{"id":1336676,"date":"2026-10-07T00:28:21","date_gmt":"2026-10-07T00:28:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1336676\/"},"modified":"2026-10-07T00:28:21","modified_gmt":"2026-10-07T00:28:21","slug":"haette-tot-sein-koennen-muenchner-radfahrer-redet-klartext-nach-e-scooter-unfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1336676\/","title":{"rendered":"&#8222;H\u00e4tte tot sein k\u00f6nnen&#8220;: M\u00fcnchner Radfahrer redet Klartext nach E-Scooter-Unfall"},"content":{"rendered":"<p>Christian Schulz (64) arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten bei der WWK, die Rente ist nah. Zur Arbeit am Hauptbahnhof f\u00e4hrt er am liebsten mit dem Radl, &#8222;immer ganz gem\u00fctlich&#8220;, wie er betont. Doch vorerst muss er sein geliebtes Fahrrad ziemlich lange stehen lassen.<\/p>\n<p>Denn an einem Donnerstag Ende September verunfallte er so ungl\u00fccklich, dass er sich die rechte Schulter mehrfach brach. &#8222;Der Arm wird eigentlich nur von Haut und Muskeln gehalten&#8220;, sagt der Lebensversicherungsexperte frustriert, als wir ihn einen Tag nach dem Unfall sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Ohne zu bremsen, Vollkaracho!&#8220;<\/p>\n<p>Schulz war schon fast bei seiner Arbeitsstelle angekommen, fuhr auf der Elisenstra\u00dfe Richtung Westen. &#8222;Es waren nur noch 900 Meter. Auf einmal kam der E-Scooter aus dem Alten Botanischen Garten geschossen, etwa auf H\u00f6he des Brunnens&#8220;, erinnert er sich, &#8222;ohne zu bremsen, Vollkaracho!&#8220; Ein Scooter des Vermieters Voi war es, das erkannte Schulz. Der Fahrer? &#8222;Ein dunkelh\u00e4utiger junger Mann, er fuhr einfach weiter und sagte noch Sorry!&#8220; Da lag er schon mit gro\u00dfen Schmerzen am Randstein.<\/p>\n<p>Weiterfahrt unm\u00f6glich. Er war auf seine rechte Schulter und auf sein Gesicht gest\u00fcrzt, nachdem ihn der E-Scooter von rechts am Vorderreifen erwischt hatte. Den Arm konnte er nicht mehr heben, war kurz bewusstlos. Im Nachhinein denkt sich Schulz, wenn es ganz bl\u00f6d gelaufen w\u00e4re, &#8222;h\u00e4tte ich auch tot sein k\u00f6nnen&#8220;. Zwei Zeugen halfen ihm. Als der Rettungswagen kam, hatte er die erste Diagnose. &#8222;Es hie\u00df sofort, dass es sich wohl um einen Tr\u00fcmmerbruch der Schulter handelt&#8220;, sagt Schulz.<\/p>\n<p>Mit viel Metall die Schulter retten<\/p>\n<p>Der Versicherungsexperte versteht nicht, warum der junge Mann einfach weitergefahren ist. &#8222;Die E-Scooter von Voi sind ja versichert, er h\u00e4tte nichts bef\u00fcrchten m\u00fcssen&#8220;, sagt Schulz. Ihm stehen einige Operationen bevor. &#8222;Sie versuchen, mit Metallschiene, Prothese und Schrauben die Schulter zu retten&#8220;, sagt er. Der Frust ist ihm deutlich anzuh\u00f6ren. Urlaubspl\u00e4ne kann er vergessen.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1753483_umgefahren002-quer_artikelbild_1GNeMv_kYd8rp.jpg\" alt=\"Der von einem E-Scooter umgefahrene Christian Schulz lag noch \u00fcbers Wochenende im Krankenhaus und musste mehrfach operiert werden. Seine rechte Schulter ist mehrfach gebrochen.\" title=\"Der von einem E-Scooter umgefahrene Christian Schulz lag noch \u00fcbers Wochenende im Krankenhaus und musste mehrfach operiert werden. Seine rechte Schulter ist mehrfach gebrochen.\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Der von einem E-Scooter umgefahrene Christian Schulz lag noch \u00fcbers Wochenende im Krankenhaus und musste mehrfach operiert werden. Seine rechte Schulter ist mehrfach gebrochen.<br \/>\n      \u00a9 Daniel von Loeper<\/p>\n<p>    Der von einem E-Scooter umgefahrene Christian Schulz lag noch \u00fcbers Wochenende im Krankenhaus und musste mehrfach operiert werden. Seine rechte Schulter ist mehrfach gebrochen.<\/p>\n<p>von Daniel von Loeper <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>&#8222;Ich glaube, dass vielleicht viele Leute, die neu in Deutschland sind, die Regeln rund um die E-Scooter nicht kennen&#8220;, sagt Schulz und betont: &#8222;Nicht falsch verstehen, ich w\u00e4hle nicht die <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/alternative-fuer-deutschland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">AfD<\/a> und habe viele, sehr viele Freunde mit Migrationsgeschichte.&#8220; Und die Konsequenz: &#8222;Ich w\u00fcrde die Pariser Linie fahren. Keine E-Scooter in der Innenstadt. Hier f\u00e4hrt doch alle paar Minuten ein Bus, dazu Tram, U-Bahn sowie S-Bahn. Wozu E-Scooter?