{"id":1279891,"date":"2026-09-04T09:46:21","date_gmt":"2026-09-04T09:46:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1279891\/"},"modified":"2026-09-04T09:46:21","modified_gmt":"2026-09-04T09:46:21","slug":"new-york-zuerich-schlammschlacht-vor-us-gerichten-infantino-schiesst-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1279891\/","title":{"rendered":"New York\/Z\u00fcrich | Schlammschlacht vor US-Gerichten: Infantino schie\u00dft zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>New York\/Z\u00fcrich (dpa) &#8211; \u00a0 Jetzt geht Gianni Infantino zum Angriff \u00fcber. Im Machtkampf um den FIFA-Pr\u00e4sidentenposten l\u00e4sst der amtierende Chef des Weltverbandes die schweren Anschuldigungen der UEFA nicht auf sich sitzen und schl\u00e4gt mit Vorw\u00fcrfen gegen Europas Fu\u00dfball-Bosse zur\u00fcck. Zum Schauplatz der gr\u00f6\u00dften Funktion\u00e4rskrise seit den Skandalzeiten um Ex-Chef Joseph Blatter vor elf Jahren werden nun gleich mehrere Gerichte in den USA.\u00a0<\/p>\n<p>Nach der Ank\u00fcndigung eines m\u00f6glichen Strafverfahrens gegen Infantino durch die UEFA in der Schweiz und der Bitte um Dokumentensicherung in Florida hat nun die FIFA ihrerseits die US-Justiz eingeschaltet und wirft den Europ\u00e4ern eine \u00abVerleumdungskampagne\u00bb vor. Das geht aus Dokumenten hervor, die die FIFA bei einem New Yorker Gericht einreichte und die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Zuerst hatte das Portal \u00abThe Athletic\u00bb dar\u00fcber berichtet.<\/p>\n<p>Investoren-Idee als rote Linie<\/p>\n<p>Hintergrund sind die Auseinandersetzungen zwischen den m\u00e4chtigen Verb\u00e4nden, hervorgerufen durch die &#8211; nach gro\u00dfem Druck zur\u00fcckgezogenen &#8211; Investorenpl\u00e4ne von Infantino. Mit seinem abseits aller FIFA-Institutionen mit US-Gesch\u00e4ftspartnern vorangetriebenen Milliarden-Deal zur WM-Vermarktung hat der Schweizer aus Sicht der UEFA eine rote Linie \u00fcberschritten.\u00a0<\/p>\n<p>Die seit langem g\u00e4rende Stimmung ist in offene Konfrontation gekippt. Das klare UEFA-Ziel: Infantino darf am 18. M\u00e4rz 2027 nicht f\u00fcr eine vierte Amtszeit als FIFA-Chef wiedergew\u00e4hlt werden. Doch die Zeit dr\u00e4ngt. Da Infantino nicht daran denkt, sein Amt aufzugeben, muss bis zum 18. November ein Gegenkandidat pr\u00e4sentiert werden, dann l\u00e4uft die Nominierungsfrist ab. Noch haben die Europ\u00e4er keinen Herausforderer gefunden.\u00a0<\/p>\n<p>Showdown in Berlin?<\/p>\n<p>Wichtige Termine sind das n\u00e4chste Treffen des UEFA-Exekutivkomitees am 15. September in Thessaloniki und das sogenannte Meeting des Top Executive Programms (TEP) am 8. Oktober. Dann sind alle Pr\u00e4sidenten und Generalsekret\u00e4re der 55 europ\u00e4ischen Verb\u00e4nde zu einem Gedankenaustausch nach Berlin eingeladen. Kommt es zum Showdown in der deutschen Hauptstadt?<\/p>\n<p>Die nun laufenden juristischen Aktivit\u00e4ten sollen Infantino diskreditieren. Eine weitere Zusammenarbeit der UEFA mit ihm als FIFA-Boss erscheint derzeit angesichts der Schwere der Vorw\u00fcrfe undenkbar. Droht dem Weltfu\u00dfball wom\u00f6glich der gro\u00dfe Bruch?<\/p>\n<p>Der UEFA-Plan, Infantino zum R\u00fcckzug zu dr\u00e4ngen, geht momentan \u00fcberhaupt nicht auf. Der Schweizer ist im Kampfmodus. Die von der UEFA an gleich mehrere Gerichte parallel gestellten Antr\u00e4ge seien nicht mehr als blo\u00dfe Pressemitteilungen, \u00e4tzte der Weltverband.