{"id":1283665,"date":"2026-09-06T05:32:30","date_gmt":"2026-09-06T05:32:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1283665\/"},"modified":"2026-09-06T05:32:30","modified_gmt":"2026-09-06T05:32:30","slug":"spionage-sabotage-und-sanktionen-kontroverse-um-nord-stream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1283665\/","title":{"rendered":"Spionage, Sabotage und Sanktionen: Kontroverse um Nord Stream"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/nordstream140.webp\" alt=\"Der ehemalige russische Pr\u00e4sident Dimitri Medwedew unterschreibt auf der Ostsee-Pipeline &quot;Nord Stream&quot;.\" title=\"Der ehemalige russische Pr\u00e4sident Dimitri Medwedew unterschreibt auf der Ostsee-Pipeline &quot;Nord Stream&quot;. | picture alliance \/ dpa, Sergei Ilnitsky\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Gesprengte Nord-Stream-Pipeline: Anklage gegen mutma\u00dflichen Saboteur (5 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 06.09.2026 05:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Lange war der Bau der Ostsee-Erdgas-Pipeline Nordstream 1 umstritten. Am 6. September 2011 str\u00f6mte erstmals Gas von Russland nach Lubmin. Im September 2022 wurden die Pipeline und der Nachfolger Nordstream 2 durch Sabotage zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Katharina Tamme<\/p>\n<p class=\"\">Vier Tage, nachdem der damalige russische Ministerpr\u00e4sident Wladimir Putin Anfang September 2011 den Gashahn aufdrehen l\u00e4sst, trifft das erste Gas aus dem kleinen sibirischen Ort Portowaja nahe der finnischen Grenze in der Anlandestation in Lubmin, im \u00e4u\u00dferten Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns, ein. Heizen kann man damit jedoch noch nicht, es handelt sich vielmehr um ein Hilfsgas, mit dem in der Pipeline der n\u00f6tige Druck f\u00fcr k\u00fcnftige Erdgaslieferungen aufgebaut wird, die Deutschland vor der Heizperiode erreichen sollen. Die Idee zur Gaspipeline durch die Ostsee, die die sibirischen Erdgasfelder mit der energiehungrigen Industrie in Mittel- und Westeuropa verbindet, hat bis zur Inbetriebnahme der Leitung am 8. November 2011 allerdings fast 30 Jahre auf dem Buckel. \u00dcber Osteuropa versorgt Russland Deutschland bereits seit \u00fcber 50 Jahren mit Erdgas. Amerika war diese Energiebeziehung wirtschaftlich und politisch immer ein Dorn im Auge.<\/p>\n<p>    Pipelines bedeuten auch politische Abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/nordstream630.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/nordstream630.webp\" alt=\"Ein russischer Bauarbeiter telefoniert neben einem Rohrst\u00fcck f\u00fcr die Gas-Pipeline Nord Stream (Portowaja).\" title=\"Das Projekt Nord Stream 1 st\u00f6\u00dft vor allem bei den Anrainerstaaten Ukraine, Litauen und Polen auf Kritik. | dpa, Dmitry Lovetsky\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Das Projekt Nord Stream 1 st\u00f6\u00dft vor allem bei den Anrainerstaaten Ukraine, Litauen und Polen auf Kritik.<\/p>\n<p class=\"\">Nachgedacht wird \u00fcber eine Offshore-L\u00f6sung bereits in den <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/1980er-jahre-barschel-affaere-hitler-tagebuecher-mauerfall,achtzigerjahre116.html\" title=\"1980er-Jahre: Barschel-Aff\u00e4re, Hitler-Tageb\u00fccher, Mauerfall\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1980er Jahren<\/a>, der Zusammenbruch der Sowjetunion kommt allerdings dazwischen. In den <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/1990er-jahre-wiedervereinigung-ungluecke-und-rechte-gewalt,neunzigerjahre114.html\" title=\"1990er-Jahre: Wiedervereinigung, Ungl\u00fccke und Rechte Gewalt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1990er-Jahren<\/a> gibt es ernsthaftere Bestrebungen zur Planung einer Pipeline durch die Ostsee, die sibirische Erdgasfelder auf direktem Wege mit Mittel- und Westeuropa verbinden soll. Hintergrund ist der Wunsch Russlands, sich von Transitl\u00e4ndern wie der Ukraine und Polen unabh\u00e4ngiger zu machen. Vor allem Litauen und die Ukraine befinden sich aufgrund von Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen im Dauerkonflikt mit der ehemaligen Sowjetunion, wann immer Vertr\u00e4ge f\u00fcr den Gastransit neu verhandelt werden. Bis heute sind die Ukraine, Litauen und Polen die gr\u00f6\u00dften innereurop\u00e4ischen Kritiker des Nord Stream-Projekts.