{"id":1274155,"date":"2026-09-01T17:35:18","date_gmt":"2026-09-01T17:35:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1274155\/"},"modified":"2026-09-01T17:35:18","modified_gmt":"2026-09-01T17:35:18","slug":"genialer-trick-oder-weg-in-ruin-was-passiert-wenn-die-notenbank-frankreichs-staatsschulden-einfach-loescht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1274155\/","title":{"rendered":"Genialer Trick oder Weg in Ruin: Was passiert, wenn die Notenbank Frankreichs Staatsschulden einfach l\u00f6scht?"},"content":{"rendered":"<p>Genialer Trick oder Weg in RuinWas passiert, wenn die Notenbank Frankreichs Staatsschulden einfach l\u00f6scht?01.09.2026, 19:05 Uhr <img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autor-fallback.svg\" alt=\"image\"\/>Von Max Borowski<\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(08:37 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/613610309.webp\" alt=\"613610309\"\/>Unter Beobachtung: Die Banque de France h\u00e4lt etwas weniger als ein F\u00fcnftel der franz\u00f6sischen Staatsanleihen. (Foto: picture alliance \/ Visually)<\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">Frankreichs Haushaltslage ist desastr\u00f6s. Steigende Zinsen versch\u00e4rfen die Lage. Statt Sparma\u00dfnahmen und harten Reformen debattiert Frankreich eine andere Idee. Die Banque de France k\u00f6nnte einen erheblichen Teil der Schulden einfach annullieren &#8211; oder nicht?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Wenn \u00fcber die theoretischen Grundlagen der Geldpolitik debattiert wird, spielt sich das meist unter Wissenschaftlern und Fachleuten fernab der breiten \u00d6ffentlichkeit ab. Selten kochen die unterschiedlichen Meinungen \u00fcber die Bedeutung von Zentralbank-Bilanzen so hoch, dass sich die Debattenteilnehmer gegenseitig als &#8222;L\u00fcgner&#8220; oder &#8222;Idioten&#8220; beschimpfen. Genau dies geschieht derzeit in Frankreich. Dort bringen sich die politischen Lager f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahl im kommenden Jahr in Stellung. Beherrschendes Thema ist die <a class=\"inline_link\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/So-gefaehrlich-sind-Frankreichs-Schulden-fuer-Europa-id31234647.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">erdr\u00fcckende und unabl\u00e4ssige Schuldenlast des franz\u00f6sischen Staates<\/a>. Sparma\u00dfnahmen und Reformen sind aus Sicht der meisten Politiker und Parteien &#8211; wenn auch in unterschiedlichem Ausma\u00df und mit unterschiedlicher Ausrichtung &#8211; unausweichlich. Au\u00dfer f\u00fcr die Linksau\u00dfenpartei La France insoumise, LFI.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">LFI-Chef und wahrscheinlicher Pr\u00e4sidentschaftskandidat Jean-Luc M\u00e9lenchon schlug stattdessen vor, dass die franz\u00f6sische Notenbank die von ihr gehaltenen Schulden Frankreichs einfach annulliert. Man brauche nur zur Banque de France zu gehen, die Staatslanleihen &#8222;zu nehmen und sie ins Feuer zu werfen&#8220;. Damit sei die Sache erledigt. &#8222;Mehr ist nicht dabei.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Seitdem debattiert Frankreich, ob die Banque de France und die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) das Land einfach von seiner Schuldenlast befreien k\u00f6nnen oder nicht, und warum. Politiker aus dem rechten Lager und der politischen Mitte werfen M\u00e9lenchon Populismus vor. Experten erkl\u00e4ren, warum die Idee rechtlich nicht zul\u00e4ssig und \u00f6konomisch gef\u00e4hrlich sei. Allerdings gibt es auch renommierte \u00d6konomen, die M\u00e9lenchon unterst\u00fctzen und eine Schuldenannullierung zumindest in begrenztem Ausma\u00df f\u00fcr sinnvoll halten.