{"id":1282772,"date":"2026-09-05T18:29:28","date_gmt":"2026-09-05T18:29:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282772\/"},"modified":"2026-09-05T18:29:28","modified_gmt":"2026-09-05T18:29:28","slug":"zeitgenossin-eine-kolumne-ueber-gesellschaft-und-zeitgeist-sensor-magazin-wiesbaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1282772\/","title":{"rendered":"Zeitgenossin \u2013 Eine Kolumne \u00fcber Gesellschaft und Zeitgeist &#8211; sensor Magazin &#8211; Wiesbaden"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-108058\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-Karrikatur-260x282.png\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"244\"  \/><\/p>\n<p>Sensibel und neugierig, manchmal unbequem. Jeden Monat denkt Sensor-Leiterin Christina Langhammer laut \u00fcber das nach, was uns alle angeht \u2013 und \u00fcber das, was wir manchmal lieber nicht sehen wollen.<\/p>\n<p><strong>Jeden Morgen laufe ich an seiner Kunst vorbei und tue nichts<\/strong><\/p>\n<p>Nahezu t\u00e4glich laufe ich durch die belebte Langgasse zu meinem B\u00fcro im Wiesbadener Pressehaus. Caf\u00e9s, Gesch\u00e4fte, Passant*innen. Und immer wieder die Menschen, die in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone um Geld bitten.<\/p>\n<p>Trending<a class=\"monsterinsights-inline-popular-posts-title\" href=\"https:\/\/sensor-wiesbaden.de\/donnerstalk-am-04-november-2021-playing-in-business\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donnerstalk am 04. November 2021: Playing in business<\/a><\/p>\n<p>Einer f\u00e4llt mir seit Monaten auf. Er sitzt in der N\u00e4he des ehemaligen SportScheck-Geb\u00e4udes, reiht jeden Morgen Kuscheltiere um seinen Spendenbecher und legt daneben eigene Zeichnungen aus \u2013 bunte Bilder mit Lackstiften und Filzmalern, manchmal collageartig, manchmal mit W\u00f6rtern oder ganzen S\u00e4tzen. Was sie bedeuten, wei\u00df ich nicht. Ich habe bisher nicht gefragt.<\/p>\n<p>Was ich wei\u00df: Ich gehe jeden Morgen daran vorbei.<\/p>\n<p>Zum Nachdenken gebracht hat mich das erst jetzt \u2013 ausgerechnet durch die Titelgeschichte dieser Ausgabe. Durch die Initiative \u201eTouched by Art\u201c arbeiten K\u00fcnstler*innen mit und ohne Behinderung \u00fcber mehrere Monate gemeinsam an einem Werk, viele von ihnen seit Jahren im Offenen Atelier des Tr\u00e4gers EVIM. Es sind Menschen, die gestalten, die ihrer Arbeit Zeit und Ernsthaftigkeit widmen \u2013 und die trotzdem immer wieder erkl\u00e4ren m\u00fcssen, warum das z\u00e4hlt. Was mich dabei besch\u00e4ftigt: Der Mann in der Langgasse tut im Grunde dasselbe. Nur dass niemand ein Projekt um ihn herum gebaut hat.<\/p>\n<p>Das ist der Unterschied zwischen ihm und einem\/einer K\u00fcnstler*in, dessen\/deren Werk in einer Galerie h\u00e4ngt \u2013 nicht Talent, nicht Ernsthaftigkeit, nicht einmal zwingend Qualit\u00e4t. Es ist der wei\u00dfe Raum drumherum. Die Beleuchtung. Das Schild mit dem Namen. Der Kontext, der entscheidet, ob wir innehalten oder weitergehen.<\/p>\n<p>Talent allein \u00f6ffnet keine Galeriet\u00fcr. Wer finanziell abgesichert aufw\u00e4chst, \u00fcbersteht Ausbildungskosten, unbezahlte Praktika und einkommenslose Phasen leichter. Wer Netzwerke hat, findet schneller Zugang zum Kulturbetrieb. Wer von Armut, Krankheit oder Ausgrenzung betroffen ist, tr\u00e4gt eine zus\u00e4tzliche Last \u2013 bevor \u00fcberhaupt jemand das erste Bild betrachtet hat. Das sagt nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t eines Werks aus. Aber sehr viel \u00fcber seine Chancen, gesehen zu werden.<\/p>\n<p>Ich merke beim Schreiben, wie problematisch es ist, diesen Mann zur Symbolfigur zu machen. Ich kenne seinen Namen nicht, seine Geschichte nicht, nicht einmal seine eigene Bezeichnung f\u00fcr das, was er tut. Vielleicht nennt er es gar nicht Kunst. Vielleicht ist ihm das gleichg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Was mich besch\u00e4ftigt, ist weniger er als ich: Ich schreibe \u00fcber Kulturzug\u00e4nge, urteile t\u00e4glich \u00fcber das, was Aufmerksamkeit verdient \u2013 und bin an ihm vorbeigegangen. Jeden Morgen. Beim n\u00e4chsten Mal frage ich ihn, ob er seine Bilder verkauft. Vor allem aber frage ich ihn, wie er selbst sie nennt.<\/p>\n<p><strong>Lesetipp von mir: <a href=\"https:\/\/vrm-epaper.de\/issue.act?issueId=458340&amp;issueMutation=E359&amp;issueDate=20260901&amp;region=E411\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Der Titelartikel der Septemberausgabe zum inklusiven Kunstprojekt \u201eTouched by Art\u201c.<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/sensor-wiesbaden.de\/sensor-veranstaltungs-tipps-wiesbaden-dreht-auf\/\" title=\"Sensor Veranstaltungs-Tipps: Wiesbaden dreht auf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"80\" height=\"80\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1770970163_232_Entrueckt_2_cLaura_Nickel-80x80.jpg\" class=\"attachment-80x80 size-80x80 wp-post-image\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n<p>Ob politischer Diskurs im Theater, FLINTA*-Empowerment auf dem Dancefloor, Indie-Rap<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/sensor-wiesbaden.de\/sensor-veranstaltungs-tipps-wiesbaden-dreht-auf\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sensibel und neugierig, manchmal unbequem. 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