{"id":1272561,"date":"2026-08-31T21:41:23","date_gmt":"2026-08-31T21:41:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1272561\/"},"modified":"2026-08-31T21:41:23","modified_gmt":"2026-08-31T21:41:23","slug":"italien-darum-laesst-sich-dolce-vita-in-deutschland-so-schwer-nachmachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1272561\/","title":{"rendered":"Italien: Darum l\u00e4sst sich Dolce Vita in Deutschland so schwer nachmachen"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Man sieht braungebrannte Opis mit offenen Helmen auf alten, keuchenden Vespa-Silberdingern, die sich mit Zigarillo im Mundwinkel die Berge hochk\u00e4mpfen und f\u00fcr Entspannung sorgen. Halb Bauer, halb Prophet, deren Primavera seit den 70ern vor der gleichen Schenke an einer Stra\u00dfe steht. Junge Typen, die locker und elegant an einem vorbeifahren, wenn man im Stau steht und flucht. Er im offenen Hemd, sie mit nassen Haaren vom Strand. <\/p>\n<p>Im Innenraum eines Autos k\u00f6nnte man wahnsinnig werden. Im S\u00fcden ist das Leben mehr Kurve als Gerade. An allen Ecken lauern Unterhaltungen, die dich ins Nichts f\u00fchren und heiter machen, bis man denkt, das Leben best\u00fcnde nur aus Mittagspausen und Wein. Aus dicken Oliven\u00f6lmuttis, die aus gro\u00dfen romantisch verwilderten Einfahrten winken, deren Tore \u00fcber endlose Alleen zur Erf\u00fcllung s\u00fcdl\u00e4ndischer Tr\u00e4ume f\u00fchren.<\/p>\n<p>Vespa ist 80 geworden. Eine Vespa ist mehr als ein Motorroller. Man sagt Vespa wie man Ferrari sagt und nicht Auto. Eiscreme, Gucci, Pasta, Caff\u00e8. Dinge, die zu jenem Italiengef\u00fchl geh\u00f6ren, das sich die Deutschen gern kaufen.<\/p>\n<p>Doch l\u00e4sst sich das Gef\u00fchl von Baden-Baden bis nach Greifswald imitieren? Die hohen Temperaturen dieses Sommers lie\u00dfen offene Hemden jedenfalls bis in die Abendstunden zu. Das macht Hoffnung.<\/p>\n<p>Das Deutsche und das Italienische unterscheiden sich nicht nur in ihren Klischees, sondern vor allem im Alltag. Das Geheimnis liegt in den Tagen, die sind wie alle anderen Tage. Die Deutschen sind gut an der Arbeit, die S\u00fcdl\u00e4nder besser danach. Und umgekehrt. In S\u00fcdeuropa arbeitet man im Blaumann, schraubt oder steht in der Schei\u00dfe und setzt sich nach Feierabend im Anzug auf einen sch\u00f6nen Platz. Ist ganz da. Sitzt im Schatten, trinkt eine Flasche Wein und wartet auf jemanden, mit dem man sie teilen kann. Ende der Aktion. Vielleicht weht noch eine Zeitung \u00fcber den Platz. In Deutschland f\u00e4hrt man morgens geschniegelt auf dem Fahrrad zur Arbeit, isst mittags kalt aus dem Plastikcontainer und hat immer etwas vor. Man sitzt nicht einfach herum. Man nimmt sich selten die Zeit, sie zu vergeuden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Vespa in Italien Teil der Kulisse ist, wird sie im deutschen Stra\u00dfenverkehr zum trotzigen Statement gegen die Effizienz. Alles kann, nichts muss. Gutes Essen, Mu\u00dfe und Mode werden dabei vielleicht genauso verkl\u00e4rt wie in diesem Text. Wenn dir in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/gp-italien\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/gp-italien\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Italien<\/a> jemand Lichthupe gibt, dann warnt er dich vor dem Blitzer. In Deutschland freut man sich, dass der Trottel vor einem erwischt wird. Italien kennt kein Wort f\u00fcr Schadenfreude und keine Gewerbegebiete. Zumindest f\u00fchlt es sich so an.<\/p>\n<p>Alles aber immer noch besser, als Leute, die einen auf Italiener machen und in engen Hosen und schmalen Schuhen vor einem Spritz in Bayern sitzen, von ihren Toskana-Ferien erz\u00e4hlen und sie \u201eUrlaub\u201c nennen. Man gilt schnell als Exot, vor allem in der Provinz, so wie Berlin, wo wirklich jeder willkommen ist, aber niemand, der nicht so aussieht wie jeder.<\/p>\n<p>Es regieren die, die nie ganz auswandern k\u00f6nnen und jene Deutschen um sich brauchen, von denen sie sich abgrenzen. Sie fahren auf ihren Vespas durch Mitte, aber eine Vespa f\u00e4hrt man nicht, man tr\u00e4gt sie, vor allem, wenn man sein ganzes Leben in einem Zustand verbringt, wie man ihn sonst nur kennt, wenn man in Italien ist und ein bisschen zu viel getrunken hat.<\/p>\n<p>Besser als neidisch zu sein, ist es im S\u00fcden zu sein und mit verschr\u00e4nkten Beinen vor einem Caff\u00e9 auf Plastikst\u00fchlen zu sitzen, wie man sie aus dem Schrebergarten oder von der Klagemauer kennt. Vor einem Haus, auf dem Land, irgendeines Landes, in dem die Frauen fromm sind und die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/maenner\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/maenner\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00e4nner<\/a> wenig Auswahl haben. Italiener legen ihr ganzes Sein in ihr geringstes Tun. Deswegen isst man hier gut, deswegen tragen sie sch\u00f6ne Schuhe. Sie machen die Dinge eben gern sch\u00f6n, obwohl ein Ding das nicht braucht. Aus dem gleichen Grund, aus dem sich Menschen sch\u00f6n anziehen, selbst wenn niemand da ist, der das sehen kann.