{"id":1289812,"date":"2026-09-09T04:34:47","date_gmt":"2026-09-09T04:34:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1289812\/"},"modified":"2026-09-09T04:34:47","modified_gmt":"2026-09-09T04:34:47","slug":"nach-9-11-wie-sich-die-stimmung-gegenueber-den-usa-drehte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1289812\/","title":{"rendered":"Nach 9\/11: Wie sich die Stimmung gegen\u00fcber den USA drehte"},"content":{"rendered":"<p>\n                Stand: 09.09.2026 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Die Terrorangriffe in den USA am 11. September 2001 sind ein Schock. Die damalige US-Generalkonsulin Susan Elbow schildert, wie sie die ersten Tage und Wochen danach in Hamburg erlebt hat. Aus einer Welle der Sympathie wird mit dem Irak-Krieg 2003 bei vielen Norddeutschen Wut.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/aktuell-team\/marc-oliver-rehrmann,marcoliverrehrmann100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marc-Oliver Rehrmann<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/konstanze-nastarowitz,nastarowitz-102.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Konstanze  Nastarowitz<\/a> und Charlotte Horn<\/p>\n<p class=\"\">Susan Elbow ist im Herbst 2001 noch ganz neu in der Stadt. &#8222;Ich kam am 23. August 2001 an, also knapp drei Wochen vor dem 11. September&#8220;, erz\u00e4hlt die fr\u00fchere US-Diplomatin <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/pearl-harburg-deutschland-nach-9-11,podcast-434.html\" title=\"Pearl Harburg - Deutschland nach 9\/11\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im NDR Info Podcast &#8222;Pearl Harburg &#8211; Deutschland nach 9\/11&#8220;<\/a>. &#8222;Ich hatte wirklich keine Ahnung von nichts, wo was war in Hamburg.&#8220; Sie h\u00e4tte nicht einmal sagen k\u00f6nnen, wo das Rathaus steht.<\/p>\n<p class=\"\">In den ersten Wochen bleibt ihr auch keine Zeit, die Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt zu erkunden. &#8222;Ich habe das Konsulat geleitet. Wir waren damals ungef\u00e4hr 40 bis 50 Mitarbeiter. Unsere Aufgabe war, die USA hier in Norddeutschland zu vertreten &#8211; und zwar in den f\u00fcnf norddeutschen Bundesl\u00e4ndern.&#8220; Also neben Hamburg auch in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.<\/p>\n<p>    &#8222;Wow, was f\u00fcr eine elegante Stadt&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Vor ihrer Hamburger Zeit hat Susan Elbow schon einmal in Deutschland gelebt. &#8222;Ich war in Frankfurt von 1987 bis 1990. Ich habe also den Fall der Mauer erlebt und auch die Wiedervereinigung.&#8220; Danach verschl\u00e4gt es sie nach El Salvador und Ungarn &#8211; schlie\u00dflich arbeitet sie ein paar Jahre lang im US-Au\u00dfenministerium in Washington. Hamburg kannte sie bis dahin nur von zwei Kurzbesuchen: &#8222;Wow, was f\u00fcr eine elegante Stadt&#8220;, habe sie gedacht.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/ardsounds-sendereihe-388.webp\" alt=\"Die brennenden Wolkenkratzer des World Trade Centers mit dunkler Rauchwolke, Flugzeug am orangefarbenen Himmel.\" title=\"Die brennenden Wolkenkratzer des World Trade Centers mit dunkler Rauchwolke, Flugzeug am orangefarbenen Himmel. | NDR | picture-alliance | dpa | epa | afp | Macallister\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Ein Recherche-Team von NDR Info kl\u00e4rt, welche Rolle Hamburg &#8211; als Wohnort der &#8222;Todespiloten&#8220; &#8211; gespielt hat. Es kommen Menschen zu Wort, die dieser Tag bis heute pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>    &#8222;Ich rannte zum Fernseher &#8211; wie alle anderen auch&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Sich in Ruhe in der Hansestadt einzuleben, ist der US-Amerikanerin nicht verg\u00f6nnt. Die Geschehnisse am 11. September \u00e4ndern schlagartig alles. &#8222;Ich war an dem Tag im Konsulat an der Alster&#8220;, erinnert sich Susan Elbow. &#8222;Es gab viel zu tun.