{"id":1271660,"date":"2026-08-31T11:07:19","date_gmt":"2026-08-31T11:07:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1271660\/"},"modified":"2026-08-31T11:07:19","modified_gmt":"2026-08-31T11:07:19","slug":"600-000-euro-fuer-gaming-augsburger-professor-kritisiert-bayerns-kurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1271660\/","title":{"rendered":"600.000 Euro f\u00fcr Gaming: Augsburger Professor kritisiert Bayerns Kurs"},"content":{"rendered":"<p>Am Wochenende ist in K\u00f6ln die &#8222;Gamescom&#8220;, das weltweit gr\u00f6\u00dfte Event f\u00fcr Computer- und Videospiele, zu Ende gegangen. Die Branche w\u00fcnscht sich mehr Unterst\u00fctzung von der deutschen Politik, vor allem in Form von F\u00f6rdergeld.<\/p>\n<p>Die Politik zeigt sich in Erwartung eines wachsenden Wirtschaftszweigs und neuer Arbeitspl\u00e4tze offen. Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (<a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/freie-waehler\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Freie W\u00e4hler<\/a>), ein Unterst\u00fctzer der Gaming-Industrie, hat einen F\u00f6rderscheck \u00fcber mehr als 600.000 Euro zur &#8222;Gamescom&#8220;\u00a0mitgenommen.<\/p>\n<p>Doch es gibt Stimmen, die davor warnen, mit Steuergeld eine Branche zu f\u00f6rdern, die letztlich sch\u00e4dlich f\u00fcr die Gesellschaft ist. Darunter ist auch der Augsburger P\u00e4dagogik-Professor Klaus Zierer.<\/p>\n<p><strong>AZ: Herr Zierer, Sie machen schon l\u00e4nger den Gebrauch digitaler Medien f\u00fcr das sinkende Bildungsniveau der jungen Generation verantwortlich. Geh\u00f6ren dazu auch Computerspiele?<br \/><\/strong>KLAUS ZIERER: Definitiv. Wir wissen mittlerweile aus vielen Studien, dass Computerspiele negative Effekte auf schulische Leistungen haben. Die Effekte h\u00e4ngen zwar von der Zeit und auch von der Art der Spiele ab, aber angesichts des aktuellen Nutzungsverhaltens ist die negative Wirkung zweifelsfrei. China hat \u00fcbrigens schon vor Jahren reagiert und das Online-Gaming massiv eingeschr\u00e4nkt \u2013 nur noch drei Stunden in der Woche f\u00fcr Jugendliche bis 18 Jahre.<\/p>\n<p>&#8222;Das f\u00fchrt in Deutschland zu Milliarden Umsatz&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wie bewerten Sie die Sucht-Wirkung von Gaming?<br \/><\/strong>Enorm, aber auch nicht \u00fcberraschend. Die Spiele-Designer wissen ziemlich gut Bescheid \u00fcber die Psyche ihrer Nutzer und erstellen Spiele so, dass diese m\u00f6glichst lange spielen. Das Ziel dahinter ist ein \u00f6konomisches: Je l\u00e4nger Kinder spielen, desto abh\u00e4ngiger werden sie und desto mehr In-App-K\u00e4ufe werden get\u00e4tigt. Das f\u00fchrt in Deutschland schon zu mehreren Milliarden Umsatz im Jahr.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1735104_artikelbild-50proz_1GB3m2_Hq0DeM.jpg\" alt=\"Der 50-J\u00e4hrige ist Ordinarius f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Augsburg. Davor war er bis 2015 Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Erziehungswissenschaft an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg\" title=\"Der 50-J\u00e4hrige ist Ordinarius f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Augsburg. Davor war er bis 2015 Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Erziehungswissenschaft an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg\" width=\"406\" height=\"390\"\/><\/p>\n<p>      Der 50-J\u00e4hrige ist Ordinarius f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Augsburg. Davor war er bis 2015 Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Erziehungswissenschaft an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg<br \/>\n      \u00a9 privat<\/p>\n<p>    Der 50-J\u00e4hrige ist Ordinarius f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Augsburg. Davor war er bis 2015 Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Erziehungswissenschaft an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg<\/p>\n<p>von privat <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p><strong>Was denken Sie, wenn sich auf der &#8222;Gamescom&#8220;\u00a0in K\u00f6ln die Computerspielbranche unter Beifall der Politik feiert?<br \/><\/strong>Als Schulp\u00e4dagoge halte ich das f\u00fcr h\u00f6chst problematisch. Wir wissen alle, auch die Politiker, welche Gefahren von Computerspielen ausgehen, und feiern diese dennoch. Zumindest hat Bundespr\u00e4sident Steinmeier auch die Gefahren angesprochen.