{"id":1307417,"date":"2026-09-17T18:59:19","date_gmt":"2026-09-17T18:59:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1307417\/"},"modified":"2026-09-17T18:59:19","modified_gmt":"2026-09-17T18:59:19","slug":"lieber-friedrich-bundeskanzler-merz-macht-in-berlin-wahlkampf-in-der-wohlfuehlzone-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1307417\/","title":{"rendered":"&#8222;Lieber Friedrich&#8220;: Bundeskanzler Merz macht in Berlin Wahlkampf in der Wohlf\u00fchlzone &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Friedrich_Merz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Friedrich Merz<\/a> hat \u201eviele nette Nachrichten\u201c\u00a0 diese Woche bekommen, \u201evon Menschen aus der Kultur, die dankbar sind\u201c. Das erz\u00e4hlt der Bundeskanzler am Donnerstagabend auf der B\u00fchne im Konrad-Adenauer-Haus, der Bundesgesch\u00e4ftsstelle der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/CDU\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CDU<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Berlin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a>. Es geht um den Hauptstadtfinanzierungsvertrag, den der Bund in dieser Woche mit dem Land Berlin abgeschlossen hat. Der Bundeskanzler hat also wohl doch noch ein paar Freunde.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Merz ist heute da, um den Berliner Landesverband und seinen Spitzenkandidaten Stefan Evers beim \u201eWahlkampfschlussspurt\u201c zu unterst\u00fctzen. Schon im Januar 2023, kurz vor der Wiederholungswahl, hatte er den damaligen Spitzenkandidaten Kai Wegner unterst\u00fctzt. Das \u201eUnm\u00f6gliche wurde m\u00f6glich\u201c, wie Evers es heute ausdr\u00fcckt. Evers war damals Architekt der Kampagne, die Wegner \u00fcberraschend ins Rote Rathaus brachte. Im Juli \u00fcbernahm er die Spitzenkandidatur und den Landesvorsitz, nachdem Wegner <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/berlin-wegner-blackout-luege-kommentar-li.3513201\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wegen seiner \u00f6ffentlichen L\u00fcgen<\/a> zur\u00fcckzog.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war er mal zum Wahlkampf in Neuk\u00f6lln<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der letzte Wahlkampf, das waren andere, f\u00fcr die CDU deutlich entspanntere Zeiten: Friedrich Merz war ein kraftstrotzender Oppositionsf\u00fchrer, der nicht nur im Konrad-Adenauer-Haus den Parteikollegen einheizte, sondern sich sogar nach Neuk\u00f6lln in die Gropiusstadt wagte, um dort f\u00fcr die CDU zu werben. F\u00fcr seine m\u00e4\u00dfig verbindende Kommunikationsweise\u00a0\u2013 \u201ekleine Paschas\u201c\u00a0\u2013 war er schon damals bekannt. Aber er war noch nicht der unbeliebteste deutsche Bundeskanzler, seit es Beliebtheitsumfragen gibt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Solche Auftritte w\u00fcrde deswegen derzeit wohl niemand in der CDU Berlin bef\u00fcrworten. Im Gegenteil, aus der Partei h\u00f6rt man in Sachen Merz vor allem die Ersch\u00f6pfung dar\u00fcber, den Kanzler an Infost\u00e4nden und Haust\u00fcren st\u00e4ndig erkl\u00e4ren und verteidigen zu m\u00fcssen. Den Bundeskanzler holt man sich im Jahr 2026 dorthin, wo man die volle Kontrolle hat: ein vorsichtig kuratiertes Publikum aus CDU-Mitgliedern, dazu ein paar Ehreng\u00e4ste wie Friede Springer, Volker Beck und ein Jesuitenpater. Hier kommt niemand rein, der den Bundeskanzler aus der Fassung bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Merz kommt mit Evers und Bundesgeneralsekret\u00e4rin Franziska Hoppermann auf die B\u00fchne. Der Saal steht auf, aber der planm\u00e4\u00dfige Applaus pl\u00e4tschert eher lauwarm vor sich hin und gilt vor allem Evers, dem hier alle sehr dankbar sind. Hoppermann sagt, dass die CDU \u201eBerlin gut tut\u201c und: \u201eEs ist nicht einfacher geworden, Wahlkampf zu f\u00fchren in einer polarisierten Zeit.\u201c Sie dankt allen, die \u201ebuchst\u00e4blich Gesicht zeigen auf den Stra\u00dfen\u201c. Das ist nicht etwas f\u00fcr jeden, ist der Subtext. Die Konfrontation mit der \u00d6ffentlichkeit ist offenbar ein Schmerzthema im Parteivorstand.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Evers spricht dann erst lange \u00fcber Berlin, wettert in gewohnter Manier gegen \u201ealle Extremisten\u201c und k\u00fcndigt den Kampf an gegen \u201ejede Menschenfeindlichkeit, sei es Vermieterfeindlichkeit oder Judenfeindlichkeit\u201c; interessanterweise sagt er nichts \u00fcber Rassismus. Er sagt, er habe im \u201ewilden Ritt\u201c der letzten zehn Wochen eines gelernt: \u201eWenn du denkst, dass Berlin mit dir fertig ist, ist es noch lange nicht mit dir fertig.