{"id":1281637,"date":"2026-09-05T05:41:24","date_gmt":"2026-09-05T05:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1281637\/"},"modified":"2026-09-05T05:41:24","modified_gmt":"2026-09-05T05:41:24","slug":"babyboomer-gehen-in-rente-das-bremst-deutschlands-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1281637\/","title":{"rendered":"Babyboomer gehen in Rente: Das bremst Deutschlands Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/arbeit-babyboomer-100.jpg\" alt=\"Frau der Babyboomer Generation in einem B\u00fcro bei der Arbeit hinter einem Laptop.\" title=\"Frau der Babyboomer Generation in einem B\u00fcro bei der Arbeit hinter einem Laptop. | picture alliance \/ Westend61\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 05.09.2026 \u2022 04:59 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Bis 2040 gehen 30 Prozent der Erwerbspersonen in Deutschland in Rente. Das kostet Wachstum, wenn Politik und Unternehmen nicht gegensteuern. KI k\u00f6nnte helfen &#8211; ist aber nur ein Teil der Antwort. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deutschland steht an einem Wendepunkt: Die Babyboomer gehen in Rente. Bis 2040 erreichen 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren, rechnet das <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/06\/PD26_N039_13.html?nn=2110\" title=\"Destatis 13,3 Millionen erreichen Rentenalter\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Statistische Bundesamt<\/a> vor. Das entspricht 30 Prozent der Erwerbspersonen des vergangenen Jahres. &#8222;J\u00fcngere Altersgruppen werden die Babyboomer zahlenm\u00e4\u00dfig nicht ersetzen k\u00f6nnen&#8220;, sind die Wiesbadener Statistiker \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>    Demografischer Wandel bremst das Wachstum<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei geht es l\u00e4ngst nicht mehr nur um die Frage, ob Unternehmen gen\u00fcgend Fachkr\u00e4fte finden. Wenn insgesamt weniger Menschen arbeiten, kann auch die deutsche Wirtschaft weniger produzieren. Das sogenannte Potenzialwachstum &#8211; also das langfristig m\u00f6gliche Wachstum der Volkswirtschaft &#8211; sinkt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir sind jetzt noch bei gut 0,5 Prozent, und das kann durchaus noch weiter runtergehen, weil einfach zu wenig Leute am Arbeitsmarkt da sind, die arbeiten&#8220;, sagt Jens S\u00fcdekum, Professor f\u00fcr Internationale Volkswirtschaftslehre an der Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf, im Gespr\u00e4ch mit der ARD-Finanzredaktion.<\/p>\n<p>    Erstmals weniger Menschen im erwerbsf\u00e4higem Alter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bereits in diesem Jahr wird die Zahl der Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter hierzulande erstmals schrumpfen. &#8222;Das hei\u00dft, wir haben mehr Leute, die in Rente gehen als nachr\u00fccken &#8211; dieses Jahr sind es rund 41.000. Und dieser Effekt wird sich in den n\u00e4chsten Jahren noch beschleunigen&#8220;, betont Luca Flora von der Unternehmensberatung McKinsey gegen\u00fcber der ARD-Finanzredaktion. Flora ist Mitautor der Studie &#8222;<a href=\"https:\/\/www.mckinsey.de\/news\/presse\/2026-08-17-kraft-der-koepfe\" title=\"McKinsey Die Kraft der K\u00f6pfe\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Die Kraft der K\u00f6pfe<\/a>&#8222;. Demzufolge kostet der demografische Wandel Deutschland bis 2030 j\u00e4hrlich 0,7 Prozent Wirtschaftsleistung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die Bundesbank sieht in der alternden Bev\u00f6lkerung eine erhebliche Wachstumsbremse: \u00c4ltere Menschen nehmen seltener am Erwerbsleben teil &#8211; dieser Altersstruktureffekt d\u00fcrfte das Wachstum in den