{"id":1282452,"date":"2026-09-05T14:53:25","date_gmt":"2026-09-05T14:53:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282452\/"},"modified":"2026-09-05T14:53:25","modified_gmt":"2026-09-05T14:53:25","slug":"lange-ausatmung-veraendert-entscheidungen-menschen-werden-mutiger-und-gewinne-zaehlen-staerker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282452\/","title":{"rendered":"Lange Ausatmung ver\u00e4ndert Entscheidungen \u2013 Menschen werden mutiger und Gewinne z\u00e4hlen st\u00e4rker"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">Ob Geldanlage, Jobwechsel oder eine Entscheidung unter Zeitdruck: Unser Urteil h\u00e4ngt offenbar st\u00e4rker vom K\u00f6rper ab, als wir denken. Schon eine lange Ausatmung kann Entscheidungen verschieben, weil sie die Herzaktivit\u00e4t ver\u00e4ndert und das <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/vagusnerv-koennte-lernen-verbessern-forscher-entdecken-ueberraschenden-effekt-im-gehirn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Gehirn<\/a> st\u00e4rker auf m\u00f6gliche Belohnungen reagieren l\u00e4sst. Im Experiment griffen Teilnehmer dadurch h\u00e4ufiger zu riskanteren Optionen \u2013 nicht, weil Verluste unwichtiger wurden, sondern weil m\u00f6gliche Gewinne st\u00e4rker z\u00e4hlten.<\/p>\n<p class=\"\">Untersucht hat diesen Zusammenhang ein Team des Deutschen Instituts f\u00fcr Ern\u00e4hrungsforschung Potsdam-Rehbr\u00fccke und der Charit\u00e9 \u2013 Universit\u00e4tsmedizin Berlin, wie das Deutsche Zentrum f\u00fcr Diabetesforschung (<a href=\"https:\/\/www.dzd-ev.de\/artikel\/langsames-atmen-kann-die-gehirnaktivitaet-und-das-entscheidungsverhalten-beeinflussen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">DZD<\/a>) berichtet. Die <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/neuron\/fulltext\/S0896-6273(26)00339-9?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS0896627326003399%3Fshowall%3Dtrue\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Ergebnisse<\/a> erschienen im Fachjournal Neuron. \u201eUnsere Entscheidungen werden selten nur durch \u00e4u\u00dfere Informationen bestimmt\u201c, erkl\u00e4rt Studienleiterin <a href=\"https:\/\/mentalhealth.charite.de\/metas\/person\/person\/address_detail\/prof_dr_soyoung_q_park\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Soyoung Q Park<\/a> vom DIfE. Auch der momentane k\u00f6rperliche Zustand flie\u00dfe in unser Urteilsverm\u00f6gen ein \u2013 und lasse sich offenbar schon \u00fcber die Atmung gezielt beeinflussen.<\/p>\n<p>Wie eine lange Ausatmung Entscheidungen ver\u00e4ndert<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr das Experiment untersuchte das Team 41 gesunde Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von knapp 25 Jahren. Die Teilnehmer absolvierten zwei verschiedene Atembedingungen. Einmal atmeten sie in ihrem pers\u00f6nlichen normalen Rhythmus. In der zweiten Bedingung folgten sie einem festen Muster: zwei Sekunden einatmen und acht Sekunden ausatmen. Ein Balken auf einem Bildschirm gab dabei den Rhythmus vor.<\/p>\n<p class=\"\">W\u00e4hrenddessen mussten die Teilnehmer Geldwetten beurteilen. Bei jeder Entscheidung bestand eine Chance von 50 Prozent auf Gewinn oder Verlust. M\u00f6gliche Gewinne lagen zwischen 10 und 30 Euro, m\u00f6gliche Verluste zwischen 5 und 15 Euro. Je Atembedingung traf jede Person 120 solcher Entscheidungen. Gleichzeitig zeichneten die Forscher unter anderem Herzaktivit\u00e4t, Atmung, Pupillenreaktionen und Hautleitf\u00e4higkeit auf. Mit funktioneller Magnetresonanztomographie beobachteten sie zudem die Aktivit\u00e4t im Gehirn.<\/p>\n<p>L\u00e4ngeres Ausatmen st\u00e4rkt die Herzregulation<\/p>\n<p class=\"\">Die ver\u00e4nderte Atmung hinterlie\u00df deutliche k\u00f6rperliche Spuren. Bei der l\u00e4ngeren Ausatmung stieg die parasympathische Herzaktivit\u00e4t. Dazu erfasste das Team unter anderem Ver\u00e4nderungen der Herzfrequenzvariabilit\u00e4t. Dieser Wert beschreibt, wie stark die Zeitabst\u00e4nde zwischen einzelnen Herzschl\u00e4gen schwanken. Eine h\u00f6here Variabilit\u00e4t kann auf eine st\u00e4rkere Beteiligung des Parasympathikus hinweisen.