{"id":1268878,"date":"2026-08-30T02:47:23","date_gmt":"2026-08-30T02:47:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1268878\/"},"modified":"2026-08-30T02:47:23","modified_gmt":"2026-08-30T02:47:23","slug":"brandenburg-berlin-pop-kultur-festival-ostidentitaet-in-der-popmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1268878\/","title":{"rendered":"Brandenburg Berlin: Pop-Kultur-Festival: Ostidentit\u00e4t in der Popmusik"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/rbb-calcou-100.jpg\" alt=\"Das Duo Calcou (Quelle: Max Hilsamer)\" title=\"Calcou | Max Hilsamer\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 29.08.2026 \u2022 16:57 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Junge Musiker und Musikerinnen erz\u00e4hlen vom Aufwachsen in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern der Nachwendezeit. Und setzen sich mit ihrer ostdeutschen Identit\u00e4t auseinander. Auch beim diesj\u00e4hrigen Pop-Kultur-Festival ist die Herkunft Thema.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Franziska Walser und Wiebke Keuneke\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In der Panke Culture im Berliner Wedding ist es eng und dunkel, auf der B\u00fchne stehen Synthesizer und elektronische Instrumente. Thea Alien vom Elektroduo Calcou k\u00fcndigt einen neuen, noch unbekannten Song an. &#8222;Everything Okay&#8220; erscheint offiziell erst im September. &#8222;Das ist mein pers\u00f6nlicher Wut-Song \u00fcber ostdeutsche Identit\u00e4t, \u00fcber westdeutsche Gleichg\u00fcltigkeit und dar\u00fcber, dass ich mich st\u00e4ndig erkl\u00e4ren muss&#8220;, sagt die 26-j\u00e4hrige Musikerin zum Publikum. Thea Alien ist in Sachsen-Anhalt aufgewachsen &#8211; dort, wo am 6. September vielleicht erstmals in der Bundesrepublik Deutschland mit der AfD eine als &#8222;gesichert rechtsextrem&#8220; eingestufte Partei st\u00e4rkste Kraft werden k\u00f6nnte [<a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/landtagswahl\/landtagswahl-afd-cdu-sonntagsfrage-104,wahl-umfrage-102.html\" title=\"mdr.de\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">mdr.de<\/a>]. Besonders st\u00f6re Thea Alien die Gleichsetzung von Ostdeutschland mit Rechtsextremismus und der AfD. Sie erlebe immer wieder, dass von ihr erwartet werde, sich f\u00fcr ihre Herkunft zu rechtfertigen. &#8222;Das macht mich so m\u00fcde&#8220;, sagt sie. Nicht jeder sei dort ein Nazi oder w\u00e4hle die AfD.<\/p>\n<p>    Betterov erz\u00e4hlt die Fluchtgeschichte seines Vaters<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch andere j\u00fcngere Musiker besch\u00e4ftigen sich mit ihrer ostdeutschen Herkunft. Betterov, b\u00fcrgerlich Manuel Bittorf, wurde 1994 in Th\u00fcringen geboren. Auf seinem Album &#8222;Gro\u00dfe Kunst&#8220; erz\u00e4hlt er in zwei Songs von der Flucht seines Vaters aus der DDR im Juli 1989. Die Geschichte spielt zwar f\u00fcnf Jahre vor seiner eigenen Geburt, pr\u00e4gt aber trotzdem seine eigene Biografie. &#8222;Er rammt den Haken in den Zaun \/ Fasst dabei in einen Draht \/ Ein Posten schl\u00e4gt Alarm \/ Dann kreisen Lichter \u00fcberall&#8220;, singt Betterov in &#8222;17. Juli 1989&#8220;. Sein Vater flieht an diesem Tag, mit zwei selbstgebauten Haken \u00fcber die innerdeutsche Grenze. Im zweiten Lied, &#8222;18. Juli 1989&#8220;, erz\u00e4hlt Betterov die Geschichte weiter.<\/p>\n<p>    Kinder zeigen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Geschichte ihrer Eltern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den Soziologen Daniel Kubiak von der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin ist das nicht \u00fcberraschend. Wer in Ostdeutschland mit ostdeutschen Eltern aufwachse, setze sich auch mit deren Biografien und Transformationserfahrungen auseinander. Kubiak spricht von einer &#8222;ambivalenten Solidarit\u00e4t mit den eigenen Eltern&#8220;: Ostalgische Haltungen w\u00fcrden eher abgelehnt, gleichzeitig wachse das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, was Arbeitslosigkeit, berufliche Br\u00fcche oder Umz\u00fcge in den 1990er-Jahren f\u00fcr die Eltern bedeuteten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen ihre Herkunft zum Thema machen, sei zun\u00e4chst nichts spezifisch Ostdeutsches, sagt Kubiak, der mit &#8222;Musi*Sociology&#8220; vom Berliner Institut f\u00fcr empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) auch einen Musikpodcast betreibt [<a href=\"https:\/\/www.bim.hu-berlin.de\/de\/aktuelles\/news-archiv\/neuer-podcast-aus-dem-bim-musi-sociology-gesellschaft-wissenschaft-und2028-musik\" title=\"bim.hu-berlin.de\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">bim.hu-berlin.de<\/a>]. Herbert Gr\u00f6nemeyer singt \u00fcber Bochum und das Ruhrgebiet, Johnny Cash \u00fcber seine Herkunft aus dem l\u00e4ndlichen Arkansas. Bei Musikern aus Chemnitz, Wittenberg oder Magdeburg kann entsprechend Ostdeutschland eine Rolle spielen. Und das ist nicht v\u00f6llig neu. Bands wie Kraftklub aus Sachsen oder Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern setzen sich schon l\u00e4nger mit ihrer Herkunft und den politischen Verh\u00e4ltnissen vor Ort auseinander. Der S\u00e4nger Betterov erkl\u00e4rt sich den neuen Aufwind von ostdeutschen Themen in der Popmusik damit, dass &#8222;jetzt eine Generation alt genug sei, um ihr Aufwachsen zu erz\u00e4hlen.