{"id":1271091,"date":"2026-08-31T04:14:16","date_gmt":"2026-08-31T04:14:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1271091\/"},"modified":"2026-08-31T04:14:16","modified_gmt":"2026-08-31T04:14:16","slug":"ateliersommer-in-wegberg-die-tetelrather-kuenstlerin-sabine-koehlert-arbeitet-mit-filz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1271091\/","title":{"rendered":"Ateliersommer in Wegberg: Die Tetelrather K\u00fcnstlerin Sabine K\u00f6hlert arbeitet mit Filz"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Kabel. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gew\u00f6hnlicher Gegenstand aus dem Alltag. Doch die Ummantelung ist aus Filz, an mehreren Stellen schauen die einzelnen Str\u00e4nge, ebenfalls aus Filz, heraus. Aus einem technischen Gebrauchsgegenstand ist ein Kunstwerk geworden. Die Arbeit geh\u00f6rt zu einer Wanderausstellung mit dem Titel \u201eVerkleidung\u201c \u2013 und passt damit bestens zu einer K\u00fcnstlerin, die Allt\u00e4gliches gern aus seinem gewohnten Zusammenhang l\u00f6st. \u201eIch habe bei dem Titel nicht an Masken oder Kost\u00fcme gedacht, sondern eben an die Verkleidung des Kabels\u201c, sagt Sabine K\u00f6hlert. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">K\u00f6hlert ist freischaffende K\u00fcnstlerin in den Bereichen bildende Kunst, Textilkunst und Mixed Media. Ihr Hauptmaterial ist Filz. Allerdings sucht man in ihrem Atelier vergeblich nach einer bunten Filzwelt. Schwarz, Wei\u00df und Grau dominieren. Rot taucht nur dort auf, wo es als bewusster Akzent gesetzt wird. \u201eIch arbeite mit einfachen, oft industriell oder allt\u00e4glich gepr\u00e4gten Materialien wie Wolle, Schlauch, Draht, Gummi, Folien oder Styroporkugeln\u201c, erkl\u00e4rt die 59-J\u00e4hrige. Entscheidend sei dabei die Reduktion \u2013 bei Form, Material, Farbe und Handlung.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In ihrem Atelier in Tetelrath wird diese Haltung unmittelbar sichtbar. Filz liegt in den Regalen, kleinere Materialien sind ordentlich in Schubladen gro\u00dfer Schr\u00e4nke sortiert. Leinw\u00e4nde lehnen aneinander, auf dem gro\u00dfen Arbeitstisch liegen Arbeiten, die K\u00f6hlert f\u00fcr den Wegberger Ateliersommer, bei dem sie am Wochenende ausgestellt hat, ausgew\u00e4hlt hat. Die bunteren Farben, die ebenfalls vorhanden sind, bleiben vor allem den Workshops mit Kindern vorbehalten, die die K\u00fcnstlerin regelm\u00e4\u00dfig anbietet, darunter viele an Schulen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Einladung zum Ateliersommer kam von der Atelieretage. K\u00f6hlert war als Gastk\u00fcnstlerin dabei und \u00f6ffnete damit auch einen Einblick in ihre eigene k\u00fcnstlerische Welt. Eine Welt, in der das Weglassen eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielt wie das Hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zum Filzen kam sie allerdings nicht schon als Kind. Kreativ war sie damals schon. \u201eIch habe immer irgendetwas gemacht\u201c, erinnert sie sich. Ihr erstes Filzwerk entstand erst Jahre sp\u00e4ter: eine Schult\u00fcte f\u00fcr ihre inzwischen verstorbene Tochter. Auch ihr Sohn bekam zur Einschulung eine selbst gefertigte Schult\u00fcte. Aus dem zun\u00e4chst privaten Arbeiten mit dem Material entwickelte sich nach und nach eine k\u00fcnstlerische Sprache.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit 2009 ist die Kunst ihre berufliche und existenzielle Grundlage. Dass dieser Weg nicht einfach ist, wei\u00df K\u00f6hlert sehr genau. \u201eVon der Kunst zu leben und zu sehen, dass andere das auch wertsch\u00e4tzen, ist schwierig.\u201c An Selbstbewusstsein mangelt es ihr dennoch nicht. Sie kennt ihre F\u00e4higkeiten und steht hinter ihrer Arbeit. \u201eKunst kann gefallen \u2013 muss es aber nicht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr K\u00f6hlert ist Kunst vor allem eine Form der Auseinandersetzung. Nicht Dekoration, nicht Illustration. