{"id":1282015,"date":"2026-09-05T10:00:30","date_gmt":"2026-09-05T10:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282015\/"},"modified":"2026-09-05T10:00:30","modified_gmt":"2026-09-05T10:00:30","slug":"erni-mangold-ist-tot-ihr-granteln-mit-augenzwinkern-wird-uns-fehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282015\/","title":{"rendered":"Erni Mangold ist tot: Ihr Granteln mit Augenzwinkern wird uns fehlen"},"content":{"rendered":"<p>\nNachruf<br \/>\nTrauer um Erni Mangold\n<\/p>\n<p>Aktualisiert am 05.09.2026, 10:57 Uhr\n<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.web.de\/image\/156\/42691156,pd=1\/erni-mangold.jpg\" data-brain-zone=\".32368130.content.lead.1\" data-component-path=\"content.lead.1\" data-component-name=\"article-image\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/erni-mangold.jpg\" alt=\"Erni Mangold\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p><\/a> <\/p>\n<p>\nErni Mangold als &#8222;Maude&#8220; in den Kammerspielen der Josefstadt in Wien im Jahr 2017. Die Schauspielerin ist im Alter von 99 Jahren gestorben.<br \/>\n\u00a9\u00a0picture alliance\/GEORG HOCHMUTH\/APA\n<\/p>\n<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Schauspielerin Erni Mangold ist am 5. September im Alter von 99 Jahren verstorben. Wir blicken auf das Leben einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Frau zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die geb\u00fcrtige Nieder\u00f6sterreicherin Erni Mangold sei in der Nacht auf Samstag in einem Wiener Altersheim &#8222;eingeschlafen&#8220;, teilte Mangolds Agent Klaus Kelterborn der APA mit. Die Charakterdarstellerin wurde 99 Jahre alt.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Erni Mangold war nicht nur eine fantastische Schauspielerin, sondern auch ein ganz besonderer und einzigartiger Charakter. &#8222;A echter Typ&#8220;, w\u00fcrde man in <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".32368130.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/reise\/thema\/wien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wien<\/a> sagen. Unberechenbar war sie, vermutlich auch eine Unbequeme, deren Augenzwinkern, wenn sie wieder einmal lautstark grantelte, schon auch mal \u00fcbersehen werden konnte. Der Regisseur und Schauspieler Rainer Werner Fassbinder soll sie einmal als &#8222;der weibliche Charles Bronson&#8220; bezeichnet haben. Dabei z\u00e4hlte Fassbinder mit Sicherheit f\u00fcr sie nicht zu jenen &#8222;unprofessionellen Regisseuren&#8220;, \u00fcber die sich Erni Mangold so ma\u00dflos aufregen konnte. &#8222;Das macht mich so krank in meinem Alter, so krank, dass ich platze. Ich hab&#8216; die gleich so angepl\u00e4rrt. Das hat mir dann eh leid getan, dass ich so grauslich war&#8220;, bot sie einst in einem Interview mit dem &#8222;Kurier&#8220; launige Einblicke in ihr Verh\u00e4ltnis zu Regisseuren, die ihr nicht behagten. &#8222;Ich kann stur sein wie ein Bock, bin aber gleichzeitig gutm\u00fctig wie ein Schaf&#8220;, charakterisierte sie sich einmal selbst.<\/p>\n<p>Vom ruralen Pfl\u00e4nzlein zum Josefstadt-&#8222;Sexerl&#8220;<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Erni Mangold kam am 26. J\u00e4nner 1927 als Ernestine Goldmann im nieder\u00f6sterreichischen Gro\u00dfweikersdorf im Wirtshaus ihrer Gro\u00dfeltern zur Welt. &#8222;Meine Mutter war 22 und hatte schon sieben Abtreibungen hinter sich&#8220;, konfrontierte sie die Leser in ihren 2011 erschienenen Erinnerungen &#8222;Lassen Sie mich in Ruhe&#8220; mit harten Fakten. Abortus Nummer acht scheiterte, was der kleinen Erni das Leben schenkte. Mangold wuchs in einem K\u00fcnstlerhaushalt auf. Der geliebte Vater, Schuldirektor im Brotberuf, war Maler, die Mutter Pianistin, die jedoch f\u00fcr die Familie auf eine m\u00f6gliche Karriere verzichtete. 1938 \u00fcbersiedelte die Familie nach Wien, wo Erni zun\u00e4chst das Gymnasium besuchte, bald darauf aber, im zarten Alter von 15 Jahren, in der Theaterschule &#8222;Kraus&#8220; Schauspielunterricht nahm.