{"id":1282019,"date":"2026-09-05T10:02:54","date_gmt":"2026-09-05T10:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282019\/"},"modified":"2026-09-05T10:02:54","modified_gmt":"2026-09-05T10:02:54","slug":"selfie-tourismus-belastet-wofuer-menschen-im-urlaub-schlange-stehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282019\/","title":{"rendered":"Selfie-Tourismus belastet: Wof\u00fcr Menschen im Urlaub Schlange stehen"},"content":{"rendered":"<p>Selfie-Tourismus belastetWof\u00fcr Menschen im Urlaub Schlange stehen05.09.2026, 10:09 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Torsten-Landsberg-article25207746.html\" class=\"article-detail-head_author___bDMZ\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_1_1__Ei3jf\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/1788602573_531_image.webp\" alt=\"image\"\/>Von Torsten Landsberg<\/a><\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(08:26 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/imago864142665.webp\" alt=\"imago864142665\"\/>Im Sommer belagern Tausende Touristen die griechische Urlaubsinsel Mykonos. (Foto: IMAGO\/Nicolas Koutsokostas)<\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">F\u00fcr ein Foto vor bekannten Instagram-Motiven nehmen Urlauber stundenlange Wartezeiten in Kauf. Kleine Gemeinden \u00e4chzen unter dem Ansturm. Was ist daran eigentlich noch individuell?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Im aktuellen Werbespot eines Tech-Konzerns ist ein junges Paar zu sehen, das eine Urlaubsunterkunft mit Meerblick gebucht hat. Dort angekommen, ist das Meer an langen H\u00e4userzeilen vorbei bestenfalls zu erahnen. Kein Problem, denn mit der technisch optimierten Zoomfunktion der Kamera im neuesten Handy-Modell l\u00e4sst sich der kleine Strandabschnitt hundertfach n\u00e4her heranholen und der Eindruck erwecken, das Paar k\u00f6nne aus dem Fenster direkt ins Wasser springen. Vermutlich unfreiwillig bescheinigt der kurze Film, dass die Realit\u00e4t inzwischen weniger wichtig zu sein scheint als der perfekte Eindruck, der sich f\u00fcr Social Media inszenieren und die Follower vor Neid erblassen l\u00e4sst. Dient der Urlaubsschnappschuss eigentlich noch der pers\u00f6nlichen Erinnerung oder ist er blo\u00df eine Referenz f\u00fcr die Insta-Bubble?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Wenn ich mich selber inszeniere, gibt mir das eine Bedeutung, denn ich habe irgendwo da drau\u00dfen ein Publikum&#8220;, sagt Kerstin Heuwinkel, Tourismussoziologin an der HTW Saar, ntv.de. Durch die sozialen Netzwerke sei ein Wettbewerb entstanden, die tollen Erlebnisse der anderen zu \u00fcbertreffen, mindestens aber mitzuhalten. &#8222;Es gibt ja kaum noch einen Ort oder eine Reiseform, bei der jemand sagt: &#8218;Das haben wir noch nicht gemacht.'&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Durch die massenhafte Reproduktion der Motive und manche Influencer haben sich traumhafte Naturkulissen oder Altst\u00e4dte in den vergangenen Jahren zu besonders beliebten Spots entwickelt: die Bucht Cala des Moro auf Mallorca, der Wasserfall Ponta do Sol auf Madeira, das S\u00fcdtiroler Bergdorf St. Magdalena. H\u00e4ufig liegen die Schaupl\u00e4tze in kleinen Orten, die dem Ansturm nicht gewachsen sind. In der Gemeinde Hallstatt im \u00f6sterreichischen Salzkammergut leben gut 700 Menschen, rund eine Million Touristen kommen jedes Jahr, um die malerische Postkartenansicht mit Seepanorama einzufangen. 2023 stellte die Gemeinde einen Holzzaun auf, der die Sicht versperrte. Nach wenigen Tagen wich der Zaun dem lauten Protest der Urlaubsg\u00e4ste.