\u00a0<\/p>\n<p>Diese w\u00fcrden \u00abdazu dienen, die Verleumdungskampagne der UEFA gegen die FIFA und deren F\u00fchrung weiter voranzutreiben\u00bb, hei\u00dft es in einem an ein Gericht im US-Bundesstaat Florida ergangenen Schreiben vom 1. September. Der UEFA gehe es mit ihren Antr\u00e4gen darum, Informationen offenzulegen, die nach den FIFA-Regularien vertraulich behandelt werden m\u00fcssten.\u00a0<\/p>\n<p>Die UEFA reagierte auf den FIFA-Vorsto\u00df nicht mit einem offiziellen Statement. Doch im Dunstkreis der Zentrale am Genfer See herrscht die Meinung: Wenn die FIFA nichts zu verbergen habe, k\u00f6nne sie ja die angeforderten Dokumente pr\u00e4sentieren. Der Gegenschlag wird als indirektes Schuldeingest\u00e4ndnis interpretiert.<\/p>\n<p>FIFA setzt auf Zeitspiel<\/p>\n<p>Die FIFA will jedenfalls Teil des Verfahrens werden und erwirken, dass die Entscheidung \u00fcber den UEFA-Antrag verz\u00f6gert wird. Offenbar hat der Weltverband nun Zeit, bis zum 28. September weitere Argumente vor Gericht einzureichen. Dieses Zeitspiel der FIFA funktioniert schonmal.\u00a0<\/p>\n<p>Die FIFA wirft der UEFA zudem vor, gegen die Investorenpl\u00e4ne vorzugehen, weil diese die Marktmacht des europ\u00e4ischen Verbands bedrohen w\u00fcrden. \u00abDas wirtschaftliche Motiv der UEFA bestand darin, zu verhindern, dass kleinere L\u00e4nder \u00fcber die finanzielle St\u00e4rke verf\u00fcgen, um mit der europ\u00e4ischen Elite konkurrieren zu k\u00f6nnen\u00bb, hei\u00dft es in den Dokumenten.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abWird der Fu\u00dfball in den Entwicklungsl\u00e4ndern gest\u00e4rkt, nimmt der globale Wettbewerb zu, was letztlich die Marktmacht der UEFA verringert und f\u00fcr mehr Konkurrenz f\u00fcr ihre wichtigsten Wettbewerbe sorgt.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Infantino als Anwalt der Kleinen<\/p>\n<p>Ist das schl\u00fcssig? 20 Millionen Dollar hatte Infantino jedem Nationalverband versprochen, der sein WM-Vorhaben unterst\u00fctzt. Diese Summe w\u00fcrde lange nicht ausreichen, um die strukturellen Nachteile kleinerer Fu\u00dfball-L\u00e4nder auszugleichen, zumal die Europ\u00e4er bei Unterst\u00fctzung das gleiche Geld bekommen h\u00e4tten. Im Konflikt wird viel mit plakativen Argumenten und Emotionen gearbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>In Europa kritisierten viele Infantinos Pl\u00e4ne als Ausverkauf des Sports. Dem einflussreichen Funktion\u00e4r wird vorgeworfen, nicht prim\u00e4r am Wohlergehen kleiner Fu\u00dfballnationen, sondern vor allem an seinem pers\u00f6nlichen Machterhalt und lukrativen Deals mit Gesch\u00e4ftspartnern interessiert zu sein, von denen auch er selbst profitieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der 56-J\u00e4hrige steht zwar massiv unter Druck. Doch trotz der heftigen Kritik am gescheiterten WM-Investorendeal und seiner Amtsf\u00fchrung hat Infantino, der seit 2016 an der Spitze der FIFA steht, immer noch eine breite Basis in der Fu\u00dfball-Welt.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abAnderswo auf der Welt gelten ganz andere Parameter, wenn es um die Frage der Wahl des Fifa-Pr\u00e4sidenten geht. Wenn er nach Afrika oder<br \/>S\u00fcdamerika reist, wird Infantino dort gefeiert wie ein Gott\u00bb, sagte Martin Nolte, Leiter des Instituts f\u00fcr Sportrecht an der Sporthochschule in K\u00f6ln dem \u00abSpiegel\u00bb. Die europ\u00e4ische Perspektive auf den Machtkampf verschiebt den Fokus derzeit zuungunsten von Infantino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"New York\/Z\u00fcrich (dpa) &#8211; \u00a0 Jetzt geht Gianni Infantino zum Angriff \u00fcber. 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