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Derzeit liegen bei der Banque de France knapp 20 Prozent der franz\u00f6sischen Staatsschulden. Die Notenbank hat sie im Rahmen der Anleihekaufprogramme der EZB in den Niedrigzinsjahren gekauft. Damit wurde Geld in den Finanzmarkt gepumpt, das die zu niedrige Inflation erh\u00f6hen und eine Deflation verhindern sollte. W\u00fcrden diese dem Markt bereits entzogenen Anleihen f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt, h\u00e4tte das &#8211; so argumentieren unter anderem der bekannte \u00d6konom Thomas Piketty und der Investmentbanker und M\u00e9lenchon- Mitstreiter Matthieu Pigasse &#8211; keine weiteren Folgen f\u00fcr die Wirtschaft oder das Finanzsystem. Lediglich der franz\u00f6sische Schuldenberg w\u00fcrde um knapp ein F\u00fcnftel schrumpfen. Die franz\u00f6sische Regierung w\u00fcrde zum einen direkt erhebliche Zinszahlungen sparen und zum anderen w\u00fcrde sich dank der geringeren Gesamtschulden die Bonit\u00e4t des Staates und damit das Zinsniveau f\u00fcr neue Schulden verbessern, so die Argumentation.<\/p>\n<p>EZB warnt vor verbotener Staatsfinanzierung<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Verschiedene Bef\u00fcrworter brachten inzwischen Varianten des Plans in Umlauf: So sollen etwa nicht nur die Schulden Frankreichs, sondern die aller Euro-Staaten einbezogen werden. Eine weitere Idee ist, dass die Notenbanken weitere Staatsanleihen aufkaufen, um die Staatsschulden vollst\u00e4ndig zu annullieren. Neu ist der Grundgedanke nicht. Bereits 2020 auf dem H\u00f6hepunkt der Krise hatten \u00d6konomen f\u00fcr \u00e4hnliche Pl\u00e4ne geworben. Die Lage der franz\u00f6sischen Staatsfinanzen in inzwischen allerdings noch deutlich schlechter, zumal die Zinsen um ein Vielfaches h\u00f6her liegen und aktuell weiter stark steigen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Kritik an dem Vorsto\u00df lie\u00df nicht lange auf sich warten. So bezeichnete unter anderem der ehemalige Chef\u00f6konom des Internationalen W\u00e4hrungsfonds, der franz\u00f6sische Wirtschaftswissenschaftler Olivier Blanchard die Argumente f\u00fcr die Annullierung auf X als &#8222;idiotisch&#8220;. Er erkl\u00e4rte unter anderem, dass durch die gesparten Zinsausgaben nichts gewonnen sei, da die Banque de France die Einnahmen eben dieser Zinsen verliere. Und die Notenbank geh\u00f6re ja der Regierung und \u00fcberweise etwaige Zins\u00fcbersch\u00fcsse an den Staatshaushalt. Genau diese Logik nutzen allerdings auch die Bef\u00fcrworter der Annullierung: Wenn ein Teil des Staates einem anderen gewaltige Summen schuldet, k\u00f6nne man diese auch ohne weiteres streichen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Au\u00dferdem f\u00fchren die Kritiker an, dass die Notenbank mit der Annullierung der Anleihen die Grenze zur ihnen verbotenen Staatsfinanzierung \u00fcberschreiten w\u00fcrde. Das sieht unter anderem <a class=\"inline_link\" href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/pdf\/scpops\/ecb.op397.en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">auch die EZB selbst<\/a> so. Unterst\u00fctzer des Schuldencoups behaupten dagegen, dass das europ\u00e4ische Regelwerk durchaus Spielraum lasse.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Komplexer ist die Debatte um m\u00f6gliche negative \u00f6konomische Folgen. Warum sollte es \u00fcberhaupt Auswirkungen haben, wenn Schuldtitel aus der Bilanz einer Notenbank verschwinden? Unter anderem Wirtschaftsminister Roland Lescure warnte beim Sender BFM TV, Frankreich w\u00fcrde seine Gl\u00e4ubiger, darunter Sparer, Lebensversicherer und Banken, im Stich lassen. So werde Vertrauen am Finanzmarkt zerst\u00f6rt, was wiederum zu noch h\u00f6heren Zinsen mit katastrophalen Folgen f\u00fcr den Staat und die Wirtschaft f\u00fchre. Star\u00f6konom Jean Pisani-Ferry erkl\u00e4rte schon vor Jahren, dass eine Annullierung einer &#8222;Restrukturierung&#8220;, also einem Teilerlass gleichk\u00e4me, wie man ihn von Staatspleiten kennt. Das w\u00fcrde den Ruf Frankreichs als Gl\u00e4ubiger zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>&#8222;Ende der