{"id":1269282,"date":"2026-08-30T07:57:25","date_gmt":"2026-08-30T07:57:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1269282\/"},"modified":"2026-08-30T07:57:25","modified_gmt":"2026-08-30T07:57:25","slug":"die-zero-foundation-feiert-den-95-geburtstag-von-herman-de-vries-mit-einer-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1269282\/","title":{"rendered":"Die Zero-Foundation feiert den 95. Geburtstag von Herman de Vries mit einer Ausstellung."},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Herman de Vries ist ein enger Vertrauter der Zero-Gruppe, er arbeitete zwischen 1959 und 1963 fast ausschlie\u00dflich mit Wei\u00df, schrieb im Zero-Manifest und hat Heinz Mack noch heute als Freund. Aber er wurde zum Naturapostel, zum Aussteiger aus dem b\u00fcrgerlichen Beruf wie aus der Kunstszene. Seit einem halben Jahrhundert ist er ein Eremit im unterfr\u00e4nkischen Steigerwald, der durch das Unterholz stromert und gern auch im Adamskost\u00fcm auftritt. Seine Ausstellungen best\u00fcckt der Autodidakt mit Erden, Samenkapseln, Bl\u00e4ttern, \u00c4sten und Hasenkuttel. Das Zero-Haus feiert den 95-J\u00e4hrigen nun mit einer Ausstellung und einer Diskussion, aber der Gefeierte wird wegen Altersbeschwerden nicht daran teilnehmen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Mann mit dem dichten Bart macht eine Kunst, die Heinz Mack als \u201eReay-mades der Natur\u201c bezeichnet. Seine B\u00fccher sind aus allen Holzarten des Steigerwalds geschnitzt und stehen Scheit an Scheit im Regal. Er besitzt nach Auskunft der Kunstzeitschrift \u201eMonopol\u201c die zweitgr\u00f6\u00dfte Drogenbibliothek Deutschlands, hat er sich doch in seinen wilden 1950er-Jahren mit den physiologischen und den philosophischen Dimensionen des Rausches besch\u00e4ftigt, um seinem Asthma abzuhelfen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aus der unendlichen Vielfalt der Naturformen sucht er einfache Formen, die er sammelt, presst, trocknet, ordnet und in Rahmen steckt. Er reibt Erdproben und Aschen auf wei\u00dfes Papier, stets darauf bedacht, das Universale, das Archetypische zur Erscheinung zu bringen. Und er erz\u00e4hlt gern sein Statement: \u201eIch hasse Kunst in der Natur, sie ist sich selber genug und soll dem Menschen auch genug sein. Kunst in der Natur ist \u00fcberheblich, arrogant oder ignorant.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">1984 sa\u00df er beim Aufbau der Ausstellung \u201evon hier aus\u201c in der D\u00fcsseldorfer Messe auf einer Leiter und streute drei Stunden lang 108 Pfund stark duftende Rosenknospen auf den Boden, um eine runde Fl\u00e4che zu schaffen, bis schlie\u00dflich die 17.000 Quadratmeter gro\u00dfe Halle vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt war. Beuys stand daneben, schaute zu und war m\u00f6glicherweise begeistert. De Vries aber feierte den 70. Geburtstag von Beuys 1991 mit der \u201eAktion Rosenspur\u201c, indem er derlei Rosen auf den Weg von der Kunstakademie zum Lokal Ohme Jupp streute, dem Stammlokal von Beuys. Dazu blies er auf einem Muschelhorn.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit 1969 lebt Herman de Vries im Steigerwald. Dort, im Niemandsland, legte er im kalten Winter 1972 seine Kleider ab, stellte sich in den Schnee, breitete seine Arme weit aus und lie\u00df sich von seiner Frau Susanne fotografieren. Ein Adonis im Rauschebart, auf Steinen stehend, umgeben von einem blauen Himmel samt wei\u00dfer Wolken. Anschlie\u00dfend wanderte er im Schnee durch die Gegend. Es war seine erste Performance. \u201eI am this, I am here\u201c, \u201eIch bin dies, ich bin hier\u201c steht unter einem der Fotos. Die H\u00e4nde hat er in die Beckenknochen gestemmt, den Rauschebart tr\u00e4gt er passend zu den Wolken. In viele Kataloge lanciert er diese Heldenpose und dokumentiert damit den Menschen als Teil der Natur.