{"id":1275771,"date":"2026-09-02T12:06:22","date_gmt":"2026-09-02T12:06:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1275771\/"},"modified":"2026-09-02T12:06:22","modified_gmt":"2026-09-02T12:06:22","slug":"politologe-ueber-die-kommunikationsstrategie-der-afd-ulrich-siegmund-ist-das-was-der-afd-bisher-immer-gefehlt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1275771\/","title":{"rendered":"Politologe \u00fcber die Kommunikationsstrategie der AfD: \u201eUlrich Siegmund ist das, was der AfD bisher immer gefehlt hat\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBAkv tspBAkw\"><strong>Herr Hillje, die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit ist aktuell auf den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gerichtet, wo die AfD bei mehr als 40 Prozent liegt. Inwiefern tr\u00e4gt Ulrich Siegmund mit seiner politischen Kommunikation dazu bei?<\/strong><br \/>Ulrich Siegmund ist ein Geschenk f\u00fcr die AfD. Er schafft es, viel st\u00e4rker als andere Kandidaten der AfD, Anschluss an die demokratische Mitte zu finden, und das hat sehr viel mit seinem Auftritt zu tun. Er ist ein Feelgood-Populist, das hei\u00dft, er h\u00fcllt die radikale Agenda seines Landesverbands in gute Laune, Nahbarkeit und eine verhei\u00dfungsvolle Vision. Er ist das, was der AfD bisher immer gefehlt hat: charismatisches F\u00fchrungspersonal.<\/p>\n<p>Zur Person<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/johanneshillje-60mp-foto-perjacobblut-1.jpeg\"   alt=\"Kommunikations- und Politikberater Johannes Hillje, Credit: Per Jacob Blut\" aria-labelledby=\"caption-16003619\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBDk8\"\/> Der Kommunikations- und Politikberater Johannes Hillje <\/p>\n<p class=\"tspA6kl\"> \u00a9 PR\/Per Jacob Blut <\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Johannes Hillje<\/strong> ist promovierter Politikwissenschaftler. Er ber\u00e4t Institutionen, Parteien, Politiker, Unternehmen und NGOs.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Sie denken, der aggressive Typus Alice Weidel ist out?<\/strong><br \/>Er hat zumindest seine nat\u00fcrlichen Grenzen bei seiner Anschlussf\u00e4higkeit in die Gesellschaft. Ausl\u00e4ndische Beispiele daf\u00fcr sind Giorgia Meloni in Italien und Marine Le Pen in Frankreich, die beide auf strategische M\u00e4\u00dfigung setzen. Bei Le Pen nennt man das \u201eDie Entteufelung\u201c, Giorgia Meloni inszeniert gern ihre famili\u00e4re Seite. Alice Weidel tritt dagegen vorrangig als Regierungsbeschimpferin auf.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>In ihrem ZDF-Sommerinterview nannte sie regierende Politiker \u201eFlachzangen\u201c. <\/strong><br \/>Und damit ist sie meiner Meinung nach f\u00fcr viele potenzielle neue W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler aus dem konservativen Milieu kaum tragbar.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">F\u00fcr die Darstellung des Podcasts aktivieren Sie bitte \u201eexterne Inhalte\u201c. Sie k\u00f6nnen den Podcast auch auf Spotify, Apple Podcasts oder der Podcast-Plattform Ihrer Wahl h\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"tspACgi\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. 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Die Mehrheit will Bj\u00f6rn H\u00f6cke dann eben doch nicht als \u201eLandesvater\u201c. Er wird nicht als jemand angesehen, der Br\u00fccken bauen kann. Ulrich Siegmund dagegen inszeniert sich jetzt als der gro\u00dfe Vers\u00f6hner. Er geht zum Beispiel auf Gegendemonstranten zu und l\u00e4sst sich dabei nat\u00fcrlich filmen. Weil er wei\u00df, dass er, wenn er nur als Spalter, Polarisierer und Ausgrenzer wahrgenommen wird, am Ende bei der wahlentscheidenden Frage, ob eine Person tats\u00e4chlich ein Bundesland anf\u00fchren kann, schlechter