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Dass sie Schauspielerin wurde, &#8222;ergab sich&#8220;, ist in ihren Erinnerungen zu lesen, die sie gemeinsam mit Autorin Doris Priesching schrieb. Das Theater selbst achtete stets darauf, &#8222;h\u00fcbsche M\u00e4derln auf der B\u00fchne zu haben&#8220;, weshalb sie in der Josefstadt rasch zum &#8222;Sexerl&#8220; wurde. Ihr erstes Engagement erhielt Mangold am Theater in der Josefstadt, auf dessen B\u00fchne sie von 1946 bis 1956 stand. Nach zahlreichen Engagements in \u00d6sterreich und Deutschland (etwa unter Gustaf Gr\u00fcndgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg), war sie 1972 am Salzburger Mozarteum t\u00e4tig, um anschlie\u00dfend in der Theaterschule Helmut Kraus sowie am Reinhardt-Seminar selbst zu unterrichten. Von 1984 bis 1995 war Mangold zudem Professorin an der Hochschule f\u00fcr Musik und darstellende Kunst in Wien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.web.de\/image\/176\/42691176,pd=1\/erni-mangold.jpg\" data-brain-zone=\".32368130.content.teaser_1.1\" data-component-path=\"content.teaser_1.1\" data-component-name=\"link.editorial\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/1788602429_717_erni-mangold.jpg\" alt=\"Erni Mangold\" width=\"1000\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\nHeinz Reincke und Erni Mangold in den 1960er Jahren.<\/p>\n<p>\u00a9\u00a0picture alliance\/United Archives\/Siegfried Pilz  <\/p>\n<p>Erni Mangolds Karriere f\u00fchrte sie bis nach Hollywood<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Parallel zu ihrer Laufbahn am Theater, in der sie in Rollen wie die &#8222;Marthe Schwerdtlein&#8220; in Goethes &#8222;Urfaust&#8220;, &#8222;Lady Macbeth&#8220; oder die &#8222;Frau Muskat&#8220; im &#8222;Liliom&#8220; brillierte, re\u00fcssierte Mangold auch in Film und Fernsehen. So spielte sie etwa in Karl Hartls &#8222;Der Engel mit der Posaune&#8220; (1948), in &#8222;Hanussen&#8220; (1955) an der Seite von O. W. Fischer, in Peter Patzaks &#8222;Kassbach&#8220; (1978) oder in Franz Antels &#8222;Der Bockerer&#8220; (1981). In \u00fcber 60 Filmen und \u00fcber 20 TV-Produktionen war sie zu sehen; und mit &#8222;Before Sunrise \u2013 Zwischenstopp in Wien&#8220; (mit Ethan Hawke und Julie Delpy) mischte sie 1995 sogar in einem Hollywoodstreifen mit. Von 1958 bis 1978 war Ernie Mangold mit dem deutschen Schauspieler Heinz Reincke verheiratet; eigene Kinder waren ihr nicht verg\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Enge Freundschaft mit Helmut Qualtinger <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Eng verbunden war sie auch mit Helmut Qualtinger. &#8222;Wir waren uns halt in vielerlei Hinsicht sehr \u00e4hnlich&#8220;, er\u00f6ffnete sie dem Verfasser dieses Nachrufs im Jahr 2016 im Rahmen eines telefonischen Interviews. Mit dem &#8222;Quasi&#8220; und ein paar anderen Unbequemen habe sie damals &#8222;eine Art Wohngemeinschaft&#8220; im &#8222;Caf\u00e9 Gutruf&#8220; im 1. Wiener Gemeindebezirk gehabt, &#8222;wo wir gemeinsam b\u00f6se, zynisch und betrunken waren&#8220;, erz\u00e4hlte sie mir. Davor und danach grantelte sie mich mehrfach an \u2013 mit der alleinigen Absicht, mich zum Lachen zu bringen. F\u00fcnf Minuten nach Ende des Gespr\u00e4chs klingelte mein Telefon. Sie habe sich bei einer Jahreszahl geirrt, was sie mit einem &#8222;Ich bin so ein irrsinniger Trottel&#8220; kommentierte. Ein Traum. Mein lautes Auflachen freute sie sehr, ich bin mir sicher. <\/p>\n<p>Prominente Mangold-Verehrer: Fischer, Karajan und Kreisky<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Ein Traum blieb die Mangold auch f\u00fcr zahlreiche M\u00e4nner, die einst bei ihr Schlange standen, darunter auch O.W. Fischer, Herbert von Karajan und Bruno Kreisky. Mangold gegen\u00fcber dem &#8222;<a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".32368130.