\u201c Ob das auch f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> und den Bundeskanzler gilt? Nach der krachenden Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt und den Debatten, die in der Partei seitdem gef\u00fchrt werden, dr\u00e4ngt sich die Frage nat\u00fcrlich auf.<\/p>\n<p>Ein bisschen Kritik an Merz \u00fcben sie hier schon<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn am Sonntagabend die Wahlergebnisse aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern kommen, wird es jedenfalls auch um Merz&#8216; Zukunft gehen. W\u00e4hrend in Mecklenburg-Vorpommern nicht mal der Einzug der CDU in den Landtag gesichert scheint, will die Partei in Berlin\u00a0\u2013 allerdings nach schweren Einbu\u00dfen im letzten Jahr\u00a0\u2013 das Rote Rathaus verteidigen. Darauf hat sie auch eine realistische Chance. Sollte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern aber nicht \u00fcber die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde kommen und sollte Evers am Sonntag scheitern, wird es f\u00fcr den Kanzler eng.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Evers aber meint es an diesem Abend gut mit Friedrich Merz. Ein bisschen Kritik hat er schon. Er berichtet von der Arbeit in seiner eigenen schwarz-roten Koalition, und dass man alle Konflikte immer hinter verschlossenen T\u00fcren ausgetragen habe. \u201eAber dann sind wir gemeinsam raus gegangen und sind geschlossen aufgetreten.\u201c Die Bundesregierung ist da ja anders, deswegen ist klar, wen Evers meint, wenn er sagt, er\u00a0\u00a0w\u00fcnsche sich diesen Politikstil nicht nur f\u00fcr Berlin, sondern auch f\u00fcr ganz Deutschland.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber zu Evers politischer Marke geh\u00f6rt die Loyalit\u00e4t, die er in seinem Landesverband immer wieder bewiesen hat. \u201eEs ist eine schwere Verantwortung, die auf deinen Schultern ruht, lieber Friedrich. Und wir werden in Berlin alles tun, um dich auf diesem Weg zu unterst\u00fctzen.\u201c Er wolle daf\u00fcr sorgen, dass Berlin eine Hauptstadt bleibt, auf die Deutschland und auch Merz pers\u00f6nlich stolz sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Merz wirkt fast ger\u00fchrt \u00fcber diese Ansprache, und er f\u00fchlt sich hier sichtlich wohl, so unter seinesgleichen. \u201eSie haben eine nicht ganz einfache Koalition und wir haben eine nicht ganz einfache Koalition. Nach 16 Monaten, trotz aller Kritik und manches davon teile ich, k\u00f6nnen wir sagen: Wir sind auf dem Weg raus aus der Krise.\u201c Das \u201etiefe Tal der stagnierenden Wirtschaft\u201c sei durchschritten. Er verteidigt die Rentenreform: \u201eWir nehmen niemandem etwas weg. Wir machen das nicht f\u00fcr uns, sondern damit wir den Jungen wirklich eine Chance geben k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Insgesamt h\u00e4lt sich Merz an diesem Abend nicht mit allzu Konkretem auf. Daf\u00fcr wird sein Selbstverst\u00e4ndnis deutlich, und das ist historisch. Er spricht ein bisschen \u00fcber die Geschichte von Berlin, \u00fcber Bundestagssitzungen, die er noch \u201ezu Teilungszeiten\u201c erlebt habe. Er rekurriert auf Ludwig Erhard (\u201eJeder von uns, der ein bisschen wirtschaftspolitisch interessiert ist, hat ihn im Regal stehen. Und der ein oder andere hat ihn sogar gelesen\u201c) und auf Konrad Adenauer. Die Stalin-Note! Als der sowjetische Diktator die deutsche Einheit anbot unter der Ma\u00dfgabe der Neutralit\u00e4t, habe Adenauer abgelehnt. \u201eHeute wissen wir, dass diese Antwort gegen weit verbreitete Meinungen in der \u00d6ffentlichkeit richtig war.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eWer heute den Kampf in Deutschland aufgibt, hat morgen die Freiheit in ganz Europa aufgegeben\u201c, sagt er. Er \u201eund die Bundes-CDU\u201c, sagt Merz, w\u00fcrden \u201eauf die Wahlen schauen am Sonntagabend, vor allem auf Berlin.\u201c Die Betonung liegt auf dem letzten Teil des Satzes. Dann k\u00fcndigt der Kanzler noch an, er werde am Mittwoch im Kabinett den n\u00e4chsten Zehn-Punkte-Plan verabschieden, gegen Sozialstaatsbetrug. Jubel gibt es an diesem Abend nur f\u00fcr Stefan Evers, der Applaus f\u00fcr den Bundeskanzler wirkt aber nicht nur der CDU-\u00fcblichen Disziplin geschuldet. Und der Kanzler klingt insgesamt so, als habe er auch f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit noch ein paar Pl\u00e4ne im Amt, gr\u00f6\u00dfere und kleinere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Friedrich Merz hat \u201eviele nette Nachrichten\u201c\u00a0 diese Woche bekommen, \u201evon Menschen aus der Kultur, die dankbar sind\u201c. 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