abschneiden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/germany-politics-parties-vote-election.jpeg\"   alt=\"Ulrich Siegmund (L), far-right Alternative for Germany (AfD)'s main candidate in the Saxony-Anhalt state election and Sven Schulze, Saxony-Anhalt's State Premier and Christian Democratic Union's (CDU) main candidate in the Saxony-Anhalt state election shake hand at the start of a head-to-head debate on MDR regional TV in the Broadcasting Center Saxony-Anhalt in Magdeburg, on August 26, 2026, ahead of the upcoming state elections. Saxony-Anhalt will go to the polls in the regional elections on September 6, 2026. (Photo by Ronny HARTMANN \/ AFP)\" aria-labelledby=\"caption-15985993\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBDk8\"\/> Man gibt sich freundlich: Ulrich Siegmund (AfD) mit seinem CDU-Konkurrenten Sven Schulze beim TV-Duell im MDR. <\/p>\n<p class=\"tspA6kl\"> \u00a9 AFP\/RONNY HARTMANN <\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Wie passt das zu Siegmunds Beharren darauf, in Sachsen-Anhalt nach der Wahl entweder allein zu regieren oder gar nicht?<\/strong><br \/>Das passt gar nicht zusammen. Und das ist einerseits eine Wahltaktik. Man will die eigenen Stimmen maximieren und deshalb sagt man: \u201aNur mit uns wird es einen echten Wandel geben\u2018. Innerhalb der AfD gibt es \u00fcber diese Strategie aber einen Dissens. Tino Chrupalla und Alice Weidel signalisieren Gespr\u00e4chsbereitschaft mit der CDU, wenn auch nur aus der Position des st\u00e4rkeren Partners. Und dann gibt es Hardliner wie Siegmund, oder auch Bj\u00f6rn H\u00f6cke und Hans-Thomas Tillschneider, die jegliche Zusammenarbeit mit anderen Parteien ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Tillschneider, der kulturpolitische Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt, hat j\u00fcngst ein Interview mit der Journalistin Melanie Amann verlassen, weil ihm ihre Fragen nicht gefielen. Hat ihm das politisch gen\u00fctzt oder geschadet?<\/strong><br \/>Ich wei\u00df, dass es parteiintern Kritik daran gab, weil manche den Abgang weinerlich fanden. Dass ihm das in der W\u00e4hlerschaft negativ ausgelegt wird, w\u00fcrde ich bezweifeln, weil das Misstrauen gegen\u00fcber etablierten Medien und Journalisten einfach extrem gro\u00df ist. Und wenn dann ein Politiker dieses Gef\u00fchl, ungerecht behandelt zu werden, geschickt zum Ausdruck bringt, kann sich das auf seine Anh\u00e4nger \u00fcbertragen.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Braucht die AfD die etablierten Medien trotzdem noch?<\/strong><br \/>Ja, auch wenn sie das nicht zugeben w\u00fcrde. Es gab in der Medienstrategie der AfD schon immer einen doppelten Ansatz: einerseits in journalistischen Formaten zu polarisieren und andererseits \u00fcber ein eigenes Medien\u00f6kosystem die eigene Kommunikation zu professionalisieren, um die eigene Reichweite st\u00e4ndig auszubauen. Aber wenn man weiter wachsen will, braucht es auch die etablierten Medien, um bestimmte gesellschaftliche Gruppen zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Was verstehen Sie unter diesem eigenen Medien\u00f6kosystem?<\/strong><br \/>Ich unterscheide da zwischen zwei Kategorien: \u201eHaus- und Hofmedien\u201c, die sehr nah an der AfD dran sind, wo Parteipolitiker Kolumnen haben und die Parteilinie 1:1 weitergegeben wird. Und \u201eT\u00fcr\u00f6ffner-Medien\u201c wie \u201eNius\u201c oder \u201eApollo News\u201c, die organisatorisch weiter von der AfD weg sind und Einfluss auf den Mainstream haben k\u00f6nnen. Und genau diese Einflussnahme ist das Hauptziel. Man will raus aus den ehemaligen Echokammern, und die W\u00e4nde sind l\u00e4ngst schon eingerissen. Positionen aus diesem \u00d6kosystem treiben immer \u00f6fter die \u00f6ffentliche Debatte, zum Beispiel bei der Personalie Frauke Brosius-Gersdorf als Kandidatin zur Verfassungsrichterin.