<\/p>\n<p class=\"\">Andere Messwerte ver\u00e4nderten sich dagegen nicht entsprechend. Weder bei der Hautleitf\u00e4higkeit noch bei der Pupillengr\u00f6\u00dfe fanden die Forscher einen signifikanten Unterschied zwischen den Atembedingungen. Die Atem\u00fcbung versetzte den K\u00f6rper demnach nicht einfach insgesamt in einen weniger erregten Zustand. \u201eDas Zusammenspiel von Atmung und Herzdynamik macht das Gehirn auch empf\u00e4nglicher f\u00fcr Belohnungen\u201c, sagt Erstautor <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=UldfTmEAAAAJ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Wenhao Huang<\/a>.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Gewinne wirken pl\u00f6tzlich st\u00e4rker<\/p>\n<p class=\"\">Besonders deutlich wurde der Unterschied bei den Entscheidungen selbst. Unter der verl\u00e4ngerten Ausatmung nahmen die Teilnehmer riskante Wetten h\u00e4ufiger an. Statistisch hing dieser Effekt vor allem mit den m\u00f6glichen Gewinnen zusammen: Je h\u00f6her die <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/belohnung-hilft-beim-lernen-gewohnheiten-entscheiden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Belohnung<\/a> ausfiel, desto st\u00e4rker beeinflusste sie unter der Atemtechnik die Entscheidung. Bei m\u00f6glichen Verlusten fanden die Forscher dagegen keinen vergleichbaren signifikanten Effekt.<\/p>\n<p class=\"\">Das bedeutet auch: Die Teilnehmer wurden nicht einfach unvorsichtiger und blendeten Gefahren aus. Die Originalstudie beschreibt den Effekt vielmehr als st\u00e4rkere Gewichtung von Belohnungsinformationen. Eine allgemein h\u00f6here Risikotoleranz lie\u00df sich daraus nicht ableiten. Ebenso wenig belegt das Experiment, dass die Teilnehmer dadurch objektiv bessere Entscheidungen trafen.<\/p>\n<p>Zwei Hirnareale reagieren st\u00e4rker auf Belohnungen<\/p>\n<p class=\"\">Auch im Gehirn fanden die Forscher passende Ver\u00e4nderungen. Bei Personen, deren parasympathische Herzaktivit\u00e4t durch die Atemtechnik besonders stark zunahm, reagierten zwei Regionen ausgepr\u00e4gter auf m\u00f6gliche Belohnungen: der ventromediale pr\u00e4frontale Kortex und der Precuneus. Der ventromediale pr\u00e4frontale Kortex beteiligt sich unter anderem daran, welchen subjektiven Wert Menschen verschiedenen Optionen geben. Der Precuneus wird mit der Verarbeitung k\u00f6rperlicher Signale und selbstbezogenen Bewertungen in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p class=\"\">Damit ergibt sich eine m\u00f6gliche Kette vom Atem bis zur Entscheidung. Die verl\u00e4ngerte Ausatmung ver\u00e4ndert zun\u00e4chst die parasympathische Regulation des Herzens. Diese Ver\u00e4nderung geht wiederum mit einer st\u00e4rkeren Verarbeitung m\u00f6glicher Belohnungen in bestimmten Hirnregionen einher. Am Ende steigt die Wahrscheinlichkeit, eine riskante Wette anzunehmen. Park beschreibt Atemtechniken deshalb als M\u00f6glichkeit, k\u00f6rperliche Zust\u00e4nde bewusst zu beeinflussen: \u201eWir liefern mit der Studie den wissenschaftlichen Beweis, dass es sich um eine verl\u00e4ssliche und gezielte Methode handelt, die unsere Entscheidungen steuern kann.\u201c<\/p>\n<p>Forscher pr\u00fcfen den Effekt zun\u00e4chst im Labor<\/p>\n<p class=\"\">Die Ergebnisse gelten allerdings zun\u00e4chst f\u00fcr eine eng begrenzte Versuchssituation. Die Stichprobe war klein und bestand aus jungen, gesunden Erwachsenen. Zudem verwendeten die Forscher bewusst Geldwetten mit unterschiedlich hohen Gewinn- und Verlustbetr\u00e4gen. Die Autoren bezeichnen ihre Untersuchung deshalb als einen ersten Machbarkeitsnachweis. Weitere Experimente m\u00fcssen kl\u00e4ren, ob der Effekt auch bei anders aufgebauten Entscheidungen auftritt.<\/p>\n<p class=\"\">Noch offen ist au\u00dferdem, wie sich eine verl\u00e4ngerte Ausatmung im Alltag auswirkt. Die Forscher nennen m\u00f6gliche Anwendungen bei Stress, Angstst\u00f6rungen oder Depressionen. Auch Ern\u00e4hrungsentscheidungen wollen sie k\u00fcnftig untersuchen. Park zufolge k\u00f6nnten Atem\u00fcbungen dabei helfen, \u201edas Essverhalten bewusster wahrzunehmen und effektiver zu steuern\u201c. Ob sich solche Effekte tats\u00e4chlich au\u00dferhalb kontrollierter Labore zeigen, m\u00fcssen weitere Untersuchungen kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"\">Eine verl\u00e4ngerte Ausatmung st\u00e4rkte in der Studie die parasympathische Herzaktivit\u00e4t und ver\u00e4nderte damit die Verarbeitung von Entscheidungen.