<\/p>\n<p>    Am l\u00e4ngeren Hebel: Gastransit als politisches Druckmittel<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr die Transitl\u00e4nder bedeutet die Weiterleitung sowjetischen Gases nach Westeuropa stets eine lukrative Einnahmequelle und gleichzeitig politisches Druckmittel gegen Russland. Sowohl die Sowjetunion, als auch das sp\u00e4tere Russland setzen den Gashahn ihrerseits immer wieder auch als Waffe gegen politisch unliebsame Entwicklungen ein. Besonders die Ukraine bekommt die Schattenseiten des Monopols russischer Gaslieferungen zu sp\u00fcren, als sich das Land im Zuge der &#8222;Orangene Revolution&#8220; 2004 dem Westen ann\u00e4hert. Russland reagiert mit einem Gasstopp auf die Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen der Ukraine, 2009 sogar mit einem kompletten Stopp des Gastransits und sorgt damit f\u00fcr Energie-Engp\u00e4sse bis nach S\u00fcdeuropa.<\/p>\n<p>    Planung von Nord Stream \u00e4ndert Machtgef\u00fcge in Osteuropa<\/p>\n<p class=\"\">Unterst\u00fctzt wird die Ostsee-Pipeline zun\u00e4chst auch von der Europ\u00e4ischen Kommission, die das Projekt im Jahr 2000 in ihre Richtlinie f\u00fcr die Transeurop\u00e4ischen Energienetze (TEN-E) aufnimmt. Ziel dieser Richtlinie ist es, Projekte zu f\u00f6rdern die im gemeinsamen Interesse Europas liegen und eine diverse, &#8222;schockresistente&#8220;, grenz\u00fcberschreitende und vernetzte Energieinfrastruktur f\u00fcr alle europ\u00e4ischen L\u00e4nder zu schaffen. Als solches &#8222;vorrangiges Projekt&#8220; wird Nord Stream 2006 noch einmal best\u00e4tigt. Innereurop\u00e4ische Kritik wird allerdings schon 2004 durch den Beitritt Polens und Litauens zur Europ\u00e4ischen Union laut. Die ehemaligen Transitl\u00e4nder, die zum damaligen Zeitpunkt wirtschaftlich und energetisch von russischem Gas abh\u00e4ngig sind, sehen in Nord Stream eine ernst zu nehmende Konkurrenz.<\/p>\n<p>    Das Konstrukt Nord Stream AG<\/p>\n<p class=\"\">Zur Realisierung des Projekts wird 1997 zun\u00e4chst die finnisch-russische North Transgas OY (NTG) gegr\u00fcndet, die Machbarkeitsstudien in Auftrag gibt und m\u00f6gliche Routen, darunter auch Festlandrouten \u00fcber Finnland und Schweden, erforscht. Im gleichen Jahr unterschreiben die wichtigsten Industrienationen das <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Ein-Meilenstein-der-Klimapolitik,audio636242.html\" title=\"Ein Meilenstein der Klimapolitik?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kyoto-Protokoll<\/a> und einigen sich auf verbindliche Reduktionen sch\u00e4dlicher Treibhausgase bis 2020. K\u00fcnftiges Erdgas aus der Pipeline wird als Ersatz f\u00fcr Kohle in Betracht gezogen, weil es bei der Verbrennung weniger sch\u00e4dliches Kohlendioxid freisetzt. 2003 \u00fcbernimmt die russische Gazprom das NTG-Konsortium, das Projekt wird in Nordeurop\u00e4ische Gaspipeline (NEGP) umbenannt.<\/p>\n<p>    Russischer Staatskonzern Gazprom ist gr\u00f6\u00dfter Anteilseigner<\/p>\n<p class=\"\">Mitte 2004 werden die Pl\u00e4ne schlie\u00dflich konkret. Die Wintershall Holding GmbH, eine Tochtergesellschaft des BASF und der gr\u00f6\u00dfte deutsche Gasimporteur E.ON (sp\u00e4ter E.ON Ruhrgas AG) unterzeichnen gemeinsam mit Gazprom eine Absichtserkl\u00e4rung f\u00fcr den Bau der 1.224 Kilometer langen Doppelstrang-Pipeline durch die Ostsee. Die gesch\u00e4tzten Kosten belaufen sich damals auf rund vier Milliarden Euro. 2007 und 2010 erwerben niederl\u00e4ndische und franz\u00f6sische Energieunternehmen ebenfalls Anteile am Pipeline-Projekt. Dabei bleiben 51 Prozent beim russischen Staatskonzern Gazprom, w\u00e4hrend sich deutsche, niederl\u00e4ndische und franz\u00f6sische Unternehmen die restlichen 49 Prozent teilen.<\/p>\n<p>    &#8222;Gerdprom&#8220;: Der Nord Stream-Deal unter Dach und Fach<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/nordstream626.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/nordstream626.webp\" alt=\"Der stellvertretende Ministerpr\u00e4sident Russlands unter Putin Igor Sechin, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der und der damalige Ministerpr\u00e4sident Wladimir Putin (v.l.n.r.) am 6. September 2011 an der Kompressorstation der Gasaufbereitungsanlage in Portowaja, nahe Wyborg.\" title=\"Drehen pers\u00f6nlich den Gashahn auf: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der und Pr\u00e4sident Wladimir Putin sind zum Startschuss der Gaslieferungen in Portowaja vor Ort. | imago\/ itar-tass, imago\/ itar-tass\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Drehen pers\u00f6nlich den Gashahn auf: Ex-Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der und Pr\u00e4sident Wladimir Putin sind zum Startschuss der Gaslieferungen in Portowaja vor Ort.