{"id":127081,"date":"2025-05-21T03:36:16","date_gmt":"2025-05-21T03:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/127081\/"},"modified":"2025-05-21T03:36:16","modified_gmt":"2025-05-21T03:36:16","slug":"interne-aufraeumaktion-das-steckt-hinter-der-neuen-russland-strategie-der-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/127081\/","title":{"rendered":"Interne Aufr\u00e4umaktion: Das steckt hinter der neuen Russland-Strategie der AfD"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die AfD r\u00e4umt besonders putintreue Abgeordnete beiseite und will sich ein neues Image verpassen. Der angepeilte Strategiewechsel hat auch mit der CDU zu tun.<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende gab er auf. Zu gro\u00df war wohl die Sorge von Matthias Moosdorf, dass er vor den Augen der versammelten Mannschaft der AfD im Bundestag eine Klatsche kassiert. Zu Beginn der Fraktionssitzung am vergangenen Dienstag wurden die Sitze im Ausw\u00e4rtigen Ausschuss verteilt. Moosdorf, zuletzt au\u00dfenpolitischer Sprecher der Fraktion, verlor eine Kampfkandidatur nach der anderen. Im Duell um den zehnten und letzten Platz im Ausschuss trat er gar nicht mehr an.<\/p>\n<p>Moosdorf ist das erste Opfer einer neuen AfD-Strategie. Die Partei will sich nach au\u00dfen weniger russlandfreundlich pr\u00e4sentieren. Und hier passt ein au\u00dfenpolitischer Sprecher, der regelm\u00e4\u00dfig nach Russland reist und als Cellist sogar eine Honorarprofessur an der kremlnahen Gnessin-Akademie innehat, nicht ins Bild.<\/p>\n<p>Vielen in der Partei, vor allem im Westen, war die Russlandn\u00e4he mancher Kollegen schon lange ein Dorn im Auge. Da waren zum Beispiel Moosdorf-Vorg\u00e4nger Petr Bystron, gegen den wegen des Verdachts der Bestechlichkeit aus Russland ermittelt wird; Abgeordnete die nach ihrer Arbeit als &#8222;Wahlbeobachter&#8220; in Russland die Wiederwahl Putins lobten; der Besuch des Parteivorsitzenden Tino Chrupalla, der 2023 am 9. Mai in der russischen Botschaft an den Festlichkeiten zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs teilnahm. <\/p>\n<p>Letzteres wurde von der Parteispitze, also auch von Chrupalla, in diesem Jahr offiziell untersagt. Eine Dem\u00fctigung f\u00fcr den Sachsen, der sich hier der Haltung seiner Co-Chefin Alice Weidel anschlie\u00dfen musste. Die Russland-Freunde, stellvertretend Chrupalla und Moosdorf, verlieren an Macht.<\/p>\n<p>Weniger Putin, mehr Trump wagen<\/p>\n<p>Aus der Partei ist zu h\u00f6ren, dass Weidel den Weg der f\u00fcr AfD-Verh\u00e4ltnisse halbwegs klaren Distanzierung, mitgeht, wenn nicht sogar vorgibt. Hierzu passt, dass mit Markus Frohnmaier einer ihrer Vertrauten aus dem eigenen Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg zum neuen au\u00dfenpolitischen Sprecher der AfD-Fraktion gew\u00e4hlt worden ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend kurz nach Beginn der russischen Invasion Bystron noch im Bundestag das Putin-Narrativ verbreitete, der Westen trage eine Mitschuld am Krieg in der Ukraine, sind heute andere T\u00f6ne aus der Partei zu h\u00f6ren. Hannes Gnauck zum Beispiel, Mitglied im Bundesvorstand und im Verteidigungsausschuss, sagte dem &#8222;Stern&#8220;, Russland setze mit einer &#8222;gewissen Brutalit\u00e4t und R\u00fccksichtslosigkeit seine Interessen als wiedererstarkte Gro\u00dfmacht&#8220; durch und mahnte gleichzeitig, &#8222;nur eigene St\u00e4rke und Abwehrbereitschaft&#8220; k\u00f6nne hier die angemessene Antwort sein. Russland sei weder &#8222;unser Freund noch unser Feind&#8220;.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versucht sich die AfD an die USA anzun\u00e4hern. Schon im Wahlkampf \u00fcberraschte die Partei mit einer verbalen Anbiederung an die Nation, die von vielen Mitgliedern und Anh\u00e4ngern in der Vergangenheit als Feind ausgemacht worden ist. Sogar Bj\u00f6rn H\u00f6cke, alles andere als ein Transatlantiker, fand pl\u00f6tzlich lobende Worte f\u00fcr Washington. Der Grund sitzt im Wei\u00dfen Haus. Von US-Pr\u00e4sident Donald Trump, vor allem von seinem Vize und dem Berater Elon Musk, bekam die Partei im Bundestagswahlkampf R\u00fcckenwind. Mehr als in den vergangenen Jahren aus Russland, l\u00e4stern manche.