{"id":128185,"date":"2025-05-21T13:42:09","date_gmt":"2025-05-21T13:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/128185\/"},"modified":"2025-05-21T13:42:09","modified_gmt":"2025-05-21T13:42:09","slug":"berlin-friedrichshain-kampf-um-den-kult-balkon-in-der-warschauer-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/128185\/","title":{"rendered":"Berlin-Friedrichshain \u2013 Kampf um den Kult-Balkon in der Warschauer Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img305871\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/305871\" alt=\"In dem \u00bbHaus mit dem Balkon\u00ab stehen zahlreiche Wohnungen leer.\"\/><\/p>\n<p>In dem \u00bbHaus mit dem Balkon\u00ab stehen zahlreiche Wohnungen leer.<\/p>\n<p>Foto: Foto: Sandra Juto<\/p>\n<p>Im durchgentrifizierten Friedrichshain sticht das Haus an der Warschauer Stra\u00dfe 25 hervor. So sehr, dass es tausendfach auf Fotos verewigt ist. Es ist vor allem der mit einer Holzkonstruktion gest\u00fctzte Balkon an der Ecke des Hauses, \u00fcber dem zwei hohe S\u00e4ulen thronen, die den Altbau zum beliebten Fotomotiv machen. Die Holzkonstruktion deutet es schon an: Das Haus ist sanierungsbed\u00fcrftig. Und es soll verkauft werden. Wie der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mitteilt, wird zurzeit gepr\u00fcft, ob<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191089.mietenwahnsinn-berlin-neukoelln-letzte-hoffnung-vorkaufsrecht.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> das bezirkliche Vorkaufsrecht<\/a> gezogen werden kann.<\/p>\n<p>Das Eckhaus wurde zusammen mit sieben anderen H\u00e4usern verkauft, aber nur f\u00fcr dieses eine wird der Vorkauf gepr\u00fcft. \u00bbNach intensiver Befassung mit dem baulichen Zustand der Geb\u00e4ude wurde festgestellt, dass die bestehenden M\u00e4ngel die Erheblichkeitsschwelle gem\u00e4\u00df den Vorgaben des Bundesverwaltungsgerichts \u00fcberschreiten\u00ab, teilt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit. Mit einem Urteil im November 2021 wurde das Vorkaufsrecht erheblich eingeschr\u00e4nkt. Nur noch in Ausnahmef\u00e4llen, wenn<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1187656.mietenwahnsinn-schoenleinstrasse-vor-investoren-retten.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> etwa ein Geb\u00e4ude bauf\u00e4llig ist<\/a>, k\u00f6nnen die Bezirke beim Verkauf einer Immobilie dazwischengr\u00e4tschen und den Verkauf an einen gemeinwohlorientierten Dritten erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>In einer Pressemitteilung beschreiben die Bewohner*innen das Haus als \u00bbeine der letzten Inseln bezahlbaren Wohnraums mitten in Berlin\u00ab. Claudia Winkler-G\u00f6rbe lebt schon seit 33 Jahren dort. Sie f\u00fcrchtet wie der Rest der Hausgemeinschaft mit dem Verkauf Mietsteigerungen, Entmietung und den Verlust ihres Wohnraums. \u00bbWenn auf dem Berliner Wohnungsmarkt 27 Mietparteien gleichzeitig eine Wohnung suchen, mag man sich gar nicht ausmalen, wie das dann endet\u00ab, sagt sie zu \u00bbnd\u00ab.<\/p>\n<p>Es ist aber nicht nur die Angst, keine neue Wohnung zu finden, die die Bewohner*innen umtreibt. \u00bbWir sind einfach eine tolle Hausgemeinschaft\u00ab, sagt Winkler-G\u00f6rbe. Als es etwa einmal f\u00fcr f\u00fcnf Wochen in Teilen des Hauses kein Wasser gab, konnten die Betroffenen bei Nachbar*innen duschen und auf die Toilette gehen. M\u00fcssten sie die Wohnungen verlassen, wenn ein potenzieller neuer Eigent\u00fcmer das Haus komplett sanieren w\u00fcrde, so w\u00fcrde das die \u00fcber Jahrzehnte w\u00e4hrende Gemeinschaft zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/306026\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Dass am Haus gearbeitet werden muss, kann Winkler-G\u00f6rbe best\u00e4tigen. \u00bbWir haben immer gedacht, wir wohnen in einem sanierungsbed\u00fcrftigen Haus, aber im Vergleich wohnen wir im Penthouse.