<\/p>\n<p>Das Ziel spielt keine Rolle<\/p>\n<p>Das geht \u00fcberall, auch hier. Solange ein Caff\u00e9 in der N\u00e4he ist, eine Bar oder Weinberge. Der Ort spielt keine Rolle. Auch das Ziel nicht. Ob auf dem Weg ins Gro\u00dfraumb\u00fcro voll Elektrolyte und Kollegen in der Kaffeek\u00fcche oder zum Urologen, weil Vespafahren den Urologen, die Kollegen und das Gro\u00dfraumb\u00fcro ertr\u00e4glicher macht. Jedenfalls schaut man eine Stunde vor Feierabend auf die Uhr und denkt sich, dass man dann noch eine Extrarunde dreht und die Fahrt l\u00e4nger macht, w\u00e4hrend alle anderen im Stau stehen und heim wollen oder nicht und erkennen, dass jedes Ziel die Schwelle zum n\u00e4chsten ist, wie Jean Paul das schon schreibt.<\/p>\n<p>Der Ap\u00e9ro eignet sich dazu besonders, dieser Moment vor all den anderen Momenten, die Erlebnisverl\u00e4ngerung, das Passieren, das vor dem eigentlichen Passieren beginnt. Es sind schwerelose Stunden, zur Feier des Lebens. Die sch\u00f6nsten unter ihnen entstehen, wenn man sich von einem bestimmten Gef\u00fchl befreit hat und frisch vom Strand kommt und auf seine Freundin wartet oder eine Frau, die es werden kann. Amore Frizzante, Liebe, die am Meer gemacht wird. <\/p>\n<p>Wenn man seit seinem 16. Lebensjahr auf einer Vespa sitzt, macht das was mit einem. Die ersten Dates finden auf Mauern vor tausend Jahre alten Kirchen \u00fcber der Stadt statt. Nicht mehr ganz Tag, aber auch noch nicht Nacht. Die Luft ist sanft, nicht zu warm, auch nicht zu kalt, aber zu warm, um sich daf\u00fcr viel anzuziehen. Die Italienerinnen tragen kurze R\u00f6cke und haben hohe Stiefel an. Napoleonisch. Das nackte Knie zwischen Stiefel und Kleid zeigt mehr als es verdeckt.<\/p>\n<p>Nach dem ersten Date rollt man die Berge herunter, die hinter Santa Margherita, Neapel, Palermo oder dem Kaiserstuhl kommen. Da unten liegen die Buchten schwarz und Lichter stapeln sich wie Sterne, die H\u00fcgel zum Himmel rauf. Nat\u00fcrlich h\u00e4lt sie sich dann an fest, fester als sie das bei 50 Klamotten m\u00fcsste.<\/p>\n<p>F\u00fcnfzig ist die perfekte Reisegeschwindigkeit f\u00fcrs Leben und um eine Landschaft zu erleben. Dazu die M\u00f6glichkeit anzuhalten, ohne sich Gedanken zu machen, weil man keinen Parkschein gel\u00f6st hat. Einfach f\u00e4hrt f\u00fcr ein bisschen Wind. Ein Zusammenspiel aus Mechanik, Mensch und Meer. Das m\u00fchelose Navigieren durch enge K\u00fcstenstra\u00dfen und idyllische D\u00f6rfer. Ein kurzes, blechernes Husten, dann dieses vertraute, rhythmische Knattern. Ein Geruch von \u00d6l, Benzin und Pinien, die am Abend k\u00fchler werden, mischt sich mit Zigarettenrauch, was f\u00fcr alle Menschen, die nach der Offenbarung nicht unbedingt in den Himmel kommen m\u00fcssen, immer noch ein Geruch von Freiheit ist. <\/p>\n<p>Schon nach wenigen Metern h\u00e4ngt man seine Gedanken ab. Steht in Verbindung mit der Au\u00dfenwelt, f\u00e4hrt schnell langsam, wird Teil der Umgebung, ist sichtbar, das Gegenteil gro\u00dfer, abgedunkelter Range Rover und verl\u00e4sst sich auf die schmalen Stra\u00dfen einer oft gemalten Landschaft, von denen die alten Italiener vor den Schenken sagen, sie w\u00fcrden die Schw\u00e4chen der M\u00e4nner wegwaschen und bis in die Wirklichkeit unserer Tr\u00e4ume f\u00fchren. Ihre Erinnerung fliegt dann mit den jungen M\u00e4dchen, am Abend, auf den Dingern davon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Man sieht braungebrannte Opis mit offenen Helmen auf alten, keuchenden Vespa-Silberdingern, die sich mit Zigarillo im Mundwinkel die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1272562,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,69906,3364,29,30,13,262758,355,350,14,3923,15,3921,116714,12,353,45],"class_list":["post-1272561","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-deutschland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","tag-aktuelle-news","tag-aktuelle-news-aus-deutschland","tag-autos-ks","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-headlines","tag-hoffmann-werke-vespa-hersteller","tag-italien","tag-mode","tag-nachrichten","tag-nachrichten-aus-deutschland","tag-news","tag-news-aus-deutschland","tag-riviera","tag-schlagzeilen","tag-schuhe","tag-texttospeech"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117192300137000837","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1272561","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1272561"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1272561\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1272562"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1272561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1272561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1272561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}