{"id":1279298,"date":"2026-09-04T03:28:17","date_gmt":"2026-09-04T03:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1279298\/"},"modified":"2026-09-04T03:28:17","modified_gmt":"2026-09-04T03:28:17","slug":"wiesbaden-frankfurt-abfindung-annehmen-oder-ablehnen-das-muessen-sie-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1279298\/","title":{"rendered":"Wiesbaden\/Frankfurt | Abfindung annehmen oder ablehnen? Das m\u00fcssen Sie wissen"},"content":{"rendered":"<p>Wiesbaden\/Frankfurt (dpa\/tmn) &#8211; Erst spricht der Chef, dann liegt der Aufhebungsvertrag mit Abfindung auf dem Tisch. F\u00fcr viele klingt das nach einem warmen Geldregen. Doch die Summe ist nur ein Teil der Rechnung. Was steckt hinter dem Angebot, worauf kommt es an? Die wichtigsten Fragen und Antworten.<\/p>\n<p>Warum bieten Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag an?<\/p>\n<p>Unternehmen schlagen Aufhebungsvertr\u00e4ge mit Abfindung vor, wenn sie sich von Mitarbeitern trennen wollen, ohne zu k\u00fcndigen. So umgehen sie das Risiko einer langen und wom\u00f6glich teuren K\u00fcndigungsschutzklage.<\/p>\n<p>Mit dem Aufhebungsvertrag beenden beide Seiten das Arbeitsverh\u00e4ltnis einvernehmlich &#8211; anders als bei einer einseitigen K\u00fcndigung. Das bedeutet auch: \u00abEin Arbeitnehmer kann so ein Angebot annehmen, es ablehnen oder \u00fcber die Konditionen verhandeln\u00bb, sagt Jakob T. Lange, Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht aus Wiesbaden und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.<\/p>\n<p>Als Anreiz koppeln Unternehmen das Angebot meist an eine Abfindung. \u00abDie Abfindung ist ein Ausgleich f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes\u00bb, sagt Lange. Die H\u00f6he der Abfindung ist Verhandlungssache &#8211; wie fast alles im Aufhebungsvertrag.<\/p>\n<p>Wie hoch f\u00e4llt eine Abfindung aus?<\/p>\n<p>Einen gesetzlichen Anspruch auf eine bestimmte Summe gibt es nicht, die H\u00f6he l\u00e4sst sich frei aushandeln. Als Orientierung gilt eine Faustformel: \u00abBetriebszugeh\u00f6rigkeit mal Gehalt mal Faktor\u00bb, sagt Lange. Der Faktor spiegelt die Chancen und Risiken wider, die beide Seiten in einem K\u00fcndigungsschutzprozess h\u00e4tten. \u00abSind die Risiken relativ gleich verteilt, liegt man meist bei 0,5 bis 0,7\u00bb, so der Fachanwalt. Sind die H\u00fcrden f\u00fcr eine K\u00fcndigung hoch, steigt der Faktor Richtung 1,0 oder mehr &#8211; umgekehrt sinkt er.<\/p>\n<p>Wie wirkt sich die Abfindung finanziell aus?<\/p>\n<p>Das Geld landet nicht netto auf dem Konto. Der Arbeitgeber muss im Monat der Zahlung Lohnsteuer abf\u00fchren. Eine Steuererkl\u00e4rung f\u00fcr dieses Jahr bringt oft eine teilweise Erstattung &#8211; aber erst im Folgejahr. Ob auch Sozialabgaben f\u00e4llig werden, h\u00e4ngt vom Vertrag ab: Steht darin ausdr\u00fccklich, dass die Abfindung \u00abf\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes\u00bb gezahlt wird, fallen keine Beitr\u00e4ge an, so Lange.<\/p>\n<p>Bedenken sollten Arbeitnehmer aber auch die Folgen f\u00fcr das Arbeitslosengeld: Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, erh\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfig erst nach zw\u00f6lf Wochen Arbeitslosigkeit Geld von der Arbeitsagentur, wenn kein wichtiger Grund f\u00fcr den Abschluss des Aufhebungsvertrages vorliegt. \u00abAu\u00dferdem k\u00fcrzt die Arbeitsagentur in diesen F\u00e4llen die gesamte Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes um ein Viertel\u00bb, sagt Lange. \u00c4ltere Arbeitnehmer mit Anspruch auf 24 Monate Arbeitslosengeld verlieren so sechs Monate Arbeitslosengeld.