{"id":128218,"date":"2025-05-21T13:59:09","date_gmt":"2025-05-21T13:59:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/128218\/"},"modified":"2025-05-21T13:59:09","modified_gmt":"2025-05-21T13:59:09","slug":"kriminelle-gruppen-rekrutieren-gezielt-minderjaehrige-fuer-straftaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/128218\/","title":{"rendered":"Kriminelle Gruppen rekrutieren gezielt Minderj\u00e4hrige f\u00fcr Straftaten"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 21.05.2025 13:48 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Sie sind noch Teenager &#8211; und \u00fcbernehmen Auftragsverbrechen f\u00fcr kriminelle Gruppen. In Europa werden offenbar immer mehr Jugendliche gezielt f\u00fcr schwere Straftaten rekrutiert. Eine Recherche von STRG_F zeigt: auch in Deutschland.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Jan Jacke und Mirco Seekamp, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs ist ein Sonntagabend im Januar 2025 in Hamburg. In einem gut besuchten Caf\u00e9 sitzt Rizvan A., 49 Jahre alt, mit seiner Familie und isst Erdbeerkuchen. Kurze Zeit sp\u00e4ter wird auf ihn geschossen &#8211; von einem Jugendlichen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer T\u00e4ter hei\u00dft Mike F., 15 Jahre alt, ist offenbar aus den Niederlanden daf\u00fcr angereist. Er verletzt Rizvan A.und versucht in ein nahe gelegenes Restaurant zu fliehen, wird dann allerdings selbst zum Gejagten: Der Angeschossene und einige Begleiter verfolgen ihn. Im Restaurant wird er gewaltsam zu Boden gebracht, geschlagen, getreten &#8211; und sp\u00e4ter mit zwei Schusswunden in ein Krankenhaus eingeliefert. Bei der Tat wird \u00fcber den Bezug zum kriminellen Milieu spekuliert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAdnan Aykac, der Anwalt eines Mitangeklagten, dem vorgeworfen wird, an der Verfolgungsjagd auf den 15-J\u00e4hrigen beteiligt gewesen zu sein, sagt: &#8222;Ich glaube, man wollte verschleiern, woher der Angriff kommt &#8211; und deswegen einen au\u00dfenstehenden Dritten anheuern.&#8220; Der Anwalt des 15-j\u00e4hrigen Mike F. antwortet nicht auf die Fragen von STRG_F.<\/p>\n<p>    Killerjobs auf Social Media<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Beauftragung und Instruktion Minderj\u00e4hriger f\u00fcr Straftaten erfolgt oft \u00fcber soziale Netzwerke. Das zeigt auch ein Fall aus Schweden aus dem Jahr 2024: Ein 15-j\u00e4hriger Schwede reist nach D\u00e4nemark mit dem Auftrag, ein Mitglied einer Rockergruppe zu erschie\u00dfen. Rekrutiert wurde er offenbar per Jobausschreibung auf einer Social Media Plattform. Es folgten Anweisungen der kriminellen Auftraggeber wie: &#8222;Zwei Sch\u00fcsse in den Kopf &#8211; dann ist er tot. 200 %.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKurz vor der Tat wird der 15-J\u00e4hrige von der Polizei gestoppt. Aktuell sitzt er im Gef\u00e4ngnis, soll laut Urteil erst 2030 wieder freikommen. STRG_F trifft seine Mutter f\u00fcr ein Interview. Sie erz\u00e4hlt, dass ihr Sohn sich zuletzt von ihr distanziert habe: &#8222;Viele Kriminelle nehmen sich gezielt Jugendliche, die sowieso schon Probleme haben, denen es sowieso schon schwer f\u00e4llt im Leben und heben sie hoch in den Himmel.&#8220;<\/p>\n<p>    Warum gerade Minderj\u00e4hrige?