{"id":131732,"date":"2025-05-22T21:52:25","date_gmt":"2025-05-22T21:52:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/131732\/"},"modified":"2025-05-22T21:52:25","modified_gmt":"2025-05-22T21:52:25","slug":"experten-sehen-keine-hinweise-fuer-heroinwelle-bei-jugendlichen-ndr-de-nachrichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/131732\/","title":{"rendered":"Experten sehen keine Hinweise f\u00fcr Heroinwelle bei Jugendlichen | NDR.de &#8211; Nachrichten"},"content":{"rendered":"<p class=\"preface\">Der Hamburger Jugendsucht-Experte Rainer Thomasius vom UKE warnt vor einer neuen Heroinwelle bei Jugendlichen. Polizei und andere Suchtforscher halten das f\u00fcr unbelegt und widersprechen entschieden.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Jenny Witt, J\u00f6rn Straehler-Pohl und Elias Bartl<\/p>\n<p>Hamburgs bekanntester Jugendsuchtmediziner, Rainer Thomasius, warnt vor einem deutlichen Anstieg des Heroinkonsums bei Jugendlichen. Ausl\u00f6ser daf\u00fcr sei laut seiner Einsch\u00e4tzung die Teillegalisierung von Cannabis. Im <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/politik\/article409016618\/cannabis-legalisierung-fuehrt-zu-heroinkonsum-von-jugendlichen-2.html\" title=\"Link: Abendblatt: Cannabis-Freigabe f\u00fchrt zu Heroin-Konsum von Jugendlichen\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Hamburger Abendblatt<\/a> sagte er, der Schwarzmarkt f\u00fcr Cannabis sei weitgehend eingebrochen. Nun w\u00fcrden Dealer stattdessen vermehrt Heroin anbieten und es jungen Menschen sogar kostenlos \u00fcberlassen, um sie s\u00fcchtig zu machen. In seiner Klinik am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) m\u00fcsse man nun h\u00e4ufiger junge Heroinabh\u00e4ngige behandeln, so Thomasius.<\/p>\n<p>Dramatischer Vergleich mit Christiane F.<\/p>\n<p>Besonders eindringlich warnte Thomasius im Abendblatt: \u201eSeit sechs Monaten gibt es ein Revival des Heroinkonsums in Hamburg, das ich in 30 Jahren bei den Jugendlichen nicht mehr erlebt habe.\u201c Er erinnerte dabei w\u00f6rtlich an die Geschichte &#8222;Christiane F. &#8211; Wir Kinder vom Bahnhof Zoo&#8220;, die Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre durch Buch und Verfilmung das Schicksal jugendlicher Drogenkonsumentinnen und -konsumenten in Berlin aufzeigte.<\/p>\n<p>Belege oder Daten, seine Einsch\u00e4tzung st\u00fctzen, nannte Thomasius allerdings nicht. Auf NDR-Anfrage teilte eine Sprecherin des UKE mit, dass dort ebenfalls keine belastbaren Statistiken zu einem Anstieg des Heroinkonsums bei Jugendlichen vorl\u00e4gen.<\/p>\n<p>Wissenschaftler zweifelt an drastischem Anstieg<\/p>\n<p>Kritik an Thomasius Darstellung kommt auch von anderen Fachleuten. Der Suchtforscher und Drogenforscher Theo Baumg\u00e4rtner, Leiter der SCHULBUS-Studie zum Drogenkonsum bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in Hamburg, widerspricht den Aussagen deutlich. Aus Sicht seines Forschungsteams gebe es derzeit keine Hinweise auf ein &#8222;Revival&#8220; des Heroinkonsums. Ganz im Gegenteil: In den repr\u00e4sentativen Befragungen der 14- bis 17-J\u00e4hrigen, der vergangenen zw\u00f6lf Monate sei bei Jugendlichen insgesamt ein R\u00fcckgang des Drogenkonsums zu beobachten &#8211; sowohl bei Alkohol als auch bei illegalen Drogen wie Ecstasy, LSD oder Cannabis.<\/p>\n<p>Baumg\u00e4rtner sieht au\u00dferdem keine Hinweise darauf, dass der Cannabis-Schwarzmarkt durch die neue Gesetzeslage tats\u00e4chlich verschwunden sei. Seine Daten legten nahe, dass legale und illegale Drogen derzeit insgesamt seltener konsumiert werden.<\/p>\n<p>Polizei sieht Problem eher bei Kokain<\/p>\n<p>Auch aus Sicht der Hamburger Polizei gibt es keine Anzeichen f\u00fcr einen massiven Anstieg des Heroinkonsums unter Jugendlichen. Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter spricht vielmehr von einem \u201eRiesenkonsumproblem\u201c bei Cannabis und Kokain &#8211; nicht aber bei Heroin. Den vielzitierten R\u00fcckgang des illegalen Cannabis-Marktes k\u00f6nne man in der polizeilichen Praxis nicht nachvollziehen. Die Szene sei nach wie vor aktiv, die Angebote vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>Heroin spiele in Hamburg dagegen nur eine untergeordnete Rolle &#8211; sowohl im Stra\u00dfenhandel als auch in der Kriminalstatistik. Hinweise auf eine gezielte Strategie von Dealerinnen und Dealern, Jugendliche mit Heroin s\u00fcchtig zu machen, gebe es laut Reinecke nicht.<\/p>\n<p>Fachliche Auseinandersetzung statt Alarmismus<\/p>\n<p>Der Fall zeigt nach unseren Recherchen, wie sensibel das Thema Drogenkonsum bei Jugendlichen weiterhin ist &#8211; besonders im Umfeld neuer gesetzlicher Regelungen wie der Teillegalisierung von Cannabis. W\u00e4hrend Thomasius als erfahrener Mediziner mit seiner \u00f6ffentlichen Warnung auf ein m\u00f6gliches Risiko aufmerksam machen will, fordern andere Expertinnen und Experten mehr Datengrundlagen und eine differenzierte Betrachtung.<\/p>\n<p>Die Aussagen des UKE-Arztes haben durch seine Bekanntheit ein gro\u00dfes mediales Echo ausgel\u00f6st. Umso wichtiger d\u00fcrfte es sein, dass seine Thesen durch valide Zahlen belegt werden &#8211; vor allem, wenn es um eine potenziell verunsichernde Behauptung wie den Heroinkonsum bei Jugendlichen geht. Forschende und Polizeikr\u00e4fte mahnen daher zur Sachlichkeit &#8211; und zur klaren Trennung zwischen Einzelf\u00e4llen und gesellschaftlichen Trends.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Hamburger Jugendsucht-Experte Rainer Thomasius vom UKE warnt vor einer neuen Heroinwelle bei Jugendlichen. 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