{"id":132497,"date":"2025-05-23T05:10:09","date_gmt":"2025-05-23T05:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/132497\/"},"modified":"2025-05-23T05:10:09","modified_gmt":"2025-05-23T05:10:09","slug":"gelsenkirchen-60er-leben-mit-roehrenfernseher-und-waehlscheibentelefon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/132497\/","title":{"rendered":"Gelsenkirchen | 60er-Leben mit R\u00f6hrenfernseher und W\u00e4hlscheibentelefon"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Gelsenkirchen (dpa) &#8211; Sie ist von Kopf bis Fu\u00df auf die 60er eingestellt, tr\u00e4gt bunte Kleidung, knallige Accessoires und eine aufwendige Frisur &#8211; alles so wie es bei den Damen vor rund 60 Jahren angesagt war.\u00a0<\/p>\n<p>Kitty Steiner lebt im Stil ihres Lieblingsjahrzehnts. Sie w\u00fcrde perfekt aufs Cover einer Mode-Illustrierten aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts passen.\u00a0<\/p>\n<p>Wer sich bei der 41-J\u00e4hrigen daheim in Gelsenkirchen oder in ihrem Friseursalon in D\u00fcsseldorf umschaut, f\u00fchlt sich auf einer Reise zur\u00fcck in die Vergangenheit.\u00a0<\/p>\n<p>Einrichtung, M\u00f6bel, K\u00fcchenger\u00e4te, Deko aus alten Zeiten\u00a0<\/p>\n<p>Vor allem die 1960er, aber auch die 50er Jahre haben es ihr angetan, sind ihr Lebensthema. \u00abMir gef\u00e4llt die Kleidung, die Frisuren &#8211; also quasi die Optik der Frauen, das Klassische, das Sch\u00f6ne. Ich mag gerne die M\u00f6bel, Design aus der Zeit, die Farbgebung, die Formgebung\u00bb, erz\u00e4hlt Kitty Steiner.\u00a0<\/p>\n<p>Und das zeigt sich auf jedem Quadratmeter in ihrem Zuhause: M\u00f6bel, Elektroger\u00e4te, Tapete, Lampen, Bilder, sogar das Wasserklosett mit Metallkette sind von ganz, ganz fr\u00fcher.\u00a0<\/p>\n<p>Die K\u00fcche ist komplett in leuchtenden Pastellt\u00f6nen gehalten, stammt original aus den 50ern. Warmes Wasser kommt aus dem Boiler. Induktionsherd? N\u00f6. Kitty Steiner kocht auf einem Sch\u00e4tzchen Baujahr 1958\/59 &#8211; und schw\u00f6rt auf das gute alte Teil.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Blick auf Regale und in Schr\u00e4nke zeigt: Neben B\u00fcgeleisen oder Staubsauger sind auch viele kleine Dinge &#8211; Dosen, Verpackungen &#8211; alte Originale. Fast alle Sachen haben schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel.\u00a0<\/p>\n<p>Alte Flimmerkiste und Oldtimer\u00a0<\/p>\n<p>Ein Telefon mit Kabel und W\u00e4hlscheibe oder auch eine alte Flimmerkiste mit Fernsehbildern in Schwarz-Wei\u00df geh\u00f6ren zum Haushalt. Die Kleiderschr\u00e4nke platzen fast &#8211; Klamotten aus den 60er Jahren leuchten in Gelb, Gr\u00fcn oder Pink durch die Glasfronten. Passende Schuhe, H\u00fcte und Modeschmuck stapeln sich.\u00a0<\/p>\n<p>Beatles und Katja Ebstein waren Antrieb\u00a0<\/p>\n<p>Schon als Kind &#8211; aufgewachsen in Sachsen &#8211; habe sie begeistert alte Schallplatten ihrer Eltern auf Omas Plattenspieler h\u00f6ren d\u00fcrfen &#8211; Katja Ebstein, die Beatles oder Shakin` Stevens. \u00abDas war so der Grundstein in diese Richtung.\u00bb Aus dem Sperrm\u00fcll habe sie als Kind alte St\u00fccke zum Spielen und Sammeln gefischt.\u00a0<\/p>\n<p>Zur Arbeit tuckert die Friseurmeisterin im VW-K\u00e4fer &#8211; nat\u00fcrlich mit Oldtimer-Kennzeichen. Manche Alltagst\u00e4tigkeiten dauern f\u00fcr sie l\u00e4nger, erz\u00e4hlt Kitty Steiner. Das gef\u00e4llt ihr. \u00abEs ist ein wenig entschleunigend.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Die fr\u00f6hliche 41-J\u00e4hrige spricht von einem Lebensthema, sieht es als Hobby. Sie habe damit viel Freude. Und: \u00abDas ist f\u00fcr mich Ausgleich. Ich bin entspannt dadurch.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Was sehen Forscher hinter Retro-Trend und Nostalgiewelle?<\/p>\n<p>\u00abDie Leute versuchen, sich bewusst ein bisschen aus der zeitgen\u00f6ssischen krisengeplagten Realit\u00e4t herauszukatapultieren\u00bb, sagt Trendforscher Eike Wenzel. Im Fachjargon: \u00abDas ist Eskapismus.\u00bb Retro-Trends gebe es in allen Zeitstufen zur\u00fcck bis in die 1950er Jahre. Unter den J\u00fcngeren k\u00f6nne auch schon beim Blick auf die Nullerjahre Nostalgie aufkommen.\u00a0<\/p>\n<p>Zentraler Faktor: \u00abEs macht vielen Menschen einfach Spa\u00df, in eine andere Zeit einzutauchen. Es ist cool, sich in vergangene Jahrzehnte zu versetzen. Man m\u00f6chte die eigene Jugend nacherleben oder die der Eltern.