\u00ab In anderen Wohnungen im Geb\u00e4ude seien Decken eingest\u00fcrzt. Es habe Wasserrohrbr\u00fcche gegeben. \u00bbIch kann in meiner Wohnung wohnen, aber andere sind so feucht, dass Handwerker den Bewohnern gesagt haben, sie m\u00fcssen wegen Schimmels sofort ausziehen\u00ab, erkl\u00e4rt sie. Dieser Zustand ist nicht neu. Schon beim Einzug 1992 h\u00e4tten Handwerker ihr gesagt, dass die Fenster schlecht seien. \u00bbUnd die sind in 33 Jahren nicht besser geworden.\u00ab<\/p>\n<p>Der Zustand des Hauses, der es \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht, dass der Bezirk das Vorkaufsrecht pr\u00fcft, macht aber auch Probleme. Ein potenzieller Drittk\u00e4ufer m\u00fcsste erheblich investieren, um alle Wohnungen bewohnbar zu machen. Wie die Bewohner*innen mitteilen, gibt es teilweise noch Kohle\u00f6fen und Au\u00dfentoiletten. Seit den 90er Jahren wurde im Haus nicht modernisiert. Um die notwendigen Ma\u00dfnahmen sozialvertr\u00e4glich stemmen zu k\u00f6nnen, br\u00e4uchte es F\u00f6rdergelder.<\/p>\n<p>Was sich im Laufe der Zeit auch nicht ge\u00e4ndert hat, ist der hohe Anteil an leeren Wohnungen. Mindestens ein Drittel des Wohnraumes stehe leer, sagt Florian Schmidt, Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, in einer Pressemitteilung. Zum Teil sei das schon so, seit sie im Haus wohne, berichtet Winkler-G\u00f6rbe. Wenn Mieter*innen ausz\u00f6gen, w\u00fcrden die Wohnungen einfach nicht neu vermietet.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbWenn auf dem Berliner Wohnungsmarkt 27 Mietparteien gleichzeitig eine Wohnung suchen, mag man sich gar nicht ausmalen, wie das dann endet.\u00ab<\/p>\n<p>Claudia Winkler-G\u00f6rbe<br \/>Mieterin Warschauer Str. 25<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Umstand l\u00e4sst den Bezirk \u00fcber neue M\u00f6glichkeiten nachdenken. \u00bbDie Immobilie weist durch den Leerstand das Potenzial auf, mehrere Ziele des Landes Berlin erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen\u00ab, so Baustadtrat Schmidt. Das Bezirksamt werde in den kommenden Wochen ein Konzept f\u00fcr eine soziale Bewirtschaftung der H\u00e4user entwickeln und dieses mit Kooperationspartnern und dem Senat abstimmen. \u00bbTr\u00e4ger, die Housing First oder <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1181231.ausbildung-keine-lehre-ohne-bleibe-berlin-plant-azubiwerk.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Azubi-Wohnkonzepte<\/a> im Rahmen von unbefristeten Mietvertr\u00e4gen zur orts\u00fcblichen Miete anbieten, sind aufgerufen, sich beim Bezirksamt zu melden, um m\u00f6gliche Kooperationen zu pr\u00fcfen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDie Ziele des Erhaltungsrechts k\u00f6nnen bei diesem Vorkaufsfall mit denen der sozialen Wohnraumversorgung modellhaft kombiniert werden. Ich hoffe auf eine breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr diesen innovativen und kostensparenden Ansatz\u00ab, so Florian Schmidt. Die Frist, um dieses ambitionierte Vorhaben umzusetzen, endet am 9. Juni.<\/p>\n<p>Die Bewohner*innen wollen nicht tatenlos zuschauen. Nicht nur treffen sie sich regelm\u00e4\u00dfig, um ihr weiteres Vorgehen zu besprechen, sie haben auch eine Kundgebung geplant, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Am kommenden Samstag um 13 Uhr wollen sie vor ihrem Haus demonstrieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In dem \u00bbHaus mit dem Balkon\u00ab stehen zahlreiche Wohnungen leer. Foto: Foto: Sandra Juto Im durchgentrifizierten Friedrichshain sticht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":128186,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,527,30,7134,1463],"class_list":{"0":"post-128185","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-friedrichshain-kreuzberg","11":"tag-germany","12":"tag-mieten","13":"tag-wohnen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114546117933324138","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=128185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128185\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/128186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=128185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=128185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=128185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}