{"id":1280562,"date":"2026-09-04T17:06:24","date_gmt":"2026-09-04T17:06:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1280562\/"},"modified":"2026-09-04T17:06:24","modified_gmt":"2026-09-04T17:06:24","slug":"lichtenberg-immer-wenn-ein-geschaeft-dichtmacht-wird-das-niveau-der-strasse-schlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1280562\/","title":{"rendered":"Lichtenberg: \u201eImmer wenn ein Gesch\u00e4ft dichtmacht, wird das Niveau der Stra\u00dfe schlechter\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Irgendwann wird auch Norbert Selbiger seinen Laden f\u00fcr immer schlie\u00dfen. So wie die Musikalien-Handlung nebenan und andere Traditionsgesch\u00e4fte in der Weitlingstra\u00dfe schon geschlossen wurden. \u201eIch bin 59 Jahre alt, allzu lange werde ich nicht mehr weitermachen\u201c, sagt der Goldschmied. \u201eUnd einen Nachfolger werde ich nicht finden, hier will sich doch niemand niederlassen.\u201c<\/p>\n<p>Seit mehr als 26 Jahren verkauft Norbert Selbiger nun schon Schmuck im Weitlingkiez. Viele d\u00fcrften an dieses Viertel denken, wenn von <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/lichtenberg\" rel=\"nofollow noopener\">Lichtenberg<\/a> die Rede ist. Vielleicht wegen des gleichnamigen Bahnhofs in unmittelbarer N\u00e4he von Selbigers Gesch\u00e4ft. Vielleicht aber auch wegen der Schlagzeilen der vergangenen Jahrzehnte, die f\u00fcr Aufsehen sorgten und mal von Neonazis handelten, mal von Verwahrlosung, von Obdachlosen.<\/p>\n<p>Selbiger hat all die Ver\u00e4nderungen hautnah miterlebt. \u201eImmer wenn ein Gesch\u00e4ft dichtmacht, wird das Niveau der Stra\u00dfe schlechter\u201c, sagt er. \u201eDas zieht entsprechendes Publikum an.\u201c\n            <\/p>\n<p>            Lichtenberg: Einer der am st\u00e4rksten wachsenden Bezirke Berlins<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Der Kiez steht auf seine Art f\u00fcr den ganzen Bezirk. Er befindet sich im stetigen Wandel, so wie andere Ortsteile auch. Manche erleben einen schleichenden Abstieg, andere einen Aufschwung. Allen gemeinsam ist ein Zustrom an Menschen.<\/p>\n<p>Lichtenberg ist einer der am st\u00e4rksten wachsenden Bezirke der Hauptstadt und hat inzwischen rund 318.000 Einwohner. Nur <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/treptow-koepenick\" rel=\"nofollow noopener\">Treptow-K\u00f6penick<\/a> und <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/marzahn-hellersdorf\" rel=\"nofollow noopener\">Marzahn-Hellersdorf<\/a> legten in den vergangenen f\u00fcnf Jahren st\u00e4rker zu. Prognosen zufolge wird Lichtenberg 2040 etwa so gro\u00df sein wie derzeit Bielefeld.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung ist ungleich verteilt: Rund 5000 Menschen sind in der Rummelsburger Bucht gemeldet, dagegen 36.700 in Alt-Hohensch\u00f6nhausen S\u00fcd. Der Weitlingkiez liegt in der Statistik irgendwo dazwischen \u2013 und die Weitlingstra\u00dfe Norbert Selbiger trotz allem immer noch am Herzen. Auch wenn er die Hoffnung aufgegeben hat, dass sich etwas \u00e4ndern wird. Er hat sich damit abgefunden, dass die Infrastruktur nicht mit dem Bev\u00f6lkerungswachstum Schritt h\u00e4lt. In seinem Kiez jedenfalls nicht so, wie er sich das w\u00fcnschen w\u00fcrde.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u201eIch habe mit Regionalpolitikern schon vor zehn Jahren gesprochen, aber es \u00e4ndert sich nichts\u201c, sagt der Goldschmied. \u201eZu DDR-Zeiten gab es eine Gewerbelenkung.\u201c Jetzt sei das Gewerbe frei. \u201eWenn in einer Stra\u00dfe ein Nagelstudio neben vier anderen Nagelstudios aufmacht, greift niemand regulierend ein.