&#8220; Ihre Antrittsbesuche in den f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern mussten geplant werden.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Ich war in meinem B\u00fcro, ein Kollege rannte herein und sagte, ein kleines Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen worden. Ich konnte das nicht glauben. Nat\u00fcrlich rannte ich zum Fernseher, wie alle anderen auch. Dann habe ich das zweite Flugzeug gesehen und ich wusste sofort, wo das genau war. Ich hatte tats\u00e4chlich mal im World Trade Center gearbeitet. Genauer gesagt: im 77. Stock von Turm 1.&#8220; Sie habe sogleich geahnt, dass es kein Unfall sein kann &#8211; sondern ein Terroranschlag.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/terroranschlag100.webp\" alt=\"Blick auf das brennende World Trade Center in New York nach dem Anschlag am 11.9.2001.\" title=\"Blick auf das brennende World Trade Center in New York nach dem Anschlag am 11.9.2001. | picture-alliance \/ dpa, Hubert Boesl\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die Terroranschl\u00e4ge vom 11. September 2001 in den USA ersch\u00fctterten die ganze Welt. Einige der Attent\u00e4ter lebten jahrelang in Hamburg.<\/p>\n<p>    &#8222;Es war so ein Schock, wie eine Kriegserkl\u00e4rung&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">In den folgenden Stunden stellt sich heraus: Insgesamt 19 islamistische Attent\u00e4ter haben gleich mehrere Passagier-Maschinen entf\u00fchrt. Zwei Flugzeuge fliegen in die T\u00fcrme in New York, ein drittes ins US-Verteidigungsministerium: das Pentagon bei Washington. Und bei Pittsburgh st\u00fcrzt ein viertes entf\u00fchrtes Flugzeug ab. &#8222;Es war beispiellos. Es war ein Angriff auf die USA. Es war wie eine Kriegserkl\u00e4rung&#8220;, sagt Elbow 25 Jahre nach den Anschl\u00e4gen. &#8222;Es war so ein Schock. Man dachte, das kann nicht wahr sein. Und es war diese gro\u00dfe Frage: Wann h\u00f6rt das auf, kommen noch mehr Anschl\u00e4ge?&#8220;<\/p>\n<p>    Und dann kam schnell die Polizei<\/p>\n<p class=\"\">Susan Elbow betrachtet die TV-Bilder aus den USA aus rund 6.000 Kilometern Entfernung. Als US-Generalkonsulin in Hamburg ist sie zun\u00e4chst auf sich allein gestellt. &#8222;Ich habe keine Anweisungen bekommen.&#8220; Weder aus Washington noch von der US-Botschaft in Berlin. &#8222;Ich musste alles selber erfinden&#8220;, sagt Elbow. &#8222;Und dann war ziemlich schnell die Polizei hier.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Die Hamburger Polizei bef\u00fcrchtet, dass islamistische Terroristen wom\u00f6glich auch ein Attentat auf das US-Generalkonsulat an der Au\u00dfenalster planen. Zudem war bekannt, wo die Residenz der Generalkonsulin lag. &#8222;Deswegen dachten die Polizisten, es ist zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr mich, nach Hause zu gehen. Also musste ich mich irgendwo verstecken.&#8220;<\/p>\n<p>    Tagelang dieselbe Kleidung getragen<\/p>\n<p class=\"\">Und so nimmt sie das Angebot einer Kollegin an, f\u00fcrs Erste bei ihr unterzukommen. &#8222;Dort blieb ich zwei Tage, glaube ich. Ich habe nicht geschlafen, ich habe nur Fernsehen angeschaut. Das war die einzige wirkliche Quelle f\u00fcr Information.