<\/p>\n<blockquote class=\"tspB1np\">\n<p>Einerseits will die Partei Radikalsprache normalisieren, andererseits will sie Normalsprache mit einer radikalen Deutung aufladen<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspB1nq\">Johannes Hillje<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Themen sind das eine, die Art und Weise, wie dar\u00fcber gesprochen wird, das andere. Die Angst, die \u201eGrenzen des Sagbaren\u201c zu verschieben, indem man der AfD eine zu gro\u00dfe B\u00fchne bietet, war und ist bei den etablierten Medien hoch. Wie weit ist die Partei damit gekommen?<\/strong><br \/>Sehr weit. Sowohl mit der Verschiebung der Grenze des Sagbaren als auch mit dem Mainstreaming ihrer Narrative. \u00c4u\u00dferungen von Friedrich Merz wie die zum \u201eStadtbild\u201c, zum vermeintlichen \u201eSozialtourismus\u201c von ukrainischen Fl\u00fcchtlingen oder den \u201eZahnarztterminen\u201c sind ein Ergebnis davon.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">Mittlerweile gibt es bei der AfD aber eine dialektische Sprachstrategie: Einerseits will die Partei Radikalsprache normalisieren, andererseits will sie Normalsprache mit einer radikalen Deutung aufladen. Da geht es dann um Begriffe wie Freiheit, Demokratie, Familie oder B\u00fcrgerlichkeit. Diese Aneignung der Normalsprache ist meines Erachtens noch gef\u00e4hrlicher, weil die Akzeptanz in der demokratischen Mitte steigen kann, wenn die AfD pl\u00f6tzlich mit dem Grundvokabular der freiheitlich-demokratischen Grundordnung assoziiert wird.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Haben Sie ein Beispiel aus dem Wahlkampf von Ulrich Siegmund?<\/strong><br \/>Siegmund spricht viel \u00fcber Demokratie, die man wiederherstellen, wiederbeleben m\u00fcsse. Die Behauptung ist pl\u00f6tzlich: Die etablierten Parteien haben das Land in einen totalit\u00e4ren Staat umgewandelt. Die Antidemokraten sind die sogenannten Brandmauerparteien, die Demokraten, das sind wir. In der Machterlangungsstrategie ist das ein wichtiger Baustein. Die W\u00e4hler sollen sich auf der richtigen Seite f\u00fchlen, nicht nur als N\u00f6rgler oder W\u00fctende.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesspiegel.de\/lab\/interaktive-karte-zur-wahl-in-sachsen-anhalt-alle-ergebnisse-seit-1990-im-detail\/?icid=single-topic_16003078___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB8oe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mal schwarz, mal rot, jetzt blau? Interaktive Karte zur Wahl in Sachsen-Anhalt \u2013 alle Ergebnisse seit 1990 im Detail <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Welchen Anteil haben die etablierten Medien an dieser verschobenen Grenze des Sagbaren?<\/strong><br \/>Es gibt Beispiele, in denen Medien punktuell das Framing der AfD \u00fcbernommen haben, beispielsweise bei dem Begriff der \u201eGrenz\u00f6ffnung\u201c, die 2015 genau genommen eine \u201eNichtschlie\u00dfung\u201c war, denn die Grenzen waren ja offen. Politisch ist das ein gro\u00dfer Unterschied und solche Beispiele gab es immer wieder.<\/p>\n<p>Zum Buch<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/johannes-hillje-propaganda-4-0-cover.png\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-16003828\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBDk8\"\/> Johannes Hillje: Propaganda 4.0: Wie rechte Populisten Brandmauern einrei\u00dfen, Dietz Verlag, 168 Seiten, 18 Euro <\/p>\n<p class=\"tspA6kl\"> \u00a9 PR\/Dietz Verlag <\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">Wichtig ist aber auch der Umgang mit dem Personal der AfD und ihren rhetorischen Strategien in Interviews, weil man daran gut die verschiedenen Phasen im journalistischen Umgang mit der Partei beobachten kann. Ich glaube, in den ersten Jahren hat die AfD von einem aufmerksamkeits\u00f6konomischen Deal profitiert: Provokation gegen Publizit\u00e4t. Nach dem Einzug in den Bundestag hat dann in vielen Redaktionen ein Reflexionsprozess eingesetzt und grenz\u00fcberschreitende Aussagen wurden seltener zu \u00dcberschriften gemacht. Nun h\u00f6rt man aber immer \u00f6fter, das \u201eIgnorieren\u201c der AfD habe ja auch nichts gebracht \u2013 dabei kann von einem Ignorieren gar keine Rede sein. Ich sp\u00fcre da generell nach wie vor eine gro\u00dfe Suchbewegung.