{"id":1281784,"date":"2026-09-05T07:17:22","date_gmt":"2026-09-05T07:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1281784\/"},"modified":"2026-09-05T07:17:22","modified_gmt":"2026-09-05T07:17:22","slug":"warum-schweden-seine-gefangenen-in-estland-unterbringt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1281784\/","title":{"rendered":"Warum Schweden seine Gefangenen in Estland unterbringt"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/gefaengnis-tartu-100.jpg\" alt=\"Ein Gef\u00e4ngnis in Tartu, Estland\" title=\"Ein Gef\u00e4ngnis in Tartu, Estland | ARD Stockholm\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Europamagazin<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 05.09.2026 \u2022 08:10 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Steigende Kriminalit\u00e4t und versch\u00e4rftes Strafrecht &#8211; in Schwedens Gef\u00e4ngnissen wird der Platz knapp. Das Land verlegt deshalb jetzt einen Teil seiner H\u00e4ftlinge nach Estland. Es ist ein Deal, der nicht unumstritten ist. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/christian-stichler-108.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Christian Stichler\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/stichler-120.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am 18. August rollt ein Kleinbus der estnischen Strafvollzugsbeh\u00f6rde durch Tartu. Sein Ziel: das Gef\u00e4ngnis am Rande der Stadt. Kamerabilder zeigen, wie der Wagen durch den Sicherheitsbereich f\u00e4hrt und hinter einem Rolltor verschwindet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Damit sind die ersten Gefangenen aus Schweden in Estlands zweitgr\u00f6\u00dfter Stadt angekommen. Knapp 600 weitere sollen ihnen folgen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist ein Gef\u00e4ngnis-Deal, mit dem Schweden Neuland betritt. Erst Anfang Juni haben die Justizminister beider L\u00e4nder einen entsprechenden Vertrag unterschrieben. &#8222;Wir haben in Schweden einen dringenden Bedarf an Haftpl\u00e4tzen&#8220;, sagt Gunnar Str\u00f6mmer, Schwedens Justizminister. Er geh\u00f6rt der konservativen Regierung in Stockholm an. &#8222;Diese Vereinbarung mit Estland ist eine M\u00f6glichkeit, diesen Bedarf zu decken.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Schweden geht tats\u00e4chlich der Platz f\u00fcr seine H\u00e4ftlinge aus. Die Zahl der Insassen hat sich seit 2015 auf jetzt rund 9.000 fast verdoppelt. Ein Grund ist die gestiegene Zahl von Straftaten &#8211; vor allem im Banden- und Drogenmilieu.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Statt in einer Einzelzelle wie fr\u00fcher w\u00fcrden H\u00e4ftlinge in Zukunft zu zweit untergebracht werden, erkl\u00e4rt Jacob Andersson.\n                    <\/p>\n<p>    H\u00e4ftlinge sitzen l\u00e4nger ein<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber noch etwas kommt hinzu. Schwedens Regierung hat seit 2022 das Strafma\u00df f\u00fcr viele Delikte deutlich erh\u00f6ht. H\u00e4ftlinge sitzen also l\u00e4nger ein. Erst Anfang August wurde eine erneute Versch\u00e4rfung beschlossen. F\u00fcr Straftaten im Gangmilieu k\u00f6nnen die Gerichte des Landes nun doppelt so lange Haftstrafen verh\u00e4ngen wie bisher. All das l\u00e4sst den Druck auf die Anstalten wachsen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Um den steigenden Bedarf an Haftpl\u00e4tzen zu decken, baut Schweden auch seine eigenen Gef\u00e4ngnisse aus. Beispiel V\u00e4stervik s\u00fcdlich von Stockholm: Der gelbe Altbau ist komplett belegt. Die stellvertretende Anstaltschefin bringt es im Interview mit der ARD auf den Punkt: &#8222;Bei uns sind keine Betten frei. Wir sind voll.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deshalb entsteht derzeit ein Neubau, der demn\u00e4chst in Betrieb genommen wird. Die Anstalt soll statt 200 k\u00fcnftig gut 600 Gefangene aufnehmen k\u00f6nnen. Jacob Andersson ist f\u00fcr die Sicherheit in der Anstalt zust\u00e4ndig. &#8222;Noch ist nicht alles fertig. Die St\u00fchle sind schon da, aber die Tische und die Sofas fehlen noch&#8220;, erkl\u00e4rt er beim Rundgang durch den Neubau.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dann schlie\u00dft er eine der Zellen auf. Fr\u00fcher h\u00e4tte jeder Gefangene eine Einzelzelle bekommen. Heute ist der kleine Raum mit einem Stockbett und zwei winzigen Schreibtischen ausgestattet. &#8222;Die pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t ist dadurch nat\u00fcrlich eingeschr\u00e4nkt. Du suchst Dir Deinen Zimmergenossen hier nicht aus&#8220;, sagt Jacob Andersson. &#8222;\u00dcber die Belegung der Zellen entscheiden wir.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Besuche von Angeh\u00f6rigen werden f\u00fcr Insassen aus Schweden in Estland schwieriger. Doch f\u00fcr Videotelefonate w\u00fcrden sie Tablets bekommen, sagt Konstantin Nikiforov.