&#8220;<\/p>\n<p>Der Unfall wird Schulz monatelang besch\u00e4ftigen. Er denkt auch an seine Mitmenschen. &#8222;Was, wenn ich jetzt nicht zuf\u00e4llig langj\u00e4hriger Mitarbeiter der WWK kurz vor der Rente w\u00e4re und stattdessen Mitte 30 und selbstst\u00e4ndig? Meine Familie und ich, wir w\u00fcrden vor Existenzproblemen stehen&#8220;, sagt Schulz.<\/p>\n<p>Gemischtes Bild in der Unfallstatistik<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/polizei\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polizei<\/a> best\u00e4tigt den Vorfall an der Elisenstra\u00dfe, bei dem Christian Schulz verungl\u00fcckt ist. Aber man wolle nichts dazu sagen, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Die Sprecherin verweist auf die M\u00fcnchner Jahresbilanz &#8222;Sicherheitsreport 2025&#8220;. Hier seien auch die E-Scooter-Unf\u00e4lle aufgef\u00fchrt. Bl\u00e4ttert man auf Seite 156, ist ein sprunghafter Anstieg bei Unf\u00e4llen mit E-Scootern zu sehen.<\/p>\n<p>639 polizeilich registrierte Unf\u00e4lle z\u00e4hlte man im Raum M\u00fcnchen im Jahr 2025. Ein Jahr zuvor waren es 499. Das ist ein Anstieg um 28,1 Prozent. 583 Personen wurden dabei verletzt. H\u00e4ufigste Unfallursache: &#8222;verbotswidrige Benutzung der Fahrbahn oder anderer Stra\u00dfenteile&#8220;. 143 Mal folgte daraus ein Sturz oder eine Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern. Die zweith\u00e4ufigste Ursache: E-Scooter-Fahren unter Alkoholeinfluss (101 Unf\u00e4lle), 66 hiervon am Wochenende.<\/p>\n<p>Es ist die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Zunahme an <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/thema\/verkehrsunfaelle\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verkehrsunf\u00e4llen<\/a> im Vergleich zu Fu\u00dfg\u00e4ngern (minus 0,5 Prozent) sowie Radlern (plus 2,4 Prozent). Doch zum Gesamtbild geh\u00f6rt auch: Betrachtet man die absoluten Zahlen von 2025, sind es die wenigsten Unf\u00e4lle im t\u00e4glichen Stra\u00dfenverkehr M\u00fcnchens. 639 E-Scooter-Unf\u00e4lle sind registriert, jedoch 3520 Unf\u00e4lle mit Radlern sowie 970 Unf\u00e4lle mit Beteiligung von Fu\u00dfg\u00e4ngern.<\/p>\n<p>&#8222;Den Bedarf f\u00fcr E-Scooter gibt es&#8220;<\/p>\n<p>Nun m\u00fcsste der Unfall von Christian Schulz wohl im n\u00e4chsten Bericht in zwei Statistiken auftauchen, bei den Radler-Unf\u00e4llen und auch bei den E-Scooter-Unf\u00e4llen. Doch gefragt werden muss auch, wie solche Unf\u00e4lle im Alltag wahrgenommen werden. Ein Anruf an der politischen Basis der Maxvorstadt, bei der Bezirksvorsitzenden Svenja Jarchow-Pongratz (Gr\u00fcne).<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal zeigt sich die Bezirkschefin schockiert \u00fcber die Folgen des Unfalls von Christian Schulz und hofft auf schnelle Genesung. &#8222;In den Sitzungen sind das r\u00fccksichtlose Abstellen und auch das fahrl\u00e4ssige Fahrverhalten immer wieder ein gro\u00dfes Thema&#8220;, sagt Jarchow-Pongratz. Aber der Bedarf nach E-Scootern in der Innenstadt sei schon da. &#8222;Leute nutzen die Fahrzeuge auch bei gro\u00dfer Hitze, um nicht verschwitzt bei einem Gesch\u00e4ftstermin anzukommen&#8220;, sagt sie. Ein E-Scooter-Verbot in der Innenstadt sieht sie eher skeptisch.<\/p>\n<p>In Finnland sind E-Scooter zeitweise verboten<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr eine st\u00e4rkere Regulierung scheint Jarchow-Pongratz offen zu sein. Sie nennt das Beispiel Helsinki. &#8222;Dort fuhren sehr viele Menschen betrunken auf den Leih-Scootern. Deshalb wurden sie in den Abendstunden am Wochenende verboten&#8220;, sagt sie. Auch neue Abstellfl\u00e4chen m\u00fcsse man gut arrangieren und schaffen, damit keiner \u00fcber die Fahrzeuge stolpere. Auch sie selbst nutze E-Scooter hin und wieder, &#8222;f\u00fcr den letzten Kilometer&#8220;, sagt die Bezirkschefin.<\/p>\n<p>F\u00fcr Christian Schulz ist das alles nat\u00fcrlich wenig Trost. Er hatte einfach viel Pech, so wirkt es. Nicht jeder E-Scooter-Fahrer ist schlie\u00dflich so fahrl\u00e4ssig und r\u00fccksichtslos wie der Mann, der ihn mit dem beliebten Elektrogef\u00e4hrt vom Fahrrad gesto\u00dfen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Christian Schulz (64) arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten bei der WWK, die Rente ist nah. 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