{"id":1282432,"date":"2026-09-05T14:41:17","date_gmt":"2026-09-05T14:41:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282432\/"},"modified":"2026-09-05T14:41:17","modified_gmt":"2026-09-05T14:41:17","slug":"sensible-berliner-daten-im-netz-welche-gefahren-drohen-nun-nachrichten-aktuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282432\/","title":{"rendered":"Sensible Berliner Daten im Netz: Welche Gefahren drohen nun? | Nachrichten Aktuell"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Die Erpresser haben ihre Drohung wahrgemacht: Drei Wochen nach dem gravierenden Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung haben die Hacker gro\u00dfe Datenmengen ver\u00f6ffentlicht. Die gro\u00dfe Sorge ist, dass die sensiblen Informationen nun etwa von Kriminellen ausgenutzt werden k\u00f6nnten. Was bekannt ist und welche Risiken es gibt.<\/p>\n<p>Was ist passiert?<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">Vom 7. bis zum 12. August verschafften sich Hacker unbemerkt Zugriff auf Teile des Berliner Landesnetzes und sch\u00f6pften gro\u00dfe Datenmengen ab. Betroffen waren die Senatsverwaltungen f\u00fcr Bauen und f\u00fcr Verkehr. Die Verwaltung bemerkte den Angriff erst am 14. August &#8211; und machte ihn drei Tage sp\u00e4ter \u00f6ffentlich. Erst nach und nach kam aber heraus, welchen Datenschatz die Kriminellen erbeutet hatten: 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte. Ein Terabyte entspricht rund 1.000 Gigabyte.<\/p>\n<p id=\"absatz4\" class=\"em_text\">Die Hackergruppe Rhyside forderte ein L\u00f6segeld von 30 Bitcoin &#8211; umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Dem gab der Senat nicht nach. Nach Ablauf ihres Ultimatums ver\u00f6ffentlichten die Hacker am Freitag dann die Daten im Darknet. Damit ist ein Teil des Internets gemeint, der nicht auf herk\u00f6mmliche Weise &#8211; etwa durch die \u00fcblichen Suchmaschinen &#8211; auffindbar ist. Nach Angaben des Bundesamts f\u00fcr die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wird die Kommunikation dort verschl\u00fcsselt, die Urheber von Inhalten sowie diejenigen, die darauf zugreifen, wollen m\u00f6glichst anonym bleiben.<\/p>\n<p>Um was f\u00fcr Daten handelt es sich?<\/p>\n<p id=\"absatz5\" class=\"em_text\">Ein umfassender \u00dcberblick ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch schwierig &#8211; es ist nicht einfach, die riesigen Datenmengen zu durchforsten. Nach Informationen des Chaos Computer Clubs befinden sich darunter etwa personenbezogene Daten von Verwaltungsmitarbeitern &#8211; Personalangelegenheiten, Arbeitszeugnisse, Notfallpl\u00e4ne.<\/p>\n<p id=\"absatz6\" class=\"em_text\">Der \u201eTagesspiegel\u201d berichtet, dass die Hacker auch Inhalte ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tten, die f\u00fcr die Sicherheit der Bundesrepublik und der Hauptstadt relevant seien. Den Angaben nach geht es etwa um Daten besonders sch\u00fctzenswerter Einrichtungen wie Heizkraftwerke, Tanklager, Notstromanlagen und Umspannwerke. Auch geheime Daten \u00fcber Gef\u00e4ngnisse, Wasserwerke und R\u00fcstungsunternehmen, der Bundeswehr und der Berliner Innenverwaltung, die die Verteidigung betreffen, sollen die Hacker geleakt haben.<\/p>\n<p id=\"absatz7\" class=\"em_text\">Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs, hat sich nach eigenen Angaben einige Unterlagen angeschaut und sensible Informationen \u00fcber den Zustand der Wasserversorgung in Berlin gefunden. Der IT-Experte Manuel Atug will die Unterlagen im Darknet aus ethischen Gr\u00fcnden nicht selbst einsehen. Aus seri\u00f6sen Quellen habe er jedoch erfahren, dass die Angaben der Zeitung zumindest im Falle der Informationen \u00fcber den Zivilschutz und die R\u00fcstungsunternehmen zutr\u00e4fen. Er ist Gr\u00fcnder und Sprecher der AG Kritis, einer unabh\u00e4ngigen Arbeitsgruppe, die sich mit kritischen Infrastrukturen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Wie reagieren jetzt die Beh\u00f6rden?<\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Sie versuchen, sich einen \u00dcberblick \u00fcber die ver\u00f6ffentlichten Daten zu verschaffen. \u201eDerzeit f\u00fchren die Sicherheitsbeh\u00f6rden eine intensive Datenpr\u00fcfung durch\u201d, teilte der Berliner Senat am Freitagabend mit. \u201eAuch IT-Forensiker im Auftrag des Landes Berlin untersuchen die ver\u00f6ffentlichten Daten mit Hochdruck.\u201d Daraus w\u00fcrden \u201edie entsprechenden Ma\u00dfnahmen abgeleitet\u201d &#8211; was das konkret hei\u00dft, blieb offen. Das Land k\u00fcndigte aber an: Wenn einzelne Betroffene identifiziert werden, w\u00fcrden diese \u201erisikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben\u201d informiert.<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">Das Bundesinnenministerium teilte auf Anfrage mit, dass auch Bundesbeh\u00f6rden das Land Berlin bei der Auswertung unterst\u00fctzen &#8211; namentlich das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik, das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz. Ein Sprecher der Bundesregierung erkl\u00e4rte, Datensysteme des Bundes seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen.<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Eine Sprecherin des operativen F\u00fchrungskommandos der Bundeswehr verwies auf die laufende Auswertung durch die zust\u00e4ndigen Sicherheitsbeh\u00f6rden und k\u00fcndigte an, nach Analyse potenzieller Sicherheitsrisiken w\u00fcrden entsprechende Ma\u00dfnahmen zur Wahrung der milit\u00e4rischen Sicherheit eingeleitet. \u201eZwischen den beteiligten Beh\u00f6rden erfolgt ein kontinuierlicher Informationsabgleich, auch \u00fcber das Nationale Cyberabwehrzentrum.\u201d<\/p>\n<p>Welche Gefahren birgt die Ver\u00f6ffentlichung?<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">Sollte sich best\u00e4tigen, dass unter den Daten sicherheitsrelevante Informationen sind, k\u00f6nnten diese theoretisch von fremden M\u00e4chten oder Terroristen f\u00fcr ihre Zwecke ausgenutzt werden. Informationen zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen k\u00f6nnten je nach Sensibilit\u00e4t der Daten eine Erh\u00f6hung der Bedrohungslage bewirken, warnt das BSI.<\/p>\n<p id=\"absatz12\" class=\"em_text\">Mit Blick auf personenbezogene Daten weist Jochim Selzer vom Chaos Computer Club auf die Gefahr von Identit\u00e4tsdiebstahl hin. \u201eJe mehr ich \u00fcber eine Person wei\u00df, desto genauer kann ich mich als diese Person ausgeben, desto genauer kann ich auch einsch\u00e4tzen, was ich von dieser Person wissen muss, zum Beispiel, um in ihrem Auftrag etwas bestellen zu k\u00f6nnen.\u201d<\/p>\n<p id=\"absatz13\" class=\"em_text\">Das BSI weist zudem auf eine erh\u00f6hte Bedrohung durch gezielte Phishing-Angriffe nach dem Datenabfluss hin. Insbesondere Menschen, die in Kontakt mit betroffenen Personen oder Institutionen standen, sollten deshalb besonders aufmerksam sein.<\/p>\n<p>Warum gibt es Kritik?<\/p>\n<p id=\"absatz14\" class=\"em_text\">Der IT-Experte Atug wirft dem Land Berlin vor, \u201egrob fahrl\u00e4ssig\u201d gehandelt und Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten zu haben. F\u00fcr die Speicherung und Verarbeitung geheimer Verschlusssache-Unterlagen gebe es sehr strenge und genaue Vorschriften sowie mehrere Sicherheitsstufen. Offenbar seien diese nicht ausreichend angewandt worden.<\/p>\n<p id=\"absatz15\" class=\"em_text\">Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin zeigte sich mit Blick auf die Vorg\u00e4nge konsterniert. \u201eEr hat Berlins Politik einmal mehr deutlich vor Augen gef\u00fchrt, dass hier \u00fcber Jahre gepennt wurde\u201d, sagte GdP-Landesvize Thorsten Schleheider. \u201eEs kann nicht sein, dass hier tagelang hochsensible Daten geraubt wurden und die einzige Reaktion scheinbar darin besteht, die Besch\u00e4ftigten anzuweisen, ihre Passw\u00f6rter zu \u00e4ndern.\u201d Das zeuge schon von einer gewissen Hilflosigkeit.<\/p>\n<p>Kann der Vorfall Auswirkungen auf die Berlin-Wahl haben?<\/p>\n<p id=\"absatz16\" class=\"em_text\">Am 20. September wird das Berliner Abgeordnetenhaus neu gew\u00e4hlt. Landeswahlleiter Stephan Br\u00f6chler sagte der \u201eBild\u201d: \u201eNach derzeitigem Stand ist die Wahlumgebung weiterhin nicht betroffen. Also weder die Vorbereitung, noch der eigentliche Wahltag, noch der Ablauf bis zur Ver\u00f6ffentlichung des vorl\u00e4ufigen Ergebnisses.\u201d<\/p>\n<p id=\"absatz17\" class=\"em_text\">Das BSI warnte grunds\u00e4tzlich, f\u00fcr den politischen Raum bestehe insbesondere vor Wahlen die Gefahr sogenannter Hack &amp; Leak Operationen. Dabei werden gestohlene Dokumente, E-Mails oder \u00c4hnliches zu einem f\u00fcr den Angreifer g\u00fcnstigen Zeitpunkt ver\u00f6ffentlicht und dabei wom\u00f6glich in einen falschen Zusammenhang ger\u00fcckt. Dass die kriminellen Hacker im konkreten Fall eine politische Absicht verfolgen, wird laut BSI jedoch nicht vermutet. Man gehe davon aus, dass die Tat \u201eausschlie\u00dflich finanziell motiviert\u201d gewesen sei. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Erpresser haben ihre Drohung wahrgemacht: Drei Wochen nach dem gravierenden Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung haben die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1282433,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,790,50252,685,157020,5308,29,53969,30,3558,101813,264525,121072,1940,1938,8635],"class_list":["post-1282432","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","tag-aktuelle-news-aus-berlin","tag-berlin","tag-berlin-news","tag-bitcoin","tag-bsi","tag-bundeswehr","tag-ccc","tag-computer","tag-deutschland","tag-erpresser","tag-germany","tag-hackerangriff","tag-hackergruppe","tag-jochim-selzer","tag-manuel-atug","tag-nachrichten-aus-berlin","tag-news-aus-berlin","tag-tagesspiegel"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1282432"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282432\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1282433"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1282432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1282432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1282432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}