{"id":1277967,"date":"2026-09-03T11:29:26","date_gmt":"2026-09-03T11:29:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1277967\/"},"modified":"2026-09-03T11:29:26","modified_gmt":"2026-09-03T11:29:26","slug":"militaerexperte-sagt-ein-russischer-angriff-auf-spitzbergen-koennte-die-nato-sprengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1277967\/","title":{"rendered":"Milit\u00e4rexperte sagt: Ein russischer Angriff auf Spitzbergen k\u00f6nnte die &#8222;Nato sprengen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Russland ist im arktischen Raum stark milit\u00e4risch pr\u00e4sent. Das ist auch Norwegen nicht entgangen. Besonders auf eine Region des K\u00f6nigreichs k\u00f6nnte es das russische Milit\u00e4r abgesehen haben.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42665646.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/reise\/thema\/norwegen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Norwegen<\/a> erh\u00f6ht seine Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Arktis. Seine im vergangenen Jahr aufgestellte Brigade wird weiter ausgebaut \u2013 mit mehr Artillerie und Flugabwehrbatterien. Der Milit\u00e4rexperte Dr. Gustav Gressel erkl\u00e4rt, gegen welche russische Bedrohung sich Norwegen damit wappnen will und in welchem Szenario die norwegische Inselgruppe Spitzbergen ganz ohne einen abgegebenen Schuss pl\u00f6tzlich besetzt sein k\u00f6nnte. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Norwegen<\/strong><strong> r\u00fcstet in der <\/strong><strong>Arktis<\/strong><strong> auf: Die Finnmark-Brigade in der Region an der russischen Grenze wird um ein Artilleriebataillon, eine <\/strong><strong>Flugabwehrbatterie<\/strong><strong> und eine Kommunikationskompanie erweitert. Vor welcher Bedrohung haben die Norweger Angst, Herr <\/strong><strong>Gressel<\/strong><strong>?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Gustav Gressel<\/strong><strong>:<\/strong> Die russische Kola-Halbinsel um Murmansk ist ein wichtiger russischer St\u00fctzpunkt. Dort liegen ein Gro\u00dfteil der strategischen Atom-U-Boote, Marineflieger, Infanterie und arktische Brigaden. Im Falle eines Krieges mit Russland nimmt die <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42665646.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/politik\/thema\/nato\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nato<\/a> an, dass Russland sofort durch Finnland Richtung Norwegen vorsto\u00dfen wollen w\u00fcrde, um Nordnorwegen und Spitzbergen zu besetzen. Das w\u00fcrde es den russischen U-Booten und Marinefliegern erleichtern, im Nordatlantik die Nachschublinien zwischen den USA und <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42665646.content.textlink_3\" data-component-path=\"content.textlink_3\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/reise\/thema\/europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa<\/a> anzugreifen. <\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Spitzbergen ist formell norwegisches Territorium, Russland hat aber das Recht auf eine \u00f6konomische Pr\u00e4senz.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Gustav Gressel<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Welches Szenario gibt es noch? <\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Im Falle einer hybriden Bedrohung oder einer anderen Aktion Russlands gegen Nato-Staaten, die unter der Schwelle der Beistandsklausel erfolgt, aber trotzdem eine Aggression darstellt, geht man auch davon aus, dass Spitzbergen ein leichtes Ziel sein k\u00f6nnte. Denn: Spitzbergen ist formell norwegisches Territorium, Russland hat aber das Recht auf eine \u00f6konomische Pr\u00e4senz. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Russische Fischer d\u00fcrfen Spitzbergen anlaufen, Russland unterh\u00e4lt ein Kohlebergwerk und eine kleine Minenstadt auf Spitzbergen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man \u00fcber Nacht Bergleute durch Soldaten austauschen oder unter dem Deckmantel eines Bergwerk- oder Schiffsungl\u00fccks Rettungskr\u00e4fte nach Spitzbergen entsenden. Dabei w\u00e4ren die Rettungskr\u00e4fte zuerst paramilit\u00e4risch, dann landen milit\u00e4rische Rettungskr\u00e4fte an und dann Soldaten \u2013 und pl\u00f6tzlich ist Spitzbergen milit\u00e4risch besetzt, ohne, dass ein Schuss gefallen ist. