{"id":1275208,"date":"2026-09-02T05:49:17","date_gmt":"2026-09-02T05:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1275208\/"},"modified":"2026-09-02T05:49:17","modified_gmt":"2026-09-02T05:49:17","slug":"sachsens-betriebsraete-sehen-dramatische-deindustrialisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1275208\/","title":{"rendered":"Sachsens Betriebsr\u00e4te sehen dramatische Deindustrialisierung"},"content":{"rendered":"<p>\t<a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DOMO-Chemicals-Leuna-site-5_0.webp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-198008\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/DOMO-Chemicals-Leuna-site-5_0.webp\" alt=\"Das ehemalige Domo-Chemiewerk in Leuna, das heute zur Leuna-Polyamid geh\u00f6rt. Foto: Domo Chemicals\" width=\"1200\" height=\"675\"  \/><\/a>Das ehemalige Domo-Chemiewerk in Leuna \u2013 das ganze mitteldeutsche Chemiedreieck steht massiv unter Druck. Foto: Domo Chemicals<br \/>\nGewerkschafter und Arbeitsministerin setzen auf Abschottung und Subventionen statt Reformen<\/p>\n<p><strong>Dresden<\/strong>, 02.09.26. Vor einem \u201edramatischen Niedergang der Industrie\u201c haben 145 Betriebsr\u00e4te in Sachsen gewarnt. Bei einer Diskussionsveranstaltung der Industriegewerkschaft IGBCE mit Bundesarbeitsministerin B\u00e4rbel Bas (SPD) in Dresden haben sie mehr staatliche Eingriffe, st\u00e4rker subventionierte Energiepreise und eine protektionistische Handelspolitik von Bundesregierung, EU und L\u00e4ndern gefordert. Das geht aus einer Mitteilung der der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) hervor, die zu dem Treffen eingeladen hatte.<\/p>\n<p>Binnen drei Jahren jeden zehnten Arbeitsplatz im Raum Dresden verloren<\/p>\n<p>\u201eSeit 2023 haben wir 3600 Arbeitspl\u00e4tze verloren, das sind knapp zehn Prozent\u201c, berichtete IGBCE-Bezirksleiter Philipp Zirzow f\u00fcr den Raum Dresden. \u201eDas haben wir so noch nicht erlebt.\u201c Auf die Folgen der weiterhin hohen Energiepreise f\u00fcr die mitteldeutsche Chemie machte Betriebsratsvorsitzender Patrick Br\u00fcckner von \u201eDow Chemical\u201c aus dem Werk B\u00f6hlen aufmerksam: Dow will deswegen den zentralen \u201eSteamcracker\u201c am Standort, der lange Kohlenwasserstoffe, wie sie in Erd\u00f6l und -gas vorkommen, unter hohem Energieaufwand in chemisch verarbeitbare kleinere Molek\u00fcle aufspaltet, schlie\u00dfen. Folge: \u201eDer Industriestandort verf\u00e4llt langsam.\u201c Selbst in der Boombranche der Halbleiterindustrie w\u00fcrden junge Leute mit Entsetzen auf die Krise in der Industrie um sich herum schauen und sich fragten, ob sie \u201ewoanders gr\u00fcnere Wiesen\u201c finden, erg\u00e4nzt Jugendvertreter Ian Seth Winkler von der Globalfoundries-Chipfabrik in Dresden.<\/p>\n<blockquote>\n<p><strong>\u201eIch m\u00f6chte nicht, dass ein amerikanischer Tech-Milliard\u00e4r oder die Kommunistische Partei in China entscheiden, wie wir in Zukunft arbeiten.\u201c<br \/><\/strong>Bundesarbeitsministerin B\u00e4rbel Bas<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Scharfe Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) \u00fcbte deshalb auch Landesbezirksleiterin Stephanie Albrecht-Suliak von der IGBCE Nordost \u2013 sie beklagte mangelnde R\u00fcckendeckung von der Bundesregierung, zu der auch Bas geh\u00f6rt. Die wiederum sieht einen Ausweg nicht in Reformen, sondern in einem Festhalten an \u201eeinem starken Sozialstaat\u201c. Statt sich der erstarkenden weltweiten Konkurrenz zu stellen und selbst besser zu werden, sieht sie einen besseren Weg in einer Abschottung Deutschlands zu China und anderen Wettbewerbern. Auch m\u00fcsse das Land \u201ezum Beispiel bei K\u00fcnstlicher Intelligenz vor die Welle kommen\u201c: \u201eIch m\u00f6chte nicht, dass ein amerikanischer Tech-Milliard\u00e4r oder die Kommunistische Partei in China entscheiden, wie wir in Zukunft arbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Solange die Deutschen vorn war, waren sie Freihandels-Fans \u2013 nun wollen viele Trumpsche Abschottung<\/p>\n<p>Viele \u00d6konomen sehen solch einen Schwenk allerdings skeptisch \u2013 hin zu Trumpschen Protektionismus und weg von der Freihandelspolitik, die Deutschland \u00fcber Jahre pr\u00e4feriert und von dem das Industrieland auch lange enorm profitiert hatte, solange die deutschen Unternehmen selbst \u00fcberlegene Produkte exportierten. Denn solch eine Abschottung d\u00fcrfte den Druck von der Wirtschaft nehmen, sich neu auszurichten, Innovationen und neue Gesch\u00e4ftsmodelle zu entwickeln, was die deutsche Wettbewerbsf\u00e4higkeit weiter senken k\u00f6nnte. Zudem gelten die oft wiederholte Behauptungen, China agiere nur durch Dumpingpreise, Plagiate und staatliche Subventionen weltweit wirtschaftlich so erfolgreich, seit Jahrzehnten als \u00fcberholt: Die Chinesen \u00fcbernehmen inzwischen in vielen Segmenten durch schnelle Produktionsverbesserungen und eigene Entwicklungen die Innovationsf\u00fchrerschaft, sind oft auch schneller als die Deutschen.<\/p>\n<p>Autor: <a href=\"https:\/\/oiger.de\/heiko-weckbrodt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Heiko Weckbrodt<\/a><\/p>\n<p>Quellen: IGBCE, Oiger-Archiv<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das ehemalige Domo-Chemiewerk in Leuna \u2013 das ganze mitteldeutsche Chemiedreieck steht massiv unter Druck. 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