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Was halten Sie von dem \u201eSpiegel\u201c-Cover, auf dem Ulrich Siegmund als \u201egef\u00e4hrlichster Mann Deutschlands\u201c bezeichnet wurde?<\/strong><br \/>Genau so sollte man es nicht machen. Die Geschichte ist nat\u00fcrlich wichtig und das Interesse an Ulrich Siegmund ist berechtigterweise gerade gro\u00df. Aber ihn auf diese Weise zu pr\u00e4sentieren, ist f\u00fcr Siegmund ein Ritterschlag, weil seine W\u00e4hler die etablierten Medien ablehnen. Man h\u00e4tte ihn doch auch \u201eDer Blender\u201c nennen, oder sein Neonazi-Netzwerk in dem Titel konkret ansprechen k\u00f6nnen. Das h\u00e4tte einen h\u00f6heren Informationsgehalt gehabt und Siegmund h\u00e4tte es dann vermutlich nicht signiert und verteilt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/ulrich-siegmund-top-candidate-of-the-far-right-alternative-for-germany-afd-party-campaigns-in-oscher.jpeg\"   alt=\"Ulrich Siegmund, top candidate of the far-right Alternative for Germany (AfD) party, signs copies of German magazine, &quot;Der Spiegel&quot; with his picture on the cover, during a campaign event ahead of Germany's Saxony-Anhalt state election, in Oschersleben, Germany August 31, 2026. REUTERS\/Thilo Schmuelgen\" aria-labelledby=\"caption-16003635\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBDk8\"\/> Ulrich Siegmund signiert das \u201eSpiegel\u201c-Cover, das ihn den \u201egef\u00e4hrlichsten Mann Deutschlands\u201c nennt. <\/p>\n<p class=\"tspA6kl\"> \u00a9 REUTERS\/THILO SCHMUELGEN <\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Sie kritisieren die Berichterstattung \u00fcber ein m\u00f6gliches AfD\u2011Verbotsverfahren. Wieso?<\/strong><br \/>Da gilt meine Kritik nicht nur den Medien, sondern vor allem auch den anderen Parteien. Es wird jetzt seit Jahren diskutiert, ob man es tun oder besser lassen sollte, wann und wer und wie.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">F\u00fcr mich enth\u00e4lt dieses Verfahren ohnehin einen Konstruktionsfehler, weil es nur von der politischen Konkurrenz angestrengt werden kann. Den Vorwurf der \u201eKonkurrenzentledigung\u201c kann man somit nicht vollends entkr\u00e4ften. Dazu kommt, dass die Forderung danach immer besonders laut wird, wenn die AfD besonders erfolgreich ist, was diesen Punkt noch verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">Man sollte jetzt nach den Landtagswahlen schnell entscheiden \u2013 machen oder lassen \u2013 und die Mehrheit f\u00fcr den Antrag organisieren. Noch weiter dar\u00fcber zu diskutieren, hilft der AfD.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Das sagen Sie auch \u00fcber den Begriff der \u201eBrandmauer\u201c. Was st\u00f6rt Sie daran?<\/strong><br \/>Mich st\u00f6rt, wie dieser Begriff in den letzten Jahren im Sinne der AfD umgedeutet wurde. Von Medien und Politik. Urspr\u00fcnglich meinte er, dass Demokraten extremistische Kr\u00e4fte nicht an Regierungen beteiligen.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">Die AfD nennt die Brandmauer undemokratisch. Was nicht stimmt, weil in der Demokratie das Mehrheitsprinzip gilt. Wenn die Parteien, die im Parlament eine Mehrheit bilden k\u00f6nnen, grunds\u00e4tzlich nicht mit Extremisten zusammenarbeiten wollen, ist das nicht nur ethnisch nachvollziehbar, sondern auch ihr demokratisches Recht. Und wenn es eine Minderheitsregierung gibt, dann braucht sie mindestens immer wieder in einzelnen Abstimmungen eine Mehrheit, also Partner, die auch im demokratischen Spektrum gesucht werden sollten. Und dieses Mehrheitsprinzip wird bei der Brandmauer nicht gebrochen.