&#8220; Und an noch etwas erinnere sie sich bis heute genau: &#8222;Mindestens zwei Tage lang, wenn nicht drei, habe ich dieselbe Kleidung getragen &#8211; einen dunkelgr\u00fcnen Hosenanzug.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Die Hamburger Polizei bewacht das Konsulat und die Residenz. Angst um ihr eigenes Leben habe Susan Elbow damals nicht gehabt. &#8222;\u00dcberhaupt nicht. Im Gegenteil, ich habe mich von den Hamburgern gesch\u00fctzt gef\u00fchlt. Ich war sicher, wenn etwas passieren w\u00fcrde, w\u00fcrden alle Leute mich sofort sch\u00fctzen.&#8220;<\/p>\n<p>    Attent\u00e4ter lebten unentdeckt in Hamburg<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/septemberanschlaege103.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/septemberanschlaege103.webp\" alt=\"Die Schlagzeile der &quot;Hamburger Morgenpost&quot; am 13. September 2001: &quot;Terror-Piloten lebten in Hamburg!&quot;\" title=\"Ein Titelblatt der &quot;Hamburger Morgenpost&quot; im September 2001: Neben Osama bin Laden ist auch Mohammed Atta (klein) abgebildet. | dpa\/ Picture-Alliance\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Ein Titelblatt der &#8222;Hamburger Morgenpost&#8220; im September 2001: Neben Osama bin Laden ist auch Mohammed Atta (klein) abgebildet.<\/p>\n<p class=\"\">Einen Tag nach den Anschl\u00e4gen sickert dann aus den USA die Information durch, dass einige der Terroristen jahrelang in Hamburg gelebt haben. Unter ihnen ist der mutma\u00dfliche Anf\u00fchrer der &#8222;Todespiloten&#8220; Mohammed Atta, der in Harburg studiert hat.<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr Susan Elbow beginnt eine atemlose Zeit: &#8222;Ich hatte wirklich keine Zeit nachzudenken. Ich musste nur Sachen machen. Und es war so viel zu tun, Leute zu beruhigen. Ich habe versucht, Informationen zu sammeln. Und nat\u00fcrlich wollten alle Kontakt mit mir. Alle Ministerpr\u00e4sidenten in Norddeutschland, viele Institutionen. Es gab so viele Fragen und Anrufe.&#8220;<\/p>\n<p>    Gro\u00dfe Kundgebung auf dem Rathausmarkt<\/p>\n<p class=\"\">Am 13. September finden sich rund 20.000 Menschen in der Hamburger Innenstadt ein. Sie wollen zeigen, wie best\u00fcrzt sie \u00fcber die Ereignisse in den USA sind. Susan Elbow ist immer noch ger\u00fchrt, wenn sie an die Szenen damals vor dem Rathaus denkt. &#8222;Es war brechend voll. Und ich stand da und ich konnte diese Welle von Sympathie sp\u00fcren. Wir waren so geeinigt in unserer Trauer und Fassungslosigkeit. Einerseits war es ein tolles Gef\u00fchl, weil wir so geeint waren. Und andererseits war es einfach so traurig.&#8220;<\/p>\n<p>    Eine ungewohnte Situation f\u00fcr die US-Diplomatin<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/elbow-108.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/elbow-108.webp\" alt=\"TV-Bilder zeigen, wie US-Generalkonsulin Susan Elbow eine Rede auf dem Rathausmarkt h\u00e4lt.\" title=\"TV-Bilder vom &quot;Hamburg Journal&quot; zeigen, wie US-Generalkonsulin Susan Elbow am 13.09.2001 ihre Rede auf dem Rathausmarkt h\u00e4lt. | NDR Fernsehen\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    TV-Bilder vom &#8222;Hamburg Journal&#8220; zeigen, wie US-Generalkonsulin Susan Elbow am 13.09.2001 ihre Rede auf dem Rathausmarkt h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"\">Als US-Generalkonsulin wird sie gebeten, vor der Menschenmenge eine Rede zu halten. TV-Bilder von damals zeigen, wie sie auf einer kleinen B\u00fchne steht. &#8222;Das war total neu f\u00fcr mich&#8220;, sagt Elbow. Anders als Politiker sei sie eine solche Situation nicht gewohnt gewesen. &#8222;Ich habe sogar im Auto auf dem Weg dorthin den letzten Teil meiner Rede geschrieben. Mit einem Kollegen habe ich noch ein bisschen die Aussprache ge\u00fcbt. Ich wei\u00df ganz genau: Ich bin \u00fcber ein paar Worte gestolpert, die sehr lang und kompliziert waren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Zum Beispiel \u00fcber das Wort &#8222;verabscheuungsw\u00fcrdig&#8220;.