<\/p>\n<p class=\"\">Bemerkenswert ist vor allem die Rolle, die seinerzeit Bundeskanzler <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/koepfe\/Gerhard-Schroeder-Aufstieg-eines-politischen-Alphatiers,gerhardschroeder114.html\" title=\"Gerhard Schr\u00f6der: Aufstieg eines politischen Alphatiers\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gerhard Schr\u00f6der<\/a> beim Zustandekommen des Vertrages und seiner Ausgestaltung spielt und auf offener Wahlkampfb\u00fchne unverhohlen f\u00fcr die Verflechtung von Politik und Wirtschaft steht. Am 8. September &#8211; und damit nur zehn Tage vor der von Schr\u00f6der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 &#8211; unterzeichnen Gazprom und die deutschen Konzerne den Vertrag zur Betreibergesellschaft mit Sitz in der Schweiz &#8211; in Anwesenheit von Noch-Kanzler Schr\u00f6der und Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin. Wie auch schon bei fr\u00fcheren Erdgasgesch\u00e4ften zwischen deutschen Energiekonzernen und Russland wird auch dieser Deal mit Krediten deutscher Banken und einer Milliardenb\u00fcrgschaft aus der deutschen Staatskasse abgesichert. Gr\u00fcnes Licht daf\u00fcr gibt es am 24. Oktober von Regierungsbeamten, zwei Wochen nachdem Schr\u00f6der angek\u00fcndigt hatte, sich aus der Politik zur\u00fcckzuziehen und unter Ausschluss des Kanzleramtes. Kurz darauf, im Dezember 2005, wird Schr\u00f6der als Aufsichtsratschef des Konsortiums berufen, das ab Oktober 2006 den Namen Nord Stream AG erh\u00e4lt. &#8222;Gerdprom macht&#8217;s m\u00f6glich&#8220;, titelt die Zeit.<\/p>\n<p>    Anrainersorgen: Tourismuseinbr\u00fcche und m\u00f6gliche Spionage<\/p>\n<p class=\"\">Die Unterzeichnung der Vertr\u00e4ge l\u00f6st auch innereurop\u00e4isch teilweise heftigen Protest aus. Polen bef\u00fcrchtet mit Nord Stream Konkurrenz f\u00fcr die eigene Trasse und ein Einbrechen der Transitgeb\u00fchren. Vielfach wird in diesem Zusammenhang auch der polnische Verteidigungminister Rados\u0142aw<strong> <\/strong>Sikorski zitiert, der den deutsch-russischen Vertrag 2006 mit dem Hitler-Stalin-Pakt vergleicht. Schr\u00f6der h\u00e4tte sich seiner Ansicht nach vor dem Projektabschluss mit Polen abstimmen m\u00fcssen. Auch aus Schweden kommt Kritik. Die Skandinavier sorgen sich um ihre Tourismusinsel Gotland nahe der Trasse, um Umweltauswirkungen auf die Ostsee und um m\u00f6gliche russische Spionage \u00fcber die Sicherheits- und Wartungsstrukturen der Pipeline. Besonders eine zun\u00e4chst vor Gotland geplante etwa 70 Meter hohe Wartungsplattform wird in diesem Zusammenhang zum Zankapfel, kann aber von Schweden verhindert werden. Auch energiepolitisch h\u00e4lt Schweden den Bau der Pipeline schon in der Planungsphase f\u00fcr bedenklich. Das Angebot, \u00fcber einen Abzweig ebenfalls sibirisches Gas zu beziehen, lehnt das Land, das bereits damals stark auf erneuerbare Energien setzt, ab. Man wolle seine Abh\u00e4ngigkeit vom \u00d6l schlie\u00dflich nicht durch neue Abh\u00e4ngigkeiten von Gas ersetzen, hie\u00df es aus dem schwedischen Wirtschaftsministerium. Auch D\u00e4nemark, zun\u00e4chst als Abzweig mitgeplant, wendet der Pipeline den R\u00fccken und bewirkt \u00c4nderungen an der Route nahe der Urlaubsinsel Bornholm.<\/p>\n<p>    Grenz\u00fcberschreitende Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen<\/p>\n<p class=\"\">Neben Schweden haben auch Finnland und die baltischen Anrainerstaaten sowie zahlreiche Verb\u00e4nde Umweltbedenken gegen den Bau. Die Ostsee-Pipeline ist ein grenz\u00fcberschreitendes Projekt, das durch die Hoheitsgew\u00e4sser, beziehungsweise ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen von Russland, Finnland, Schweden, D\u00e4nemark und Deutschland verl\u00e4uft. Deswegen mussten umfassende Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen f\u00fcr jedes Land entlang der gesamten Trasse durchgef\u00fchrt und von jedem der Anrainerstaaten genehmigt werden &#8211; ein riesiger b\u00fcrokratischer Aufwand in kurzem Zeitkorridor.<\/p>\n<p>    Minen und chemische Altlasten erschweren Planungen<\/p>\n<p class=\"\">Umweltsch\u00e4den werden vor allem bei der Querung von Wasserschutzgebieten bef\u00fcrchtet. Aber auch die starke Munitionsbelastung der Ostsee und chemische Altlasten erschweren die endg\u00fcltige Planung der Trasse erheblich. Beide <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/zweiter_weltkrieg\" title=\"Zweiter Weltkrieg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weltkriege<\/a> hatten dazu gef\u00fchrt, dass das Binnenmeer stark vermint ist. Insgesamt 435 Munitionsfunde werden w\u00e4hrend der \u00dcberpr\u00fcfung des Meeresbodens entlang der geplanten Trasse nach Angaben von Nord Stream gefunden, 134 bergen Marine und Kampfmittelr\u00e4umdienst, einige werden bei Planung und Bau umgangen. Au\u00dferdem werden entlang der Trasse mehr als 150 Schiffswracks gefunden, einige davon von historisch bedeutsamem Wert. Durch Baggerungen f\u00fcr die Trasse der Gaspipeline am Meeresboden f\u00fcrchten Umweltverb\u00e4nde hierzulande auch die Freisetzung gro\u00dfer Mengen von Stickstoff und Phosphor &#8211; und damit massive Sch\u00e4den im \u00d6kosystem der Ostsee.