{"id":1288055,"date":"2026-09-08T07:40:17","date_gmt":"2026-09-08T07:40:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1288055\/"},"modified":"2026-09-08T07:40:17","modified_gmt":"2026-09-08T07:40:17","slug":"25-jahre-gedenkstaette-fuer-zwangsarbeit-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1288055\/","title":{"rendered":"25 Jahre Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Es klingelt am Tor, ein Mann, eine Frau und ihre Tochter betreten den Raum der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit (GfZL). Die drei hatten eine lange Anreise. Aus Italien kommen sie. Ein Gro\u00dfvater war Zwangsarbeiter in Sachsen, Material dazu fanden sie nach seinem Tod. Nun wollen sie mehr erfahren. Das Gespr\u00e4ch auf Englisch f\u00fchrt Josephine Ulbricht, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkst\u00e4tte. Mehr als 30 Familien kamen im vergangenen Jahr in die Gedenkst\u00e4tte, die sich im Pf\u00f6rtnerhaus an der Permoserstra\u00dfe befindet. Das Gel\u00e4nde hat die Hugo-Schneider AG seit 1899 in Besitz genommen und seit 1942 hier Panzerf\u00e4uste produzieren lassen. Seit den 1970er-Jahren erinnert ein Gedenkstein auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite an die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter. Nach 1945 siedeln sich Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR an, seit Beginn der 1990er-Jahre der Wissenschaftspark \u2013 unter anderem mit dem Umweltforschungszentrum. Im ehemaligen Pf\u00f6rtnerhaus des Akademiegel\u00e4ndes er\u00f6ffnet im Dezember 2001 die erste Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit in Deutschland.<\/p>\n<p>Auf 50 Quadratmetern ist seit 2016 die Ausstellung \u00bbIm Provisorium. NS-Zwangsarbeit in Leipzig und beim R\u00fcstungskonzern HASAG\u00ab zu sehen. An den Fenstern finden sich seit 2022 weitere Informationen zum Gel\u00e4nde und ausgew\u00e4hlte Biografien von Menschen, die in der R\u00fcstungsproduktion arbeiten mussten. Im Sommer 2022 kam die Gedenktafel in der Kamenzer Stra\u00dfe, einem Au\u00dfenlager des KZ Buchenwald, hinzu. Das Geb\u00e4ude steht heute unter Denkmalschutz und verf\u00fcgt noch \u00fcber authentische Bauzeugnisse der Zeit vor 1945. Dass es im <a href=\"https:\/\/kreuzer-leipzig.de\/2025\/11\/27\/leipzig-nationalsozialismus-gedenkstaette\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Besitz eines Reichsb\u00fcrgers<\/a> ist und in der Vergangenheit Raum f\u00fcr Rechte gew\u00e4hrte, zeigt die vielen Schwierigkeiten der Erinnerungskultur auf. <\/p>\n<p><strong>Orientierung in unsicheren Zeiten<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Besuch von Angeh\u00f6rigen erhielt die Gedenkst\u00e4tte im vergangenen Jahr 130 Anfragen von Angeh\u00f6rigen, die auf der Suche nach Informationen waren. Neben den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern bei der HASAG gab es \u00fcber 75.000 weitere in Leipzig. Seit 2024 verf\u00fcgt die GfZL \u00fcber vier halbe Stellen sowie eine tempor\u00e4re Projektstelle zu dem am Jahresende auslaufenden Projekt \u00bbWas geht mich der Nationalsozialismus noch an? Azubis auf Spurensuche im eigenen Betrieb\u00ab verf\u00fcgt. Institutionelle F\u00f6rderung erh\u00e4lt sie vom Kulturamt Leipzig sowie der Stiftung S\u00e4chsische Gedenkst\u00e4tten.<\/p>\n<p>Auf der Homepage verzeichnet eine Karte \u00fcber 700 Orte von NS-Zwangsarbeit im Raum Leipzig mit zahlreichen Erkl\u00e4rungen, 360\u00b0-Rundg\u00e4ngen zu Orten wie dem Jahrtausendfeld, das die heutige Ansicht mit historischen Dokumenten und Fotografien erg\u00e4nzt. Seit 2012 bietet die Gedenkst\u00e4tte Stadtteilrundg\u00e4nge an \u2013 heute sind es insgesamt neun zu den Orten von Zwangsarbeit sowie zwei Radtouren. <\/p>\n<p>Befragt nach den W\u00fcnschen f\u00fcr die Zukunft steht f\u00fcr die GfZL finanzielle Sicherheit und die damit verbundene Planbarkeit der eigenen Arbeit an erster Stelle \u2013 vor allem da der Haushaltsentwurf des