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">Aber die Umdeutung der AfD, dass man nicht nur die Partei, sondern damit weite Teile der W\u00e4hlerschaft prinzipiell ausschlie\u00dfe, hat verfangen. Zudem ist der Mauerbegriff in Deutschland sowieso vorbelastet.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\"><strong>Sie schlagen in ihrem Buch Alternativen vor. Aber w\u00fcrde es nicht reichlich k\u00fcnstlich wirken, jetzt von beispielsweise dem \u201eVerfassungsbogen\u201c zu sprechen, der alle Parteien au\u00dfer der AfD einschlie\u00dft?<\/strong><br \/>Ja, aber so funktioniert demokratischer Diskurs ja zum Gl\u00fcck auch nicht: Niemand schreibt irgendwelche Begriffe vor. Ich will damit nur aufzeigen, dass es durchaus Alternativen f\u00fcr einen Begriff g\u00e4be, mit dem sich die demokratischen Parteien mittlerweile selbst schaden. Der Verfassungsbogen ist zum Beispiel in \u00d6sterreich und Italien eine etablierte Metapher.<\/p>\n<p>Mehr f\u00fcr Tagesspiegel-Plus-Abonnenten:<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/schriftstellerin-koschmieder-uber-sachsen-anhalt-wir-mussen-uns-auf-die-zeit-danach-vorbereiten-15940951.html?icid=topic-list_16003078___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Friedrich Merz hat nach seinem Urlaub mit verdrie\u00dflicher Mine gefordert, doch bitte \u201eVerdrie\u00dflichkeit und Verdruss\u201c abzusch\u00fctteln. Mal abgesehen von der unsch\u00f6nen Formulierung: Ist das eine wirkungsvolle Strategie gegen Siegmunds gute Laune?<\/strong><br \/>Zuversicht l\u00e4sst sich nicht von oben verordnen. Hoffnung ist vielmehr ein politisches Handwerk. Merz m\u00fcsste mindestens drei Punkte liefern: ein konkreteres Ziel, wohin er das Land steuern m\u00f6chte. Einen Fahrplan, wie dieses Ziel realistischerweise erreicht werden kann. Und Selbstwirksamkeit f\u00fcr die Menschen, also an welchen Stellen Chancen und Entfaltungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr B\u00fcrger steigen, womit auch die ein oder andere Zumutung verdaulicher werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"tspBAkv\">Man k\u00f6nnte hier auch noch das Beispiel vom Brandmauerbegriff von unten nehmen. Auch Medien \u00fcbernehmen das AfD-Framing, die Brandmauer sei undemokratisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Hillje, die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit ist aktuell auf den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gerichtet, wo die AfD bei mehr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1275772,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[186,331,332,3025,5159,31,3364,29,156,775,30,9236,13,355,157,14,15,860,12,861,30684],"class_list":["post-1275771","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-afd","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-alice-weidel","tag-bjoern-hoecke","tag-cdu","tag-de","tag-deutschland","tag-frankreich","tag-friedrich-merz","tag-germany","tag-giorgia-meloni","tag-headlines","tag-italien","tag-marine-le-pen","tag-nachrichten","tag-news","tag-sachsen-anhalt","tag-schlagzeilen","tag-thueringen","tag-tino-chrupalla"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117201366851548636","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1275771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1275771"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1275771\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1275772"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1275771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1275771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1275771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}