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/wirtschaft\/thema\/orf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ORF<\/a> <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".32368130.content.textlink_3\" data-component-path=\"content.textlink_3\" href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/reise\/thema\/niederoesterreich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nieder\u00f6sterreich<\/a>&#8220; im Jahr 2016: &#8222;Der Karajan hat mir als K\u00fcnstler irrsinnig gefallen, aber als Mann hat er mir nicht zugesagt, was soll ich machen. Und Bruno Kreisky hatte schon seine Freundin. Wir haben uns sehr gemocht, ich h\u00e4tte mich aber nie mit ihm eingelassen, obwohl ich ihn sehr erotisch fand. Und O. W. Fischer war bekannt f\u00fcr solche Sachen, und ich habe diese M\u00e4nner damals ganz schrecklich gefunden. Ich fand ihn auch nicht h\u00fcbsch, er hat mich nicht interessiert.&#8220; Erstaunlich, wie gut man sie beim Lesen dieser Zeilen auch h\u00f6ren kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.web.de\/image\/166\/42691166,pd=1\/erni-mangold.jpg\" data-brain-zone=\".32368130.content.teaser_2.1\" data-component-path=\"content.teaser_2.1\" data-component-name=\"link.editorial\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/1788602430_927_erni-mangold.jpg\" alt=\"Erni Mangold\" width=\"1000\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\n Erni Mangold wurde im April 2022 mit der Platin-Romy ausgezeichnet (mit Tobias Moretti).<\/p>\n<p>\u00a9\u00a0picture alliance\/TOBIAS STEINMAURER\/APA   <\/p>\n<p>R\u00fcckzug vom Theater im Herbst 2016<\/p>\n<p data-speakable=\"\">&#8222;Ich bin immer noch geil darauf, Erfolg zu haben&#8220;, meinte sie im Herbst 2016 noch gegen\u00fcber dem &#8222;Kurier&#8220;. Und doch zog sie sich bald darauf von der B\u00fchne zur\u00fcck, weil es ihr schlichtweg zu anstrengend wurde. &#8222;Ich hab&#8216; jetzt wirklich die Nase voll&#8220; meinte sie damals. Das Einstudieren eines Werks koste schlie\u00dflich immer auch viel Energie und damit ein St\u00fcck des Lebens. &#8222;Mein Gott, so wichtig ist das Theater auch nicht.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Empfehlungen der Redaktion<\/strong><\/p>\n<p>Das Waldviertel wurde ihre Heimat<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Seit dem Jahr 1984 lebte Erni Mangold im Waldviertel, in einem idyllischen H\u00e4uschen in St. Leonhard am Hornerwald. &#8222;Ich liebe die Abgeschiedenheit, ich brauche die Entspannung und die Ruhe&#8220;, so Mangold im &#8222;ORF Nieder\u00f6sterreich&#8220;. Ab einem gewissen Alter wurde es ihr in Wien einfach zu eng, und offenkundig vermisste sie dort auch ein wenig den Tiefgang. &#8222;Ich mag viele Leute nicht, die ich in den &#8218;Seitenblicken&#8216; sehe oder bei Partys treffe, denn die Oberfl\u00e4chlichkeit ist schon sehr gro\u00df. Das Interesse auf ein Thema wirklich einzugehen, gibt es nicht. Da ist nur viel Blablabla&#8220;, er\u00f6ffnete sie dem ORF.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Wir werden Erni Mangold sehr vermissen. Ihre F\u00e4higkeiten vor der Kamera, ihre wunderbar direkte Art, ihren Grant und ganz besonders ihren sensationellen Schm\u00e4h, dem auch das hohe Alter nie etwas anhaben konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nachruf Trauer um Erni Mangold Aktualisiert am 05.09.2026, 10:57 Uhr Erni Mangold als &#8222;Maude&#8220; in den Kammerspielen der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1282016,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[155],"tags":[29,214,264474,30,264475,264476,54489,215,6296],"class_list":["post-1282015","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unterhaltung","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-erni-mangold","tag-germany","tag-helmut-kraus","tag-o-w-fischer","tag-rainer-werner-fassbinder","tag-unterhaltung","tag-wien"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117217857853478179","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282015","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1282015"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282015\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1282016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1282015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1282015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1282015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}