\u201c In Selbigers Nachbarschaft reihen sich vor allem gastronomische Betriebe aneinander, Imbissbuden und Sp\u00e4tis.<\/p>\n<p>Neulich war Selbiger in <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/lichterfelde\" rel=\"nofollow noopener\">Lichterfelde-West<\/a> verabredet. Als er aus dem S-Bahnhof auf den Vorplatz trat, w\u00e4hnte er sich in einer anderen Welt. \u201eDa gibt es im Umfeld vier Goldschmiede, die alle ihr Auskommen haben. Und die Klientel auf dem Platz sieht entsprechend aus.\u201c<\/p>\n<p>Es klingelt an der T\u00fcr zu Selbigers Gesch\u00e4ft, sie ist auch w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten abgeschlossen. Der Goldschmied l\u00e4sst eine Kundin herein. Sie m\u00f6chte eine neue Batterie in ihre Uhr eingesetzt haben.\u00a0Selbiger verschwindet in seiner Werkstatt. Die Frau studiert die Vitrinen: Ringe, Ketten, Anh\u00e4nger glitzern in Gold und Silber hinter Glas. Die Auslagen im Schaufenster stehen im Kontrast zu dem Grau, drau\u00dfen unter einem wolkenverhangenen Himmel. Passanten gehen vorbei, den Blick gesenkt oder stur geradeaus gerichtet.<\/p>\n<p>Batterien wechseln ist f\u00fcr den Goldschmied \u201eein Service so nebenbei\u201c, sagt er sp\u00e4ter, als die Kundin bezahlt hat und gegangen ist. \u201eDie Auftr\u00e4ge, die aus dem Kiez kommen, liegen bei maximal 20, 25 Euro. Davon kann ich nicht leben.\u201c\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/f0de84fb-9f69-4960-905e-ef4a76740907.jpg\"   alt=\"Der Eingang zum\u00a0 Bahnhof Lichtenberg: Der Bezirk k\u00f6nnte bald schon so gro\u00df sein wie Bielefeld.\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Der Eingang zum\u00a0 Bahnhof Lichtenberg: Der Bezirk k\u00f6nnte bald schon so gro\u00df sein wie Bielefeld.\" data-source=\"Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Der Eingang zum\u00a0 Bahnhof Lichtenberg: Der Bezirk k\u00f6nnte bald schon so gro\u00df sein wie Bielefeld.\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze<\/p>\n<p>              <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/10279815\" class=\"flex gap-4 items-start group\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/851c9119-deaa-466e-8476-f9dc7189f273.jpg\" alt=\"Berlin-Wahl 2026: Wie Furzipups den Stra\u00dfenwahlkampf aufmischt\" class=\"w-full h-full object-cover aspect-[3\/2]\"\/><\/p>\n<p>                      Berlin-Wahl 2026: Wie Furzipups den Stra\u00dfenwahlkampf aufmischt<\/p>\n<p>              <\/a><\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Leben kann er von den Auftr\u00e4gen aus <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/mahlsdorf\" rel=\"nofollow noopener\">Mahlsdorf<\/a>, Kaulsdorf, aus Gegenden mit Einfamilienh\u00e4usern, die einige Kilometer entfernt liegen. Etliche Kunden kommen mit dem Auto. Einige wohnten fr\u00fcher im Weitlingkiez, sind jedoch irgendwann weggezogen. Gefl\u00fcchtet, so f\u00fchlt sich das f\u00fcr Selbiger an.<\/p>\n<p>Die Kundschaft von au\u00dferhalb muss irgendwo in der N\u00e4he seines Ladens parken. \u201eVon daher ist das mit diesen Kiezblocks totaler Quatsch.\u201c Das mit den Pollern, den abgesperrten Durchfahrten.\u00a0Das scheinen allerdings nicht alle Parteien in Berlin zu begreifen, sagt der Unternehmer.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, vor Corona, gab es in Lichtenberg Ausstellungen f\u00fcr Schmuck und Kunstgewerbe, zu denen auch Kommunalpolitiker erschienen. Man kam ins Gespr\u00e4ch. \u201eMit dem Mann von der CDU konnte man vern\u00fcnftig reden, mit dem von der SPD auch\u201c, sagt der Goldschmied. \u201eDer von der Linken hatte kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr meine Anliegen, wahrscheinlich weil mein Schmuck relativ teuer ist und meine Kundschaft nicht zu seiner Kundschaft z\u00e4hlt.