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Diese gro\u00dfen Mengen von Reisenden sind lange Zeit an Orte gefahren, die auf diesen Umfang vorbereitet waren&#8220;, sagt Heuwinkel. Pauschalreisen, Charterfl\u00fcge, vom Flughafen per Hotel-Shuttle ins Ferienresort &#8211; und wieder zur\u00fcck. &#8222;Der Schweizer Tourismusforscher Jost Krippendorf hat gesagt, Resorts seien prinzipiell eine gute Idee, weil die Menschen dort bleiben und das Umfeld gesch\u00fctzt ist.&#8220; Das Aufkommen von Billigfliegern und Online-Buchungen vor rund 20 Jahren hat es erm\u00f6glicht, sich alle W\u00fcnsche selbst zusammenzustellen. Der vom Reiseb\u00fcro angebotene Massentourismus galt vielen bald als langweilig, bieder, nicht authentisch genug. Statt Urlaub von der Stange sollte es individueller sein &#8211; eben genau nicht das, was alle machen. Bis es alle genauso machten. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Individuell funktioniert nur, solange es wirklich um geringe Zahlen geht&#8220;, sagt Kerstin Heuwinkel. &#8222;Wenn aber ganz viele Individuen gleichzeitig meinen, eine Wanderung \u00fcber anspruchsvolle Routen machen zu k\u00f6nnen, obwohl sie noch nie gewandert sind, keine Verpflegung einpacken, und es auf dem Berg keine Toiletten gibt, wird das zum Problem.&#8220; Sie kenne Social-Media-Clips von Influencerinnen, die in Flipflops einen Berg hochlaufen. &#8222;Da entstehen v\u00f6llig falsche Vorstellungen, die zu Konflikten mit Einheimischen und der Natur f\u00fchren.&#8220; Im schlimmsten Fall k\u00f6nnten sich Menschen in ihrer Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung in Gefahr bringen und die \u00f6rtliche Bergrettung zu \u00fcberlasten. <\/p>\n<p>Lange galt: Im Urlaub ist alles erlaubt <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau erkannte mit Blick auf das Zusammenspiel von Reise und Gastfreundschaft schon im 18. Jahrhundert: &#8222;\u00dcberall, wo Fremde selten sind, werden sie gut aufgenommen.&#8220; Selten sind Touristen heute kaum noch, nahezu jeder Winkel der Welt wird erschlossen und dokumentiert. Und wer f\u00fcr sein Geld etwas geboten bekommen will, verwechselt den romantischen Selfie-Spot mitunter mit einem Vergn\u00fcgungspark mit All-Inclusive-Anspruch: Einheimische klagen \u00fcber r\u00fccksichtsloses Verhalten der G\u00e4ste, die M\u00fcll und F\u00e4kalien hinterlassen. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Wir wurden lange mit der Aussage sozialisiert: &#8218;Im Urlaub darfst du alles, da gibt es keine Regeln'&#8220;, sagt die Soziologin. In den gro\u00dfen Hotelanlagen sei das weitgehend problemlos gewesen. &#8222;Wenn Leute Party gemacht haben am Pool, dann wurde der Pool danach eben gereinigt. Je mehr sich das aber an den See oder ins Naturschutzgebiet verlagert, desto dringender brauchen wir Regeln.&#8220; <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Einige Gemeinden haben Ma\u00dfnahmen ergriffen. Im ligurischen K\u00fcstendorf Portofino d\u00fcrfen Urlaubende tags\u00fcber nicht f\u00fcr Fotos stehen bleiben, es droht ein Bu\u00dfgeld von 275 Euro. Der Nationalpark Berchtesgaden hat den Zugang zum K\u00f6nigsbach-Wasserfall strengstens untersagt, um die nach einem Social-Media-Hype zertrampelten Moosfl\u00e4chen zu sch\u00fctzen. Viele Gemeinden schrecken vor Strafen zur\u00fcck, weil sie wirtschaftlich vom Tourismus abh\u00e4ngen und die zahlenden G\u00e4ste nicht verprellen wollen. <\/p>\n<p>Urlaub ist &#8222;kein Freifahrtschein&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Manchen Menschen helfen Verbote tats\u00e4chlich, die sagen: &#8218;Okay, wenn ich das nicht darf, dann mache ich es nicht.'