<\/p>\n<p>Was l\u00e4sst sich noch verhandeln?<\/p>\n<p>Beim Aufhebungsvertrag geht es nicht nur ums Geld. \u00abJe mehr, desto besser &#8211; das ist nicht immer die beste L\u00f6sung\u00bb, sagt Aila Kruska, Outplacement- und Karriereberaterin aus Frankfurt am Main. Kruska ber\u00e4t auch Arbeitnehmer, die sich f\u00fcr einen Aufhebungsvertrag entscheiden. Diese Outplacement-Beratung kann Teil des Aufhebungsvertrags sein und die Neuorientierung erleichtern.<\/p>\n<p>\u00abArbeitnehmer sollten alles verhandeln, was ihnen wichtig ist und hilft\u00bb, sagt Kruska. Dazu z\u00e4hlen oft das Austrittsdatum und die Freistellung. \u00abWer bis zum Austritt freigestellt wird, kann sich auf die Jobsuche konzentrieren, statt sie nebenbei zu erledigen.\u00bb Braucht ein Arbeitnehmer mehr Sicherheit, verhandelt er anders: etwa drei Monate l\u00e4nger beim Arbeitgeber und daf\u00fcr weniger Abfindung.\u00a0<\/p>\n<p>Auch Fortbildungen und Beratung lassen sich hineinverhandeln &#8211; finanziert vom Arbeitgeber, verrechnet mit einem Teil der Abfindung. Ebenso geh\u00f6rt ein Sonderk\u00fcndigungsrecht auf den Tisch: \u00abWer schneller einen neuen Job findet, m\u00f6chte dann vielleicht sehr kurzfristig k\u00fcndigen\u00bb, erkl\u00e4rt die Beraterin. Oft sichern Vertr\u00e4ge in solchen F\u00e4llen einen Anspruch auf das Restgehalt &#8211; auch wenn der Arbeitnehmer schon woanders arbeitet. Das Geld gibt es zus\u00e4tzlich zur Abfindung. \u00abManche Unternehmen zahlen es voll aus, andere machen fifty-fifty mit dem Arbeitnehmer\u00bb, sagt Kruska.<\/p>\n<p>Wie verhandle ich selbstbewusst?<\/p>\n<p>Hilfreich ist, die eigenen Priorit\u00e4ten zu kl\u00e4ren, aber auch die Sicht des Arbeitgebers zu verstehen. Ist dem Arbeitgeber vielleicht wichtig, dass der Vertrag sp\u00e4testens zum Jahreswechsel endet? \u00abDann muss man im November nicht mehr \u00fcber eine l\u00e4ngere Dauer des Arbeitsverh\u00e4ltnisses verhandeln, sondern \u00fcber andere Aspekte\u00bb, so Kruska.<\/p>\n<p>Kruska empfiehlt, sich vor Verhandlungen von einem Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht beraten zu lassen. \u00abDer Anwalt kann die H\u00f6he der Abfindung und die Verhandlungsposition einsch\u00e4tzen, das gibt einem Sicherheit und Orientierung\u00bb, sagt die Beraterin.<\/p>\n<p>Wann sollte ich das Angebot annehmen?<\/p>\n<p>\u00abWenn ich das Gef\u00fchl habe, das ist das Beste, was ich verhandeln konnte, und die Alternativen sind schlechter\u00bb, sagt Kruska. Wichtig sei vor allem, das Angebot und die eigenen Chancen am Arbeitsmarkt ernsthaft zu pr\u00fcfen und nicht aus \u00c4rger oder Trotz abzulehnen.<\/p>\n<p>Auch die pers\u00f6nliche Situation kann gegen eine Annahme sprechen. Kruska erinnert sich an eine Klientin, die unter der Woche allein f\u00fcr zwei Kinder sorgte und gesundheitlich angeschlagen war. Die Klientin habe abgelehnt, \u00abweil sie sich kein weiteres P\u00e4ckchen aufladen konnte\u00bb.<\/p>\n<p>Zu dieser Entscheidung geh\u00f6rt aber auch ein Blick auf Alternativen und Folgen: \u00abEs gibt Unternehmen, in denen das Klima sehr rau wird, wenn man einen Aufhebungsvertrag ablehnt\u00bb, sagt Kruska. Die Frage ist dann: Halte ich das durch? Und will ich das?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wiesbaden\/Frankfurt (dpa\/tmn) &#8211; Erst spricht der Chef, dann liegt der Aufhebungsvertrag mit Abfindung auf dem Tisch. 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