{"id":1290042,"date":"2026-09-09T07:13:16","date_gmt":"2026-09-09T07:13:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1290042\/"},"modified":"2026-09-09T07:13:16","modified_gmt":"2026-09-09T07:13:16","slug":"eu-innovation-act-oeffentliche-beschaffung-als-hebel-fuer-kommerzialisierung-cep","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1290042\/","title":{"rendered":"EU Innovation Act: \u00d6ffentliche Beschaffung als Hebel f\u00fcr Kommerzialisierung | cep"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"text-justify\">Ziel des ehrgeizigen Vorhabens ist die allgemeine St\u00e4rkung der Innovationsf\u00e4higkeit Europas. Die Kommission reagiert damit auf Analysen wie den Draghi-Report, die den Abbau von Investitionshemmnissen als wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Wiedergewinnung globaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas betrachten. Auswertungen internationaler Patentdaten zeigen, dass die EU insbesondere bei radikalen, f\u00fcr die Erschlie\u00dfung neuer M\u00e4rkte wesentlichen Innovationen in den letzten Jahren im globalen Vergleich deutlich an Boden verloren hat (siehe <a href=\"https:\/\/www.cep.eu\/eu-topics\/details\/a-growth-inducing-eu-innovation-act.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">cepInput Nr.2\/2026<\/a>).<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Europas Innovationsschw\u00e4che sind vielf\u00e4ltig: Hemmnisse finden sich in allen Stufen des Innovationsprozesses. Vor allem kleine innovierende Unternehmen leiden unter mangelndem Zugang zu Testinfrastrukturen und Risikokapital. Auch regulatorische Fragmentierung zwischen Mitgliedstaaten, etwa im Hinblick auf die Verwertbarkeit geistigen Eigentums aus \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Forschung, stellt ein Hemmnis f\u00fcr die Kommerzialisierung und Skalierung neuer Gesch\u00e4ftsmodelle dar. Insgesamt sieht die Kommission in der mangelnden Koordination der Innovationspolitik der Mitgliedstaaten einen wesentlichen Grund f\u00fcr unausgesch\u00f6pfte Innovationspotenziale.\u00a0<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Ein bislang von vielen Mitgliedstaaten vernachl\u00e4ssigter Hebel der Innovationsf\u00f6rderung ist die \u00f6ffentliche Auftragsvergabe. Die Kommission schl\u00e4gt vor, das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen in der EU st\u00e4rker strategisch als Instrument zur Skalierung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Technologien zu nutzen. Die F\u00f6rderwirkung kann dabei auf mehreren Stufen des Innovationsprozesses ansetzen: der Vergabe von F&amp;E-Auftr\u00e4gen, der Beschaffung noch zu entwickelnder innovativer L\u00f6sungen oder der Beschaffung bereits existierender, aber noch nicht weit am Markt verbreiteter L\u00f6sungen.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Die grunds\u00e4tzlichen Vorteile dieses Instruments liegen auf der Hand. Anders als bei klassischer F&amp;E-F\u00f6rderung kann unmittelbar Nachfrage nach innovativen L\u00f6sungen geschaffen und so der Aufbau und die Skalierung von M\u00e4rkten beschleunigt werden. Der Bereich der \u00f6ffentlichen Beschaffung stellt mit einem Anteil von etwa 14% am EU BIP einen potenziell wirkungsvollen Hebel dar. Zugleich nehmen \u00f6ffentliche Institutionen und Unternehmen so die Rolle von early adopters von Innovation ein. Dies kann mittelfristig auch zur Steigerung der Qualit\u00e4t und Kosteneffizienz von \u00f6ffentlichen Dienstleistungen beitragen.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Um die Potenziale nutzbar zu machen, m\u00fcssen in den \u00f6ffentlichen Beschaffungsstellen zun\u00e4chst die notwendigen institutionellen Kapazit\u00e4ten geschaffen werden. Einheiten und Vergabeprozesse f\u00fcr die Innovationsbeschaffung m\u00fcssen aufgebaut und Mitarbeitende geschult werden. Sowohl vertiefte technologische als auch rechtliche Kenntnisse zum Ablauf von Innovationsprozessen sind notwendig. Wichtig ist zudem ein umfassendes Risikomanagement. Die \u00f6ffentliche Beschaffung noch nicht kommerzialisierter L\u00f6sungen hat ein grunds\u00e4tzlich anderes Risikoprofil als das herk\u00f6mmliche Beschaffungswesen. Innovationsrisiken werden hier in Teilen kollektiviert. Um Risiken f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Haushalte zu begrenzen, braucht es ein intelligentes Vergabedesign, einschlie\u00dflich mehrstufiger Selektionsprozesse von Projekten und balancierte Arrangements zur Teilung von Risiken und zuk\u00fcnftiger Einnahmen. Gerade kommunale Institutionen als wichtige Tr\u00e4ger des Beschaffungswesen d\u00fcrften dabei ohne externe Hilfe in vielen F\u00e4llen \u00fcberfordert sein.<\/p>\n<p class=\"text-justify\">Grenz\u00fcberschreitende Kooperation ist deshalb auch bei diesem Instrument unabdingbar. Die existierenden EU-Leitf\u00e4den sollten zu einem gemeinsamen EU-Modell f\u00fcr Innovationsbeschaffung weiterentwickelt werden, einschlie\u00dflich zentraler Anlaufstellen f\u00fcr die Beratung \u00f6ffentlicher Institutionen. Insbesondere der Aufbau gemeinsamer, freiwilliger Beschaffungsplattformen f\u00fcr innovative L\u00f6sungen kann ein Mittel sein, um Kompetenzen zu b\u00fcndeln, Gr\u00f6\u00dfenvorteile zu realisieren und fiskalische Risiken besser zu verteilen. Die Begrenzung von Einzelrisiken w\u00fcrde auch eine st\u00e4rken Akzent auf das risikoreiche Segment der radikalen Innovationen erm\u00f6glichen. Eine Einbindung privater Unternehmen in die Finanzierung und strategische Steuerung solche Plattformen kann f\u00fcr die n\u00f6tige Marktkompetenz sorgen. Die EU w\u00fcrde sich so dem US-Erfolgsmodell einer agilen, auf schnelle Skalierung ausgerichteten Innovationsf\u00f6rderung ann\u00e4hern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ziel des ehrgeizigen Vorhabens ist die allgemeine St\u00e4rkung der Innovationsf\u00e4higkeit Europas. 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