosph\u00e4re und gem\u00e4\u00dfigte Temperaturen voraussetzt. Die Organismen fallen stattdessen in einen Zustand extremer K\u00e4ltestarre, in dem der Stoffwechsel praktisch stillsteht und die Zellen wie in einem Gefrierschrank konserviert werden. \u00dcberraschend ist zudem, wie kleinr\u00e4umig die sch\u00fctzenden Nischen sein k\u00f6nnen. Weil die Sonne am Pol so flach steht, erzeugt nach Angaben der Forscher schon der Stiefelabdruck eines Astronauten oder die Spur eines Rovers einen Miniatur-Schattenbereich, in dem Mikroben l\u00e4nger \u00fcberdauern k\u00f6nnten als auf der freien Fl\u00e4che daneben. Die Zahl m\u00f6glicher R\u00fcckzugsorte ist damit weitaus gr\u00f6\u00dfer, als es die Karten der gro\u00dfen Krater vermuten lassen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tFolgen f\u00fcr Artemis und die Suche nach Leben<\/p>\n<p>F\u00fcr die kommenden Mondmissionen hat der Befund unmittelbare Bedeutung. Dauerhaft beschattete Krater gelten wegen ihrer m\u00f6glichen Wassereisvorkommen als wissenschaftlich wertvollste Ziele der S\u00fcdpolregion, und genau dort k\u00f6nnten eingeschleppte irdische Mikroben k\u00fcnftige Analysen verf\u00e4lschen. Die Forscher fordern deshalb, vor der Ankunft von Menschen eine chemische und biologische Bestandsaufnahme der Region vorzunehmen, um sp\u00e4ter zwischen urspr\u00fcnglicher Mondchemie und menschlicher Kontamination unterscheiden zu k\u00f6nnen. Zugleich betrachten sie die S\u00fcdpolnischen als ideales Testfeld f\u00fcr den Umgang mit derselben Frage auf dem Mars, wo die Verwechslungsgefahr zwischen eingeschlepptem und einheimischem Leben ungleich schwerer wiegen w\u00fcrde. Wie sichtbar menschliche Aktivit\u00e4t den Mond bereits ver\u00e4ndert, zeigt auch der Fall einer <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/astronomie\/ausgediente-spacex-rakete-schlaegt-krater-in-den-mond-133712515\" title=\"Ausgediente SpaceX-Rakete schl\u00e4gt Krater in den Mond\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ausgedienten SpaceX-Rakete, die einen frischen Krater in die Mondoberfl\u00e4che schlug<\/a>.<\/p>\n<p>Wie die Ergebnisse zustande kamen und was jetzt folgt<\/p>\n<p>Die Autoren betonen, dass ihre Karten auf Modellrechnungen beruhen und reale Messungen vor Ort nun der n\u00e4chste Schritt sein m\u00fcssen. Geplant sind unter anderem gezielte Probennahmen in beschatteten Nischen, die wiederholt angefahren werden k\u00f6nnten, um die Ausbreitung menschlicher Spuren \u00fcber die Zeit zu verfolgen. Mit Artemis IV soll Anfang 2028 erstmals seit \u00fcber einem halben Jahrhundert wieder eine Besatzung rund eine Woche in der S\u00fcdpolregion arbeiten, womit die Frage der mikrobiellen Verunreinigung endg\u00fcltig praktische Relevanz erh\u00e4lt. Die vollst\u00e4ndige Studie ist im Fachjournal <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1126\/sciadv.aec0811\" title=\"Studie in Science Advances zu \u00fcberlebensf\u00e4higen Nischen f\u00fcr Mikroben am S\u00fcdpol des Mondes\">Science Advances<\/a> erschienen und enth\u00e4lt detaillierte \u00dcberlebenskarten aller drei Kandidatenregionen.<\/p>\n<p>Eine allgemeinverst\u00e4ndliche Zusammenfassung mit Visualisierungen der S\u00fcdpolregion bietet zudem die <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/humans-in-space\/human-related-microbes-may-survive-moons-south-pole-nasa-finds\/\" title=\"NASA-Bericht \u00fcber \u00fcberlebensf\u00e4hige Mikroben am S\u00fcdpol des Mondes\">Wissenschaftsseite der NASA<\/a>, auf der die beteiligten Forscher die Konsequenzen f\u00fcr die Artemis-Missionen einordnen.<\/p>\n<p>Science Advances, Potential survivable niches for microbial life on the lunar south pole; doi:10.1126\/sciadv.aec0811<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Blinde Passagiere \u00a029. 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