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nJugendliche erhalten geringere Strafen als Erwachsene. Denn sie werden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Sie gelten zudem als leichter beeinflussbar, schildert etwa der schwedische Kriminalreporter Diamant Salihu im Interview. Die Kriminellen zielten besonders auf Kinder und Jugendliche, die in irgendeiner Form verletzlich seien: &#8222;Manche haben Probleme in ihren Familien, manche haben Schulden.&#8220; Das Ph\u00e4nomen lie\u00dfe sich beschreiben als &#8222;Crime-as-a-Service&#8220;-Kriminalit\u00e4t auf Bestellung, Kriminalit\u00e4t als Dienstleistung. &#8222;Anstatt jemanden zu bestellen, der dir dein Essen ausliefert, kann man jemanden bestellen, der deinen Feind ermordet&#8220;, erkl\u00e4rt Salihu weiter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMike F., der 15-j\u00e4hrige Niederl\u00e4nder, der in Hamburg schoss, hatte wohl famili\u00e4re Probleme, wohnte in einer Jugendhilfeeinrichtung und war bereits polizeibekannt. Wenige Tage vor der Tat in Hamburg sei er verschwunden. Auf seinem TikTok-Profil postet er zuletzt ein Video von sich. Dazu einen Song mit den Lyrics: &#8222;Ich hatte Tr\u00e4ume als kleiner Junge. Eines Tages werde ich Million\u00e4r.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWenig sp\u00e4ter sitzt Mike in U-Haft und wartet auf seine Gerichtsverhandlung im Juli 2025. Die Hamburger Staatsanwaltschaft teilt auf Anfrage mit, es gebe &#8222;keine konkreten Hinweise f\u00fcr eine Rekrutierung&#8220;, aber &#8222;Begleitumst\u00e4nde, die f\u00fcr eine Beauftragung sprechen k\u00f6nnten&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Freund von Mike, der mit 15 Jahren eine elektronische Fu\u00dffessel tr\u00e4gt, erz\u00e4hlt STRG_F, wie eine Rekrutierung ablaufen k\u00f6nnte: &#8222;Es ist der Boss, der den Job erledigt haben will &#8211; und es gibt Leute, die sich nur um die Rekrutierung k\u00fcmmern.&#8220; Er selbst behauptet, ein Angebot \u00fcber 5.000 Euro erhalten zu haben, um einen Juwelier zu \u00fcberfallen. Das er habe abgelehnt, aus Angst, erneut in Haft zu kommen.<\/p>\n<p>    Ermittler sehen Muster &#8211; aber kaum Beweise<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKriminologen und Ermittler schlagen diesbez\u00fcglich Alarm. Dirk Peglow vom Bund Deutscher Kriminalbeamter schreibt auf Anfrage von STRG_F:\u00a0 &#8222;Die Tat in Hamburg ist ein mahnendes Beispiel daf\u00fcr, wie wichtig es, die Strukturen der organisierten Kriminalit\u00e4t fr\u00fchzeitig zu erkennen, zu zerschlagen und die Gesellschaft f\u00fcr diese Gefahren zu sensibilisieren&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Deutschland gibt es weitere F\u00e4lle, die darauf hindeuten k\u00f6nnten, dass Minderj\u00e4hrige l\u00e4nder\u00fcbergreifend f\u00fcr Straftaten rekrutiert werden:\u00a0Etwa 2023 nimmt die Polizei unter anderem niederl\u00e4ndische Heranwachsende im Hamburger Hafen fest, darunter einen 16-J\u00e4hrigen. Sie sollen versucht haben, bei einem Einbruch Kokain aus Containern zu bergen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2024 z\u00fcndet ein 15-j\u00e4hriger Tatverd\u00e4chtiger aus den Niederlanden einen Sprengsatz in K\u00f6ln. Er flieht zun\u00e4chst, doch stellt sich ein halbes Jahr sp\u00e4ter der Polizei. Zwei Tage danach passiert wieder eine Explosion in K\u00f6ln. Auch hier tatverd\u00e4chtig: ein Teenager aus den Niederlanden. Laut Medienberichten sei er online gegen Geld rekrutiert\u00a0worden.