<\/p>\n<p>USA sollen gegen Verbotsdruck helfen<\/p>\n<p>Die Partei d\u00fcrfte mit ihrem angepeilten Richtungswechsel gleich drei Hoffnungen verbinden. Zum einen will man sich anschlussf\u00e4higer an m\u00f6gliche politische Partner machen. Mit einem gem\u00e4\u00dfigterem Bild nach au\u00dfen will die AfD die Brandmauer zum Br\u00f6ckeln bringen. Neben einer Distanzierung zu Moskau z\u00e4hlt dazu auch ein zahmerer Auftritt im Plenum &#8211; sowohl am Rednerpult, als auch bei den Abgeordneten auf den Pl\u00e4tzen. Ob das mehr als reine Lippenbekenntnisse sind, wird sich erst noch zeigen.<\/p>\n<p>Wie die &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; berichtete, sind einzelne Abgeordnete au\u00dferdem der Meinung, dass man mit Russland als Freund derzeit keine W\u00e4hler gewinnen k\u00f6nne. Immer wieder hatte vor allem Chrupalla \u00f6ffentlich behauptet, Putin habe dem Westen die Hand des Friedens entgegengestreckt. Doch Putins Verhalten in den vergangenen Wochen l\u00e4sst diese Argumentation weltfremd wirken.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch die Angst vor einem Verbotsverfahren gegen die AfD. Nach Bekanntwerden der Hochstufung durch das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hatte US-Vizepr\u00e4sident J.D. Vance den Vorgang zum Befremden der Bundesregierung kritisiert. In der AfD gibt es die Hoffnung, dass Donald Trump, der vermeintliche Schutzpatron der Meinungsfreiheit, im Ernstfall intervenieren w\u00fcrde. Zumindest aber k\u00f6nne die US-Unterst\u00fctzung die Angst vor einer Einleitung eines Verfahrens erh\u00f6hen, hei\u00dft es aus der Fraktion. Im Podcast von &#8222;Politico&#8220; sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch: &#8222;Wir erwarten uns nat\u00fcrlich auch gerne weiter Unterst\u00fctzung aus den USA. Die k\u00f6nnen wir, glaube ich, gut gebrauchen.&#8220;<\/p>\n<p>Sind die Russland-Freunde pl\u00f6tzlich still?<\/p>\n<p>Wie glaubw\u00fcrdig ist der scheinbar neue Kurs der AfD? Ausgerechnet die Figur, die diesen Wandel einl\u00e4uten soll, l\u00e4sst daran zweifeln. Der neugew\u00e4hlte au\u00dfenpolitische Sprecher Frohnmaier besuchte nach der v\u00f6lkerrechtswidrigen Annexion der Krim die Halbinsel und bezeichnete diese als russisch. Auch soll er, so berichtete es der &#8222;Spiegel&#8220; 2019, vom russischen Geheimdienst als m\u00f6glicher Helfer ausgemacht worden sein. Auf &#8222;S\u00fcddeutsche&#8220;-Anfrage antwortete Frohnmaier, dass er nichts f\u00fcr vermeintliche oder tats\u00e4chliche Pl\u00e4ne irgendwelcher Russen k\u00f6nne und es ja so oder so auch lange her sei.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Angst vor einem Stimmenverlust allzu vorgeschoben wirkt. F\u00fcr die AfD ging es in den Umfragen zuletzt weiter nach oben. Momentan steht die Partei in den meisten Umfragen bei 24 Prozent. Vor allem im Osten kann eine N\u00e4he zu Russland bei Wahlen sogar helfen. Mit Chrupalla, Moosdorf, Maximilian Krah, dem wie Bystron die Annahme russischer Gelder vorgeworfen wird, und dem Fraktionschef im Landtag J\u00f6rg Urban tummeln sich in Sachsen gleich mehrere Russland-Freunde.<\/p>\n<p>Wo genau die AfD au\u00dfenpolitisch steht, l\u00e4sst sich nicht sagen. Auch der heutige internationale Fu\u00dfballtrikot-Tag im Bundestag lie\u00df keine neuen Schlussfolgerungen zu. In allen anderen Fraktionen erschien ein Teil der Abgeordneten in bunten Spielleibchen, bei den Gr\u00fcnen waren ein paar Deutschlandjerseys zu finden. Die AfD verzichtete komplett \u2013 sowohl auf russische als auch auf US-Trikots.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die AfD r\u00e4umt besonders putintreue Abgeordnete beiseite und will sich ein neues Image verpassen. 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