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nur in D\u00fcsseldorf klappte es anfangs nicht mit seiner Kunst im Bezug zur Natur. Zur Aktion \u201eHell-Gruen\u201c wurde er 2001\/2 auserkoren, am Joseph-Beuys-Ufer eine Eiche zu pflanzen und mit einem kunstvollen Zaun zu umgeben. Die Eiche erf\u00fcllte allerdings die hohen Erwartungen an diesen symboltr\u00e4chtigen Laubbaum nicht, da sie auf dem Rheinufertunnel permanent unter Wassermangel litt. Sie verdorrte. Nach vier vergeblichen Ersatzpflanzungen wurde sie abger\u00e4umt. Die f\u00fcnfte Version w\u00e4chst und gedeiht im Lantz&#8217;schen Park.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Herman de Vries h\u00e4tte es als ausgebildeter G\u00e4rtner und Diplomlandwirt wissen m\u00fcssen. Er war bis in die 1960er-Jahre Mitarbeiter im \u201eInstitut f\u00fcr angewandte biologische Forschung in der Natur\u201c in Arnheim und wurde parallel dazu zu einem f\u00fchrenden Mitglied der Gruppe Nul, der holl\u00e4ndischen Variante von Zero. W\u00e4hrend sich seine Kollegen mit Spiegel, Licht, Feuer und Bewegung besch\u00e4ftigten, setzte er sich mit B\u00e4umen und Pflanzen auseinander. Botanik, Heilkunde und Mythologie spielen bis heute eine zentrale Rolle in seinem Werk.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">1993 entstand das erste \u201eSanctuarium\u201c zur Internationalen Gartenbauausstellung in Stuttgart, 1997 ein zweites zu den Skulptur-Projekten M\u00fcnster und 2001\/2 das dritte in D\u00fcsseldorf. Immer sind es eingez\u00e4unte Schutzr\u00e4ume f\u00fcr Pflanzen in der Stadt. Sie ehren durch kostbare Beschriftungen in vergoldeten Eisen-Buchstaben die Bedeutung des Ortes. Aber der kunstvollen Natur geht es nicht immer gut. In Stuttgart war nach dem st\u00e4dtischen R\u00fcckschnitt von Natur nichts mehr zu sehen. In M\u00fcnster ist im kleinen Park zwischen Botanischem Garten und Schlosspark die runde Mauer mit Graffiti beschmiert. Und in D\u00fcsseldorf fand die \u201eVollkommenheit der Natur\u201c erst 20 Jahre nach der ersten Pflanzung ein richtiges Pl\u00e4tzchen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die D\u00fcsseldorfer Eiche ist mit vergoldeten Lanzen-Spitzen und Goldbuchstaben umz\u00e4unt. Ihr Text lautet: \u201ewynfrith me caesit\u201c und \u201eherman me recreavit\u201c, also \u201eWynfrith hat mich gef\u00e4llt\u201c und \u201eHerman hat mich wieder erschaffen\u201c. Winfried von Rom, besser bekannt als Bonifatius, missionierte im fr\u00fchen 8. Jahrhundert in Friesland und Deutschland, aber lie\u00df die Donar-Eiche f\u00e4llen, den Baum der alten G\u00f6tter. Herman sorgt nun, wenn alles gut geht, f\u00fcr die \u00f6kologische Rehabilitation des gesch\u00e4ndeten, als heidnisch verschrienen Baums. Seit Jahrzehnten wohnt er an der Kilianseiche bei Falsbrunn im Steigerwald.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herman de Vries ist ein enger Vertrauter der Zero-Gruppe, er arbeitete zwischen 1959 und 1963 fast ausschlie\u00dflich mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1269283,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1831],"tags":[2076,3364,29,3405,20586,116833,598,262190,30,171058,244128,262187,2075,28974,24254,83410,262188,6237,262185,262189,1209,262186,210621],"class_list":["post-1269282","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duesseldorf","tag-ausstellung","tag-de","tag-deutschland","tag-duesseldorf","tag-eiche","tag-formen","tag-garten","tag-gartenbauausstellung","tag-germany","tag-heinz-mack","tag-herman-de-vries","tag-kilianseiche","tag-kunst","tag-kunstakademie","tag-kunstszene","tag-kunstvollen","tag-kunstzeitschrift","tag-natur","tag-naturapostel","tag-naturformen","tag-nordrhein-westfalen","tag-scheit","tag-steigerwald"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117183397515255541","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1269282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1269282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1269282\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1269283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1269282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1269282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1269282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}