<\/p>\n<p>    Umweltverb\u00e4nde WWF und BUND klagen gegen Nord Stream<\/p>\n<p class=\"\">Neben generellen Einw\u00e4nden von Umweltschutzorganisationen gegen den Bau der Erdgaspipeline &#8211; die Pipeline f\u00f6rdere einen fossilen Energietr\u00e4ger, der nur noch wenige Jahrzehnte genutzt werden k\u00f6nne und verz\u00f6gere durch starre Vertr\u00e4ge mit langen Laufzeiten schlimmstenfalls die Energiewende &#8211; gibt es auch konkrete. Gegen den Bau der Ostsee-Pipeline klagen vor dem Greifswalder Oberverwaltungsgericht die Umweltverb\u00e4nde WWF und BUND. Sie f\u00fcrchten eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Beeintr\u00e4chtigung der Ostsee als von Nord Stream im Planfeststellungsverfahren dargestellt. Zudem seien die vorgesehenen Kompensationsma\u00dfnahmen des Pipeline-Betreibers Nord Stream unzureichend.<\/p>\n<p>    Stiftungskapital f\u00fcr die Umwelt gegen Baustopp-Klage<\/p>\n<p class=\"\">Zum Baustopp kommt es jedoch nicht. Stattdessen wird 2011 die Gr\u00fcndung der <a href=\"https:\/\/www.ostseestiftung.de\/\" title=\"Ostseestiftung Lebensraum Ostsee\" class=\"extlink-preface\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee<\/a> bekanntgegeben, deren Zweck &#8222;der Schutz des sensiblen \u00d6kosystems Ostsee&#8220; ist. Den Vorsitz teilen sich WWF Deutschland und der BUND Mecklenburg-Vorpommern. Das Stiftungskapital kommt von der Nord Stream AG: zehn Millionen Euro. Im Gegenzug stellen BUND und WWF die Klagen gegen das Planfeststellungsverfahren ein und verzichten auf einen Baustopp.<\/p>\n<p>    Bau beginnt bereits vor der Genehmigung<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/pipeline205.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/pipeline205.webp\" alt=\"Das Pipeline-Verlegeschiff &quot;Castoro 10&quot;\" title=\"Verlegt werden die R\u00f6hren von Spezialschiffen wie der &quot;Castoro 10&quot;, die hier im Greifswalder Bodden vor Lubmin im Einsatz ist. | dpa - Bildfunk, Stefan Sauer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Verlegt werden die R\u00f6hren von Spezialschiffen wie der &#8222;Castoro 10&#8220;, die hier im Greifswalder Bodden vor Lubmin im Einsatz ist.<\/p>\n<p class=\"\">Der Bau von Zuleitungen zu Nord Stream auf russischer und deutscher Seite laufen parallel zu den Erkundungen, Umweltpr\u00fcfungen und Genehmigungsverfahren der Anrainerstaaten. Im russischen Babajewo beginnen die Bauarbeiten f\u00fcr die Landverbindung von den sibirischen Erdgasfeldern nach Portowaja bereits 2005. Nachdem 2009 die Regierungen D\u00e4nemarks, Finnlands und Schwedens die Erlaubnis zum Bau erteilen, kommt im Dezember auch die Genehmigung Deutschlands. Am 6. April 2010 startet die &#8222;Castoro Sei&#8220;- ein italienisches Spezialschiff &#8211; damit, die ersten Rohre von Wyborg in Richtung Lubmin zu verlegen. Zusammengeschwei\u00dft werden die rund zw\u00f6lf Meter langen und etwa zw\u00f6lf Tonnen schweren, betonummantelten Stahlrohre erst an Deck der Verlegeschiffe, die die R\u00f6hren mit Spezialvorrichtungen anschlie\u00dfend zu Wasser lassen. Rund drei Kilometer t\u00e4glich werden so verlegt. Unterst\u00fctzung kommt einen Monat sp\u00e4ter von dem italienischen Verlegeschiff &#8222;Castoro 10&#8220; und der schweizerischen &#8222;Solitaire&#8220;. Die rund 200.000 ben\u00f6tigten Rohre lagern unter anderem im F\u00e4hrhafen Sassnitz-<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/schauplaetze\/Als-Ruegen-mit-Mukran-einen-neuen-Faehrhafen-bekam,mukran138.html\" title=\"Als R\u00fcgen mit Mukran einen neuen F\u00e4hrhafen bekam\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mukran<\/a>, wo sie vor der Verschiffung mit Beton ummantelt werden.<\/p>\n<p>    Lubmin als nordeurop\u00e4ischer Gasknotenpunkt<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/pipeline245.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/pipeline245.webp\" alt=\"Das Gel\u00e4nde der Anlandestation der Ostsee-Pipeline in Lubmin\" title=\"Das Gel\u00e4nde der Anlandestation der Ostsee-Pipeline in Lubmin: Hier treffen Nord Stream, OPAL und NEL aufeinander. | dpa - Bildfunk, Stefan Sauer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Das Gel\u00e4nde der Anlandestation der Ostsee-Pipeline in Lubmin: Hier treffen Nord Stream, OPAL und NEL aufeinander.<\/p>\n<p class=\"\">In Lubmin beginnt im Februar 2010 der Bau der Anlandestation. Sie ist ein strategisch wichtiger Knotenpunkt zwischen der Ostsee-Pipeline Nord Stream, der OPAL, die durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis nach Tschechien f\u00fchrt und der Nordeurop\u00e4ischen Erdgas-Leitung (NEL). Diese verl\u00e4uft quer durch Norddeutschland und reicht bis ins nieders\u00e4chsische Rehden. Im Greifswalder Bodden beginnen im Mai 2010 Baggerarbeiten vor der Anlandestation in Lubmin, die sich bis Ende 2010 hinziehen. Bereits im Mai 2011 wird das letzte Rohr an den ersten Strang geschwei\u00dft und vor Gotland verlegt. In Lubmin wird im September 2011 Nord Stream an OPAL angeschlossen. Im September 2011 wird der erste Leitungsstrang feierlich er\u00f6ffnet, der zweite Rohrstrang geht im Oktober 2012 in Betrieb.