{"id":1278132,"date":"2026-09-03T13:20:13","date_gmt":"2026-09-03T13:20:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1278132\/"},"modified":"2026-09-03T13:20:13","modified_gmt":"2026-09-03T13:20:13","slug":"tenor-bernheim-in-bremen-strahlende-hoehe-aber-wenig-sinnlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1278132\/","title":{"rendered":"Tenor Bernheim in Bremen: Strahlende H\u00f6he, aber wenig Sinnlichkeit"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Tenor Benjamin Bernheim zeigte beim Musikfest Bremen beeindruckende Spitzent\u00f6ne, aber seine Stimme wurde als farbarm und wenig sinnlich beschrieben.<\/li>\n<li>Teile des Repertoires, besonders franz\u00f6sische Opern von Gounod, Bizet, Offenbach und Massenet, passten zu Bernheim, das italienische Fach und Chansons \u00fcberzeugten weniger.<\/li>\n<li>Die S\u00fcddeutsche Zeitung hatte Bernheim als \u201esch\u00f6nste Tenorstimme seit Luciano Pavarotti\u201c bezeichnet; der Vergleich wurde beim Liederabend jedoch als hinkend empfunden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>            Mehr anzeigen<br \/>\n            Weniger anzeigen<\/p>\n<p>Als &#8222;sch\u00f6nste Tenorstimme seit Luciano Pavarotti&#8220; hat die &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; den Franzosen Benjamin Bernheim gepriesen, nach seinem Deb\u00fct beim Musikfest Bremen darf man indes feststellen: Der Vergleich hinkt gewaltig. Der 41-J\u00e4hrige, in der Schweiz ausgebildete Pariser, der durch seine Auftritte bei den Olympischen Sommerspielen 2024 und der Wiederer\u00f6ffnung der Kathedrale Notre-Dame bekannt geworden ist, f\u00fchrt nicht den italienischen Belcanto, sondern eine typisch franz\u00f6sische Stimme ins Feld: lyrisch hell, leicht nasal und eng gef\u00fchrt, tragf\u00e4hig und klar fokussiert, aber auch recht farbarm und unsinnlich.<\/p>\n<p>Bernheims St\u00e4rken liegen in der kraftvollen H\u00f6he: Trompetenhaft geschmetterte, lang gehaltene Spitzent\u00f6ne erzielten denn auch beim Liederabend in der Glocke den gew\u00fcnschten Effekt. Die dritte Zugabe \u2013 die Arie &#8222;Pourquoi me r\u00e9veiller?&#8220; aus Jules Massenets &#8222;Werther&#8220; \u2013 zeigte, wo diese Stimme am besten wirkt: in der franz\u00f6sischen Oper bei Gounod, Bizet, Offenbach und eben Massenet. Im italienischen Fach ist sie auch bei Giacomo Puccini gut aufgehoben, wie drei fr\u00fche Lieder belegten, in denen deutlich &#8222;Manon Lescaut&#8220; und &#8222;La Boh\u00e8me&#8220; anklangen.<\/p>\n<p>In den \u00fcbrigen Liedgruppen des mit weit mehr als zwei Stunden recht langen, von st\u00e4ndigem Zwischenbeifall begleiteten Abends gelang dem sympathischen S\u00e4nger indes zu selten eine fesselnde Imagination der vielen Naturstimmungen und Gef\u00fchlsregungen, die er da besang. Gro\u00dfe Gesten sollten das wohl ausgleichen. Drei atmosph\u00e4rische Lieder Henri Duparcs zu Beginn, deren Wagner-Grundrauschen die patente Pianistin Edwige Herchenroder farbig auskostete, wirkten wie Einsingst\u00fccke.<\/p>\n<p>Eine gewisse Eint\u00f6nigkeit<\/p>\n<p>Im sechsteiligen Zyklus &#8222;Nuits d\u2019\u00e9t\u00e9&#8220; (Sommern\u00e4chte) von Hector Berlioz bewies Bernheim zwar, welch kluger Gestalter er ist, wie er Worte abschmecken und zarte Piano-Wirkungen erzielen kann. Dennoch stellte sich eine gewisse Eint\u00f6nigkeit ein, vor allem bei den vier langen Liedern in der Mitte, die sich um Grab, Tod und Verg\u00e4nglichkeit drehen. Irgendwann klang alles gleich.<\/p>\n<p>Drei recht melancholische spanische Lieder von Mompou, Turina und Ginastera wurden in ihrer Eigenart ebenfalls wenig plastisch; am st\u00e4rksten blieben die Flamenco-Rhythmen im Klavier haften. Und g\u00e4nzlich schief ging der Ausflug ins leichte Fach. Drei franz\u00f6sische Chansons \u2013 darunter Charles Trenets &#8222;Douce France&#8220;, das dem Abend den Titel gab \u2013 besa\u00dfen erstaunlich wenig Duftigkeit und Raffinesse, mit st\u00e4hlernem Auf-Linie-Singen ist Jacques Brel nicht gedient.<\/p>\n<p>Das zog sich bis in die Zugaben. Nach einem passablen leisen Richard Strauss fehlte Franz L\u00e9hars Schnulze &#8222;Dein ist mein ganzes Herz&#8220;, in Rampentenor-Manier serviert, jegliches Verw\u00f6hnaroma. Man kann \u00fcber Stimmen streiten, aber eindeutig ist: Hier war ein S\u00e4nger im falschen Repertoire unterwegs. Und weit weg von Pavarotti.<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc87fu5eskva18xs8uaok\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/kultur\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tenor Benjamin Bernheim zeigte beim Musikfest Bremen beeindruckende Spitzent\u00f6ne, aber seine Stimme wurde als farbarm und wenig sinnlich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1278133,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30],"class_list":["post-1278132","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bremen","tag-bremen","tag-de","tag-deutschland","tag-germany"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117207316651538660","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1278132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1278132"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1278132\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1278133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1278132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1278132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1278132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}