<strong> <\/strong>Im Skript der Rede steht der Satz: Es war ein verabscheuungsw\u00fcrdiger und grausamer Akt. &#8222;Ich habe gedacht: Das ist so wichtig. Ich muss mein Land vertreten und ich muss das richtig machen.&#8220; Sie sagt heute, es sei ihr schwer gefallen, ihre Gef\u00fchle auf der B\u00fchne zu kontrollieren. &#8222;Ich habe versucht, die Emotionen auszuschalten. Gott sei Dank, war meine Rede kurz. Hinterher habe ich dann, glaube ich, geweint.&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Unsere Werte sind st\u00e4rker als die von den Islamisten&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">In dieser Rede auf dem Rathausmarkt formuliert Susan Elbow zum ersten Mal, was sie danach immer wieder \u00fcber die deutsch-amerikanische Beziehung sagen wird. &#8222;Wir m\u00fcssen zusammenhalten. Wir m\u00fcssen unsere Werte verteidigen. Unsere Werte sind st\u00e4rker als die von den Islamisten. Unsere Freundschaft ist wichtig. Und zusammen m\u00fcssen wir gegen Terrorismus k\u00e4mpfen.&#8220;<\/p>\n<p>    Hamburg f\u00fcrchtet um seinen guten Ruf<\/p>\n<p class=\"\">In Hamburg machen sich viele Sorgen um den internationalen Ruf der Hansestadt. Ein islamistisches Terror-Netzwerk in der eigenen Stadt, das an den Anschl\u00e4gen vom 11. September ma\u00dfgeblich beteiligt war, ist keine gute Image-Kampagne.<\/p>\n<p class=\"\">Susan Elbow beschreibt die damalige Stimmung so: &#8222;Hamburg hatte nat\u00fcrlich Angst um seinen Ruf. Die Wirtschaft ist m\u00e4chtig hier und wichtig. Und die wollten nicht, dass die Wirtschaft zur\u00fcckgeht.&#8220; Und so initiiert die Hamburger Handelskammer eine ganzseitige Anzeige in der &#8222;New York Times&#8220;. In gro\u00dfen Buchstaben ist da zu lesen: &#8222;America, Hamburg stands by you.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;In der &#8218;New York Times&#8216;, in der allergr\u00f6\u00dften Zeitung der Stadt eine ganze Seite, das hat einen Haufen Geld gekostet&#8220;, wei\u00df die fr\u00fchere US-Generalkonsulin. &#8222;Aber das zeigt dann, wie wichtig diese Beziehung f\u00fcr Hamburg ist.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Im &#8222;Hamburger Abendblatt&#8220; ist schon einige Tage vorher eine \u00e4hnliche, ganzseitige Anzeige erschienen: &#8222;Amerikaner, wir sind bei euch&#8220;. Und diese Zeitungsseite h\u00e4ngen sich viele Hamburgerinnen und Hamburger in ihr Wohnzimmer-Fenster. Auch im Schauspielhaus, in Unternehmen, in Gesch\u00e4ften und Autoscheiben ist sie zu finden.<\/p>\n<p>    Vor dem Konsulat stapeln sich Stofftiere und Briefe<\/p>\n<p class=\"\">Das wei\u00dfe Geb\u00e4ude des US-Generalkonsulats wird f\u00fcr die Hamburgerinnen und Hamburger zu einer Art Gedenkst\u00e4tte. &#8222;Die Leute str\u00f6mten vor das Konsulat. Die kamen hier mit Blumen, Stofftieren, Briefen, unglaublich vielen Sachen, um ihr Beileid auszudr\u00fccken. Es war so ein Schock f\u00fcr die ganze Welt, weil es so b\u00f6se war, so unvorstellbar.&#8220; Susan Elbow sieht das Treiben von ihrem Arbeitsplatz aus. Sie ist tief bewegt von der Anteilnahme. Viele Menschen schreiben in Kondolenzb\u00fccher, die beispielsweise im Rathaus ausliegen und dann dem Konsulat \u00fcberreicht werden. &#8222;Also, es war eine unglaubliche Sympathie!