<\/p>\n<p>    Deutsch-russisch-amerikanische Erdgaskontroverse<\/p>\n<p class=\"\">Die Gaspipeline, die sibirisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportiert, ist nicht erst seit der Diskussion um Nord Stream 2 eine Kontroverse, die politischen Sprengstoff birgt. Die Ausgangslage: Russland und die USA verf\u00fcgen bereits Mitte des 20. Jahrhunderts \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Erdgasvorkommen weltweit. W\u00e4hrend die USA vor allem den eigenen Markt bedienen aber wenig exportieren, ist Russland Exportweltmeister, was Gaslieferungen ins Ausland angeht. Als lukrativster Absatzmarkt gilt vor allem Europa. Mittendrin steht die aufstrebende Bundesrepublik Deutschlands, deren energiehungrige Industrie w\u00e4chst, die aber politisch zwischen den beiden Gro\u00dfm\u00e4chten steht, die sich im <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Nachkriegszeit-Trauer-Truemmer-Teilung-und-Aufbruch,nachkriegszeit108.html\" title=\"Nachkriegszeit: Trauer, Tr\u00fcmmer, Teilung - und Aufbruch\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kalten Krieg<\/a> miteinander befinden.<\/p>\n<p>    Gasgesch\u00e4fte mit internationaler Dimension<\/p>\n<p class=\"\">Bereits Ende der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/1950er-jahre-marktwirtschaft-oder-sozialismus,fuenfzigerjahre140.html\" title=\"1950er-Jahre: Marktwirtschaft oder Sozialismus?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1950er-Jahre<\/a> spielen &#8211; damals die Sowjetunion und die noch junge Bundesrepublik Deutschland &#8211; mit dem Gedanken, billiges russisches Gas gegen aus Deutschland importierte Pipeline-R\u00f6hren zu tauschen. Schon damals durchkreuzt ein NATO-R\u00f6hrenembargo, das den Export von Gro\u00dfr\u00f6hren f\u00fcr Gas- und \u00d6l-Pipelines einschlie\u00dft, diese Pl\u00e4ne. Anfang der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/1970er-jahre-willy-brandt-raf-terror-und-anti-akw-proteste,siebzigerjahre168.html\" title=\"1970er-Jahre: Willy Brandt, RAF-Terror und Anti-AKW-Proteste\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1970er<\/a> gelingt der Deal unter dem Einfluss der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/koepfe\/Willy-Brandt-Kanzler-Weltbuerger-Friedensnobelpreistraeger,willybrandt100.html\" title=\"Willy Brandt: Kanzler, Weltb\u00fcrger - Friedensnobelpreistr\u00e4ger\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Willy Brandt<\/a>&#8217;schen Entspannungspolitik schlie\u00dflich doch und bildet so den eigentlichen Startpunkt der deutsch-russischen Erdgasbeziehungen.<\/p>\n<p class=\"\">Die Sowjetunion und die Metallindustrie im Ruhrpott einigen sich auf das erste gemeinsame Gasabkommen und tauschen Pipeliner\u00f6hren aus dem Ruhrpott gegen einen Erdgasvertrag \u00fcber 20 Jahre an die Ruhrgas AG. Kredite deutscher Banken und deutsche Staatsb\u00fcrgschaften sichern das Gesch\u00e4ft mit dem sowjetischen Staatskonzern ab. Mit BP und Shell als Anteilseigner an der Ruhrgas AG und deren Beziehungen zum US-Konzern Exxon sitzen bei diesem Gesch\u00e4ft zwischen westdeutscher Industrie und Politik und der UdSSR sinnbildlich gesprochen deutsche, niederl\u00e4ndische, und britische Unternehmen mit US-amerikanischer Beteiligung an einem Tisch. Kritik kommt von NATO-Partnern: Sie bef\u00fcrchten eine zu starke Ann\u00e4herung an den Ostblock. Auch die Angst, Westdeutschland k\u00f6nnte sich in eine zu starke energiewirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit von sowjetischen Energielieferung begeben, schwingt schon damals mit.<\/p>\n<p>    Streit um Jamal-Pipeline erinnert an Nord Stream-Konflikt<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jamalpipeline100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jamalpipeline100.webp\" alt=\"Spezialfahrzeuge versenken bei Freienbrink s\u00fcd\u00f6stlich von Berlin Segmente einer Erdgasleitung.