Politik der Angst&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Diese Argumentation wies unter anderem der LFI-Spitzenpolitiker Manuel Bompard zur\u00fcck: Private Gl\u00e4ubiger und Finanzinstitute seien nicht betroffen. Es gehe um Anleihen, die die Notenbank vorher gekauft habe. In Wahrheit w\u00fcrde das Vertrauen der Investoren sogar steigen, wenn Frankreichs Schuldenquote sinke, schrieb Bompard bei X und bezichtigte seine Gegner in der Debatte der &#8222;L\u00fcge&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">F\u00fcr problematischer halten Experten unter anderem, dass es wohl kaum bei einem einmaligen Schuldenerlass bleiben d\u00fcrfte. Bei wiederholten Anleihek\u00e4ufen mit anschlie\u00dfender Annullierung \u00fcbernehme die Notenbank vollends die Staatsfinanzierung und schaffe st\u00e4ndig neues Geld. Damit w\u00fcrde sie die Kontrolle \u00fcber die Inflation verlieren.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Zudem w\u00fcrde die Annullierung der Anleihen ein gigantisches Loch in die Bilanz der Zentralbank rei\u00dfen. Die Unterst\u00fctzer M\u00e9lenchons sehen darin kein Problem. Es gibt zahlreiche Beispiele daf\u00fcr, dass Zentralbanken ihre Aufgaben auch mit jahrelangen Verlusten problemlos erf\u00fcllen, teilweise sogar mit Verlusten, die das Eigenkapital \u00fcbersteigen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen Notenbanken ihre eigene W\u00e4hrung selbst sch\u00f6pfen, wann und in welcher Menge sie diese auch immer ben\u00f6tigen. Allerdings: Mit dauerhaft zu wenig Eigenkaptial k\u00f6nnte eine Zentralbank gezwungen sein, neues Geld zu schaffen, um Bilanzl\u00f6cher zu stopfen, selbst wenn dies ihren geldpolitischen Zielen widerspricht. Allein die Furcht, dass die Preisstabilit\u00e4t bei den Entscheidungen der Notenbank nicht mehr die oberste Priorit\u00e4t haben k\u00f6nnte, w\u00fcrde ihre wichtigste Ressource, ihre Glaubw\u00fcrdigkeit auf dem Finanzmarkt, besch\u00e4digen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In einem Punkt sind sich die erbitterten Gegner der Debatte sogar einig &#8211; wenn auch mit ganz unterschiedlicher Bewertung: Mit einer Schuldenannullierung w\u00fcrde der Sparzwang beziehungsweise die Haushaltsdisziplin f\u00fcr die franz\u00f6sische Regierung gelockert. Kritiker warnen deshalb vor unbegrenzt steigenden, durch immer neu geschaffenes Geld finanzierte Staatsausgaben, was letztlich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Inflation f\u00fchre. Linkspolitiker Bompard dagegen sieht &#8222;ein Ende der Politik der Angst&#8220; vor den Schulden &#8211; dies erm\u00f6gliche, &#8222;das Land neu zu begr\u00fcnden&#8220;. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Genialer Trick oder Weg in RuinWas passiert, wenn die Notenbank Frankreichs Staatsschulden einfach l\u00f6scht?01.09.2026, 19:05 Uhr Von Max&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1274156,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,110428,3934,875,3980,156,13,14,15,70973,12,263060,16153,55],"class_list":["post-1274155","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-frankreich","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-schuldenkrise","tag-europe","tag-ezb","tag-france","tag-frankreich","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-notenbanken","tag-schlagzeilen","tag-staatspleite","tag-staatsverschuldung","tag-wirtschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117196995167979014","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1274155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1274155"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1274155\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1274156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1274155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1274155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1274155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}