&#8220; In manchen F\u00e4llen sei es allerdings verwunderlich, dass Hinweise \u00fcberhaupt notwendig seien. So gebe es unz\u00e4hlige Bilder von Leuten, die halbnackt Tempelanlagen besteigen. Unter respektlosem Verhalten litten aber nicht nur Natur und Sehensw\u00fcrdigkeiten. &#8222;Menschen, die im Tourismus arbeiten, werden teilweise behandelt, als seien sie im Preis inbegriffen. Wir m\u00fcssen deutlich machen: Ja, Urlaub ist eine sch\u00f6ne Zeit, aber kein Freifahrtschein.&#8220; <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Was bleibt bei minuti\u00f6ser Planung eigentlich von der Idee, auf Reisen neues zu entdecken, sich \u00fcberraschen zu lassen, eigene und einzigartige Erfahrungen zu machen? &#8222;Dieser Entdeckergeist ist eine romantische Vorstellung&#8220;, sagt Kerstin Heuwinkel. Nicht nur beim Reisen gebe es die Tendenz, dass wir uns angleichen. Von der Kleidung bis zu Frisuren &#8211; was abweicht, werde schnell angreifbar. &#8222;Deshalb sagen gerade J\u00fcngere: &#8218;Ich bin individuell, aber mache doch das, was alle anderen auch machen.'&#8220; Das m\u00fcsse nicht im Widerspruch zum eigenen Erleben stehen. &#8222;Selbst wenn ich wei\u00df, dass Millionen andere schon an dieser Stelle ihr Foto gemacht haben &#8211; heute stehe ich hier, ich h\u00f6re die Stimmen, ich sp\u00fcre, wie warm oder kalt es ist, das ist meine Erinnerung, die kann mir niemand nehmen.&#8220; <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Daf\u00fcr akzeptieren Menschen an den Hotspots auch stundenlange Wartezeiten. &#8222;Schlange stehen ist ein Element des Tourismus, das offenbar viele \u00fcberhaupt nicht schlimm finden&#8220;, sagt Kerstin Heuwinkel. Das k\u00f6nne nach der Reise eine ebenso gute Anekdote liefern wie die mal wieder versp\u00e4tete Zugfahrt. Das Anstehen wird Teil der detaillierten Vorplanung, in der nur wenig dem Zufall \u00fcberlassen bleibt. &#8222;Wir leben in einer Welt, die immer unkontrollierbarer wird, da vermittelt die Urlaubsvorbereitung das gute Gef\u00fchl, etwas selbst im Griff zu haben.&#8220; <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Entt\u00e4uschung sei jedoch h\u00e4ufig bei jenen am gr\u00f6\u00dften, die sich am penibelsten vorbereitet h\u00e4tten. &#8222;Sie haben sehr konkrete Vorstellungen und Erwartungen, was den Druck erh\u00f6ht, dass der Urlaub wirklich perfekt wird.&#8220; Zu diesem Stress zeichne sich immer deutlicher eine Gegenbewegung ab, die sich Ruhe g\u00f6nne und dem Wettbewerb um den sch\u00f6nsten Urlaubspost auf Instagram verweigere. &#8222;Die Menschen merken, wie anstrengend es ist, sich st\u00e4ndig zu inszenieren und die Vorstellungen anderer erf\u00fcllen zu m\u00fcssen &#8211; und lassen es einfach sein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Selfie-Tourismus belastetWof\u00fcr Menschen im Urlaub Schlange stehen05.09.2026, 10:09 Uhr Von Torsten Landsberg Artikel anh\u00f6ren(08:26 min) Im Sommer belagern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1282020,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,30,984,171,174,20871,63108,154,1163,173,172,631],"class_list":["post-1282019","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-deutschland","tag-germany","tag-international","tag-markets","tag-maerkte","tag-reiseziele","tag-selfie","tag-social-media","tag-tourismus","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte","tag-urlaub"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117217869078419089","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1282019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282019\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1282020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1282019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1282019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1282019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}