\" title=\"\u00dcber die 4.000 Kilometer lange Jamal-Europa-Trasse soll Erdgas aus dem Norden Russlands nach Mitteleuropa flie\u00dfen. | dpa, Klaus Franke\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    \u00dcber die 4.000 Kilometer lange Jamal-Europa-Trasse soll Erdgas aus dem Norden Russlands nach Mitteleuropa flie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"\">Mit der zweiten \u00d6lkrise wiederholt sich das Spiel. Westdeutschland unter <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/koepfe\/helmut-schmidt-kuehler-kopf-und-krisenmanager,helmutschmidt210.html\" title=\"Helmut Schmidt: Hamburger mit gro\u00dfem Ansehen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Helmut Schmidt<\/a> will die Energie-Importe diversifizieren und daf\u00fcr in die Jamal-Pipeline investieren, die \u00fcber Belarus und Polen sowjetisches Gas nach Mittel- und Westeuropa liefern soll. Mitten in den Verhandlungen zur Jamal-Pipeline marschieren sowjetische Truppen in Afghanistan ein. Das daraufhin verh\u00e4ngte US-Technologie- und Energie-Embargo gegen die UdSSR torpediert &#8211; mal wieder &#8211; die deutsch-russischen Gasgesch\u00e4fte. Im Gegenzug bieten die USA amerikanischen Kohle- und Atomstrom sowie \u00d6l und Fl\u00fcssiggas. Hierzulande setzt man jedoch weiter auf gemeinsame Wirtschaftsprojekte, um auch politisch &#8222;im Dialog&#8220; zu bleiben. Mit der Unterzeichnung der Vertr\u00e4ge zur Jamal-Pipeline 1981 vereinbaren Soyusgaz, heute Gazprom und die Ruhrgas AG, heute E.ON Gaslieferungen von Mitte der 1980er bis 2008.<\/p>\n<p>    Nord Stream 2: Deutsch-russisch-amerikanischer Wirtschaftskrimi<\/p>\n<p class=\"\">Mit der geplanten Verdopplung der Kapazit\u00e4ten und der Planung f\u00fcr den Bau einer zweiten Doppelstrang-Leitung zwischen Wyborg und Lubmin rei\u00dfen alte Konfliktlinien wieder auf. Ausschlaggebend ist vor allem die Annexion der Krim durch Russland im Fr\u00fchjahr 2014, die auch zu wachsenden Konflikten zwischen Russland und den USA f\u00fchrt. Dass sich die USA einmischen, hat vor allem wirtschaftliche Gr\u00fcnde. Nordamerika, das durch Fracking mittlerweile zum weltweit gr\u00f6\u00dften Erdgasproduzenten aufgestiegen ist, dr\u00e4ngt mit Fl\u00fcssiggas (LNG) auf den europ\u00e4ischen Markt. Dieses gilt als schmutzig, ineffizient und unwirtschaftlich, da es umweltbedenklich gef\u00f6rdert wird, aufwendig verschifft werden muss und mit hohen Energieverlusten in Europa ankommt. Alles zusammengenommen ist US-amerrikanisches LNG-Gas derzeit nicht konkurrenzf\u00e4hig. Allerdings ist es flexibler einzukaufen als sibirisches Gas, dessen Vertragslaufzeiten von 20 oder 30 Jahren vor allem der russischen Wirtschaft nutzen. Wirtschaftssanktionen von US-amerikanischer Seite verz\u00f6gern den Bau erheblich, Mecklenburg-Vorpommern reagiert darauf mit der Gr\u00fcndung einer sogenannten <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/mecklenburg-vorpommern\/u-ausschuss-zur-klimaschutzstiftung-pegel-sieht-absurden-vorwurf,klimastiftung-116.html\" title=\"U-Ausschuss zur Klimaschutzstiftung: Pegel sieht &quot;absurden Vorwurf&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klimastiftung<\/a>, deren Hauptzweck die sanktionsfreie Fertigstellung der nunmehr elf Milliarden teuren Pipeline ist.<\/p>\n<p>    Polen verfolgt eigene Interessen im Gas-Streit<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/balticpipeline100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/balticpipeline100.webp\" alt=\"Pipelinerohre f\u00fcr die Ostsee-Gaspipeline Baltic Pipe werden auf dem Gel\u00e4nde des Hafens Mukran bei Sassnitz auf einen Lagerplatz transportiert.\" title=\"Die Baltic Pipe soll Erdgas aus Norwegen \u00fcber D\u00e4nemark und durch die Ostsee nach Polen bringen. | dpa, Stefan Sauer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Die Baltic Pipe soll Erdgas aus Norwegen \u00fcber D\u00e4nemark und durch die Ostsee nach Polen bringen.<\/p>\n<p class=\"\">Polen und die USA beziehen gemeinsam Front gegen Nord Stream 2: Das polnische Kartellamt erreicht 2016 zun\u00e4chst, dass die zweite Pipeline nicht wie Nord Stream 1 als internationales Konsortium betrieben werden darf. Alleiniger Anteilseigner ist deshalb nun zu 100 Prozent Gazprom. Westliche Partner fungieren ausschlie\u00dflich als Kreditgeber. Zweitens wollen die USA mit Polen auch energiepolitisch gemeinsame Sache machen. US-Pr\u00e4sident Trump wirbt auf Initiative Polens f\u00fcr den Ausbau einer europ\u00e4ischen Nord-S\u00fcd-Trasse als Konkurrenz zur russischen Ost-West-Pipeline. Dreh- und Angelpunkt soll nach dem Willen von Trump das polnische Fl\u00fcssiggasterminal in \u015awinouj\u015bcie (Swinem\u00fcnde) als Tor nach Osteuropa werden. Derweil arbeitet Polen gemeinsam mit norwegischem Gas und D\u00e4nemark als Transitland an Konkurrenz f\u00fcr Nord Stream 2: Baltic Pipe wird im Herbst 2022 fertig gestellt.<\/p>\n<p>    Erdgas: Br\u00fcckentechnologie oder Auslaufmodell?