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Materialit\u00e4t und Struktur, zwischen k\u00f6rperlicher Arbeit und gedanklicher Klarheit. Disziplin und Ausdauer geh\u00f6ren f\u00fcr sie ebenso dazu wie die Bereitschaft, immer wieder etwas infrage zu stellen. Serien, Wiederholungen und minimale Verschiebungen sind zentrale Elemente ihres Arbeitens.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und dann gibt es diesen Moment, in dem aus dem Experiment eine fertige Arbeit wird. \u201eIch sp\u00fcre es, wenn es gut ist. Alles davor ist Experimentieren\u201c, sagt die K\u00fcnstlerin. Ein Beispiel daf\u00fcr ist eine Arbeit mit umfilzten Haargummis. Durch gezielte Schnitte hat sie dem Material in der engen Wolle Raum verschafft. \u201eIch muss es herauskitzeln, wie weit ich gehen kann, damit die Arbeit wirkt, aber nicht zu viel ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Genau darin liegt die Spannung ihrer Werke. Eine Leinwand trifft auf finnisches Papier und Filz. Magnetische Filzkugeln liegen auf einer mit Filz \u00fcberzogenen Metallplatte und k\u00f6nnen immer wieder neu angeordnet werden. Gips oder Holz kommen hinzu, wenn sie f\u00fcr die K\u00fcnstlerin in das Gesamtbild passen. Nichts davon ist Selbstzweck.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein konkretes Vorbild hat K\u00f6hlert nicht. Ihre Inspiration entsteht vor allem aus dem eigenen k\u00fcnstlerischen Prozess. Eine Ausnahme nennt sie dennoch spontan: \u201eIch liebe die Kunst von G\u00fcnther Uecker.\u201c Auch japanische und asiatische Kunst faszinieren sie. Besonders das Prinzip des Weglassens. \u201eIch mag das, wo nichts ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass gerade dieses \u201eNichts\u201c anspruchsvoll sein kann, wei\u00df sie aus eigener Erfahrung. Ein einzelner Strich auf einer Fl\u00e4che mag einfach aussehen. Doch einen Strich so zu setzen, dass er Ausdruck bekommt, sei eine Kunst f\u00fcr sich. \u201eEinen Strich zu malen, ist nicht das Gleiche, wie einen Strich zu malen\u201c, sagt K\u00f6hlert. Die vermeintliche Einfachheit gro\u00dfer Kunst k\u00f6nne t\u00e4uschen. Die Herausforderung liege darin, mit m\u00f6glichst wenig m\u00f6glichst viel Wirkung zu erzielen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">So ist auch das gefilzte Kabel mehr als ein Kabel. Es erz\u00e4hlt von Verkleidung und Enth\u00fcllung zugleich. Die Ummantelung verdeckt und macht sichtbar, sch\u00fctzt und ver\u00e4ndert. K\u00f6hlerts Kunst funktioniert nach einem \u00e4hnlichen Prinzip: Sie nimmt Dinge zur\u00fcck, um ihnen dadurch neue Aufmerksamkeit zu geben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ihre Arbeiten pr\u00e4sentiert die K\u00fcnstlerin regelm\u00e4\u00dfig in Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland. Die n\u00e4chste Ausstellung steht bereits bevor: Gemeinsam mit dem Kunstverein <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/neuss\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neuss<\/a>, dessen Mitglied K\u00f6hlert ist, zeigt sie vom 6. bis 15. November im ZF in D\u00fcsseldorf Arbeiten unter dem Titel \u201eunlimited \u2013 Fantasie ohne Grenzen\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bis dahin bleibt sie ihrem eigenen Prinzip treu: ausprobieren, reduzieren, verwerfen, neu setzen. Und irgendwann kommt der Moment, in dem nichts mehr fehlt \u2013 und auch nichts mehr weggenommen werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Kabel. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gew\u00f6hnlicher Gegenstand aus dem Alltag. 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