&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>\n        Und dann gab es dieses panische Angst, dass noch etwas hier in Hamburg passieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>                Die fr\u00fchere US-Generalkonsulin Susan Elbow \u00fcber die Zeit kurz nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Anwohner \u00e4rgern sich anfangs \u00fcber Stra\u00dfen-Sperrung<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/us-generalkonsulat-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/us-generalkonsulat-100.webp\" alt=\"Mit Sand gef\u00fcllte Betonbl\u00f6cke und ein Polizist stehen vor dem US-Generalkonsulat an der Hamburger Au\u00dfenalster. \" title=\"Kurz vor dem Irak-Krieg 2003 verst\u00e4rkt die Polizei die Sicherheitsma\u00dfnahmen vor dem US-Generalkonsulat an der Alster. | picture-alliance \/ dpa, Kay Nietfeld\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Kurz vor dem Irak-Krieg 2003 verst\u00e4rkt die Polizei die Sicherheitsma\u00dfnahmen vor dem US-Generalkonsulat an der Alster.<\/p>\n<p class=\"\">Um einen m\u00f6glichen Anschlag auf das Generalkonsulat zu verhindern, riegelt die Polizei die Gegend um das Geb\u00e4ude ab. &#8222;Die Stra\u00dfe war total gesperrt. Das hat die Leute hier in der Nachbarschaft lange ge\u00e4rgert, aber sp\u00e4ter haben sie gesagt: &#8218;Oh, es ist sehr ruhig hier, wir f\u00fchlen uns sehr sicher.'&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Susan Elbow selbst wird anfangs rund um die Uhr von Leibw\u00e4chtern besch\u00fctzt. Mal eben zum Mittag eine Pizza in der Nachbarschaft zu essen, ist nicht mehr m\u00f6glich. &#8222;Es gab pl\u00f6tzlich keine Spontanit\u00e4t mehr. Man musste alles die Polizei fragen, die mussten zuerst hingehen und sehen, ob dieser Ort in Ordnung ist.&#8220; Auch jede einzelne Veranstaltung habe mit den Personensch\u00fctzern abgestimmt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>    &#8222;Nur am Sonntagabend war ich mal zu Hause&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Ich hatte wirklich keine Freiheit&#8220;, sagt Susan Elbow r\u00fcckblickend im Jahr 2026. &#8222;Und nat\u00fcrlich, nach dem 11. September, ich hatte sogar keine Anonymit\u00e4t mehr. Und es war interessant: In den drei Jahren, die ich in Hamburg als Generalkonsulin war, war ich kein einziges Mal im Lebensmittelgesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/gedenktafeln100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/gedenktafeln100.webp\" alt=\"Peter Tschentscher (r), Hamburgs erster B\u00fcrgermeister, Susan Elbow, ehemalige US-Generalkonsulin in Hamburg (2001 im Amt) und Darion Akins, der Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika, enth\u00fcllen anl\u00e4sslich des 20. Jahrestags der Terroranschl\u00e4ge vom 11. September 2001 zwei Schrifttafeln vor dem Generalkonsulat der USA in Hamburg.\" title=\"Im September 2021 ist Susan Elbow dabei, als vor dem US-Konsulat eine Gedenktafel f\u00fcr die Opfer der Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 enth\u00fcllt wird. | picture alliance\/dpa, Ulrich Perrey\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Im September 2021 ist Susan Elbow dabei, als vor dem US-Konsulat eine Gedenktafel f\u00fcr die Opfer der Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 enth\u00fcllt wird.<\/p>\n<p class=\"\">Zu Hause hatte ich Personal. Die haben f\u00fcr mich eingekauft und gekocht. Und ich bin kein einziges Mal mit der U-Bahn gefahren. Ich war immer im Auto, habe sehr viel gearbeitet. Fast jeden Abend eine Veranstaltung, auch in Hannover, Rostock oder Greifswald. Nur Sonntagabend war ich normalerweise zu Hause.