\n                    <\/p>\n<p>    Zwei Drittel der Zellen f\u00fcr H\u00e4ftlinge aus Schweden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ganz anders die Situation in Estland auf der anderen Seite der Ostsee: Dort stehen ganze Gef\u00e4ngnistrakte leer. Denn bei der Planung neuer Haftanstalten hatte man in den 1990er-Jahren sehr gro\u00dfz\u00fcgig geplant. Gleichzeitig ging durch den gestiegenen Lebensstandard im Land die Kriminalit\u00e4t deutlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Gef\u00e4ngnis von Tartu hat man deshalb Platz geschaffen. Zwei Drittel der Zellen sollen k\u00fcnftig mit H\u00e4ftlingen aus Schweden belegt werden. Aber es gibt rote Linien, wie Estlands Justizministerin Liisa Pakosta erkl\u00e4rt. &#8222;Wir nehmen niemanden aus dem Bereich der organisierten Kriminalit\u00e4t. Wir nehmen auch keine Terroristen oder radikalisierte Personen.&#8220; Frauen sind auch von einer Verlegung nach Estland ausgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die estnischen Zellen sind nicht so modern wie im Neubau von V\u00e4stervik, aber \u00e4hnlich eng. Die Umgangssprache ist Englisch. Es gibt eine moderne Sporthalle, einen Musikraum sowie eine Kreativwerkstatt. Aber Besuche aus der Heimat sind teuer und aufw\u00e4ndig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Konstantin Nikiforov, Projektleiter bei der estnischen Justizbeh\u00f6rde, weist allerdings auf eine Neuerung hin: &#8222;Alle H\u00e4ftlinge bekommen bei uns ein Tablet. Damit k\u00f6nnen sie Videotelefonate mit ihren Angeh\u00f6rigen f\u00fchren.&#8220; Das sei viel einfacher und g\u00fcnstiger als Besuche vor Ort, f\u00fcgt er hinzu.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Insgesamt l\u00e4sst sich Schweden den Gef\u00e4ngnis-Deal mit Estland bei voller Auslastung etwas mehr als 60 Millionen Euro pro Jahr kosten. Pro Gefangenen und Monat sind das mehr als 8.000 Euro.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Wer nach Estland gebracht werde, entschieden die schwedischen Beh\u00f6rden, sagt Niklas Wellstr\u00f6m von der Justizbeh\u00f6rde.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Das erschwert die Resozialisierung&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Entscheidung, wer nach Estland gebracht wird, obliegt allein dem schwedischen Justizvollzug. Das ist keine Frage von Freiwilligkeit&#8220;, erkl\u00e4rt Niklas Wellstr\u00f6m von der Justizbeh\u00f6rde Schwedens. Die H\u00e4ftlinge haben lediglich die M\u00f6glichkeit, eine Stellungnahme abzugeben. Gerade dieses Verfahren sorgt f\u00fcr Kritik bei Menschenrechtsorganisationen und Anw\u00e4lten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Louise Gunven vom Schwedischen Anwaltsverband bef\u00fcrchtet, dass H\u00e4ftlinge nach Estland transportiert werden, bevor ihre Beschwerde bearbeitet werden kann. &#8222;Denn sobald eine Entscheidung getroffen ist, kann die Person noch am selben Tag in ein Flugzeug gesetzt werden&#8220;, sagt sie im Interview mit dem Schwedischen Radio. Auch der Umstand, dass Angeh\u00f6rige f\u00fcr einen Besuch eine weite und teure Reise auf sich nehmen m\u00fcssen, sorgt f\u00fcr Kritik. Das erschwere am Ende auch die Resozialisierung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber die schwedische Regierung h\u00e4lt trotz der Kritik an ihren Pl\u00e4nen fest. Sie sagt, bei dem Estland-Deal handele es sich um eine vor\u00fcbergehende L\u00f6sung bis ausreichend Gef\u00e4ngnispl\u00e4tze im eigenen Land zur Verf\u00fcgung stehen. F\u00fcr die Gefangenen, die jetzt nach Estland verlegt werden, gilt das nicht. Wer in Tartu einsitzt, muss so lange auf seine R\u00fcckreise warten, bis die Entlassung naht. Erst dann geht es f\u00fcr ein paar Tage nochmal zur\u00fcck hinter die original schwedischen Gardinen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese und weitere Reportagen sehen Sie am Sonntag im Europamagazin um 12:45 Uhr im Ersten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europamagazin Stand: 05.09.2026 \u2022 08:10 Uhr Steigende Kriminalit\u00e4t und versch\u00e4rftes Strafrecht &#8211; in Schwedens Gef\u00e4ngnissen wird der Platz&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1281785,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,3189,12967,30,7729,13,14,15,12,1319],"class_list":["post-1281784","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-de","tag-deutschland","tag-estland","tag-gefangene","tag-germany","tag-haeftlinge","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-schweden"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117217217200089408","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1281784","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1281784"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1281784\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1281785"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1281784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1281784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1281784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}