Freistaates f\u00fcr 2027\/28 K\u00fcrzungen im Bereich der Erinnerungskultur (siehe kreuzer 8\/2026) vorsieht. Bereits die K\u00e4mpfe f\u00fcr den aktuellen Haushalt forderten viel Arbeitszeit und Kraft. Eine Erh\u00f6hung der Personalstellen f\u00fcr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter w\u00e4re ebenso wichtig, um das Arbeitspensum von Forschung, Vermittlung, Sammlung und Bewahrung aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen. Einen weiteren wichtigen Punkt stellt die Raumkapazit\u00e4t dar, um \u00fcber gen\u00fcgend Platz f\u00fcr die Bildungsarbeit zu verf\u00fcgen, die aktuell im Ausstellungsraum stattfindet, wie auch f\u00fcr Archiv, Depot und eine Vergr\u00f6\u00dferung der Ausstellungsfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Zur L\u00f6sung des Raumproblems befand sich die Gedenkst\u00e4tte in Gespr\u00e4chen mit der Stadtverwaltung und der Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (LEVG) f\u00fcr R\u00e4ume im Kohlrabizirkus. \u00bbDie aufgerufenen Mietpreise sind jedoch so hoch, dass eine Finanzierung der Miete eine erhebliche Aufstockung unserer F\u00f6rdermittel bedeuten w\u00fcrde\u00ab, so das Gedenkst\u00e4ttenteam gegen\u00fcber dem kreuzer. Was im Hinblick auf die aktuelle Haushaltslage eher unwahrscheinlich zu sein scheint. Daher geht die Suche weiter und die Gespr\u00e4che mit Nutzerinnen und Nutzer des Wissenschaftsparks f\u00fcr die dringende Erweiterung der Fl\u00e4che. Dies alles unter dem Focus einer langfristigen Finanzierbarkeit. <\/p>\n<p>Bis es so weit ist, plant die GfZL als einen Zwischenschritt die Neukonzeption der zehn Jahre alten Dauerausstellung und deren angestrebte Er\u00f6ffnung 2028. Zum 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um l\u00e4dt die Gedenkst\u00e4tte am 10. September zur Podiumsveranstaltung \u00fcber die Erinnerungen in Familien und der Rolle der NS-Zwangsarbeit in der Gegenwart sowie zu Rundg\u00e4ngen und F\u00fchrungen.\u00a0<\/p>\n<p>&gt; <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zwangsarbeit-in-leipzig.de\" rel=\"nofollow noopener\">www.zwangsarbeit-in-leipzig.de<\/a><\/p>\n<p>&gt; Anne Friebel und Josephine Ulbricht (Hrsg.): Zwangsarbeit beim R\u00fcstungskonzern HASAG. Der Werksstandort Leipzig im Nationalsozialismus und seine Nachgeschichte, Leipzig 2023.<\/p>\n<p>&gt; 10.9., 19 Uhr, Galerie Kub: Gespr\u00e4ch \u00bbWas bleibt. Familien erinnern an NS-Zwangsarbeit\u00ab<\/p>\n<p>&gt; 12.9., 11 Uhr, Neust\u00e4dter Markt \u2013 Stadtteilrundgang zur Zwangsarbeit in Volkmarsdorf; 14 Uhr F\u00fchrung durch die Gedenkst\u00e4tte<\/p>\n<p>&gt; 19.9. 11 Uhr, Augustusplatz \u2013 Stadtteilrundgang Innenstadt; 11 Uhr, Werk 2 Stadtteilrundgang Connewitz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es klingelt am Tor, ein Mann, eine Frau und ihre Tochter betreten den Raum der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1288056,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[48519,752,15559,3364,29,20475,15738,5972,2416,30,6367,233469,78839,71,57,4438,859,20472],"class_list":["post-1288055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-angehoerige","tag-bildung","tag-bildungsarbeit","tag-de","tag-deutschland","tag-erinnerung","tag-erinnerungskultur","tag-gedenken","tag-gedenkstaette","tag-germany","tag-jude","tag-juedin","tag-juedisch","tag-leipzig","tag-nationalsozialismus","tag-nazis","tag-sachsen","tag-zwangsarbeit"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117234291688631172","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1288055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1288055"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1288055\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1288056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1288055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1288055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1288055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}