\u00bb<\/p>\n<p>Auch die 80er und 90er sind bei Retro-Fans gefragt<\/p>\n<p>Die 60er scheinen besonders gefragt, beobachtet der Leiter des Instituts f\u00fcr Trend- und Zukunftsforschung. Warum? \u00abDas Wirtschaftswachstum war da schon stabil, Wissenschaft und Forschung machten enorme Fortschritte, es gab noch keinen Klimawandel und man konnte positiv in die Zukunft blicken.\u00bb Aktuell gebe es aber auch einen Hype um die 80er und 90er.\u00a0<\/p>\n<p>Eine Nostalgiewelle k\u00f6nne auch eine Reaktion auf die Un\u00fcbersichtlichkeit des aktuellen Lebens sein &#8211; unabh\u00e4ngig vom Alter. Nur selten leben die Leute Forscher Wenzel zufolge aber auch tats\u00e4chlich wie in der alten Zeit, deren Mode sie tragen, Autos sie fahren oder M\u00f6bel sie bestellen.<\/p>\n<p>Kitty Steiner lebt mit Handy und Co. im Hier und Jetzt\u00a0<\/p>\n<p>Auf Handy, Laptop und Internet kann auch Kitty Steiner nicht verzichten. Das braucht sie f\u00fcr den Friseursalon oder um sich neue alte Sachen online zu kaufen oder zu ersteigern.\u00a0<\/p>\n<p>Und ihr Mann Thomas Bosbich &#8211; 50er-Jahre-Fan &#8211; kommt nicht ohne Flachbild-TV aus. \u00abEs gibt ein modernes Ger\u00e4t und das lass` ich mir auch nicht nehmen\u00bb, schmunzelt er. Auch wenn er den Flachbildschirm schon sehr h\u00e4sslich findet.<\/p>\n<p>\u00dcbers Internet werden reichlich M\u00f6bel und Mode im Vintage-Look angeboten. Denn \u00abRetro-Trends sind immer auch Konsumtrends\u00bb, wei\u00df Experte Wenzel. Und auf Social-Media-Kan\u00e4len ist so mancher Retro-Influencer unterwegs.\u00a0<\/p>\n<p>So pr\u00e4sentiert sich etwa die 26-j\u00e4hrige Shirin Altsohn (<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/shirinatra\/\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noopener\">@Shirinatra<\/a>) mit 1,2 Millionen Followern auf Instagram &#8211; in romantischen Vintage-Bildern mit schwingenden R\u00f6cken, Wespentaille und bunten H\u00fctchen von ganz fr\u00fcher.\u00a0<\/p>\n<p>Kundinnen sind ebenfalls 60er-Fans\u00a0<\/p>\n<p>In Kittys Friseursalon ist von der Trockenhaube bis zum Kaffeet\u00e4sschen alles aus den 60ern. Vor allem die Frisuren. Es wird aufwendig toupiert, w\u00e4hrend alte Schlager aus dem rosa Transistorradio dudeln.\u00a0<\/p>\n<p>Ihren Kundinnen t\u00fcrme sie die Haare gerne zur damals gefragten \u00abBanane\u00bb oder zum \u00abBienenk\u00f6rbchen\u00bb auf, berichtet Kitty Steiner.\u00a0<\/p>\n<p>Kundin Silke Schwarz gef\u00e4llt`s: \u00abSicherlich sind die Frisuren auf eine gewisse Art und Weise voll out. Wir lieben und leben das aber.\u00bb Das Ganze habe mehr Klasse, mehr Eleganz, mehr Stil, findet sie. Es gebe nur wenige Menschen, die solche alten Schnitte handwerklich richtig gut meistern k\u00f6nnten, findet Schwarz. \u00abF\u00fcr uns und unsere Szene auch ein St\u00fcck weit einzigartig.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Ein \u00abAber\u00bb zum Schluss<\/p>\n<p>Kitty Steiner liebt den Style der 60er, mag den Lebensstil &#8211; kopiert aber die Einstellungen von damals nicht. \u00abIch lebe im Hier und Jetzt\u00bb, betont die 41-J\u00e4hrige. Auch bei der Rollenverteilung daheim herrsche ausdr\u00fccklich Gegenwart. \u00abWir leben eine neuzeitliche Ehe, wir sind gleichberechtigt.\u00bb<\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gelsenkirchen (dpa) &#8211; Sie ist von Kopf bis Fu\u00df auf die 60er eingestellt, tr\u00e4gt bunte Kleidung, knallige Accessoires&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":132498,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1848],"tags":[3364,29,548,663,3934,3658,30,1724,13,2549,5013,14,15,1209,12,8169],"class_list":{"0":"post-132497","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gelsenkirchen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-gelsenkirchen","14":"tag-germany","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-headlines","17":"tag-leute","18":"tag-lifestyle","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-nordrhein-westfalen","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-trend"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114555428949058671","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=132497"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132497\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/132498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=132497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=132497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=132497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}