{"id":1283656,"date":"2026-09-06T05:24:17","date_gmt":"2026-09-06T05:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1283656\/"},"modified":"2026-09-06T05:24:17","modified_gmt":"2026-09-06T05:24:17","slug":"aus-heepen-nach-konstantinopel-das-bewegte-leben-des-bielefelder-paschas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1283656\/","title":{"rendered":"Aus Heepen nach Konstantinopel: Das bewegte Leben des Bielefelder Paschas"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Bielefeld-Heepen. Als sich Bodo Friedrich Borries von Ditfurth 1901 auf den langen Weg von Greifswald nach Konstantinopel aufmachte, um als Reformator die Ausbildung und Modernisierung der osmanischen Armee unter Sultan Abd\u00fclhamid II. (1842-1918) zu unterst\u00fctzen, konnte er bereits auf eine lange Karriere als preu\u00dfischer Soldat zur\u00fcckblicken. Geboren am 16. Dezember 1852 in Gadderbaum, geh\u00f6rte er dem Adelsgeschlecht derer von Ditfurths an.<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">Diese gingen auf das 10. Jahrhundert zur\u00fcck und kamen urspr\u00fcnglich aus dem Harz. Die Bielefelder Familie indes hatte bis 1930 ihren Sitz auf dem Rittergut L\u00fcbrassen in Heepen. Vater Wilhelm von Ditfurth (1810-1876) war Geheimer Regierungs- und Landrat von Bielefeld, die Mutter stammte aus der befreundeten Von-Borries-Familie.<\/p>\n<p id=\"absatz3\" class=\"em_text\">Bodo und sein \u00e4lterer Bruder Franz (1840-1909), der in die Fu\u00dfstapfen des Vaters treten sollte, hatten beide eine Karriere beim Milit\u00e4r angestrebt und schon am Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg (1870\/71) teilgenommen. Bodo hatte am 19. September 1885 Paula Freiin von Blomberg (1863-1947) in Detmold geheiratet. Mit ihr hatte er neun Kinder.<\/p>\n<p>Empfang beim Kaiser in Berlin<\/p>\n<p id=\"absatz4\" class=\"em_text\">Am 24. M\u00e4rz 1901 hatte Kaiser Wilhelm II. \u201edie als Instruktoren nach der T\u00fcrkei gehenden Offiziere Major von Ditfurth vom Infanterie-Regiment Nr. 42, Major Imhoff vom Feld-Artillerie-Regiment Nr. 14 und Major Auler vom Pionierbattaillon Nr. 7\u201c in Berlin empfangen, wie es in einer Mitteilung hie\u00df. Ein Telegramm aus Konstantinopel meldete am 1. Juli: \u201eDer Reformator der t\u00fcrkischen Artillerie, der deutsche Oberstleutnant Grumbkow-Pascha verl\u00e4\u00dft heute aus Gesundheitsr\u00fccksichten definitiv den t\u00fcrkischen Milit\u00e4rdienst. Sein Nachfolger ist der deutsche Oberstleutnant von Imhoff, der zum Pascha und Inspekteur der t\u00fcrkischen Artillerieschie\u00dfschule in Konstantinopel ernannt worden ist. Gleichzeitig ist der deutsche Oberstleutnant v. Ditfurth-Pascha zum Inspekteur der Milit\u00e4rschule in Pankaldi ernannt worden.\u201c<\/p>\n<p>\n        \u00d7\n    <\/p>\n<p>\n            Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail zur Best\u00e4tigung Ihrer Anmeldung.\n        <\/p>\n<p>Erst danach ist diese abgeschlossen.<\/p>\n<p>Bitte pr\u00fcfen Sie auch den Spam-Ordner.<\/p>\n<p>\n        \u00d7\n    <\/p>\n<p>\n            Sie haben bisher Ihre E-Mail-Adresse noch nicht best\u00e4tigt.\n        <\/p>\n<p>Erst danach ist diese abgeschlossen.