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Linke ist in der Lichtenberger Kommunalpolitik stark vertreten. Nach der Wahl zur <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/wahlen-berlin.de\/wahlen\/Be2023\/AFSPRAES\/bvv\/ergebnisse_bezirk_11.html\" rel=\"nofollow noopener\">Bezirksverordnetenversammlung (BVV)<\/a> im Februar 2023 kam sie auf 14 Sitze und hatte damit nur einen Sitz weniger als die CDU. Es folgten SPD (9), AfD (8), Gr\u00fcne (7) und die Tierschutzpartei (2).\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7c5f1826-e0e5-463a-ba3c-60f39464b374.jpg\"   alt=\"Jogi Cappell blickt auf die Rummelsburger Bucht: \u201eWer hier wohnt, wohnt sehr privilegiert.\u201c\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Jogi Cappell blickt auf die Rummelsburger Bucht: \u201eWer hier wohnt, wohnt sehr privilegiert.\u201c\" data-source=\"Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Jogi Cappell blickt auf die Rummelsburger Bucht: \u201eWer hier wohnt, wohnt sehr privilegiert.\u201c\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze<\/p>\n<p>            Rummelsburger Bucht: CDU, Volt und Gr\u00fcne werben<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Wenn Jogi Cappell sich in seinem Lichtenberger Kiez die Wahlwerbung ansieht, kann er sich ungef\u00e4hr vorstellen, wer hier wen zur Stimmabgabe mobilisieren wird. Cappell ist Produktionsleiter bei Festivals, Konzerten und Messen und wohnt an der Rummelsburger Bucht. \u201eVolt und die Gr\u00fcnen plakatieren in unserem Viertel viel, auch die CDU\u201c, sagt der Soloselbstst\u00e4ndige. \u201eDie Linke eher weniger.\u201c<\/p>\n<p>Cappell steht auf einer h\u00f6lzernen Aussichtsplattform, die zwischen B\u00e4umen an die Bucht heranragt. Am anderen Ufer liegt Alt-Stralau mit seinem markanten schiefen Kirchturm. Cappell zeigt hin\u00fcber zur sogenannten Spreepublik. \u201eDie Leute dort verfolgen ein alternatives Wohnkonzept und machen das ganz ordentlich\u201c, sagt er. \u201eAber es gibt in der Bucht auch einige merkw\u00fcrdige Konstruktionen, nennen wir sie Wasserwohnst\u00e4tten, denn Boote kann man sie kaum nennen.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              In Ufern\u00e4he d\u00fcmpeln K\u00e4hne vor sich hin, sie sind offenbar miteinander zu einer schwimmenden Insel vert\u00e4ut. \u201eZwei solcher Einheiten sind <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/bootsunfall-in-rummelsburger-bucht-ein-mensch-verletzt-10309190\" rel=\"nofollow noopener\">schon abgebrannt<\/a>\u201c, sagt Cappell.\u00a0Gelbe Bojen ragen aus dem Wasser. \u201eDie werden von Jahr zu Jahr mehr.\u201c Die Bojen markieren Stellen, an denen Wrackteile auf dem Grund liegen. \u201eDas f\u00fchrt die Sanierung des oberen Uferabschnitts v\u00f6llig ad absurdum und ver\u00e4rgert viele Anwohner.\u201c<\/p>\n<p>Auch an diesem s\u00fcdlichen Ende Lichtenbergs w\u00e4chst die Stadt, auf dem Wasser, auch in diesem Bereich der Bucht unkontrolliert: in dem Dreil\u00e4ndereck, so nennt Cappell die Schnittstelle von Lichtenberg, <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/friedrichshain-kreuzberg\" rel=\"nofollow noopener\">Friedrichshain-Kreuzberg<\/a> und Treptow-K\u00f6penick. Die Bezirke sind f\u00fcr die Ufer zust\u00e4ndig, f\u00fcr die Spree wiederum die Wasserstra\u00dfen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Und da, wo Kompetenzen sich \u00fcberlagern, hat es Wildwuchs leicht.