{"id":130779,"date":"2025-05-22T13:19:09","date_gmt":"2025-05-22T13:19:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/130779\/"},"modified":"2025-05-22T13:19:09","modified_gmt":"2025-05-22T13:19:09","slug":"die-stimmung-ist-hier-viel-besser-als-im-rest-von-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/130779\/","title":{"rendered":"\u201eDie Stimmung ist hier viel besser als im Rest von Europa\u201c"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die deutsche Filmbranche mit gro\u00dfen Problemen zu k\u00e4mpfen hat, boomt die Produktion von Serien und Filmen in Spanien. Ein Besuch in den Secuoya Studios in Madrid. Das Ziel: Spanien soll das Hollywood von Europa werden.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es dauert knapp 20 Minuten mit dem Auto, bis man vom Flughafen Madrid in der Gemeinde Tres Cantos im Norden der spanischen Hauptstadt angelangt ist. Der Vorort ist eine der in den vergangenen Jahrzehnten aufgebauten Siedlungen mit Niederlassungen gro\u00dfer Firmen. Die zwar wenig Charakter verstr\u00f6men, aber vor allem f\u00fcr Familien sehr attraktiv sind. Neue Wohnungen, eine exzellente, fast \u00fcbertriebene Infrastruktur und bald auch eine gute Anbindung an den Nahverkehr.  <\/p>\n<p>In Tres Cantos entsteht seit einigen Jahren ein Medienunternehmen, das sich selbst als Speerspitze in Europa versteht: die <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/secuoyacontentgroup.com\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/secuoyacontentgroup.com\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Secuoya Content Group<\/a>, zu der die Film- und Serienproduktionsfirma <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/secuoyastudios.com\/en\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/secuoyastudios.com\/en\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Secuoya Studios<\/a> geh\u00f6rt. In der Aufbauarbeit haben sich die Gr\u00fcnder auf den weltweiten spanischsprachigen Unterhaltungsmarkt konzentriert, hier sieht man sich inzwischen als Marktf\u00fchrer. Eine aufwendige Serien-Neuverfilmung von \u201eZorro\u201c lief im vergangenen Jahr in Lateinamerika, den USA und Spanien bei Amazon Prime Video, bisher aber nicht in Deutschland. Bei der vergangenen Berlinale stellte Secuoya die Mystery-Serie \u201eShades\u201c vor. In drei Jahren soll der Anteil englischsprachiger Produktionen auf 50 Prozent steigen.\u00a0<\/p>\n<p>Origin\u00e4re Film- und Serienproduktion aus Spanien bekommen zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Exemplarisch etwa die Serie \u201eHaus des Geldes\u201c, die in mehreren Staffeln erst im spanischen Fernsehen und dann bei Netflix lief, zwischen 2017 und 2021 \u2013 vielleicht die erfolgreichste spanische Serie \u00fcberhaupt. Oder \u201e\u00c9lite\u201c, eine Story f\u00fcr junge Erwachsene \u00fcber eine Schule f\u00fcr Kinder reicher Eltern. Im April war die meistgesehene Netflix-Serie in Deutschland der spanische Thriller \u201eDer G\u00e4rtner\u201c.    <\/p>\n<p>\u00dcber den gro\u00dfz\u00fcgigen Konferenzraum in der f\u00fcnften Etage des Secuoya-Hauptquartiers gelangt man auf eine Dachterrasse, von der man nicht nur einen Blick auf die Landschaft hat, sondern auch auf die gesamte Anlage mit mittlerweile rund 140.000 Quadratmetern Fl\u00e4che. B\u00fcrogeb\u00e4ude, zw\u00f6lf sogenannte Soundstages, so werden die riesigen Produktionshallen genannt, in der die eigentlichen Dreharbeiten stattfinden, eine Postproduktionsfirma, in der die Aufnahmen bearbeitet werden und eine Universit\u00e4t f\u00fcr Filmstudenten, finanziert von der Mediengruppe Planeta. So bindet man praktischerweise gleich junge Talente. 