kommenden Jahren <a href=\"https:\/\/publikationen.bundesbank.de\/publikationen-de\/berichte-studien\/monatsberichte\/monatsbericht-juni-2026-998608?article=auswirkungen-des-demografischen-wandels-auf-arbeitsangebot-und-wachstum-in-deutschland-herausforderungen-und-handlungsspielraeume-998610&amp;utm_source=chatgpt.com#5-Potenziale-fuer-einen-hoeheren-Arbeitseinsatz\" title=\"Bundesbank Monatsbericht Juni\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">um rund 0,6 Prozentpunkte pro Jahr dr\u00fccken<\/a>. Die schrumpfende Bev\u00f6lkerung kostet weitere 0,2 Prozentpunkte.<\/p>\n<p>    Ist Deutschland zur Wachstumsschw\u00e4che verdammt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei war Deutschland zuletzt schon keineswegs von hohen Wachstumsraten gesegnet &#8211; im Gegenteil: In den vergangenen drei Jahren sank die Wirtschaftsleistung im Schnitt um 0,4 Prozent pro Jahr. Kommt jetzt noch der demografische Wandel hinzu: Ist Deutschland dann zur Wachstumsschw\u00e4che verdammt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Forscher ist das kein unausweichliches Schicksal. Sie sehen gleich mehrere Stellschrauben, um hier gegenzusteuern.<\/p>\n<p>    McKinsey h\u00e4lt 2,6 Prozent Wachstum f\u00fcr m\u00f6glich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die McKinsey-Studie beziffert das zus\u00e4tzliche Wachstumspotenzial auf rund 770 Milliarden Euro bis 2030: genug, um die demografische L\u00fccke nicht nur zu schlie\u00dfen, sondern in ein Wachstum von bis zu 2,6 Prozent pro Jahr umzukehren &#8211; doppelt so viel wie im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2018.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die 2,6 Prozent sind kein Selbstl\u00e4ufer. Wenn wir allerdings als Land und als Gesellschaft versuchen, sowohl die Produktivit\u00e4t unserer Arbeit zu steigern als auch das gesamte Arbeitsvolumen, dann halten wir das durchaus f\u00fcr realistisch&#8220;, betont Flora.<\/p>\n<p>    L\u00e4nger arbeiten allein reicht nicht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr Arbeitsvolumen klingt zun\u00e4chst nach einer naheliegenden Antwort: Wenn weniger Menschen arbeiten, m\u00fcssten die \u00fcbrigen l\u00e4nger arbeiten. Doch \u00d6konom S\u00fcdekum warnt vor dieser einfachen Rechnung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das gr\u00f6\u00dfere Problem ist: Wir haben zu wenig Menschen am Arbeitsmarkt, die arbeiten k\u00f6nnen. Das bekommen wir nie im Leben allein dadurch aufgefangen, dass man sagt, die, die da sind, sollen doch bitte l\u00e4nger arbeiten.&#8220;<\/p>\n<p>    Weniger Teilzeit f\u00fcr mehr Wachstum?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Reserven gibt es allerdings: 2025 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 31,9 Prozent der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten in Teilzeit &#8211; so viele wie nie zuvor. Bei den Frauen war es gut jede Zweite, bei den M\u00e4nnern etwa jeder Siebte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Allerdings wollen Teilzeitbesch\u00e4ftigte nicht automatisch l\u00e4nger arbeiten. Nur 4,9 Prozent waren <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Arbeit\/Arbeitsmarkt\/Indikatoren-Qualitaet-Arbeit\/Dimension-3\/unfreiwillig-teilzeitbeschaeftige.html\" title=\"Destatis: Unfreiwillig Teilzeitbesch\u00e4ftigte\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">unfreiwillig in Teilzeit<\/a>, weil sie keine Vollzeitstelle fanden &#8211; etwa jeder 21.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trotzdem sieht die Bundesbank erhebliches Potenzial in einer h\u00f6heren Arbeitszeit. In ihrem Basisszenario rechnet sie f\u00fcr die Jahre 2026 bis 2035 mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent pro Jahr. W\u00fcrde die durchschnittliche Wochenarbeitszeit um 1,3 Stunden steigen, k\u00f6nnte sich die Wachstumsrate auf 0,6 Prozent verdoppeln.