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/5394030e-092d-470b-9e2b-fe15184c0bf7.jpg\"   alt=\"Monika und Hermann Kadner aus Karlshorst: \u201eIn unserem Haus wohnen viele vietnamesische Familien, mit denen wir einen sehr guten Kontakt pflegen.\u201c\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Monika und Hermann Kadner aus Karlshorst: \u201eIn unserem Haus wohnen viele vietnamesische Familien, mit denen wir einen sehr guten Kontakt pflegen.\u201c\" data-source=\"Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Monika und Hermann Kadner aus Karlshorst: \u201eIn unserem Haus wohnen viele vietnamesische Familien, mit denen wir einen sehr guten Kontakt pflegen.\u201c\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Das ist an Land nicht anders. Die Baustellen seien daf\u00fcr ein Beispiel, sagt der Produktionsmanager: \u201eIn den 15 Jahren, die ich hier wohne, habe ich selten erlebt, dass ich vom Ostkreuz bis zur Edisonstra\u00dfe alle Spuren h\u00e4tte benutzen k\u00f6nnen. Das erzeugt nat\u00fcrlich Unmut bei den Anwohnern.\u201c<\/p>\n<p>Auch bei den Stra\u00dfen der Hauptstadt sind die Zust\u00e4ndigkeiten auf Bezirke, Land und Bund verteilt. \u201eIch habe zwischenzeitlich in K\u00f6ln gelebt, da funktionierte die Koordination deutlich effizienter\u201c, sagt Cappell.\u00a0Immerhin gebe es inzwischen einen Baustellenkoordinator, ein Anfang sei gemacht. \u201eAber Berlin muss deutlich schneller werden.\u201c\n            <\/p>\n<p>            Club Sisyphos und die E-Scooter<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Cappell ist die Uferpromenade entlanggegangen und biegt jetzt in die Georg-L\u00f6wenstein-Stra\u00dfe ein. Auf der linken Seite stehen H\u00e4userblocks, dazwischen erstrecken sich Freifl\u00e4chen. Das Viertel wurde zur <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Expo_2000\" rel=\"nofollow noopener\">Expo 2000<\/a> konzipiert. Das Thema: Wasser in der Stadt. Die Siedlung ist eine Schwammstadt, f\u00fcr die Stadtplanung k\u00f6nnte sie ein Vorbild sein.<\/p>\n<p>Rechts von Cappell \u00f6ffnet sich eine gro\u00dfe Freifl\u00e4che. Eine Grundschule wird darauf entstehen. Auch sie ist dem Wachstum geschuldet. Kinder aus dem Viertel und angrenzenden Bereichen sollen in drei Klassenz\u00fcgen unterrichtet werden. Schr\u00e4g gegen\u00fcber, auf der anderen Seite der Hauptstra\u00dfe, liegt der Club Sisyphos. Cappell sagt: \u201eDie Betreiber haben mittlerweile hervorragende Ma\u00dfnahmen zum Schallschutz umgesetzt.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Man lebt in friedlicher Koexistenz. Wobei die Bewohner des Viertels nach den Wochenenden an den scharenweise auf Gehwegen abgestellten E-Scootern ablesen k\u00f6nnen, wie beliebt der Club beim Berliner Partyvolk ist. Wild geparkte Elektroroller und E-Bikes \u2013 noch so ein Problem, dem sich die Politik f\u00fcr ganz Berlin annehmen m\u00fcsste. Das h\u00f6rt Cappell immer wieder, wenn er sich mit Nachbarn unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>\u201eJammern auf hohem Niveau.\u201c Cappell sagt das, um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen angesichts der Probleme, die nicht nur in seinem Viertel bestehen. \u201eWer hier wohnt, wohnt sehr privilegiert, meist ja auch in Eigentum.\u201c Und wenn sich Menschen r\u00fccksichtslos benehmen, k\u00f6nne man nicht Politiker daf\u00fcr verantwortlich machen. \u201eEgal, in welchem Kiez.\u201c\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/a80b5952-3cf7-4c2e-8cce-9f9506f532b3.jpg\"   alt=\"Der Laden von Goldschmied Norbert Selbiger: \u201eEinen Nachfolger werde ich nicht finden.