2300 angestellte Mitarbeiter und rund 10.000 freie Mitarbeiter z\u00e4hlt die Gruppe bisher, bei einem Umsatz von 142 Millionen Euro. In diesem Jahr sollen gleich 20 Serien hier entstehen, was ziemlich ehrgeizig ist.<\/p>\n<p>Netflix als Dauermieter<\/p>\n<p>Das Ganze nennt sich Madrid Content City \u2013 wer allergisch gegen das Wort \u201eContent\u201c ist, also \u201eInhalt\u201c als Bezeichnung f\u00fcr kreative Stoffe, muss Toleranz aufbringen. Auf einer Halle prangt ein gro\u00dfes rotes \u201eN\u201c, das von Netflix. Der Streaminggigant hat sich als Dauermieter einquartiert und betreibt hier sein gr\u00f6\u00dftes Produktionszentrum in Europa. Teile des erfolgreichen Films \u201eDie Schneegesellschaft\u201c wurden hier in einer Halle und in der nahe gelegenen Sierra Nevada gedreht.  <\/p>\n<p>Im Konferenzraum markiert Secuoya-Gr\u00fcnder Ra\u00fal Berdon\u00e9s, dem gemeinsam mit dem CEO Pablo Jimeno die Mehrheit an dem Unternehmen geh\u00f6rt, seinen Anspruch: \u201eWir wollen f\u00fchrend f\u00fcr Fiction-Produktionen in ganz Europa sein\u201c. Berdones hat die Firma bereits 2007 gegr\u00fcndet, da war er 28 Jahre alt, damals mit einem Fokus auf Dienstleistungen f\u00fcr Produktionsfirmen. Vor rund vier Jahren dann die Entscheidung: Ein Schwenk hin zu eigenen Produktionen, hin zu kreativer Arbeit, immer in Kooperation mit einem Partner.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr war Spanien laut Berdon\u00e9s bereits zweitgr\u00f6\u00dfter Produzent f\u00fcr Bewegtbild-Formate in Europa, hinter Gro\u00dfbritannien. Das hat nicht nur mit dem guten Wetter zu tun, auf das immer ausgiebig verwiesen wird, sondern auch damit, dass die Film- und Serienproduktion eine \u201estrategische S\u00e4ule\u201c f\u00fcr das Land ist. Spanien soll demnach das \u201eHollywood Europas\u201c werden, wie der spanische Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez es bereits vor einigen Jahren vorgab. Seine Regierung plante 1,6 Milliarden Euro f\u00fcr die F\u00f6rderung der Filmindustrie \u00fcber f\u00fcnf Jahre ein. Aufs Geld geschaut wird trotzdem: Kostenbewusstsein z\u00e4hlt neben den Sonnenstunden im Land zu den Argumenten von Secuoya. Die Gleichung lautet, dass Produktionen in Spanien ann\u00e4hernd so gut sind wie etwa US-Produktionen, aber f\u00fcr deutlich geringere Kosten \u00fcber die B\u00fchne gehen.  <\/p>\n<p>\u201eDie Stimmung ist hier viel besser als im Rest von Europa, und sicherlich besser als in den USA.\u201c Das sagt der Amerikaner Brendan Fitzgerald, der Chef der Secuoya Studios, ein erfahrener Manager, der auch schon f\u00fcr die deutsche Beta Film in M\u00fcnchen gearbeitet hat. Fitzgerald ist der Architekt eines Konzepts, das auf Kooperationen mit Partnern weltweit basiert. Ein Teil der Produktion muss in Spanien stattfinden, damit die Firmen von Steueranreizen profitieren k\u00f6nnen.  <\/p>\n<p>Kontrast zu Deutschland<\/p>\n<p>Die Vitalit\u00e4t der Branche, die hier zu sp\u00fcren ist, steht allerdings auch so im recht deutlichen Widerspruch zur Lage in Deutschland. Die Produktionsbranche hierzulande hat gro\u00dfe Probleme, weil eine umfassende Reform der Filmf\u00f6rderung, die auch Steueranreize ben\u00f6tigt, bisher nicht umgesetzt wurde \u2013 dies ist nun Aufgabe der neuen Bundesregierung. In der Vergangenheit <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/article252005056\/Reformplan-Die-Angst-der-Filmproduzenten-vor-dem-Blackout.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/article252005056\/Reformplan-Die-Angst-der-Filmproduzenten-vor-dem-Blackout.