&#8220;<\/p>\n<p>    Von Scham zu Selbstbewusstsein<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie stark ostdeutsche Identit\u00e4t auch durch Fremdzuschreibungen entsteht, hat Hendrik Bolz erlebt. Er wird 1988 in Leipzig geboren, w\u00e4chst in Stralsund auf. Bekannt wird er als Rapper &#8222;Testo&#8220; des Hip-Hop Duos &#8222;Zugezogen Maskulin&#8220;, sowie als Autor des biografischen Bestseller-Romans &#8222;Nullerjahre&#8220;. Bolz erinnert sich an ein vermeintliches Kompliment w\u00e4hrend seines Studiums: &#8222;Krass, du bist Ossi, h\u00e4tte ich nie gedacht. Merkt man gar nicht.&#8220; Damals habe er sich dar\u00fcber gefreut. Heute sagt er: &#8222;Das Traurige ist, dass das f\u00fcr mich wirklich das gr\u00f6\u00dfte Lob war. Das war, als h\u00e4tte man mir so einen Orden verliehen.&#8220; Beim Pop-Kultur-Festival treffen die verschiedenen Erfahrungen der K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler auch im Gespr\u00e4ch aufeinander. In der Gespr\u00e4chsreihe &#8222;Aus Ruinen&#8220; von Hendrik Bolz und dem Berliner Ensemble sprechen Betterov und Bolz \u00fcber ostdeutsche Herkunft und die Erfahrungen ihrer Generation. &#8222;Aus Ruinen&#8220; hei\u00dft auch der zur Gespr\u00e4chsreihe geh\u00f6rende Podcast von Bolz und sein neues Buch, das im Oktober erscheint [<a href=\"https:\/\/www.berliner-ensemble.de\/aus-ruinen\" title=\"berliner-ensemble.de\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">berliner-ensemble.de<\/a>]. Dass j\u00fcngere Generationen ein neues Interesse an ihrer Herkunft zeigen, beobachtet auch der Kurator des Pop-Kultur-Festivals in Berlin, Christian Morin. Dahinter stehe das Bed\u00fcrfnis, sich historisch einzuordnen und &#8222;auch die Geschichte des eigenen Selbst und der Familie erforschen&#8220; zu wollen.<\/p>\n<p>    Gegen Klischees \u00fcber &#8222;den Osten&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei gehe es gerade nicht darum, eine neue einheitliche Erz\u00e4hlung vom Osten zu schaffen. Hendrik Bolz betont beispielsweise, wie unterschiedlich das Aufwachsen in Ostdeutschland sein konnte: Menschen in Plattenbauvierteln h\u00e4tten andere Erfahrungen gemacht als diejenigen in Altst\u00e4dten, an der Ostsee andere als im Erzgebirge. Was die Musiker und Musikerinnen verbindet, ist eher der Wunsch, diese unterschiedlichen Erfahrungen selbst zu erz\u00e4hlen. Thea Alien sagt: &#8222;Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass Leute mir einfach Fragen stellen. Und ich dann auch mal was erz\u00e4hlen darf. Und nicht immer die Leute mir erz\u00e4hlen, wie meine Kindheit war und meine Jugend, denn sie waren ja gar nicht da.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sendung: rbb24 Inforadio, 27.08.2026, 14:53 Uhr Audio: rbb24 Inforadio, 27.08.2026, Franziska Walser \/ Stephan Ozsv\u00e1th<\/p>\n<p>                                        <a class=\"backlink__link\" href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/kultur\/beitrag\/2026\/08\/berlin-brandenburg-ostdeutschland-identitaet-popkultur-festival.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                                                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.tagesschau.de\/image\/898f19c3-6760-4be2-a33f-1fa765216ec2\/AAABlap_olM\/AAABnR8VW9w\/original\/lra-rbb-logo-100.svg\" alt=\"Rundfunk Berlin-Brandenburg\"\/><\/p>\n<p>                                        <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 29.08.2026 \u2022 16:57 Uhr Junge Musiker und Musikerinnen erz\u00e4hlen vom Aufwachsen in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern der Nachwendezeit.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1268879,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1816],"tags":[1960,1958,1959,1957,296,1956,1890,29,30,2239],"class_list":["post-1268878","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-brandenburg","tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin-und-brandenburg","tag-aktuelle-nachrichten-aus-brandenburg","tag-aktuelle-news-aus-berlin-und-brandenburg","tag-aktuelle-news-aus-brandenburg","tag-berlin","tag-berlin-und-brandenburg","tag-brandenburg","tag-deutschland","tag-germany","tag-rbb"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1268878","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1268878"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1268878\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1268879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1268878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1268878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1268878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}