\u201c\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Der Laden von Goldschmied Norbert Selbiger: \u201eEinen Nachfolger werde ich nicht finden.\u201c\" data-source=\"Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Der Laden von Goldschmied Norbert Selbiger: \u201eEinen Nachfolger werde ich nicht finden.\u201c\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Im Kiez von Luca zum Beispiel. Er arbeitet als Kellner in einem Restaurant in Pankow, wohnt aber in <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/hohenschoenhausen\" rel=\"nofollow noopener\">Alt-Hohensch\u00f6nhausen<\/a>. Vor einiger Zeit hat er beobachtet, wie ein Nachbar vom Balkon nebenan eine gut gef\u00fcllte M\u00fcllt\u00fcte in den Hof warf. \u201eIch habe ihn zur Rede gestellt und ihm gesagt, dass man bei uns immer noch den M\u00fcll nach unten bringt und in die M\u00fclltonne schmei\u00dft\u201c, erz\u00e4hlt Luca, der es bei seinem Vornamen belassen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen eine verm\u00fcllte Stadt ist eines der zentralen Wahlkampfthemen in Berlin. CDU, SPD, Gr\u00fcne, Linke, AfD \u2013 kaum eine Partei, die sich nicht der Sauberkeit verschrieben hat und verspricht, sich daf\u00fcr einzusetzen. \u201eDas sind sch\u00f6ne Worte, aber wenn ich durch die Stra\u00dfen gehe, habe ich so meine Zweifel, dass der illegale Abfall bald verschwindet.\u201c Luca selbst f\u00e4hrt seinen Sperrm\u00fcll zum n\u00e4chstgelegenen Recyclinghof.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Hohe Strafen seien sinnlos, wenn die Verursacher nicht erwischt w\u00fcrden, sagt der geb\u00fcrtige Italiener, der seit 40 Jahren in Berlin lebt. \u201eDas ist vor allem eine Frage der Erziehung.\u201c\u00a0J\u00e4hrlich an die 55.000 Kubikmeter illegal entsorgten M\u00fcll muss die Berliner Stadtreinigung (BSR) entsorgen. Charaktere wie den nachbarschaftlichen M\u00fcllwerfer gibt es offensichtlich \u00fcberall.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte an der Rummelsburger Bucht nicht anders sein als in Hohensch\u00f6nhausen mit seinem Mix aus Siedlungen der 1920er-Jahre, Einfamilienh\u00e4usern und Plattenbauten. Und auch in Karlshorst verh\u00e4lt es sich vermutlich so. Monika Kadner ist in dem Lichtenberger Ortsteil geboren und lebt noch immer dort.\n            <\/p>\n<p>            Vietnam-Urlauber plaudern mit Vietnamesin<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              An diesem Tag um die Mittagszeit besch\u00e4ftigt die Rentnerin allerdings ein anderes Thema: Vietnam. Mit ihrem Mann ruht sie sich am Rand des Heinrich-Dathe-Platzes auf einer Bank aus. Vor sich haben sie ihre Fahrr\u00e4der abgestellt. Sie sind mit einer Frau ins Gespr\u00e4ch gekommen. \u201eWir waren zweimal in Vietnam, und stellen Sie sich vor: Die Dame hier kommt ausgerechnet aus dem Ort bei Saigon, in dem wir Urlaub gemacht haben\u201c, sagt Monika Kadner. \u201eZuf\u00e4lle gibt\u2019s.\u201c<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die Unterhaltung der drei rasch in Gang gekommen ist. Die Frau aus der N\u00e4he von Saigon erz\u00e4hlt gerade, dass sie im f\u00fcnften Stock eines der Hochh\u00e4user am Platz wohnt. Sie lobt die Einkaufsm\u00f6glichkeiten und die <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/tierpark-berlin\" rel=\"nofollow noopener\">Lage am Tierpark<\/a>, der dr\u00fcben auf der anderen Seite der Stra\u00dfe liegt. Das blaue Schild \u00fcber dem Eingang zur U-Bahn mit der Aufschrift \u201eTierpark\u201c k\u00f6nnen sie von der Bank aus sehen.