<\/li>\n<li class=\"\">Die Teilnehmer reagierten st\u00e4rker auf m\u00f6gliche Belohnungen und nahmen deshalb h\u00e4ufiger riskante Optionen an; die Bewertung m\u00f6glicher Verluste blieb weitgehend unver\u00e4ndert.<\/li>\n<li class=\"\">Die Ergebnisse stammen aus einem kontrollierten Experiment mit 41 gesunden Erwachsenen und gelten zun\u00e4chst als Machbarkeitsnachweis, nicht als Beleg f\u00fcr bessere Entscheidungen im Alltag.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"\"><strong>\u00dcbrigens<\/strong>: Nicht nur die Atmung kann beeinflussen, wie stark das Gehirn auf Belohnungen reagiert \u2013 auch bei mentaler Ersch\u00f6pfung entscheiden m\u00f6gliche Gewinne mit dar\u00fcber, ob wir weitermachen. Warum Belohnungen das Gehirn trotz M\u00fcdigkeit auf Kurs halten, mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/kognitive-erschoepfung-im-gehirn-belohnung-stoppt-den-effekt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p class=\"\">Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/www.pexels.com\/de-de\/foto\/mann-stehen-freiheit-grasflache-13275915\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Pexels<\/a><\/p>\n<p>                Tags: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/atemtechnik\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Atemtechnik<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/belohnungsverarbeitung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Belohnungsverarbeitung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/charite\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Charit\u00e9<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/entscheidungen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Entscheidungen<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/gehirn\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gehirn<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/herzfrequenzvariabilitaet\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Herzfrequenzvariabilit\u00e4t<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/lange-ausatmung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">lange Ausatmung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/neurowissenschaft\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neurowissenschaft<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/parasympathikus\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Parasympathikus<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/risikobereitschaft\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Risikobereitschaft<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/smart-up-news\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Smart Up News<\/a>            <\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ob Geldanlage, Jobwechsel oder eine Entscheidung unter Zeitdruck: Unser Urteil h\u00e4ngt offenbar st\u00e4rker vom K\u00f6rper ab, als wir&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1282453,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[137],"tags":[245072,264533,7408,29,34855,1050,30,141,232,119627,264534,73266,264535,264536,214541],"class_list":["post-1282452","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-atemtechnik","tag-belohnungsverarbeitung","tag-charite","tag-deutschland","tag-entscheidungen","tag-gehirn","tag-germany","tag-gesundheit","tag-health","tag-herzfrequenzvariabilitaet","tag-lange-ausatmung","tag-neurowissenschaft","tag-parasympathikus","tag-risikobereitschaft","tag-smart-up-news"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117219007552297030","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1282452"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1282452\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1282453"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1282452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1282452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1282452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}