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">warnten Verb\u00e4nde und Unternehmen<\/a> bereits vor Insolvenzen. Viele Produktionshallen stehen schon l\u00e4nger leer. Die Zeit dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen plant Secuoya \u2013 der Riesenmammutbaum, der der Firma den Namen gegeben hat, stammt eigentlich aus Kalifornien; auch in Los Angeles hat die Firma eine Niederlassung \u2013 k\u00fcnftig enge Kooperationen mit Produzenten in zehn L\u00e4ndern, darunter Deutschland. Der Zukauf von Filmfirmen sei denkbar, f\u00fcr mehr Wachstum haben Berdon\u00e9s und Jimeno nach eigenen Angaben 100 Millionen Euro im Budget. \u201eWir k\u00f6nnen der Rettungsring f\u00fcr kleinere Unternehmen sein\u201c, wirbt Berdon\u00e9s mit Blick auf die angespannte wirtschaftliche Situation. Gerade wurde ein Produktionszentrum in Kolumbien er\u00f6ffnet, eine erste Serie geht mit \u201eLos 39\u201c an den Start, die dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die von Christoph Kolumbus auf einer Insel im Karibischen Meer ausgesetzt wurden.  \u00a0<\/p>\n<p>Ra\u00fal Berdon\u00e9s sagt, der lange Hollywood-Streik von Schauspielern und Autoren vor zwei Jahren sei ein gro\u00dfer strategischer Fehler gewesen. Weil er Auftr\u00e4ge ins Ausland und damit auch nach Europa verlagert habe. Die Nachricht, dass Donald Trump Filmproduktionen amerikanischer Firmen, die im Ausland gedreht werden, nun mit Z\u00f6llen belegen will, mag er noch nicht kommentieren.  <\/p>\n<p>Bei einem Spaziergang \u00fcber das Areal steht eine der rund 14 Meter hohen Hallen offen, hier werden gerade die Kulissen f\u00fcr eine Serie gebaut, die \u201eDie Geheimnisse der Kurtisane\u201c hei\u00dfen soll. Die Dreharbeiten beginnen demn\u00e4chst, noch ist nicht viel zu sehen. Ein Mitarbeiter erz\u00e4hlt, dass Pedro Almod\u00f3var hier einen Teil seines letzten Films <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article254126742\/The-Room-Next-Door-Krebs-ist-Krieg.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article254126742\/The-Room-Next-Door-Krebs-ist-Krieg.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDas Zimmer nebenan\u201c<\/a> gedreht habe \u2013 und die Filmstudenten, die in dem Geb\u00e4udekomplex nebenan das Handwerk lernen, jeden Tag f\u00fcr eine Stunde vorbeischauen durften, was der Meister macht. Ob die ambitionierte Strategie von Secuoya aufgeht, wird sich zeigen \u2013 die T\u00fcren stehen jedenfalls offen.<\/p>\n<p>Christian Meier ist WELT-Medienredakteur. Pedro Almod\u00f3vars Filme mag er, mit seinen Kindern schaut er aber gern die Filme der Reihe \u201ePadre no hay m\u00e1s que uno\u201c (\u201eEs gibt nur einen Vater\u201c) mit dem Schauspieler Santiago Segura, die es leider noch nicht in der deutschen Streamingwelt gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend die deutsche Filmbranche mit gro\u00dfen Problemen zu k\u00e4mpfen hat, boomt die Produktion von Serien und Filmen in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":130780,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,48573,13,48572,10277,62,14,15,12,471,4026,1897],"class_list":{"0":"post-130779","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-filmproduktion-ks","16":"tag-headlines","17":"tag-hollywood-streik","18":"tag-madrid","19":"tag-medien","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-serien","24":"tag-spanien","25":"tag-streaming"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114551689297473213","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130779\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/130780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=130779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=130779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}