<\/p>\n<p class=\"\">Auch auf EU-Ebene hat es das internationale Erdgasgesch\u00e4ft klimapolitisch seit dem europ\u00e4ischen &#8222;Green Deal&#8220; nicht mehr leicht. Die darin formulierten europ\u00e4ischen Klimaschutzziele sehen einen vollst\u00e4ndig kohlenstoffreien Energiesektor der EU bis 2050 vor &#8211; fossile Brennstoffe und damit auch Erdgas sind also ein Auslaufmodell und nicht die von Politik und Wirtschaft beschworene &#8222;Br\u00fcckentechnologie&#8220; als Zwischenschritt zur Klimaneutralit\u00e4t. Eine <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.593445.de\/18-27-1.pdf\" title=\"Erdgasversorgung: Weietere Ostsee-Pipeline ist \u00fcberfl\u00fcssig\" class=\"extlink-preface\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW)<\/a> geht noch einen Schritt weiter: Europa habe Nord Stream 2 nie ben\u00f6tigt. Nicht zur Versorgungssicherheit und auch nicht zur Diversifizierung, hei\u00dft es dort. Der Analyse zufolge wurde der europ\u00e4ische Erdgas-Bedarf in allen den Planungen und Genehmigungen zugrunde gelegten Referenzszenarien als viel zu hoch angesetzt.<\/p>\n<p class=\"\">Ein gutes Jahrzehnt, nachdem Russland den Gashahn in Richtung Lubmin aufgedreht hat, ist am 10. September 2022 auch die Gaspipeline Nord Stream 2 fertig gestellt worden. Sie ist zwar mit Gas bef\u00fcllt, allerdings wurde bisher kein Erdgas durch sie importiert. Das Genehmigungsverfahren f\u00fcr das Pipeline-Projekt ist als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine vorerst auf Eis gelegt worden.<\/p>\n<p>    Nord Stream 1: Lieferstopp wegen Russland-Sanktionen<\/p>\n<p class=\"\">Wegen des Krieges und als Reaktion auf die Sanktionen gegen Russland stoppt Gazprom erstmals im Juli 2022 Gaslieferungen durch Nord Stream 1. Nach dem Austausch einer angeblich defekten Turbine flie\u00dft zun\u00e4chst wieder Gas &#8211; allerdings nur noch 20 Prozent der sonst \u00fcblichen Menge. Am 30. August stellt Gazprom die Lieferungen erneut ein. Russland verkn\u00fcpft eine zuk\u00fcnftige st\u00f6rungsfreie Versorgung mit der Aufhebung westlicher Sanktionen.<\/p>\n<p>    Sabotage: Massive Lecks in Nord Stream 1 und 2<\/p>\n<p class=\"\">Zus\u00e4tzlich zur politischen Diskussion um die beiden Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 kommt im September 2022 eine weitere Unsicherheit bez\u00fcglich k\u00fcnftiger Gaslieferungen dazu: In der Nacht zum 26. September melden die Betreiber einen fulminanten Druckabfall &#8211; d\u00e4nische Beh\u00f6rden sprechen in der Folge von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/mecklenburg-vorpommern\/Drei-Lecks-an-Nord-Stream-Pipelines-Hinweise-auf-Detonationen,nordstream810.html\" title=\"Drei Lecks an Nord-Stream-Pipelines: Hinweise auf Detonationen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mehreren Lecks, durch die Gas in die Ostsee ausstr\u00f6mt<\/a> &#8211; nach Einsch\u00e4tzung der Europ\u00e4ischen Union und der NATO sind die Sch\u00e4den das Ergebnis einer mutwilligen Zerst\u00f6rung. Spekulationen um eine russische Beteiligung an der Besch\u00e4digung der Pipelines weist der Kreml als &#8222;dumm und absurd&#8220; zur\u00fcck. Im November teilt die schwedische Staatsanwaltschaft mit, dass sich die Pipeline-Lecks tats\u00e4chlich auf schwere Sabotage zur\u00fcckf\u00fchren lassen. An mehreren untersuchten Fremdk\u00f6rpern in der N\u00e4he der Lecks seien Sprengstoffspuren nachgewiesen worden.<\/p>\n<p>    Bundesanwaltschaft klagt Ukrainer wegen Sabotage an<\/p>\n<p class=\"\">2023 f\u00fchren Spuren des <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/NordstreamTatort-unter-Wasser,audio1403862.html\" title=\"Nordstream.Tatort unter Wasser\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rechercheteam von NDR, WDR und SZ<\/a> sowie internationalen Medien in Richtung Ukraine. Laut Generalbundesanwaltes Jens Rommel soll eine ukrainische Sabotagegruppe die Segeljacht &#8222;Andromeda&#8220; in Rostock gechartert und mit ihrer Hilfe vier Sprengs\u00e4tze am Meeresgrund in 70 bis 80 Metern Tiefe angebracht haben. Die Bundesanwaltschaft erhebt am 30. Juni 2026 Anklage vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg gegen den ukrainischen Staatsangeh\u00f6rigen Serhii K.. Am 14. Oktober 2026 beginnt der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/prozess-um-nord-stream-anschlaege-beginnt-am-14-oktober-in-hamburg,nordstream-232.html\" title=\"Prozess um Nord-Stream-Anschl\u00e4ge beginnt am 14. Oktober in Hamburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Prozess<\/a> vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Mitte August gelingt kroatischen Ermittlern die Festnahme eines <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/gesprengte-nord-stream-pipeline-anklage-gegen-mutmasslichen-saboteur,audio-3333226.html\" title=\"Gesprengte Nord-Stream-Pipeline: Anklage gegen mutma\u00dflichen Saboteur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weiteren Verd\u00e4chtigen<\/a>. Der Ukrainer Wolodymyr S. soll einer der Taucher gewesen sein, der die Sprengs\u00e4tze in rund 80 Metern Tiefe an den Pipelines angebracht hat.