&#8220;<\/p>\n<p>    Mit dem Irak-Krieg kippt die Stimmung<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/aussenalster-104.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/aussenalster-104.webp\" alt=\"Das Geb\u00e4ude des ehemaligen US-Generalkonsulats an der Hamburger Au\u00dfenalster\" title=\"Das US-Generalkonsulat ist 2022 aus dem Geb\u00e4ude an der Au\u00dfenalster ausgezogen - die Stra\u00dfe ist nun f\u00fcr Radfahrer wieder frei. | NDR, Marc-Oliver Rehrmann\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Das US-Generalkonsulat ist 2022 aus dem Geb\u00e4ude an der Au\u00dfenalster ausgezogen &#8211; die Stra\u00dfe ist nun f\u00fcr Radfahrer wieder frei.<\/p>\n<p class=\"\">Die gro\u00dfe Sympathie-Welle, mit der die Norddeutschen auf die Anschl\u00e4ge vom 11. September reagieren, ebbt nach und nach ab. Schon der milit\u00e4rische Einsatz gegen Afghanistan ab Oktober 2001 st\u00f6\u00dft auf Kritik. Und mit dem Irak-Krieg, der im M\u00e4rz 2003 beginnt, werden die USA f\u00fcr viele endg\u00fcltig zum Buh-Mann. Das sp\u00fcrt auch Susan Elbow damals. &#8222;Mit dem Irak-Krieg ist die Stimmung total gekippt &#8211; weg von dieser uneingeschr\u00e4nkten Solidarit\u00e4t. Das war nun ein Konflikt. Ich k\u00f6nnte sogar sagen: Es war Feindseligkeit.&#8220;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/coverfeaturenach11september-102.webp\" alt=\"Bundeswehrsoldaten im Einsatz in Rahmat Bay (Afghanistan am 22.10.2011).\" title=\"Bundeswehrsoldaten im Einsatz in Rahmat Bay (Afghanistan am 22.10.2011). | JOKER\/Timo Vog\/est&amp;ost\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Ein Feature \u00fcber die Folgen von 9\/11 f\u00fcr die Bundeswehr und die deutsche Sicherheitspolitik &#8211; von Christoph Heinzle und Sug\u00e1rka Sielaff.<\/p>\n<p>    Schweren Herzens Hamburg verlassen<\/p>\n<p class=\"\">Immer wieder muss die US-Generalkonsulin den Krieg gegen Iraks Diktator Saddam Hussein erkl\u00e4ren. Schlie\u00dflich ist sie das Gesicht der USA in Norddeutschland. Im Sommer 2004 endet dann ihre Zeit in Hamburg. Nach drei Jahren steht &#8211; wie im US-Au\u00dfenministerium \u00fcblich &#8211; die n\u00e4chste Station an: F\u00fcr sie geht es nach Belgrad.<\/p>\n<p class=\"\">Der Abschied aus der Hansestadt f\u00e4llt ihr schwer. &#8222;Ich wollte nicht weggehen. Ich hatte so viele Freunde hier gewonnen. Und diese Beziehungen waren sehr intensiv. Und Freunde haben f\u00fcr mich als \u00dcberraschung eine Abschiedsparty in St. Peter-Ording direkt am Wasser organisiert. Viele Leute kamen aus Hamburg dorthin, es war eine fabelhafte Party. Es war wirklich schwierig, Tsch\u00fcs zu sagen.&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>\n        9\/11 war bestimmt eine schlechte Wende in der Geschichte der Welt.<\/p>\n<p>                Susan Elbow, fr\u00fchere US-Generalkonsulin in Hamburg<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Kein gutes Wort \u00fcber Donald Trump<\/p>\n<p class=\"\">Inzwischen lebt Susan Elbow wieder in Hamburg &#8211; seit 2022. Als Rentnerin. Ihre Zeit als US-Diplomatin ist seit knapp sieben Jahren vorbei. K\u00f6nnte sie heute noch &#8211; unter einem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump &#8211; f\u00fcr die USA als Diplomatin arbeiten? &#8222;Nein, das k\u00f6nnte ich nicht&#8220;, antwortet die heute 69-J\u00e4hrige. Ern\u00fcchtert blickt sie auf die Entwicklung seit den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;In den ersten elf Jahren meiner Karriere ist die Welt nur in eine positive Richtung gegangen: mit dem Fall der Mauer, der Wiedervereinigung, den vielen neuen, unabh\u00e4ngigen Demokratie-L\u00e4ndern in Osteuropa. Es war super. Und dann kam 9\/11. Ich hatte gehofft, dass wir vielleicht nach zehn Jahren wieder in eine positive Richtung gehen werden.