<\/p>\n<p>Bitte pr\u00fcfen Sie auch den Spam-Ordner.<\/p>\n<p>\n        \u00d7\n    <\/p>\n<p>\n            Es ist einen Fehler aufgetreten\n        <\/p>\n<p>Bei Fragen hilft unser Newsletter-Support<\/p>\n<p> Newsletter<\/p>\n<p> Aus Bielefeld<\/p>\n<p>W\u00f6chentliche News direkt aus der Redaktion Bielefeld.<\/p>\n<p>                Jetzt anmelden<\/p>\n<p id=\"absatz5\" class=\"em_text\">Bodo setzte somit quasi eine Tradition fort. Tats\u00e4chlich hatte es seit Otto von Bismarck einen regen diplomatischen Austausch und Milit\u00e4rmissionen zwischen Preu\u00dfen und Osmanen gegeben, die sich nach der katastrophalen Niederlage letzterer im Krieg mit Russland (1877\/78) vertieften: Das Deutsche Reich hatte in den Augen der Machthaber am Bosporus weniger imperiale Ambitionen als beispielsweise die Russen oder Briten, die Deutschen suchten milit\u00e4rische und wirtschaftliche Partner.<\/p>\n<p>Widerstand gegen Reformen<\/p>\n<p id=\"absatz6\" class=\"em_text\">Die ausl\u00e4ndischen Milit\u00e4rreformer wurden mit ihrem Eintritt in die osmanische Armee in den Generalstand erhoben, der Ehrentitel \u201ePascha\u201c an den Namen angeh\u00e4ngt. \u201eDitfurth-Pascha\u201c war f\u00fcr die 1848 gegr\u00fcndete Milit\u00e4rschule in Pancalt\u0131 (Bezirk \u015ei\u015fli, Istanbul) verantwortlich. Im Nachruf beschrieb die K\u00f6lnische Zeitung die Zeit in der T\u00fcrkei: \u201eEr hat dort im fremden Lande seine besten Kr\u00e4fte eingesetzt, um die freiwillig \u00fcbernommene Aufgabe zu l\u00f6sen, mu\u00dfte sich aber zun\u00e4chst mit dem planm\u00e4\u00dfigen Widerstand des Jildispalastes gegen jede durchgreifende Reform mit einer Lehrt\u00e4tigkeit an der Kriegsschule in Konstantinopel begn\u00fcgen. Erst der gro\u00dfe Umschwung des Jahres 1908 er\u00f6ffnete ihm ein weiteres Feld der T\u00e4tigkeit und f\u00fchrte ihn in gro\u00dfen Reisen in die verschiedensten Provinzen der europ\u00e4ischen und asiatischen T\u00fcrkei. Es war ihm gelungen, \u00fcberall, auch au\u00dferhalb des Kreises seiner Landsleute und Berufsgenossen, Vertrauen und vollste Hochachtung zu erwerben, und man sah ihn am Bosporus ungern scheiden, als er nach Deutschland zur\u00fcckkehrte, um seine Laufbahn im preu\u00dfischen Heer fortzusetzen.\u201c<\/p>\n<p id=\"absatz7\"><b class=\"bold\">Lesen Sie auch:<\/b> <a href=\"https:\/\/www.nw.de\/lokal\/bielefeld\/mitte\/24400529_Bielefelderinnen-verkaufen-geerbte-Figuren-so-emotional-war-der-Moment-bei-Bares-fuer-Rares.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bielefelderinnen verkaufen geerbte Figuren \u2013 so emotional war der Moment bei \u201eBares f\u00fcr Rares\u201c<\/a><\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Sohn Hans-Joachim war sogar am 8. Juli 1908 in Konstantinopel zur Welt gekommen. F\u00fcr seine Verdienste hatte \u201eDitfurth-Pascha\u201c schlie\u00dflich den Mecidiye-Orden erhalten. In Bodos Zeit im Osmanischen Reich fiel zugleich die Errichtung der Bagdadbahn (ab 1903), die Konstantinopel und damit Europa mit dem Nahen Osten verbinden sollte. \u00dcber die Jahre aber hatte die Anwesenheit ausl\u00e4ndischer milit\u00e4rischer und ziviler Berater den Unmut einiger Milit\u00e4rs und der aufstrebenden, reformorientierten Jungt\u00fcrken erregt, die regelm\u00e4\u00dfig mit dem autorit\u00e4ren und wankelm\u00fctigen Sultan aneinandergerieten.