<\/p>\n<p class=\"\">Wann beziehungsweise ob jemals wieder Gas durch die Nord-Stream-R\u00f6hren nach Lubmin str\u00f6men wird? Der Ausgang ist so offen wie nie.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/screenshot-214418.webp\" alt=\".\" title=\". | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Ermittler in Kroatien haben nach ARD-Information einen zweiten Verd\u00e4chtigen festgenommen. Er soll einer der Taucher gewesen sein, die die Sprengs\u00e4tze an den Pipelines angebracht haben.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/lngterminal-102.webp\" alt=\"Das LNG-Terminal in Brunsb\u00fcttel\" title=\"Das LNG-Terminal in Brunsb\u00fcttel | picture alliance \/ Hans Lucas | POOL UNION EUROPEENNE \/ AGENCE HANS LUCAS\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Betreiber von LNG-Terminals in Norddeutschland mussten sich dazu verpflichten, kein russisches LNG ins Gasnetz einzuspeisen &#8211; doch es kommt noch immer hier an.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/buchnordstream-100.webp\" alt=\"Rotes Buch mit Aufschrift &quot;Die Nord Stream Sprengung&quot; \" title=\"Der Investigativ-Journalist Bojan Pancevski rekonstruiert detailliert in seinem neuen Buch &quot;Die Nord Stream Sprengung&quot;.  | NDR\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>&#8222;Die Nord Stream Sprengung&#8220; von Investigativ-Journalist Bojan Pancevski liest sich wie ein Krimi. <\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/nordstream930.webp\" alt=\"Die &quot;Andromeda&quot; liegt im Jachthafen Hohe D\u00fcne bei Rostock.\" title=\"Die &quot;Andromeda&quot; liegt im Jachthafen Hohe D\u00fcne bei Rostock. | NDR, rbb, SWR, WDR\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der deutsche Generalbundesanwalt glaubt, die Schuldigen f\u00fcr die Nord-Stream-Sabotageakte gefunden zu haben, \u00e4u\u00dfern d\u00e4nische Investigativ-Journalisten weiterhin Zweifel.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/screenshot-34216.webp\" alt=\"Eine Luftaufnahme zeigt den Gasaustritt der Gasleitung nach dem Sabotageakt. \" title=\"Eine Luftaufnahme zeigt den Gasaustritt der Gasleitung nach dem Sabotageakt.  | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Er soll Teil einer Gruppe sein, die den Anschlag gemeinsam geplant und durchgef\u00fchrt hat. Die Ermittlungen dauern weiter an.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/podcastbild276.webp\" alt=\"Podcast Akte Nord Stream 2 - Eine Pipeline unter Wasser\" title=\"Podcast Akte Nord Stream 2 - Eine Pipeline unter Wasser | iStock, golero\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Wie viel Einfluss \u00fcbte Russland auf die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern aus? In diesem Podcast \u00f6ffnen wir die Akte Nord Stream 2.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/gasspeicher174.webp\" alt=\"Gasspeicher vor blauem Himmel mit wei\u00dfen Wolken.\" title=\"Symbolbild: Ein Gasspeicher. | Panthermedia, Fahroni\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>F\u00fcllstand der Gasspeicher, Gasverbrauch, Gasimporte: Die wichtigsten Daten in der Live-\u00dcbersicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Gesprengte Nord-Stream-Pipeline: Anklage gegen mutma\u00dflichen Saboteur (5 Min) Stand: 06.09.2026 05:00 Uhr Lange war der Bau der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1283666,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[4013],"tags":[331,332,29,219330,1149,46430,1137,1213,16421,2989,13,213337,1351,14,15,49882,100530,26734,3917,2202,111,264688,4043,4044,850,307,16691,1155,12,36941,264687,317,64,264689,55,198271,4845],"class_list":["post-1283665","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-russland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-deutschland","tag-die-2010er-jahre","tag-energie","tag-energiekrise","tag-erdgas","tag-gas","tag-gazprom","tag-geschichte","tag-headlines","tag-lubmin","tag-mecklenburg-vorpommern","tag-nachrichten","tag-news","tag-nord-stream","tag-ostsee-pipeline","tag-pipeline","tag-polen","tag-projekt","tag-putin","tag-ruhrgas","tag-russia","tag-russian-federation","tag-russische-foederation","tag-russland","tag-sabotage","tag-sanktionen","tag-schlagzeilen","tag-schroeder","tag-sowietunion","tag-ukraine","tag-usa","tag-wintershall","tag-wirtschaft","tag-wyborg","tag-zeitgeschichte"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1283665","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1283665"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1283665\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1283666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1283665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1283665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1283665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}