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Wie kann die <\/strong><strong>Nato<\/strong><strong> darauf reagieren?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Nato st\u00fcnde dann vor der Frage, ob sie \u00fcber Spitzbergen mit Russland Krieg f\u00fchrt. T\u00e4te sie es nicht, lautete das Signal an alle anderen Nato-Staaten: Man akzeptiert geschaffene Tatsachen der russischen Seite und geht einer Konfrontation mit Russland lieber aus dem Weg. Das w\u00fcrde nat\u00fcrlich die baltischen Staaten und Polen extrem verunsichern und Russland weitere M\u00f6glichkeiten geben, anzutesten, wie standfest die Nato wirklich ist.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Und wenn man sich f\u00fcr Kampf entscheiden w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Dann w\u00fcrde Russland wohl \u00fcber politische Kriegsf\u00fchrung Richtung Westen behaupten: &#8218;Jetzt schickt euch die Nato f\u00fcr irgendeinen unbewohnten Eisfelsen in einen Atomkrieg&#8216;. Das w\u00fcrde die Nato intern extrem belasten bis sprengen \u2013 und genau auf diesen Spreng-Effekt ist Russland aus. Man will die Nato beseitigen, das ist ein erkl\u00e4rtes russisches Ziel. Daf\u00fcr muss man die Nato nicht konventionell angreifen, da reicht so eine Aktion, um sie so zu diskreditieren, dass sie politisch tot ist.<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was will <\/strong><strong>Norwegen<\/strong><strong> vor diesem Hintergrund mit der Erweiterung seiner Brigade bezwecken?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Norwegen versucht, seine konventionellen Streitkr\u00e4fte zu erh\u00f6hen und eine tiefere Struktur zu schaffen, um durchhalte- und verteidigungsf\u00e4higer zu sein. Bei einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung mit Russland w\u00e4ren die norwegischen Streitkr\u00e4fte bei der Verteidigung ihrer Heimat relativ schnell durchgebrannt. Die norwegischen Landstreitkr\u00e4fte sind sehr klein: In der Zeit des Friedens in Europa wurde die Armee auf Operationen fern der Heimat und ein bisschen K\u00fcstenschutz ausgerichtet. Deshalb hatte Norwegen bislang nur zwei Brigaden \u2013 eine mechanisierte und eine leichte Infanteriebrigade. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Und die jetzige Brigade stopft die L\u00f6cher an der Nordflanke? <\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Nein, bei weitem nicht. Norwegen k\u00f6nnte sein Land ohnehin nicht alleine verteidigen, sondern br\u00e4uchte Verst\u00e4rkung aus der Nato. Aber die Partner, auf die man sich in den urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4nen immer verlassen hat, sind nicht mehr in der fr\u00fcheren Form da \u2013 also die USA \u2013 oder sie haben mit ihren eigenen Sorgen zu k\u00e4mpfen. Die Kanadier, die beispielsweise viel Erfahrung in der arktischen Kriegsf\u00fchrung haben, sitzen am anderen Ende des Atlantiks und haben ebenfalls keine gro\u00dfe Armee. Auch die britische Armee ist auf einem personellen Tiefstand. <\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Europa steht obendrauf vor dem Problem, dass aus den USA im Falle eines Angriffs wohl nicht viel Hilfe kommen w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Gustav Gressel<\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was macht das mit der Verteidigungsplanung der <\/strong><strong>Nato<\/strong><strong> insgesamt?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die urspr\u00fcngliche Verteidigungsplanung der Nato beruhte auf Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Nun sieht man aber in der Ukraine, wie sich die Kriegsf\u00fchrung st\u00e4ndig fortentwickelt und wie man beispielsweise untersch\u00e4tzt hat, wie viel Artilleriemunition die Allianz brauchen w\u00fcrde. Zudem ist die Industrie viel langsamer, Dinge zu produzieren, als sie es urspr\u00fcnglich versprochen hat. Auch die ganze Drohnenkriegsf\u00fchrung hat dazu gef\u00fchrt, dass man die Annahmen \u00fcberholen muss. Europa steht obendrauf vor dem Problem, dass aus den USA im Falle eines Angriffs wohl nicht viel Hilfe kommen w\u00fcrde. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Hat man nicht bereits in der Vergangenheit durch den Einsatz taktischer Atomwaffen begonnen, umzuplanen?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Doch, aber dabei hat man erkannt: Eine nukleare Eskalation kann man kaum vorberechnen. Wenn man sich auf eine Verteidigung durch Atomwaffen verl\u00e4sst, gleichzeitig aber wei\u00df, in was f\u00fcr eine Vernichtungsspirale man damit einsteigt, k\u00f6nnte Russland auf die Idee kommen: Wir versuchen es erstmal konventionell \u2013 und fangen gar nicht von uns aus an, nuklear zu eskalieren. Denn dann st\u00fcnde die Nato vor dem Problem, selbst nuklear eskalieren zu m\u00fcssen oder den Krieg zu verlieren. Deshalb ging es zur\u00fcck zur konventionellen Kriegsplanung. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>In <\/strong><strong>Spitzbergen<\/strong><strong> oder der <\/strong><strong>Arktis<\/strong><strong> allgemein w\u00fcrde das sicher spezielle Anforderungen mit sich bringen, oder?<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Spitzbergen ist vertraglich demilitarisiert, sodass dort kein Milit\u00e4r stationiert werden darf. Im Kriegs- oder Krisenfall sieht das nat\u00fcrlich anders aus. Daf\u00fcr muss das Milit\u00e4r mit dem arktischen Kriegsschauplatz und den Besonderheiten des arktischen Klimas vertraut sein \u2013 von Ausr\u00fcstung bis Mobilit\u00e4t. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/41861560,pd=2,f=responsive169-w950.jpg\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p>\nAktualisiert<br \/>\nam 04.02.2026, 05:32 Uhr\n<\/p>\n<p>\nDie Nato arbeitet einem Medienbericht zufolge an konkreten Vorbereitungen f\u00fcr eine Mission in der Arktis. Mit dem Einsatz &#8222;Arctic Sentry&#8220; will das B\u00fcndnis seine milit\u00e4rische Pr\u00e4senz im hohen Norden st\u00e4rken. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Was muss man dabei ber\u00fccksichtigen? <\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Es herrschen extrem tiefe Temperaturen und die Bev\u00f6lkerungs- und Infrastrukturdichte ist \u00e4u\u00dferst d\u00fcnn. Es gibt kaum Stra\u00dfen, Mobilfunk, zivile Infrastruktur und Strom. Man hat keine Chance auf beispielsweise zivile Tankstellen, Werkst\u00e4tten, Unterk\u00fcnfte oder Bauern f\u00fcr die Nahrungsbeschaffung zur\u00fcckzugreifen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\"><strong>Daf\u00fcr m\u00fcsste man selbst eine Infrastruktur schaffen.<\/strong><\/p>\n<p data-speakable=\"\">Genau, au\u00dferdem steht man vor dem Problem, Transporte von Soldaten, Munition oder Waffen \u00fcber Schnee oder Sumpflandschaften durchf\u00fchren zu m\u00fcssen. Auch an Ger\u00e4te gibt es spezielle Anforderungen. Tiefe Temperaturen und starker Wind sind etwa f\u00fcr Drohnenstreitkr\u00e4fte schlechte Bedingungen, genau das hat man in der Arktis aber eigentlich die ganze Zeit. Viele Systeme brauchen somit spezielle arktische Versionen, zum Beispiel mit besser isolierten Batterien \u2013 keine einfache Herausforderung.<\/p>\n<p>\u00dcber den Gespr\u00e4chspartner<\/p>\n<ul slot=\"content\">\n<li><strong>Dr. <\/strong><strong>Gustav Gressel<\/strong> ist Experte f\u00fcr Sicherheitspolitik, Milit\u00e4rstrategien und internationale Beziehungen. Er absolvierte eine Offiziersausbildung und studierte Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t Salzburg. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig befasst sich Gressel mit Osteuropa, Russland und der Au\u00dfenpolitik bei Gro\u00dfm\u00e4chten.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Russland ist im arktischen Raum stark milit\u00e4risch pr\u00e4sent. Das ist auch Norwegen nicht entgangen. 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