{"id":132444,"date":"2025-05-23T04:40:21","date_gmt":"2025-05-23T04:40:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/132444\/"},"modified":"2025-05-23T04:40:21","modified_gmt":"2025-05-23T04:40:21","slug":"christine-kugler-ueber-waermeplaene-wohnvisionen-und-warum-klimaschutz-ohne-soziale-gerechtigkeit-nicht-funktioniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/132444\/","title":{"rendered":"Christine Kugler \u00fcber W\u00e4rmepl\u00e4ne, Wohnvisionen und warum Klimaschutz ohne soziale Gerechtigkeit nicht funktioniert"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\tWas passiert, wenn die W\u00e4rmewende vor der eigenen Haust\u00fcr steht?<\/p>\n<p>M\u00fcnchen hat als einer der ersten St\u00e4dte \u00fcberhaupt einen <a href=\"https:\/\/rethink-muenchen.de\/kommunale-waermeplanung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">W\u00e4rmeplan<\/a> vorgelegt \u2013 und der hat es in sich:<strong> interaktiv, datenbasiert, quartiersgenau<\/strong>. Wer wissen will, welche klimafreundliche Heizoption f\u00fcrs eigene Zuhause taugt, kann einfach die eigene Adresse im <a href=\"https:\/\/geoportal.muenchen.de\/portal\/waermeplan\/#\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Portal Kommunaler W\u00e4rmeplan<\/a> eingeben und losst\u00f6bern. Der Plan zeigt: <strong>Bis 2045 soll die Fernw\u00e4rme den Gro\u00dfteil der Stadt versorgen<\/strong> <strong>\u2013 gespeist aus einem Schatz tief unter unseren F\u00fc\u00dfen: M\u00fcnchens Geothermie.<\/strong> Das Fernw\u00e4rmenetz der SWM, mit aktuell rund 1.000 Kilometern L\u00e4nge eines der gr\u00f6\u00dften in Deutschland, soll bis 2040 um circa 600 Kilometer erweitert werden.<\/p>\n<p>W\u00e4rmeplan mit Legende \u00a9RKU M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Es gibt Momente, in denen Politik den Menschen ganz nah kommt. Ins Wohnzimmer, in den Heizungskeller, ans eigene Haus. Das <a href=\"https:\/\/rethink-muenchen.de\/bauen-und-sanieren\/geg-waermeplanung\/#jump1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geb\u00e4udeenergiegesetz<\/a> war so ein Moment. <strong>\u201eMaximale \u00dcbergriffigkeit ins Private\u201c<\/strong>, nennt Christine Kugler das Gef\u00fchl vieler B\u00fcrger:innen \u2013 und sie versteht, was gemeint ist. Wenn es um den Umbau des Eigenheims geht, geht es nicht nur um Sanierung und eine Ausbesserung der Geb\u00e4udetechnik. <strong>Es geht auch um Identit\u00e4t, um Besitz \u2013 und darum, was wir unter Wohlstand verstehen<\/strong>. Wenn das, worauf man sein Leben aufgebaut hat \u2013 das eigene Haus \u2013 pl\u00f6tzlich zur Diskussion steht, trifft das tief. \u201eUnd wenn dann noch die \u00f6konomische \u00dcberforderung dazukommt, ist der Frust perfekt.\u201c Dabei sei klar: \u201eOhne soziale Flankierung funktioniert Klimaschutz nicht.\u201c<\/p>\n<p>Der hei\u00dfe Schatz unter M\u00fcnchen \u2013 so kann Erdw\u00e4rme f\u00fcr die Geb\u00e4udetemperierung genutzt werden \u00a9 RKU M\u00fcnchen<\/p>\n<p>\t\t\tVom Heizungskeller ins Quartier<\/p>\n<p>Wie kann Klimaschutz also gelingen \u2013 konkret, machbar und sozial gerecht? Kugler, die zuvor bei den Stadtwerken f\u00fcr Energieeffizienz in den M\u00fcnchner B\u00e4dern zust\u00e4ndig war, wei\u00df: <strong>Die W\u00e4rmewende muss von unten wachsen.<\/strong> Wortw\u00f6rtlich \u2013 mit Tiefengeothermie. Und hier bringt M\u00fcnchen im Gegensatz zu anderen St\u00e4dten eine Besonderheit mit. Unter dem M\u00fcnchner Boden liegt ein Energie-Schatz: die Geothermie. Doch um diesen Schatz zu heben, braucht es mehr als Bohrungen. Es braucht einen Plan. Den hat die Stadt: <strong>80 % der Fernw\u00e4rme sollen k\u00fcnftig aus der Tiefe kommen.<\/strong><\/p>\n<p>Das RKU experimentiert in ersten Vierteln zu umfassenden L\u00f6sungen, wie dieses Vorhaben gelingen kann. <strong>Im <a href=\"https:\/\/rethink-muenchen.de\/quartiere\/oesterreicherviertel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreicher Viertel<\/a> zum Beispiel ber\u00e4t das RKU mit Energieexpert:innen die Bewohner:innen direkt vor Ort<\/strong>. \u201eDas Quartier ist eine Gr\u00f6\u00dfe, mit der man arbeiten kann\u201c, sagt Kugler. Dort treffen sich die Menschen. Es gibt echte Begegnungen. Vertrauen. Und manchmal sogar so etwas wie Begeisterung \u2013 f\u00fcr den gemeinsamen Klimaschutz.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcnchen bis 2035 klimaneutral machen<\/strong>. Ein Ziel, das ehrgeizig klingt. Denn die Realit\u00e4t ist, wie Kugler es formuliert: \u201eDie Kommunen sind die gefesselten Treiber des Klimaschutzes, aber auch des Klimawandels.