<\/p>\n<p>    Europol gr\u00fcndet Taskforce<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEuropas gr\u00f6\u00dfte Polizeibeh\u00f6rde, Europol, hat eine Taskforce gegr\u00fcndet, an der sich Ermittlungsbeh\u00f6rden aus acht L\u00e4ndern beteiligen, um gemeinsam gegen die Rekrutierung Minderj\u00e4hriger vorzugehen. Andy Kragg, Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalit\u00e4t bei Europol, h\u00e4lt das Problem f\u00fcr dringlich: &#8222;Wir sind gerade noch am Anfang dieses Ph\u00e4nomens. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt f\u00fcr die Taskforce, um dieses Lauffeuer im Keim zu ersticken, bevor es sich in Europa breit macht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nH\u00e4rtere Gef\u00e4ngnisstrafen allein h\u00e4lt er nicht f\u00fcr zielf\u00fchrend. Europol will unter anderem mit den Online-Plattformen kooperieren, damit Angebote f\u00fcr Mordauftr\u00e4ge sofort gel\u00f6scht werden. Und sie wollen die Rekrutierer \u00fcber die Plattformen aufsp\u00fcren. Die Kriminellen w\u00fcrden Jugendlichen das Gef\u00fchl geben, mitzumachen sei eine coole Sache, doch sie seien nicht die Freunde der Jugendlichen, sagt Kragg: &#8222;Die sind weit davon entfernt. Sie sehen dich nur als eine Waffe, die man abfeuern und dann vergessen kann.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie verschiedenen Plattformen reagieren unterschiedlich auf die Frage, warum Jugendliche auf ihren Plattformen f\u00fcr Straftaten rekrutiert werden. Der Messenger Dienst Signal antwortet nicht auf die Anfrage von STRG_F. Snapchat, Telegram, Meta und TikTok betonen, wie ernst sie das Problem nehmen. Strafbare Inhalte seien schon heute in ihren Richtlinien verboten und w\u00fcrden millionenfach entfernt. Darunter auch Rekrutierungsversuche. Zudem w\u00fcrden sie mit Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zusammenarbeiten. Warum Rekrutierungsversuche dennoch auf allen genannten Kan\u00e4len zu finden sind &#8211; das lassen sie offen.<\/p>\n<p>    Zahlen f\u00fcr Deutschland fehlen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZahlen f\u00fcr Deutschland zur Rekrutierung von Jugendlichen f\u00fcr kriminelle Organisationen fehlen, weil es bislang keine systematische Erfassung gibt. Die Kriminalstatistik 2024 zeigt, dass mehr Gewalttaten bei Jugendlichen registriert wurden. Doch die Hintergr\u00fcnde bleiben meist ungekl\u00e4rt, weil oft die Beweise fehlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Koalitionsvertrag der Bundesregierung findet sich im Abschnitt Jugendstrafrecht die Ank\u00fcndigung einer Studie. Sie soll herausarbeiten, warum die Kinder- und Jugendkriminalit\u00e4t angestiegen ist, und gesetzgeberische Handlungsoptionen aufzeigen. Auf die im Koalitionsvertrag erw\u00e4hnte Studie verweist auf Anfrage auch das Justizministerium. Das Bundesinnenministerium verweist wiederum aufs Bundeskriminalamt, welches STRG_F erkl\u00e4rt, man wolle sich an der Taskforce von Europol beteiligen, um einem aufsteigenden Trend von &#8222;Violence-as-a-service&#8220; entgegenzuwirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 21.05.2025 13:48 Uhr Sie sind noch Teenager &#8211; und \u00fcbernehmen Auftragsverbrechen f\u00fcr kriminelle Gruppen. 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