<\/p>\n<p>    Ohne Zuwanderung w\u00e4chst die Arbeitskr\u00e4ftel\u00fccke<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinzu kommt ein zweiter Hebel: Menschen l\u00e4nger im Erwerbsleben zu halten. \u00d6konom S\u00fcdekum nennt etwa Anreize f\u00fcr \u00e4ltere Besch\u00e4ftigte, die fit sind und freiwillig \u00fcber den bisherigen Renteneintritt hinaus arbeiten wollen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch l\u00e4ngere Wochen- und Lebensarbeitszeiten allein l\u00f6sen das Grundproblem nicht. Deshalb braucht es einen dritten Hebel: Zuwanderung. &#8222;Wir sind essenziell darauf angewiesen, dass Menschen von au\u00dfen nach Deutschland kommen&#8220;, betont S\u00fcdekum. Allein mit Hilfe der einheimischen Bev\u00f6lkerung werde man das demografische Problem nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    K\u00fcnstliche Intelligenz als Gamechanger?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Neben dem Arbeitsvolumen ist die Produktivit\u00e4t ein wichtiges Thema: Wenn weniger Menschen arbeiten, muss jeder Besch\u00e4ftigte im Schnitt mehr Wertsch\u00f6pfung erwirtschaften, damit Wohlstand und Wirtschaftsleistung nicht sinken.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gro\u00dfe Hoffnungen ruhen dabei auf K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI). Laut McKinsey k\u00f6nnen bis 2030 rund 59 Prozent der heutigen Arbeitsstunden automatisiert werden. Das sei aber nicht gleichzusetzen mit 59 Prozent weniger Jobs, betont Flora. In weit \u00fcber 80 Prozent der F\u00e4lle seien menschliche F\u00e4higkeiten weiterhin notwendig.<\/p>\n<p>    Keine Angst vor Jobverlust durch KI?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch Andrea Hammermann und Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/inhalt\/jahr\/2026\/heft\/4\/beitrag\/arbeitszeit-produktivitaet-ki-wie-deutschland-sein-arbeitskraefteangebot-stabilisieren-kann.html\" title=\"IW K\u00fcnstliche Intelligenz Arbeitskr\u00e4fte\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">warnen vor voreiligen Schl\u00fcssen \u00fcber Jobverluste durch KI<\/a>: &#8222;Empirische Befunde legen nahe, dass KI und Humankapital in der Regel komplement\u00e4r wirken und KI-Anwendungen menschliche Arbeit eher erg\u00e4nzen als ersetzen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00d6konom S\u00fcdekum von der Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf warnt allerdings davor, KI als technologische Wunderwaffe zu betrachten: &#8222;Zu glauben, dass man makro\u00f6konomisch das Problem des demografischen Wandels alleine dadurch in den Griff kriegt, dass man in KI investiert &#8211; diese Hoffnung wird aus meiner Sicht wahrscheinlich nicht aufgehen.&#8220;<\/p>\n<p>    Gegen demografischen Wandel braucht es mehrere Hebel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Antwort auf den demografischen Wandel lautet deshalb nicht: mehr Vollzeit oder l\u00e4ngeres Arbeiten oder mehr Zuwanderung oder mehr KI. Sie lautet: alles zusammen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Babyboomer gehen in Rente; daran k\u00f6nnen Politik und Unternehmen nichts \u00e4ndern. Wie stark dieser Einschnitt die deutsche Wirtschaft tats\u00e4chlich bremst, ist dagegen keineswegs in Stein gemei\u00dfelt. Entscheidend wird sein, wie viele Menschen k\u00fcnftig arbeiten &#8211; und wie produktiv sie es tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Analyse Stand: 05.09.2026 \u2022 04:59 Uhr Bis 2040 gehen 30 Prozent der Erwerbspersonen in Deutschland in Rente. 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