\u201c Gro\u00dfst\u00e4dte sto\u00dfen \u00fcber 80 % der Treibhausgase aus \u2013 und sollen nun auch die L\u00f6sung liefern.<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnung Klima Dult \u00a9 MatthiasWallot (SINN MEDIA)<\/p>\n<p>\t\t\tKlimaschutz und Fl\u00e4chen-Tetris<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe <strong>Transformation und Erschlie\u00dfung von Standorten f\u00fcr die Tiefengeothermie<\/strong> bringt viele Zielkonflikte mit sich. Zum Beispiel zwischen Wohnungsbau und Artenschutz. Ein Beispiel? Auf dem <a href=\"https:\/\/stadt.muenchen.de\/infos\/virginia-depot.html#:~:text=2022%20kristallisierte%20sich%20der%20Bereich,eine%20Geothermie%2DAnlage%20genutzt%20werden.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Virginia-Depot-Gel\u00e4nde<\/a> soll eine tiefengeothermische Anlage entstehen, in unmittelbarer N\u00e4he einer Schule und einem Fl\u00fcchtlingslager. Doch lebt auf diesem Areal auch die nach EU-Recht streng gesch\u00fctzte Zauneidechse.<strong> Alle Fl\u00e4chenbedarfe so in Einklang zu bringen ist nicht einfach<\/strong>: <strong>Das Ergebnis ist ein m\u00fchsam ausgehandelter Kompromiss<\/strong>. Die Schule bekommt den Sportplatz auf dem Dach, die wertvollsten Fl\u00e4chen des Eidechsen-Habitats werden erhalten und die geothermische Anlage muss etwas komplizierter gebaut werden.<\/p>\n<p>\u201eWir spielen t\u00e4glich Tetris mit Fl\u00e4chen\u201c, erz\u00e4hlt Kugler. Denn f\u00fcr sie geh\u00f6rt zur Klimagerechtigkeit auch die Biodiversit\u00e4t: \u201eDie Artenvielfalt und die Biodiversit\u00e4t bescheren uns Wohlstand. Das ist unsere Lebensgrundlage.\u201c Wenn wir keine Bienen mehr haben, brauchen wir Roboter zur Best\u00e4ubung \u2013 und dann gibt es keine Wei\u00dfwurst mehr auf dem Oktoberfest, so Kugler. Da sollten die M\u00fcnchner:innen doch hellh\u00f6rig werden.<\/p>\n<p>Umgestaltung Prinz-Eugen-Park \u00a9 Sarah Naundorf und Agilofingerplatz, Bauverein Giesing \u00a9 Elke Kressirer\u00a0<\/p>\n<p>\t\t\tLego f\u00fcrs Leben \u2013 warum Wohnen flexibler werden muss<\/p>\n<p>Ein weiteres Riesenthema: Wohnraum. Oder besser: der clevere Umgang damit. Viele wohnen zu gro\u00df, andere zu klein. Flexibilit\u00e4t? Mangelware. Was wir brauchen, ist <strong>Wohnen wie Lego \u2013 anpassbar, wandelbar, clever.<\/strong> Statt immer mehr Fl\u00e4chen zuzubauen, sagt Kugler: Lasst uns doch mal kreativ mit dem umgehen, was schon da ist.<\/p>\n<p>Die Konzepte daf\u00fcr gibt\u2019s l\u00e4ngst: Wohnungstausch statt Umzug, modulare Grundrisse, die sich dem Leben anpassen. Zum Beispiel: Die Kinder sind aus dem Haus, 100 Quadratmeter sind zu viel? Dann zieht man in eine kleinere Einheit \u2013 im selben Haus. Und die gro\u00dfe Wohnung geht an die n\u00e4chste Familie. Ganz ohne Neubau, ganz ohne zus\u00e4tzliche Fl\u00e4chenversiegelung.<\/p>\n<p>\t\t\tUnd wie bringt man Menschen dazu, beim Thema Klimaschutz mitzumachen?<\/p>\n<p>Ganz klar: Anreize statt Vorschriften. Eine ziemlich spannende Idee aus dem Gespr\u00e4ch ist die Warmmiete mit Temperaturfeedback. Klingt erstmal technisch, ist aber ganz logisch: Nicht mehr Kaltmiete plus Nebenkosten getrennt denken \u2013 sondern alles zusammen. Hei\u00dft: Wer weniger heizt (z.\u202fB. unter 20 Grad), spart bares Geld. Wer st\u00e4ndig auf Kuschelmodus dreht, zahlt eben mehr. Und bei energetisch schlechten Geb\u00e4uden, die saniert werden, kann die Rechnung am Ende sogar aufgehen: gleiche Warmmiete, aber viel weniger Energieverbrauch. Jackpot f\u00fcr alle \u2013 Klima, Geldbeutel und Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Wichtig ist es auch an diejenigen zu denken, die oft vergessen werden bei den Sanierungsvorschriften: Senior:innen ohne Kreditw\u00fcrdigkeit, Einkommensschwache Haushalte. Mieter:innen, die Angst vor Sanierung und steigenden Kosten haben. \u201eJeder F\u00f6rdereuro, den wir einem Vermieter geben, darf nicht auf die Miete umgelegt werden.\u201c Das ist laut Kugler ein gutes Beispiel f\u00fcr <strong>gelebte soziale Klimapolitik<\/strong> \u2013 und genau das, was wir brauchen, wenn M\u00fcnchen <strong>klimaneutral UND bezahlbar<\/strong> bleiben soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was passiert, wenn die W\u00e4rmewende vor der eigenen Haust\u00fcr steht? 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