<\/p>\n<p>Generalinspekteur einer neuen Unteroffiziersschule<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">Ihre Bef\u00fcrchtung, die milit\u00e4rischen Missionen und wirtschaftlichen Projekte w\u00fcrden das Reich in eine Abh\u00e4ngigkeit vom zunehmend dominanteren Deutschland bringen, war begr\u00fcndet. Der Konflikt sollte nach der Jungt\u00fcrkischen Revolution (Juli 1908) zur Absetzung Abd\u00fclhamids im April 1909 f\u00fchren. Die Reformatoren \u00fcberstanden diese Wirren, was auch an F\u00fcrsprechern unter Jungt\u00fcrkischen Offizieren gelegen haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Noch am 27. August des Jahres meldete Konstantinopel, dass Bodo zum Generalinspekteur einer neuen Unteroffiziersschule ernannt worden sei. Als im Oktober ein erneuter Austausch zwischen Deutschen und T\u00fcrken angek\u00fcndigt wurde, waren Heinrich Imhoff und Bodo von Ditfurth immer noch am Bosporus; Carl Auler, ern\u00fcchtert von der Arbeit als Reformator, war bereits 1908 nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p id=\"absatz11\"><b class=\"bold\">Auch interessant: <\/b><a href=\"https:\/\/www.nw.de\/lokal\/bielefeld\/mitte\/24351552_Bielefelderin-ueberlebt-Todesmarsch-und-Massaker-der-letzten-Kriegstage-und-stirbt-entkraeftet.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bielefelderin \u00fcberlebt Todesmarsch und Massaker der letzten Kriegstage &#8211; und stirbt entkr\u00e4ftet<\/a><\/p>\n<p id=\"absatz12\" class=\"em_text\">Bodo Borries von Ditfurth hatte schlie\u00dflich am 20. April 1910 die Kommandantur f\u00fcr das 3. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 29 \u201avon Horn\u2018 \u00fcbernommen und wurde schon am 18. Oktober zum Generalmajor der 10. Infanterie-Brigade in Frankfurt an der Oder ernannt. Seinen h\u00f6chsten Rang erhielt er am 22. M\u00e4rz 1913, als er Generalleutnant und Landwehr-Inspekteur von K\u00f6ln wurde.<\/p>\n<p>Tod nach einer t\u00fcckischen Krankheit<\/p>\n<p id=\"absatz13\" class=\"em_text\">Der Nachruf erkl\u00e4rte: \u201eDiese Stellung bringt den Inhaber in au\u00dferordentlich enge Ber\u00fchrung mit weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung, und Generalleutnant v. Ditfurth erwarb sich auch hier bald bei seinen Untergebenen, wie dar\u00fcber hinaus, in der B\u00fcrgerschaft allgemeine Verehrung.\u201c Die Familie lebte in K\u00f6ln an der Theresienstra\u00dfe 64. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 zog er mit vier S\u00f6hnen an die Front; Sohn Hoimar fiel im Oktober bei Reims. Bodo erhielt kurz darauf das Eiserne Kreuz, erlag aber am 23. Februar 1915 \u201eeiner t\u00fcckischen Krankheit\u201c, die er sich im Felde zugezogen habe. Zwei Tage sp\u00e4ter wurde der Bielefelder Pascha im Familiengrab auf dem Friedhof in Heepen beigesetzt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bielefeld-Heepen. 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