<\/p>\n<p>&#8222;Es geht auf Kosten der Gesundheit&#8220;<\/p>\n<p><strong>Vertreter des Staates, auch des bayerischen, zeigen sich \u00fcberwiegend offen f\u00fcr eine weitere F\u00f6rderung der deutschen Games-Branche mit Steuergeld, damit diese international konkurrenzf\u00e4hig wird. K\u00f6nnen Sie das nachvollziehen?<br \/><\/strong>Aus \u00f6konomischer Sicht schon: Das Geld, das hier in die F\u00f6rderung flie\u00dft, wird sp\u00e4ter \u00fcber Steuern wieder eingeworben. Aber \u2013 und das ist doch das Problem \u2013 es geht auf Kosten der Gesundheit von Menschen, allen voran der Kinder und Jugendlichen. Steuergelder sollten als F\u00f6rderung nicht dorthin flie\u00dfen, wo sie massiv Schaden anrichten. Heute haben in Deutschland bereits \u00fcber zehn Prozent der Jugendlichen, vorwiegend \u00fcbrigens Buben, ein problematisches Spielverhalten, weshalb Computerspielsucht auch als Krankheit in die Internationale Klassifikation der Krankheiten, kurz &#8222;ICD&#8220;, aufgenommen worden ist.<\/p>\n<p><strong>Ist die staatliche F\u00f6rderung der Computerspiele-Industrie also in etwa so, als w\u00fcrde man die Tabak- oder Alkoholindustrie mit staatlichen Zusch\u00fcssen f\u00f6rdern und anschlie\u00dfend viel Geld f\u00fcr die Suchtbek\u00e4mpfung aufwenden?<br \/><\/strong>Ich finde den Vergleich treffend: Es ist definitiv nicht in Ordnung, mit der Gesundheit von Menschen Geld zu machen, auch wenn es in die Staatskassen geht. Wir f\u00f6rdern mit Gaming einen Bereich, der nachweislich der Kindheit und Jugend schadet, um dann zu sehen, wie wir die negativen Konsequenzen wieder in den Griff bekommen. Das ist aus p\u00e4dagogischer Sicht ziemlich naiv, denn klar ist: Pr\u00e4vention ist immer besser als Intervention. Wir sollen also schauen, dass Kinder nicht zu fr\u00fch, nicht zu lange und wenn, dann nur begleitet in Kontakt mit Computerspielen kommen.<\/p>\n<p><strong>Gelegentlich wird darauf verwiesen, dass nur &#8222;gute&#8220;, wom\u00f6glich p\u00e4dagogisch wertvolle Spiele gef\u00f6rdert werden. Gibt es solche &#8222;p\u00e4dagogisch wertvollen&#8220; Spiele und ist eine solche Differenzierung zwischen b\u00f6sen Spielen &#8211; unter Umst\u00e4nden mit Gl\u00fccksspielcharakter \u2013 und &#8222;Clean Gaming&#8220; m\u00f6glich?<br \/><\/strong>Ich halte diese Positionen allesamt f\u00fcr Nebelkerzen der Gaming-Industrie, die ganz genau wei\u00df, was sie anrichtet und zu welchem Preis. Wir kennen das auch aus den <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/thema\/social-media\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sozialen Medien<\/a>, siehe das aktuelle Beispiel Meta, und sehen das neuerdings an der Debatte um KI, bei der es am Ende des Tages auch immer nur ums Geld geht. Die Menschen interessieren keinen wirklich. Das Geld f\u00fcr die Gaming-Industrie w\u00e4re besser in Sportst\u00e4tten investiert, wo es einen Sanierungsstau gibt, und in Spielkarten, dann k\u00f6nnen die Kinder im Hier und Jetzt spielen und damit ihrem Grundbed\u00fcrfnis als Mensch zigmal besser nachkommen als vor irgendwelchen Mattscheiben.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, Herr Zierer.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Wochenende ist in K\u00f6ln die &#8222;Gamescom&#8220;, das weltweit gr\u00f6\u00dfte Event f\u00fcr Computer- und Videospiele, zu Ende gegangen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1271661,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1846],"tags":[680,772,5308,3364,29,548,663,3934,6586,5683,5436,487,30,13,1420,14,15,492,12,8267],"class_list":["post-1271660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-augsburg","tag-augsburg","tag-bayern","tag-computer","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-forderung","tag-games","tag-gamescom","tag-gaming","tag-germany","tag-headlines","tag-koeln","tag-nachrichten","tag-news","tag-pc","tag-schlagzeilen","tag-spiele"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117189809252209670","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1271660"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271660\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1271661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1271660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1271660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1271660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}