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jefferson-102.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jefferson-102.webp\" alt=\"Visualisierung des Luxus-Hotels &quot;The Jefferson&quot; an der Hamburger Alster.\" title=\"Das markante Geb\u00e4ude am Alsterufer wird inzwischen zu einem Luxus-Hotel umgebaut. | SMP\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Das markante Geb\u00e4ude am Alsterufer wird inzwischen zu einem Luxus-Hotel umgebaut.<\/p>\n<p class=\"\">Und stattdessen ist es alles instabiler geworden: die erfolglosen Kriege im Irak und Afghanistan, dann diese wirtschaftliche Finanzkrise, dann kam Covid, dann haben wir Krieg in der Ukraine und im Iran. Also, ein neues Gleichgewicht scheinen wir nicht zu finden. Und ich glaube, all diese Dinge waren wie Nahrung f\u00fcr die Populisten. Und das ist der gro\u00dfe Trend jetzt auf der Welt. Nat\u00fcrlich ist Trump ein riesiger Populist, wenn nicht etwas Schlimmeres. Und das finde ich sehr traurig. Und das hat alles, denke ich, mit 9\/11 begonnen.&#8220;<\/p>\n<p>    Immer noch viel unterwegs<\/p>\n<p class=\"\">Susan Elbow engagiert sich heute viel im Rotary Club und im traditionsreichen \u00dcbersee-Club in Hamburg. Und sonst so? &#8222;Zum Spa\u00df lerne ich jetzt T\u00fcrkisch. Ich mag Sprachen sehr gerne. Und ich unterst\u00fctze ein paar andere Organisationen, die ich sehr wichtig finde. Ich gehe nat\u00fcrlich ins Theater und ins Konzert. Und ich reise sehr viel.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">An Hamburg sch\u00e4tzt sie die Mischung aus Alt und Neu. &#8222;Teilweise ist es sehr modern, aber dann gibt es diese alten Villenviertel, das Rathaus. Und dann gibt es Wasser \u00fcberall: mit Alster und Elbe. Es ist auch sehr gr\u00fcn, es gibt Parks \u00fcberall. Es ist nicht riesengro\u00df wie in Rom und Paris, aber Hamburg bietet alles, was eine Gro\u00dfstadt zu bieten hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Die f\u00fcnf Folgen des <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/pearl-harburg-deutschland-nach-9-11,podcast-434.html\" title=\"Pearl Harburg - Deutschland nach 9\/11\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NDR Info Podcasts &#8222;Pearl Harburg &#8211; Deutschland nach 9\/11&#8220;<\/a> sind auch bei ARD Sounds zu finden.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/jefferson-102.webp\" alt=\"Visualisierung des Luxus-Hotels &quot;The Jefferson&quot; an der Hamburger Alster.\" title=\"Visualisierung des Luxus-Hotels &quot;The Jefferson&quot; an der Hamburger Alster. | SMP\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Das Hotel entsteht in dem ehemaligen US-Generalkonsulat. Am Dienstag wurden die aktuellen Pl\u00e4ne vorgestellt.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/ndrfragt911-102.webp\" alt=\"Anschl\u00e4ge vom 11. September in New York\" title=\"Anschl\u00e4ge vom 11. September in New York | imago \/ PCN Photography\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Wie blicken wir heute auf \u00f6ffentliche Sicherheit und islamistisch motivierte Anschl\u00e4ge? Was hat sich seit dem 11. September 2001 ver\u00e4ndert?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 09.09.2026 06:00 Uhr Die Terrorangriffe in den USA am 11. September 2001 sind ein Schock. 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