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/734e0eb1-fb05-41ee-a381-056644289785.jpg\"   alt=\"Der Heinrich-Dathe-Platz am Tierpark\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Der Heinrich-Dathe-Platz am Tierpark\" data-source=\"Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Der Heinrich-Dathe-Platz am Tierpark\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Frau verabschiedet sich. Monika Kadner und ihr Mann wollen auch langsam wieder weiter. Sie unternehmen regelm\u00e4\u00dfig Radtouren, zum Beispiel nach K\u00f6penick. \u201eBei uns in Karlshorst haben wir jetzt eine Fahrradstra\u00dfe vom R\u00f6merweg zum S-Bahnhof. Das ist sehr g\u00fcnstig f\u00fcr uns\u201c, sagt Monika Kadner. \u201eHier gibt es allerdings nur einen schmalen Radweg, auf dem viele dieser E-Bikes und Roller stehen, von denen einige auch noch umgekippt sind.\u201c Wie die Probleme sich doch gleichen. \u201eAber in Saigon waren wir in einer Rikscha unterwegs, dagegen ist das hier harmlos\u201c, sagt die Rentnerin und lacht.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Manchmal hilft es, sich auf die positiven Seiten des Lebens zu fokussieren. Positiv findet Monika Kadner, dass viele junge Menschen nach Lichtenberg ziehen. \u201eIn unserem Haus wohnen viele vietnamesische Familien, mit denen wir einen sehr guten Kontakt pflegen\u201c, sagt die Rentnerin.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Zahl der Einwohner des Bezirks im Alter zwischen 25 und 44 ist in den zur\u00fcckliegenden f\u00fcnf Jahren um acht Prozent gestiegen. Jede sechste gemeldete Person ist ein Kind oder ein Jugendlicher.<\/p>\n<p>Das Bev\u00f6lkerungswachstum stellt alle Bereiche des \u00f6ffentlichen Lebens vor Herausforderungen. Neben Treptow-K\u00f6penick und Marzahn-Hellersdorf hat auch <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/gesundheit-patienten-in-not-bezirk-droht-unterversorgung-hausarztmangel-in-berlin-lichtenberg-wir-nehmen-keine-neuen-patienten-mehr-an-324738\" rel=\"nofollow noopener\">Lichtenberg eine KV-Praxis<\/a>, mit der die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung dem Mangel an niedergelassenen Haus\u00e4rzten entgegenwirken will. Die Praxis befindet sich in Karlshorst.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/2d614868-22e6-458a-b528-610c72234f39.jpg\"   alt=\"Die Bibliothek am Heinrich-Dathe-Platz\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Die Bibliothek am Heinrich-Dathe-Platz\" data-source=\"Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Die Bibliothek am Heinrich-Dathe-Platz\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Benjamin Pritzkuleit\/Berliner Ze<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Auf dem Gehweg der Weitlingstra\u00dfe haben Regenschauer ihre Spuren hinterlassen. Norbert Selbiger geht in seine Werkstatt. Er setzt seine Uhrmacher-Lupenbrille auf. Gleich wird er sich das n\u00e4chste Werkst\u00fcck vornehmen. F\u00fcr einen Kunden in Mahlsdorf vielleicht, in Kaulsdorf oder einer anderen Gegend der Stadt. Bevor er sich verabschiedet, sagt er: \u201eIch komme hier finanziell gut zurecht durch meine langj\u00e4hrige Pr\u00e4senz.\u201c Das klingt vers\u00f6hnlich, f\u00fcr den Moment jedenfalls.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen vor dem Schaufenster steht ein Vater mit seinem Sohn. Sie schauen sich die Auslagen an, den im Licht der Lampen leuchtenden Schmuck. Eine ganze Weile verharren die beiden da, and\u00e4chtig und stumm. Dann gehen sie weiter, wie auf ein Zeichen, und verschwinden im Bahnhof nebenan.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Irgendwann wird auch Norbert Selbiger seinen Laden f\u00fcr immer schlie\u00dfen. 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